„Strikte Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen“

Ines Pohl

Ines Pohl

Im Medienmagazin von RadioEins hat Moderator Jörg Wagner mit taz-Chefredakteurin Ines Pohl über die jüngste BILD-Anzeige in der taz gesprochen. Wir dokumentieren hier den entsprechenden Auszug aus dem längeren Interview (Download als mp3), in dem es zuvor um Zynismus in Medien ging:

Jörg Wagner: … Und als hätte man noch ein Beispiel gebraucht, hat die BILD-Zeitung in der taz eine Anzeige geschaltet mit einem geklauten Text von Judith Holofernes von „Wir sind Helden“. Ist das nicht auch zynisch, dass man zum Streikbrecher wird als taz?

Ines Pohl: Streikbrecher verstehe ich nicht, warum Streikbrecher?

Jörg Wagner: Na ja, in diesem Text wird ja eindeutig klar, dass Judith Holofernes eine Werbekampagne ausschließt für die BILD-Zeitung. Dieser Text wurde als Werbeanzeige geschaltet und ihre eigene Haltung wird damit paralysiert. Das ist wie wenn man streikt und dann gehen doch Arbeiter ins Werktor. Die Botschaft ist: Du kannst sagen, was Du willst, Du wirst – unabhängig von Deinem Willen – eingespannt für eine Werbekampagne. Und da hat die taz mitgeholfen.

Ines Pohl: Nein, ich sehe das ganz anders. Zum einen vorweggeschickt: In der taz ist wie in jedem anderen ordentlichen Zeitungshaus eine strikte Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen. Die Redaktion verfügt gar nicht über die Hoheit, zu entscheiden, ob eine Anzeige erscheint oder nicht, wenn die Anzeige – das ist im Redaktionsstatut der taz festgeschrieben – nicht rassistisch, sexistisch oder kriegsverherrlichend ist. Diese Kritierien treffen bei der Anzeige nicht zu. Deshalb liegt die Verantwortung für das Schalten dieser Anzeige wirklich in der Verantwortung des Verlages. Zum Inhalt der Anzeige muss man sagen: Der Brief von Holofernes war ja in der Öffentlichkeit. Es ist nicht so, dass da urheberrechtliche Grenzen meiner Meinung nach überschritten wurden. Sie hat den selber ins Internet gestellt, er wurde zehntausenfach geklickt, es ist ein Supertext. Ich kann natürlich auch sagen, sie hat dadurch noch eine ganz andere Aufmerksamkeit gekriegt, dass die BILD-Zeitung dafür gezahlt hat, dass der ganze Text auf einer ganzen Seite abgedruckt wird. Ich verstehe es schon, dass man es kritisieren mag, dass es der BILD-Zeitung darüber gelingt, über diese Finte, dass sie sagt: Danke, dass Sie sogar unbezahlt Werbung machen – dass man das kritisiert. Aber nochmal: Das liegt in der Verantwortung des Verlages und so belassen wir das auch. Und was wir auch gemacht haben, und das haben die aufmerksamen taz-LeserInnen gesehen: Wir haben auf einer ganzen Seite ein Interview mit ihr abgedruckt, wo sie nochmal diesen Brief erklärt, aber auch konkret Stellungt beziehen kann und auch die Anzeigenschaltung kritisiert. Da sind wir transparent. Das (die BILD-Anzeige, d. Red.) ist auch durchaus im Haus umstritten: Es ist nicht so, dass alle Kolleginnen und Kollegen das richtig finden. Aber wenn wir immer nach der Meinung des Hauses gehen – das darf ich hier auch sagen, so transparent sind wir – hätten wir gar keine Anzeigen. Und ich persönlich bin froh, dass Anzeigen ein bisschen Geld in den Säckel spülen, weil wir sind immer knapp bei Kasse. wir werden von dieser BILD-Anzeige ungefähr 10.000 Euro übrig behalten, davon kann ich vier, fünf, sechs wichtige Recherchen finanzieren und insofern geht die Rechnung für uns auf.

Jörg Wagner: Also ist das tatsächlich eine Bestätigung des alten Spruchs: Jeder hat seinen Preis? Auch die taz?

Ines Pohl: Richtig ist, dass der Platz in der taz – im Printprodukt wie auf der Online-Seite – seinen Preis hat. Ja, den kann man kaufen, um Anzeigen zu schalten.

