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von 27.01.2011

taz Hausblog

Wie tickt die denn? Der Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Die taz titelt heute zum Ausscheiden von Rainer Langhans aus dem RTL-Dschungelcamp: „So mies lief der Rainer-Rauswurf“. Die Unterzeile lautet: „Zu alt! Zu menschlich! Zu cool! Warum Langhans wirklich aus dem Dschungelcamp vertrieben wurde – die ganze Wahrheit auf Seite 14“. Mit dem Titel hat die taz den Unmut vieler Leser auf sich gezogen. Helma F. reicht es:

Heute kündige ich mein Abbo nach knapp 10 Jahren. Wenn ihr so gerne wie die Bild Zeitung sein wollt, dann sucht Euch die entsprechenden Leser. Dann müsste allerdings auch Euer Preis sinken und nicht nur Euer Nieveau.

Gerd B. schreibt:

Eine taz, die glaubt, mit einem Tagedieb (dafür halte ich R. Langhans) aufmachen zu müssen, schätze ich nicht. Ich reduziere meinen Abopreis ab sofort vom politischen Preis (den braucht es für so etwas nicht) auf den Normalpreis.

Auch Joachim K. zieht Konsequenzen:

Für Kakerlaken-Geschreibsel nach Bildzeitungsmanier möchten wir nicht mehr den politischen Preis für unser TAZ-Abo bezahlen. Also: ab April bezahlen wir zukünftig den normalen Abo-Preis.

D. Hartmann-Lange aus Tübingen fühlt sich beim taz-Titel an die Aufmachung einer großen deutschen Boulevardzeitung erinnert:

Was um alles in der Welt habt ihr euch bei diesem Titelaufmacher gedacht? Er hat mir fast den Frühstücksappetit verdorben. Welcher TAZ-Leser interessiert sich für Rainer Langhans oder das blöde Dschungelcamp? Da kann ich mir gleich die BILD-Zeitung kaufen, die können Boulevard besser. Schade um den kostbaren, teuren (und sonst oft hervorragend genutzen) Platz auf der ersten Seite!

Andreas Harder-Matern aus Offenburg stört sich insbesondere an der prominenten Platzierung des Themas:

So langsam hört der Spaß auf. Eine Berichterstattung über uninteressante, irrelevante und letzten Endes rein kommerzielle Fernsehsendungen im Privatfunk auf den hinteren Seiten der TAZ stören mich nicht. Ich kann mich insgeheim mit einem hämischen Lächeln sogar daran erfreuen. Aber der heutige TAZ-Titel unterbietet alles, was ich bisher in der TAZ gelesen habe.

W. Härtig aus Mülheim an der Ruhr meint:

Ich bin entrüstet und sehr enttäuscht über die TAZ! Was soll dieser Aufreisser? Wen interessiert was Langhans macht? Schon in den 60iger Jahren war Langhans völlig indiskutabel. Sie sind bereits auf BILD-Niveau! Schade! Was erstaunlich ist, Ihre online-Redaktion scheint noch nicht angesteckt zu sein, denn da ist die erste Nachricht Ägypten, was ja auch der aktuellen Berichterstattung entsprechen sollte.

Klaus Schmidt-Bucher aus Wenden in Nordrhein-Westfalen schreibt:

Was hat Euch denn da geritten, Langhans und Dschungelcamp auf die erste Seite zu setzen? Die beiden Mädels mit ihren Kommentaren waren doch schon nervig genug. Bei diesem Thema ward Ihr nun wirklich nicht gut beraten! Ein Vorschlag zur Güte: die hierfür verantwortlichen Kasper setzen sich bei Langhans aufs Schößchen und lassen die anderen wieder sinnvolle Zeitung machen!

