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vontazlab 11.04.2011

taz Hausblog

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Von Linda Rustemeier

Die Journalistin und Filmproduzentin Zena Barakat ist mit Anfang 30 Jahren da, wovon viele träumen: Sie ist etablierte Videoredakteurin und eine von drei „TimesCast“ Produzenten bei der New York Times. In Berlin war sie zu Gast als Podiumsteilnehmerin auf dem Medienkongress „Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt“.

Mit welchem Werkzeug arbeitest du als Videojournalistin für das Nachrichtenformat TimesCast?

Ich benutze eigentlich alle mir möglichen und technischen Werkzeuge, angefangen von Telefonanrufen, die ich mache, über Audiodateien, die ich von unseren Reportern per Email oder Skype zugeschickt bekommen, bis dahin, dass ich auch selbst filme oder schreibe. Ich bekommen viele Videos aus dem Arbeitsgebiet meiner Kollegen auf der ganzen Welt. Es reicht also von sehr wenigen Fachkenntnissen bis hin zu der Erfassung von Telefonanrufen, Kommentaren oder Videos von unseren Korrespondenten. Heraus kommt dabei das Format „Times- Cast“, was ein Tages- und Videoformat ist, das Eilmeldungen und das tagesaktuelle Geschehen auf der Homepage der New York Times in wenigen Minuten zusammenfasst.

Wie wichtig ist in diesem Kontext noch der professionale Journalismus und in wie weit nutzt ihr User-Generated-Content?

Unsere Videos und unsere Inhalte basieren auf unserem starken Korrespondentenetz. Ich bin wirklich froh darüber, dass ich für die New York Times arbeite, denn wir haben eine sehr starke Auslandspräsenz. Unsere Korrespondenten waren in Tunesien, Ägypten, Bahrain, Libyen und Japan, einfach überall. Wir sind ein internationales Blatt, aber wir haben auch eine sehr starke Basis. Diese Korrespondenten bilden unsere Stimme nach außen, in den Videos, sie erzählen, sie informieren darin. Basierend auf all dem, nutzen wir visuelle Berichterstattung, um zu erklären und zu zeigen, von welchen Situation die Reporter berichten. Entweder lassen wir das Bildmaterial sprechen, den Reporter selbst oder YouTube- Material. Der ganze Rummel um YouTube ist spannend, weil die Plattform von Menschen auf der ganzen Welt genutzt wird, um zu zeigen, was in der Welt ist los. Wir nutzen diese Plattform, neben unserem eigenen Beiträgen, zwar auch, aber wir gehen mit einer Mischung aus beidem sicher, dass klar ist, was unser Material ist, was von unserem Reportern generiert ist und was von anderen Quellen stammt.

Was ist deine Vision von visueller Berichterstattung?

Was ich so schätze an visueller Berichterstattung ist, dass es so einfach für alle Menschen wird, selbst Videos zu produzieren. Damit meine ich nicht, dass alle Menschen sinnlos produzieren sollen, sondern, dass unsere hochqualifizierten Reporter, wie alle anderen auch, ebenfalls Zugang zu diesen Werkzeugen haben. Dadurch wird es zum Teil seiner Arbeit und die Idee der Zeitung wird neu hinterfragt. Die Formen des Journalismus sind nicht mehr in ihrer alten Form, sie sind nicht mehr begrenzt. Auch für mich, als Nachrichtenkonsument, ist das sehr befreiend. Ich muss mich nicht mehr nur auf einige wenige Quellen verlassen, um an meine Informationen zu kommen. Das macht mich zu einem wesentlich reicher beschenkten und gebildeteren Nachrichtenrezipient, aufgrund meiner Angebote und der Stimme die dadurch habe. All diese verschiedenen Quellen, erleichtern mir die Aufnahme in so viele, verschiedene Rezeptionsmöglichkeiten, um meine Information zu bekommen, die ich brauche.

Gibt es darüber hinaus auch weniger darstellbare Sachverhalte?