Jörg Wagner: Auch wenn er – und das wäre jetzt mein Vorwurf – persönlichkeitsrechtsverletzend ist, weil offenbar – und das kam ja in dem taz-Interview mit Judith Holofernes raus – sie sich wundert, dass die taz da mitmacht. Das ist noch etwas anderes als eine Vervielfältigung des Textes. Hier wird geworben, ausdrücklich geworben, mit einem Text, in dem sie sagt: Sie möchte nicht, dass mit ihr geworben wird.

Ines Pohl: Das ist diese Brechung, das hat schon fast etwas Masochistisches, richtig. Das muss sie klären, im Zweifelsfall kann sie gegen den Springer-Verlag klagen. Sie hat begründet, warum sie das nicht macht. Aber nochmal: Das ist Entscheidung des Verlages und nicht der Redaktion, da müssten Sie mit unserem Verlagsleiter sprechen. Und ich mache mir da nicht nur einen schlanken Fuß: Ich finde es richtig. Ich finde es auch ganz wichtig, dass Redaktion und Anzeigen getrennt sind. Wir fordern das immer ein, wir bekritteln in ganz vielen anderen Verlagen, dass das nicht der Fall ist. Dass jemand sagen kann: Ein Atomkonzern schaltet in Ihrer Zeitung für eine Million über das Jahr verteilt Anzeigen, wenn Ihre Redaktion entsprechend berichtet. Das läuft in der taz so nicht. Herr Ruch, unser Geschäftsführer, hat uns null in Inhalte reinzuregieren und genausowenig habe ich als Chefredakteurin bei seiner Entscheidung, was das Schalten von Anzeigen angeht, mitzusprechen. Und das mag im Einzelfall schmerzvoll sein, aber das ist gut so und dazu stehe ich hundertprozentig. Weil nur diese klare Trennung garantiert langfristig unsere journalistische Unabhängigkeit.

Siehe auch

– Was der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG zu der Anzeige sagt

– Judith Holofernes spricht im „Kölner Treff“ des WDR mit Bettina Böttinger über die BILD-Zeitung

– Judith Holofernes spricht in den Interviews mit der taz und der österreichischen Presse über die BILD-Anzeige.

– Das komplette RadioEins Medienmagazin von Samstag u.a. mit Hajo Schumacher und Dieter Wonka.

Kommentare (55)

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  1. @“Ich“

    Grundsätzlich freue ich mich auch, wenn die taz gegen viel Geld Anzeigen von der Bild-Zeitung oder anderen fragwürdigen Unternehmen veröffentlicht. Ich denke, die taz-Leser sind hinreichend resistent gegen die Inhalte dieser Werbung und es spült Geld aus „bösen“ Kassen in die „gute“ Kasse der taz.

    Aber in diesem Fall hat die taz (okay, entschuldige, das war natürlich der taz-VERLAG, wie uns Frau Pohl oben ausführlich erklärt … das ist natürlich ganz etwas anderes und das wollen wir nicht durcheinander bringen) die Bild dabei unterstützt, der erklärten Wunsch von Judith Holofernes zu unterlaufen, eben NICHT Teil dieser Bild-Werbekampagne zu werden. Und das finde ich schäbig – egal wer es tut. Und wenn es die taz (ja, okay, natürlich der taz-VERLAG, ‚tschulligung Frau Pohl) tut, dann finde ich das einfach besonders enttäuschend, weil es meiner Meinung nach den ethischen Werten widerspricht, für die die taz (und auch der taz-Verlag!) steht bzw. stehen sollte.

    Es grüßt Euch: Stoffel

  2. Die taz berichtet kritisch über die BILD. Sie macht ein Interview mit Judith Holofernes. Sie weist auf das Interview auf der Titelseite hin. Sie dokumentiert den offenen Brief. Und kassiert dafür von der kritisierten BILD auch noch richtig Schotter. Mit dem Geld werden weitere Recherchen finanziert. Da kann ich als Abonennt nur sagen: Weiter so! Und wenn jetzt RWE&Co erklären, warum Atomkraft ungefährlich ist und wieder Geld rausrücken: Immer her damit, die taz macht damit garantiert Sinnvolleres als der Springer-Verlag. Wer da Bauchschmerzen hat, soll selber ganzseitige Anzeigen schalten bis die taz kein Geld mehr braucht.

