von 31.01.2011

taz Hausblog

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Es stand am 8. Januar in der sonntaz: In Finnland lebte in den 1940er Jahren ein Hund, der von seinen Besitzern bisweilen „Hitler“ genannt wurde, eine Pfote zum „Führergruß“ erheben konnte, in Wahrheit aber „Jackie“ hieß. Und dass diese Tatsachen die Nazis so erregten, dass sie gegen den Hundebesitzer Tor Borg vorgingen, nach Zeugen für die ungeheuerliche Beleidigung Adolf Hitlers suchten und danach trachteten, die Firma Tor Borgs zu ruinieren. Die Akten zu dieser Fußnote der NS-Herrschaft fand die sonntaz im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts in Berlin.

Doch das stand nicht nur in der sonntaz. „Nazi dogged by Hitler-mocking mutt“, schrieb der New Zealand Herald, „The dog that insulted Hitler“, berichtete der britische Independent, „Hitler-mocking dog enraged Nazis“, meldete die Straits Times in Singapur.

Die sonntaz hatte nämlich die skurrile – und exklusive – Geschichte an die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) weitergegeben. Mit überwältigendem Echo: Von der britischen BBC über Washington Post und Jakarta Post in Indonesien bis zur Jerusalem Post – die halbe Welt amüsierte sich über den AP-Korrespondentenbericht.

Und schon bald entwickelte die Geschichte vom „Hund Hitler“ ein seltsames Eigenleben. Ein Onlinemedium übernahm sie etwa vom Daily Telegraph im Glauben, der sei Auslöser der Nachricht gewesen. Das fanden die „Yahoo-Nachrichten“ wiederum so interessant, dass sie die Geschichte ins Deutsche zurückübersetzten.

Der Berliner Kurier fügte ein Zitat aus angeblichen Archivdokumenten hinzu, die gar nicht existieren. Der Tagesspiegel wusste zusätzlich zu erzählen, dass „Hitler vor Wut tobte“ – obwohl nicht bekannt ist, ob der „Führer“ von der Affäre überhaupt Kenntnis erhielt.

Nur ein einziges Blatt machte sich die Mühe, mit dem sonntaz-Autor selbst zu sprechen. Das war die New York Times, die beste Zeitung der Welt. „Hund Hitler“ hat übrigens seit einigen Tagen einen eigenen Wikipedia-Eintrag.

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