Von Thomas Mauch

Josef-Otto Freudenreich war bis Ende 2009 Chefreporter der Stuttgarter Zeitung. Foto: Klöpfer & Meyer
Das Büro auf der anderen Straßenseite ist frisch bezogen. Auch Josef-Otto Freudenreich (60), bis Ende 2009 Chefreporter der Stuttgarter Zeitung, hat hier seinen Schreibtisch. Mit fünf Journalistenkollegen arbeitet er an einem neuen Zeitungsprojekt. “Kontext” wird es heißen. Eine Wochenzeitung. Im Internet und als Beilage in der taz.
“Das ist keine Kampfansage an die Stuttgarter Blätter”, meint Freudenreich, sondern eine neue Initiative für einen Qualitätsjournalismus soll es sein. Was aber auch heißt, dass man doch einen Qualitätsverlust sieht bei den etablierten Stuttgarter Medien. Und eine wachsende Entfremdung zwischen denen und den Menschen.
Es ist ja einiges passiert in den vergangenen Monaten in Stuttgart, von dem man auch im Rest der Republik etwas mitbekommen hat. Stichwort Wutbürger. Und natürlich Stuttgart 21. Gerade im Zusammenhang mit dem heftig umstrittenen Großprojekt fühlten sich viele Leser von ihren Zeitungen in der Stadt arg im Stich gelassen. Ein Katalysator auch für “Kontext”. Geplant bereits vor den ersten großen Protesten gegen den Bahnhofsneubau, “hat Stuttgart 21 das Projekt doch beschleunigt”.
Das “Wächteramt” der Medien will man einnehmen bei “Kontext”, mit einem “unabhängigen, kritischen Journalismus”. Aufklärung. Also die klassischen journalistischen Tugenden. Und anständig recherchiertes Investigatives und Kritisches darf man wohl erwarten bei einem Team von Journalisten – neben Freudenreich noch Meinrad Heck, Rainer Nübel, Susanne Stiefel, Martin Reinkowski und Sandro Mattioli -, das auf eine beeindruckende Dichte an Preisträgern des Wächter- und Theodor-Wolff-Preises, Deutschlands renommierteste Journalistenpreise, in den eigenen Reihen blicken darf und Bücher wie “Wir können alles. Filz, Korruption & Kumpanei im Musterländle” und “Die Taschenspieler. Verraten und verkauft in Deutschland” veröffentlicht hat.
Was die Unabhängigkeit betrifft: Dabei helfen den “Kontext”-Machern honorige Stuttgarter Bürger mit einem Verein: “Kontext: Verein für ganzheitlichen Journalismus”. Gründungsmitglieder waren unter anderem Edzard Reuter, ehemaliger Vorsitzender von Daimler-Benz, der auch literarisch versierte Koch Vincent Klink und der Schauspieler Walter Sittler, ein prominentes Gesicht der Stuttgart-21-Gegner. Mit dem in den Verein eingebrachten Geld ist die Finanzierung von “Kontext” auf ein Jahr gesichert.
Die Leser aber zahlen nichts. “Kontext” wird es als Angebot im Internet geben, kostenfrei, wie es die gängige Konvention auch für journalistische Angebote im Netz ist, wo man sich die Kosten für Druck und Vertrieb sparen kann – selbst wenn bei den Machern ganz old-school das Herz an Print hängt. Mit schwäbischer Dickschädeligkeit will man sich gegen die sonstigen Gepflogenheiten im Netz stemmen. Keine Liveticker soll es geben, keine täglichen Aktualisierungen, kein Ringen um schnelle Klicks. Sondern tatsächlich eine Wochenzeitung, nur jeden Mittwoch neu. Auch ein Versuch, das Medium zu entschleunigen. Fast schon ein Gegenmodell zum Netz im Netz. “Man kann auch mit ausgeruhten Texten im Internet seine Kundschaft finden”, gibt sich Josef-Otto Freudenreich gelassen.
Am 6. April geht “Kontext” mit seiner ersten Ausgabe online. Und auf dem klassischen Papier gibt es das Produkt dann sogar dazu, zu Teilen wenigstens. Hier in der taz. In der Westausgabe wird eine Auswahl der Kontext-Texte als Beilage zur sonntaz erscheinen.
Jetzt die taz mit Regionalbeilage im Südwesten abonnieren:
- Als Wochendabo für 12,90 Euro im Monat
- Das taz-Vollabo kostet je nach Selbsteinschätzung im Monat entweder 22,90 Euro oder 35,90 Euro oder 43,90 Euro
Josef-Otto Freudenreich diskutiert auch am 9. April beim Medienkongress der taz in Berlin über den “Machtkampf gegen die Medien“.

westernworld says:
da bin ich mal gespannt was dabei rumkommt. lokaljournalismus jenseits von werbeumfeldgestaltung und ihk-hofberichterstattung ist in und um stuttgart unbekannt wenn nicht gar illegal.
März 19th, 2011 at 11:22
Lars Jane Dahn says:
Ich würde ge3rne mitarbeiten!
Lasse
März 21st, 2011 at 12:08
Lars Jane Dahn says:
Ich würde gerne mitarbeiten!
Lasse
März 21st, 2011 at 12:09
Lars Jane Dahn says:
Darf ich mitarbeiten?
Lasse
März 21st, 2011 at 12:10
Laura König says:
… kann man sich vorstellen. Und wie geschickt Sie die Ziffer 3 in das Wort “gerne” eingebaut haben! Also das zeugt schon von einem genialen Verständnis der Werbung in eigener Sache…
März 21st, 2011 at 12:12
Lars Jane Dahn says:
Teufel nochmal!
Da habe ich herumgeknipst und schon bin ich im Bett!
Gut! Lasse – ganz ruhig ! Du bist hier in einer neuen Herausforderung ! Du bist wieder einmal der Allererste !
Seit einiger Zeit bin ich in den Forenräumen von DER SPIEGEL unterwegs. In diesen Forenräumen bin ich dann unter SPAM zu finden.
Ich hatte gemeint: Die Sueben wehren sich nun einmal! Ich bin Suebe! Für uns gibt esw seltsamerweiße keinen Minderheitenschutz….
Bla-bla-bla…
Besuchen Sie mich:
Lasse
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
http://schreibnetz.de
http://schreibnetz.twoday.net/
März 21st, 2011 at 12:18
Laura König says:
unter Spam also… das scheint wirklich zu passen.
Spammen sie ruhig weiter… das steigert ihre Chancen auf eine Mitarbeit der bei der taz o.ä. sicher ganz unglaublich… bekanntermaßen fährt alle Welt auf zugespammte Mailboxen, Blogs, Foren, etc… ab.
Strg + a + Entf
März 21st, 2011 at 12:43
Kritische Zeitung aus Baden-Württemberg als taz-Beilage und fürs Internet geplant. says:
[...] Hausblog der “taz” sagte Freudenreich, dass es sich bei dem Projekt nicht um eine Kampfansage an die Stuttgarter Blätter, [...]
März 22nd, 2011 at 08:18
Eine neue Stimme für den guten Journalismus: Kontext | STUTTGARTER TAGBLATT says:
[...] einer zuletzt vernachlässigten demokratischen Tradition in Baden-Württemberg, dass sich gestandene und profilierte Journalisten und engagierte Bürger zu einem solchen Projekt zusammenfinden. Die interessierte Öffentlichkeit und das [...]
April 11th, 2011 at 11:20