  3. TAZ AUFWACHEN–ANTWORTEN!!! SONST AKUTEN LESERSCHWUND!!

  4. esquire, genau die Gedanken hatte ich gestern auch.
    Nur hinsichtlich Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit sehe ich doch erhebliche Unterschiede zwischen Herrn Heiser und Frau Pohl.

    Passt vielleicht nicht unbedingt, aber ich fand‘ ganz interessant:

    Der GAU wird nach der Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse als INES 7 bezeichnet…

  5. Naja, jetzt wurde ja ausreichend Workshop-Spam hier verbreitet, dass dieses schwarze Kapitel verschwunden ist, und Herr Heiser und Frau Pohl weiter schweigen können – und selbsgerecht die Mär von der schönen, transparenten taz aufrechterhalten.

  6. In der Tat, die Taz hat nicht schnell genug geschaltet und zu schnell die Anzeige geschaltet. Nachdem Frau Holofernes in ihrem offenen Brief sehr schön die Instrumentalisierung einer kritischen Haltung durch die Bild-Zeitung herausgearbeitet hatte, die in den pseudo-kritischen Werbe-Statements der Prominenten als Verfremdungseffekt steckt, wird sie nun hinterrücks gerade deswegen und – für die Bild in der Wirkung umso authentischer – zur unfreiwilligen Zielscheibe für ebendiese Masche. Dass die Taz dazu die Hand reicht, ist nicht, wie man oben bei Frau Pohl vielleicht herauslesen könnte, eine weitere ironische, bloß formale, ästhetische Brechung desselben Vorgangs, sondern eine handfeste Niederlage. Wie Frau Holofernes schon schrieb: das Medium ist die Mitteilung, im Falle der Taz, gekauft von der Bild, gilt das in besonderem Maße: es steigert die von der Bild angestrebte, perfide Wirkung. Es unterstreicht, dass in diesem Spielt nicht gewinnt, wer als letzter mit Witz, Charme und Argumenten den letzten Turn der Kommunikation hinkriegt, sondern wer sich im Zweifelsfall die vorgeblich kritischen Leute und Blätter schlichtweg einkaufen kann. Wer also, wie die Bild, die Deutungshoheit (die sie in diesem Land ohnehin hat) auch über die Kritik an sich im Zweifelsfall einfach zurückkaufen kann. Die Taz verliert dabei mehr Kapital, als sie an Finanzkraft gewinnt.
    Das betrübt mich sehr.

  7. Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung ist gut – jedenfalls, so lange dabei nicht Pannen wie diese hier passieren.

    Ob es richtig war, diese Anzeige abzudrucken, ist eine ganz andere Frage. Ich denke, es war falsch. Aber das haben nicht Sie verbockt, das hat dieser Verlag verbockt. Okay, hab ich verstanden.

    Ihre Interpretation des deutschen Urheberrechts erscheint mir ziemlich originell – vor allem für eine Angehörige der schreibenden Zunft. Naja, wenn Sie damit alle Inhalte der TAZ-Seiten im Web zu public domain erklären hat sicher kein Nutzer etwas dagegen – ich hoffe nur, Sie haben sich zumindest diesmal mit Ihrem Verlag abgestimmt.

    Es grüßt Euch: Stoffel

  8. Mir geht es ähnlich. Vor ein paar Wochen habe ich ernsthaft überlegt, Genossin zu werden.
    Aber unter diesen Umständen – nein danke.
    Teilhaberin einer von Doppelmoral, Scheinheiligkeit und offensichtlichen Dummheit geprägten Zeitung möchte ich dann doch lieber nicht werden.

    Sorry, taz, Ihr seid wirklich zu doof – sowohl Verlag als auch (Chef-)Redaktion
    Der kleine Einblick, den Fr. Pohl hier gegeben hat, ist durchaus interessant, aber letztlich von nachgeordneter Relevanz.
    Mir als Leserin ist es doch scheißegal, WER nun für das, was ich in der taz vorgesetzt bekomme, verantwortlich ist. taz ist taz, daran gibt es nunmal nichts zu rütteln.

    Ein bisschen weniger Gier nach dem schnell mal abgestaubten Geld und ein bisschen mehr vorausschauendes und reflektiertes Denken würde Euch allen sicher ganz gut bekommen – und zwar nicht nur Donnerstags zwischen 13:00 und 13:02 Uhr.