Antje B. meint:

Liebe TAZ-Redaktion,
als langjährige TAZ-Abonnentin möchte ich Euch heute erstmals schreiben. Immer noch und immer wieder lese ich Eure/unsere Zeitung gern, schätze die Kommentare, Auslandsberichte und die Nähe zur Umwelt- und Anti-AKW-Szene. Umso empörter bin ich über das heutige Titelfoto von Rainer Langhans plus Kakerlaken! Ich empfinde es als infantil und populistisch, die Ausgabe mit so einem Trashthema aufzumachen, während in Ägypten eine begeisternde, seid Jahrzehnten nicht dagewesene Freiheitsbewegung entsteht!
Ich wünsche mir mehr Abgrenzung vom Boulevard!
Eure treue Leserin

Viel Lob bekommt die Redaktion dagegen von Sybille Haupt aus Göttingen:

Endlich hat eure Wahrheitsseite das Titelblatt der TAZ erobert. Da sie schon seit Jahren meine Lieblingsseite ist, bin ich restlos begeistert. In den letzten Tagen wurden meine voyeuristischen Bedürfnisse, dank RTL-Dschungelcamp voll befriedigt. Der Abend vor dem Fernseher wurde zum köstlichen Amüsement und der tägliche Kommentar zweier Haremsdamen in der TAZ gab noch ordentlich Zucker dazu. Jetzt weiß ich endlich, wie das echte Leben (im Falschen) läuft und glaube wieder an ungespielte, authentische Gefühle. Und natürlich auch wieder an investigativen und unbestechlichen Journalismus, der kernig die wichtigen Dinge des Weltgeschehens auf den Punkt bringt. Danke!

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http://blogs.taz.de/hausblog/2011/01/27/abo-kuendigungen_wegen_dschungelcamp-titelseite/

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kommentare

  • Ab und zu mal so eine richtig schöne Aufregung soll angeblich vor Verkalkung schützen.

    Vielleicht, liebe, schon in die Jahre gekommene taz-Abonnenten der ersten Stunde und jetztige taz-Abo-KündigerInnen, wollte die taz ja nur etwas Gutes für Eure körperliche und geistige Gesundheit tun?

    Das finde ich ganz schön fürsorglich! ;-)

  • Eine großartige Ausgabe der taz heute! Das sage ich als Abonnent der ersten Stunde, der sich über 80-Zeilen Dschungel-Trash täglich köstlich amüsiert hat und erst recht über den heutigen Titel – aber ansonsten alles findet was zu einer 1a Qualitätszeitung gehört: Aktuelles aus Ägypten, über den Defensiv-Baron, eine ungehaltene Anti-Kriegs-Rede Ströbeles, ein tolles Interview mit der großartigen Marianne Faithfull – und zum Schluß ein witziges Gedicht zum GorchFock-Desaster. Danke dafür an die ganze Redaktion – eine solche Mischung wünsche ich mir täglich !!!

    Wer wegen dieser Ausgabe kündigt hatte es ohnehin schon vor & sucht nur einen passenden Anlass; oder aber ist derart humor,- und denkbefreit, dass eine derart anspruchsvolle Zeitung auf derart dämliche Leser gut verzichten kann.

  • Die Rechtfertigungen der Abo-Kündigunger zeigen vor allem eins: Viele taz-Abonnenten sind über die Jahre alt und verknöchert geworden, spießiges Establishment, heimliche CDU-Wähler. :o)

  • Liebe taz-Leser!
    als ich heute morgen die Zeitung aus dem Briefkasten fischte musste ich sofort laut lachen…da will mal wieder jemand die LeserInnen ein bisschen ärgern. Und warum? Weil diese sich gar so empörten über die Seitenverschwendung im Zuge des Langhans-Interviews vor einigen Wochen. Richtig so, empört euch!!! Über Guttenberg, über die Kopfpauschale, über eine manchmal zu populistische taz! Aber über einen eindeutig satirischen Titel? Ich fand es schön mal wieder so früh morgens erheitert zu werden.
    Danke, liebe Taz

  • @ wuff

    Die Seite „Abo-Kündigungen wegen Dschungelcamp-Titelseite“ hat wer eingerichtet?

    [ ] Sebastian Heiser/taz

    [ ] Die „Kündiger“

  • Mensch, Leute, beruhigt euch. Das ist praktisch angewendete Medienkritik.
    Aber wie sagte schon Tucholsky:
    „Wenn in Deutschland einer einen Witz macht, sitzt die andere Hälfte auf dem Sofa und ist beleidigt.“

  • Interessant zu sehen, dass ich nicht alleine bin. Mein erster Gedanke, nachdem ich die taz heute morgen aus dem Briefkasten gezogen hatte, war: Heute kündigst Du endlich. Danke für den letzten Tropfen …

    Das Problem ist übrigens nicht die (angebliche) Satire, sondern das vollkommen unwichtige und uninteressante Thema. Who-the-#### ist Rainer Langhans und what-the-#### macht der auf der Titelseite ‚meiner‘ tageszeitung? Und das, während es gleichzeitig spannendes aus Tunesien und Ägypten zu berichten gibt. Ist das die neue, flexiblere Ausrichtung des Budgets für KorrespondentInnen? RTL-Alt68er-Trash-Kitsch statt relevanter Themen?