  9. Im Anschluss an den Kommentar von hdn: Ich hatte mich meinerseits gerade erst dazu entschlossen, taz-Genossin zu werden, und habe meine Entscheidung nach der Veröffentlichung der BILD-Anzeige revidiert. Wenn nur wenige weitere Personen – egal ob bezüglich eines Abos oder der Genossenschaft – in dieser Sache ähnlich gedacht und entschieden haben, sind die EUR 10.000, die die Anzeige in die taz-Kasse gespült hat, auf diesem Wege gleich wieder flöten gegangen. Und ich gehe davon aus, dass dem so ist, wenn ich mir das Gros der Kommentare anschaue … Das hätte man doch wirklich vorhersehen können. Als Anzeigenleiter ebenso wie als Redakteur. Wie dumm! Und inhaltlich eine echte, schwerwiegende Enttäuschung.

  10. Für mich hat sich das Thema taz damit erstmal erledigt.

  11. In Bezug auf die Person Ines Pohl schwanke ich zwischen Mitgefühl und Fassungslosigkeit.
    In einem anderen Blog fiel der Begriff der kognitiven Dissonanz.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz
    Scheint hier sehr zutreffend zu sein.

    Tja, Chefredakteurin bei der taz ist sicherlich kein einfacher Job. Bin gespannt, ob die Frau es doch noch packen wird oder ob sie demnächst völlig abdriftet. Tendenzen zu letzterem scheinen mir durchaus erkennbar.

  12. Sehr interessant, dass journalistische Freiheit so definiert wird, das die Redaktion nicht auf die Anzeigen einflusst nimmt. Eine echt lächerliche und traurige Begründung. Da zeigt sich, wie der neoliberal verhunzte Freiheitsbegriff auch bei den Linksliberalen einzug hält. Man muss eigentlich keine Worte über die Qualität und vor allem die Ausrichtung der BILD verlieren, aber sich von der Geld zustecken zu lassen mithilfe einer ekelhaften Kampagne, das hätte ich selbst der TAZ nicht zugetraut. Und vor allem nicht so eine westergewellte Begründung.
    In die Ecke, 5 Minuten schämen!

  13. Pingback: World Wide Wagner – Medienmagazin vom 05.03.2011

  14. es ist einfach nur peinlich, dass hier niemand, weder frau pohl noch herr heiser, direkt auf kritik oder fragen reagieren. wozu dann dieser blog? der hat den charakter von statischen pressemitteilungen. da geht es ja selbst bei bild.de transparenter zu.

  15. Die Angelegenheit mit der Anzeige war peinlich genug.
    Was Frau Pohl zum Thema von sich gibt, macht die ganze Sache noch peinlicher.

    Die Zusammenfassung von Pohls Ausführungen:

    Die Frau hat offenbar nicht wirklich begriffen, was Urheberrecht eigentlich sein soll. Das legt sie hier eindrucksvoll dar. Aber immerhin weiß sie, plagiieren im Rahmen einer Dissertatin, das darf man nicht. In solchen Fällen kann sie prima schimpfen und um sich hauen (siehe ihre Kommentare zur Causa Guttenberg).
    Ferner weiß die erstaunte Leserschaft jetzt: Frau Pohl hat nichts mit der Bild-Anzeige zu tun. Sie ist unschuldig. Der böse Ruch war’s.

    Toll. Ganz toll. Das Geld für die Bild-Anzeige sollte vielleicht verwendet werden, um der Chefredakteurin einen professionellen Medienberater o.ä. zur Seite zu stellen.

  16. @ lex

    Ich glaube schon, dass Einträge hier im Blog seitens der Chefredaktion durchaus beachtet werden.
    Besonders, wenn Sie gut „weiterverwertet“ werden können.
    Schließlich findet Frau Pohl selbst offenkundig überhaupt nichts dabei, Ideen und Texte anderer zu übernehmen…
    Bin vor ein paar Tagen auf Folgendes gestoßen:

    http://blogs.taz.de/hausblog/2011/02/23/wir_haben_abgeschrieben/#comment-6387

    Unfein. Aber in der taz kann man sich Ghost-Ideenentwickler nicht leisten und so macht es natürlich Sinn, sich sogleich im hauseigenen Blog zu bedienen.

  17. Interessante Auslegung des Redaktionsstatuts: Solange nicht die Anzeige selber rassistisch oder sexistisch ist, darf man für ein sexistisches oder rassistisches Produkt werben.

  18. Man wird sicher auch bei der taz langsam gemerkt haben, dass das ein fehler war. Doch was wolln wir jetz machen? Frau Pohl sollte dies einfach zugeben um weitere Streitereien zu verhindern. Kai D. freut sich bestimmt echt drüber und genau das ist der Grund, warum man es jetzt einfach lassen sollte.

  19. pfffffffft! das geht auch anders. Sorry.

  20. Es geht darum nicht ums Geld oder ob die Anzeige der Bild nützt oder nicht.
    Du, Wim, verstehst offensichtlich das Glaubwürdigkeitsproblem nicht, das dadurch entsteht. Auch gerade eben bei dieser speziellen Anzeige.

  21. Ich bin immer wieder erschüttert, dass (ganzseitige) Anzeigen der Bild in der TAZ immer wieder zum Aufregerthema taugen. Ich stimme eher der Meinung zu, dass kein TAZ-Leser dadurch zum Bild-Leser wird. Was will man denn dann mehr? Eine wirkungslose Bild-Anzeige und 10 TEUR für die wirklich wichtigen Dinge in der Kasse.
    Zu einem guten Geschäft für die Bild, wird die Anzeige höchstens durch die Aufregung drumherum. Glückwunsch!

  22. Ich finde das auch klasse, das ich in Zukunft in der taz erschienene Texte für meine eigenen Zwecke ganz oder in Teilen benutzen und weiterveröffentlichen kann.

    Vielen Dank, ohne solche Freigaben steht man ja dabei immer schon mit einem Bein im Gerichtssaal.

    Von der Veröffentlichung der Anzeige war ich übrigens ziemlich erschüttert und enttäuscht.
    Und die Aussagen im Interview machen das ehrlich gesagt nicht wirklich besser.

  23. Vielleicht ist Herr Heiser so nett und trägt dies mal in die Chefetage. Anscheinend werden ja die Einträge nicht beachtet…

    Dies wäre ein notwendiger und feiner Schachzug.
    Denn wenn diese Angelegenheit nicht endgültig in Hinblick auf die Persönlichkeits,- und Urheberrechte geklärt wird, ist die taz in der Tat am Ende.

  24. Und noch was. Gerade weil sich die taz so transparent gibt und nah am Leser: Wieso kann eigentlich die Chefredakteurin im sogenannten „hausblog“ nicht mal selbst und in eigenen Worten auf die vielen, vielen Fragen, die hier aufgekommen sind, antworten? Wieso schickt sie den bemitleidenswerten Blog-Menschen vor, wieso muss der sie aus einem externen Interview zitieren? Das ist weder transparent noch motiviert noch zeitgemäß.

  25. Wirklich fabelhaft: Wie schon Vorredner angemerkt haben, werde ich ebenfalls künftig ungehemmt veröffentlichte, tausendfach angeklickte taz-Texte für diverse Werbekampagnen benutzen. Diese Frau ist Chefredakteurin? Den Kern der Kritik an der Bild-Anzeige hat sie, fürchte ich, überhaupt nicht verstanden…

  26. Ich kann das ganze Getöns nicht verstehen,
    1.Hat die Tussi den Brief von der Werbeagentur auch veröffentlicht.
    2.Wird durch dieses Diskutieren hier und in den Blogs jede Menge Werbung für die Bild gemacht.

  27. Wie man es auch dreht, wendet und zu rechtfertigen versucht: Die taz hat Geld von der BILD genommen, damit diese eine perfide Anzeige schalten kann. Gerade in der taz! Das ist das Print-Pendant zu einem „Näää-nä-nä-nä-näähhh!“ mit langer Nase drehen. Damit ist der Ruf der taz dahin. Man hat sich nicht nur für eine Anzeige kaufen lassen, man hat sich sogar für eine Anzeige kaufen lassen, die einen selbst der Lächerlickeit preisgibt. Nicht klug.

    Das wäre sowas wie NPD-Werbung in der Haaretz. Und in der Anzeige wird dann nochmal auf die israelischen Printmedien eingedroschen. Ja, der Vergleich mag etwas hinken, aber er passt dennoch.

    Noch peinlicher ist eigentlich nur noch dieser ekelhafte Rechtfertigungsversuch *brr* Das ist ja fast wie Guttenberg… Die Anzeige war ein großer Fehler. Seht es ein, steht dazu und man nimmt Euch wieder etwas ernst. Verteidigt den Unsinn auch noch, redet ihn klein und holt die Zuständigkeit aus der Mottenkiste und es wird nur noch schlimmer.