  • Ach nun. Wieviele Abos sind denn tatsächlich wegen der Dschungelcamp-Berichterstattung gekündigt worden?

    Und die Genossenschaft wächst ja munter weiter…

    Ich glaube nicht, dass der Weg, den die taz geht, falsch ist.
    Ein satirische Titelblatt, na und? Das ist doch nichts Neues. Wer darüber nicht lachen mag und/oder den tieferen Sinn dahinter nicht sehen kann oder will, läßt es halt bleiben.

    Mein Eindruck ist: In den letzten Monaten ist die taz deutlich reflektierter, kritischer und differenzierter geworden. Nicht mehr so explizit links, was der Qualität der Berichterstattung sehr gut tut.
    Journalistische Fehlgriffe der Extraklasse sind natürlich auch immer mal wieder dabei, aber die positiven Aspekte überwiegen bei Weitem.
    Das könnte eventuell mit dem Personalwechsel in der Chefredaktion zusammenhängen(nur eine Vermutung).
    Schrott ist natürlich auch immer mal wieder dabei, aber die positiven Aspekte überwiegen.

    Ich meine: Liebe taz, weiter so!

  • Da bleibe ich doch lieber beim kostenlosen Online-Angebot anstatt ein vorgesehenes Digi-Abo abzuschließen.
    Kostenlos geht die taz gerade noch (war früher mal anders – ehemaliger Abonnent und ehemaliger taz-Genosse)

  • Ein Drecksblatt ist die TAZ schon länger, vor allem wenn man sich die polemischen Hetzartikel zu Sportschützen und generell Waffenbesitzern anschaut.

  • Naja, er Titel war ja in dieser Aufmachung offenkundig satirisch gemeint, und Humor war noch nie der taz-Leser größte Gabe.

    Die Satire auf andere Medien ist aber sinnlos, wenn man selbst Teil davon ist, siehe die doofe Kolumne der Haremsdamen.

    Daher kann ich die Empörung in diesem Fall sogar verstehen.

  • Herrje…

    Zugegebenerweise lese ich die Titelseite meist zuletzt, da ich die taz normalerweise mit dem Touché beginne und da ich meinen Bus heute morgen verpasst habe, habe ich die taz noch gar nicht gelesen. Aber so ganz verstehe ich die aufgeregten Abonnenten nicht wirklich. Es gibt Satire, die sich erst beim Lesen offenbart und es gibt solche Titelseiten wie heute, die davor triefen. Deswegen ein Abo zu kündigen, halte ich doch für arg überzogen und wer als Abonnent nicht weiß, dass die Titelseite nicht immer ganz ernst gemeint ist, dem ist meines Erachtens auch nicht mehr wirklich zu helfen…

    Meiner Meinung nach ist eine taz-Titelseite genau dann gut, wenn ich lachen muss, auch und gerade, wenn es mir im Halse stecken bleibt. Also weiter so!

  • Liebe taz, es bestätigt sich leider die Tendenz, dass ihr immer mehr zu einem Drecksblatt werdet. Hätte ich ein Abo würde ich es kündigen, habe ich aber nicht, Glück gehabt.
    Ihr kostenloses Online-Angebot werde ich natürlich weiterhin nutzen. :P

    Wie sagte der große Erich Gruschka „Sich im Internet über Alternativen informieren“, in diesem Sinne, arme TAZ.

  • Hallo,

    Thomas P. (34) ist taz-Genosse und natürlich Abonnent. Und das bleibt er auch. Der Internetaktivist aus München dazu zur BILD: „Sehen wir das Positive: Ein Oben-Ohne-Foto auf Seite 1 von einem Mann. Die taz gendert besser als BILD“.

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