    ON

  28. Ich möchte mich meinen Vorkommentierern anschließen und der TAZ herzlich dafür danken, dass alle Texte aus dem Onlineangebot zukünftig selbst entgegen der ausdrücklichen Wünsche des Autors/des Verlages genutzt werden dürfen.

    „Der Brief von Holofernes war ja in der Öffentlichkeit. Es ist nicht so, dass da urheberrechtliche Grenzen meiner Meinung nach überschritten wurden. Sie hat den selber ins Internet gestellt, er wurde zehntausenfach geklickt“

    Dann brauchen wir ja wohl über ein Leistungsschutzrecht auch nicht mehr weiter zu diskutieren, oder? Sie sagen ja selbst, dass das dem Grundgedanken der Onlineveröffentlichung widerspräche…

  29. Normale betriebswirtschaftliche Rechnung, würde ich sagen. Die BILD hat nur 12.555 Euro gezahlt, und dafür eine ganzseitige Anzeige in einer überregionalen Zeitung plus eine hohe Aufmerksamkeit im Internet bekommen. Die taz hat offenbar ein ziemlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei ihren Anzeigen.

  30. Man muss sich in dem Zusammenhang doch mal die Frage stellen: warum will BILD eigtl. ausgerechnet in der TAZ werben? Vermutet Kai D. hier besonders viele potenzielle Leser? Oder will er Euch nur vorführen – „seht her, eine Seite linke Tageszeitung können wir uns auch kaufen!“ Das ist doch der Eindruck der bleibt.

  31. Ich danke hiermit der taz für kostenlose Bereitstellung aller ihrer online publizierten Texte. Schließlich gilt auch hier:
    „Sie hat den selber ins Internet gestellt, er wurde zehntausenfach geklickt, es ist ein Supertext.“ Nunja, das letzte mag nicht immer gelten; gerade dieser Blogpost ist dann wohl doch noch urheberrechtlich geschützt.

    Könnten Sie uns dann mitte noch mitteilen, wie genau man einen „Supertext“ der taz identifiziert und unter welcher Lizenz (CC, Public Domain, etc.) dieser dann steht?

    Ich freue mich, dass die taz solch eine Vorreiterrolle übernimmt.

  32. Damit hat sich die Glaubwürdigkeit der TAZ endgültig erledigt. Sie ist eine weitere Medienhure, sonst nichts.

  33. Merkt man hier eigentlich noch was, oder ist man schon völlig davon befreit?
    Da wird so ein bischen restlinke Pseudomoral hochgehalten, als ob man noch bestimmte Werte und Grenzen hätte. Ob der Anzeigende permanent all diese genannten Kriterien in seinen Kampagnen erfüllt bleibt völlig egal, solange in der Anzeige davon nichts steht? Dann hoffe ich mal das bald eine ganzseitige Anzeige für das Sommerfest der „Deutschen Stimme“ erscheint. Warum auch nicht, solang nicht direkt „Kanaken raus“ drin steht.

  34. Die BILD hat sie wirklich nicht mehr alle. Finden sie keine anderen Promis mehr?

  35. „[..], weil wir sind immer knapp bei Kasse.“
    Aua, weil es ist einfach nicht richtig; Egal, wie viele Leute in der U-Bahn so sprechen, Frau Pohl! Und BILD so: Fi** Deine Zeitung, weil die is voll die Hur*. Und ich so voll Anzeige von BILD gemacht und die scheiß Opfer so: Näääää. Scheiße!

  36. Für nicht mal 13.000 EUR die Leserschaft der taz in Aufregung versetzen und scih daran ergötzen:
    Der Springer Konzern c/o Diekmann meint dazu:
    Soviel Spass für wenig Geld!

  37. muss jetzt hier darüber diskutiert werden, ob ein „offener Brief“ einen Unterschied zu einem redaktionellen Inhalt macht?

  38. Bitte mehr Märchen von der ach so strikten Trennung von Anzeigenabteilung und Redaktion in deutschen Qualitätsmedien!

  39. Frau Pohl, wenn Sie auch nur halb soviel Ehre wie der Hochstapler von Gutti hätten, würden auch Sie zurücktreten.

  40. So schön kann Verkomplizieren sein.
    Wenn ein Anzeigenkunde urheberrechtlich geschütztes Material ohne Einverständnis des Urhebers verwendet, kann man ihn belangen.
    Wenn ein Verlag Anlass zu der Vermutung hat, der Anzeigenkunde verfüge nicht über das Veröffentlichungsrecht an einem Teil der Anzeige (Fotos, Text, Grafik), muss er das prüfen. Ob ein Text, ein Fotos oder sonstwas frei im Internet verfügbar gemacht wurde, ist dabei vollkommen unerheblich. Das Recht des Urhebers erlischt dadurch nicht.
    Vielleicht sollte man endlich mal wieder begreifen, das es eben nicht jedem Urheber gleichgültig ist, in welchem Kontext sein Werk erscheint.
    Eine ganz andere Frage ist, ob die Spitzfindigkeit, hierin die Verhöhnung durch den Zahlungskräftigen zu sehen, wirklich in eines jeden Lesers Hirn stattfindet.
    Die meisten lesen den Text und registrieren, das Holofernes eben nichts von der Bildzeitung hält. Fertig.

  41. “ Der Brief von Holofernes war ja in der Öffentlichkeit. Es ist nicht so, dass da urheberrechtliche Grenzen meiner Meinung nach überschritten wurden. Sie hat den selber ins Internet gestellt, er wurde zehntausenfach geklickt, es ist ein Supertext.“

    Das heißt, dass alle Texte, die super sind, Aufmerksamkeit hatten und im Netz stehen von jedem zu jedem Zweck benutzt werden dürfen?

    Oder wie ist das zu verstehen?

  42. Sehr geehrte Frau Pohl,

    vielen Dank für die Freigabe, künftig sämtliche Inhalte von Taz.de in meinem Medienblog verwenden zu dürfen. Das ist eine gute Nachricht für alle Medienblogs der Republik.

    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas Knüwer

  43. Das habe ich gesehn. Ich mein aber eher den Unterschied zwischen Verlag und Redaktion. Darüber wird nicht geschrieben.
    Durch dieses Interview wird vielen das warum deutlicher und ja, auch verständlicher. Zumindest in meinem Fall.

  44. Aber Tero, lesen Sie doch mal, was hier im Blog die letzten Tage so erschienen ist. Etwa dort: http://blogs.taz.de/hausblog/2011/02/28/unsere-finanzielle-abhaengigkeit/

  45. Auch interessant, dass Sie sich erst wegen eines externen Interviews dazu äußern??
    Gab es vorher keinen Anlass dazu, Ihre Leser/innnen aufzuklären. Bsp. Verlag vs. Redaktion etc. ?
    Wer wusste dies denn überhaupt? Man hätte solch ein Interview bzw. ein solches Statement viel eher abgeben müssen.

  46. Bitte hört auf mit diesen Angriffen auf die taz! Judith meint dazu in einem Interview (http://diepresse.com/home/kultur/popco/639582/Judith-Holofernes_Mit-Humor-Herz-Arsch-und-Zaehnen): „Diese Anzeige in der taz zu schalten, war ganz offensichtliches Dominanzgebahren, wenn auch mit einer deutlichen Erektionsschwäche. Und natürlich wollten sie damit nicht nur mich demütigen, sondern auch die taz. Die Redaktion hat das offensichtlich nicht gesehen oder nicht richtig eingeschätzt, und ich hoffe sehr, dass ihnen das keinen Schaden zufügt. Denn sosehr mich ihre Bereitwilligkeit in dieser Sache im ersten Moment getroffen hat, sowenig möchte ich, dass ausgerechnet die taz aus dieser Geschichte als größter Verlierer hervorgeht.“ Also respektiert bitte den Willen von Judith und lasst die taz in Ruhe!

  47. rrho hat völlig recht. Das ist doch keine Legitimation!
    Persönlichkeitsrechte und Urheberrechte werden dadurch doch nicht geachtet, sondern lediglich entkräftet.

    Warum sagt Sie dann in einem Interview folgendes:

    „Ich sehe erstmal keinen Sinn in einer Klage, obwohl es da sicher Chancen gäbe.“

    http://diepresse.com/home/kultur/popco/639582/Judith-Holofernes_Mit-Humor-Herz-Arsch-und-Zaehnen?_vl_backlink=/home/kultur/popco/index.do

    Ich glaube nicht, dass Sie sich nicht informiert hätte.
    Liebe taz das sind doch alles „miese“ Rechtfertigungen, mal im Ernst.

    Und zum Thema BILD-Kohle: Alter Schuh aber, Brandstifter -bzw. Blutgeld sollte man NIEMALS annehmen (dürfen). Diese Klausel sollte man mal in die Verlagsklauseln hämmern, oder wohin auch immer….

  48. Meine Güte nochmal, man kann’s auch übertreiben. Das ist inzwischen eine derart hochgejazzte Debatte – man tut der TAZ gewiss Unrecht, wenn man ihr eine unkritische Haltung zu ihren Anzeigen vorwirft. Allein die Kontroverse in diesem Blog zeigt, dass die vielfach geäußerten Bedenken zur Kenntnis genommen wurden; was mehr ist, als man von jedem anderen Medienhaus erwarten würde. Is‘ auch gut jetzt, mal :-)

  49. Man kann aus dieser Geschichte lernen, daß man Äußerungen gegen Wirtschaftsmonster unter eine Lizenz stellen sollte, die dafür geschaffen wurde, Gedanken zu veröffentlichen, kopieren und verbreiten zu lassen, ohne unter die Räder der kapitalgesteuerten Plünderung zu geraten. Passend hierfür wäre die »Creative Commons License« (http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons) in der Variante »by-nc-nd«: Weitergabe mit Namensnennung, nicht kommerziell und ohne Bearbeitung. Unter Umständen hätte die Rechtsabteilung der BLÖD doch empfohlen, diese Anzeige als offenen Rechtsverstoß zu unterlassen. Auch die TAZ hätte die Anzeige ablehnen müssen, da sie die Originalquelle ja kannte und den Lizenzhinweis hätte wahrnehmen müssen…

  50. Ui, wenn es um Geld geht darf mein Hirn und Gewissen ausschalten?
    Da möchte Frau Holofernes eben nicht für die Bild Werbung machen und Bild umgeht das, indem man die Reaktion einfach in der Kampagne einbaut. So weit so schlecht.

    Und dann erscheint die Bild Anzeige in der TAZ.
    Jetzt hackt es erst richtig.

    Auf das Geld hätte man verzichten können und sollen. Und dieses Blabla, von wegen Trennung von Anzeigen und Redaktion ist doch nur eine Schutzbehauptung.

    Da hat die TAZ als Ganzes gepennt, oder hatte nur noch Euros in den Augen.

  51. Ich finde eine Zeitung sollte sich deutlich positionieren. Sie kann nicht einerseits kritische Texte über die BILD-Zeitung schreiben, andererseits eine Anzeige von ihr schalten. Das macht sie unglaubwürdig und das sollte auch der Verlag, der die Anzeigen organisiert, wissen. Ungeachtet von dem Geld was dabei rumkommt. So kauft sich die BILD doch mal eben die Glaubwürdigkeit der taz.

  52. Liebe Frau Pohl,
    das meinen Sie doch hoffentlich nicht ernst. Schon Ihre Wortwahl zeigt, dass Sie sich sehr wohl bewusst sind, dass sich die TAZ mit der Veröffentlichung der Anzeige einer besonders perfiden Mittäterschaft bei der Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Frau Holofernes durch die Bild Zeitung schuldig gemacht hat. Mit dem Verweis darauf, dass die Redaktionsstatuten gerade dies nicht auschließen würden, begeben Sie sich auf das bewährte Niveau der Bildzeitungsredaktion, dass schließlich alles erlaubt sein müsse, was nicht ausdrücklich verboten ist. Bis sie also ihr Redaktionsstatut nochmal überdacht haben, werde ich meine Entscheidung über ein Abo der taz nochmal aufschieben, denn Anzeigenblätter, die für Geld alles drucken, bekomme ich schon genug umsonst in den Briefkasten gesteckt.

  53. Finde ich gut und richtig, was Frau Pohl zu der Sache sagt. Vor allem die Erklärung der strikt geteilten Verantwortungsbereiche „Redaktion“ und „Verlag“ in Sachen Anzeigenschaltung. Ich glaube nicht, dass das vielen Lesern klar ist.

  54. Dann darf ich ab jetzt jeden Text von der taz, der online erschienen ist, für meine Zwecke, z.B. Anzeigen, verwenden? Mit der Begründung: „Sie hat den selber ins Internet gestellt, er wurde zehntausenfach geklickt, es ist ein Supertext.“ Ich glaub, es hackt.