Nicht alles ist für den Video geeignet oder gemacht. Das ist auch der Grund, warum ich so froh bin, für eine Zeitung zu arbeiten, weil manche Geschichten einfach nicht visuell darstellbar sind und das ist auch vollkommen in Ordnung so! Denn so hat der Videojournalismus nicht die alleinige Last auf den Schultern, alle Nachrichten am Tag in der bestmöglichen Form erzählen zu müssen. Das ist Teil des Spiels, man muss die Video geeigneten Inhalte filtern und die Dinge sich selbst entfalten lassen. Das hilft auch dem Zuschauer, der Inhalte noch mal visuell sehen kann, deswegen machen wir ja das Video. Aber nur weil es nicht für den videojournalistichen Bereich gemacht ist, heisst das ja nicht, dass es keinen Nachrichtenwert hat! Denn auch die Zeitung kann visuelle Berichterstattung anfertigen, kann Graphiken oder Karten kreieren. Oder halt einfach darüber schreiben.

Welche Qualifikationen brauchen Macher visueller Berichterstattung?

Also Videojournalist sollte man natürlich technisch versiert sein, mit vielen den Hilfsmitteln, die es bisher dazu gibt. Man muss Videos drehen, einfach ein technisches Verständnis haben und interessiert sein. Aber es geht nicht dabei nicht nur um die technische Komponente bei diesem Job. Der nächste große Schritt ist der journalistische Part des Videoredakteurs: Es darum Nachrichten zu analysieren, Quellen zu filtern und zu bewerten. Traut man der Quelle, die man hat? Man muss die Geschichte zur Nachricht kennen, von der man berichtet. Die Fähigkeit soll da sein, aus Geschichten heraus zu berichten. Es geht dabei also nicht ausschließlich um Technik oder nur zu wissen, wie man eine guten Artikel schreibt. Es ist Teil dieses wunderbaren Jobs, dass in kreativen Angelegenheiten, Begrenzungen der beste Weg sind, um kreativ zu sein. Es gibt so viele Menschen, die sagen: ‚Ich wünschte ich hätte diese eine Kamera, dann würde ich die allerschönsten Filme auf der ganzen Welt machen! Oder hätte ich dies oder jenes würde ich fantastisch und der beste Videojournalist sein‘. Ja, das ist ein traumhaftes Bild, wunderschön, aber das ist nicht das, was es wirklich ausmacht. Ich habe schon das prachtvollste Bildpotential gesehen, aber dann sah es am Schluss nicht ansprechend genug aus. Der springende Punkt ist, dass es der Inhalt ist, der zählt, er zählt am allermeisten! Also was tun? Es ist so: Visuelle Medien verleihen sich selbst die Kraft zu einem bestimmten Typ von Erzählkunst. Zum Beispiel, wenn es darum geht, recht schnell Eilmeldung aufzubereiten oder Weltgeschehen in den Fokus der Aufmerksamkeit der Leute zu stellen. Das machen die Filme, manchmal werden es wunderschöne Filme, die ihre eigene Zeit, ihren eigenen Platz oder ihre eigene Kategorie bekommen. Aber wenn man das alles runter bricht, kann auch jemand der ein Mobil- Telefon mit Videokapazität hat, einer Story all diese visuelle Kraft verleihen, die eine gute Story braucht.

Wie ist es als Videojournalist bei der New York Times zu arbeiten?

Die N.Y. Times ist ein faszinierender Arbeitsort, denn ich arbeite mit Journalisten, die auf der ganzen Welt verteilt sind. Es gibt viel Unterstützung für die Videoberichterstattung. Sie wollen, dass unsere Abteilung wächst und wächst und wächst (lacht). Für mich ist das natürlich eine sehr unterstützende Arbeitsatmosphäre! Es ist schön, an einem Platz zu arbeiten, an dem jeder stark an den Journalismus und an Qualitätsjournalismus glaubt. Ich kann also nur gute Dinge berichten, da ich auch mit sehr coolen Leuten zusammen arbeite. Ich liebe, was ich da mache. Ich glaube aber generell, dass wir als Journalisten auch immer Autoritäten hinterfragen. Das ist nun mal unser Ding. Es ist eine tolle und witzige Sache, dass eine Institution so groß wie die Times, auch ein Haufen Journalisten innehat, die ebenfalls Autoritäten in Frage stellen. Es ist ein witziger Arbeitsort und es gibt dort brillante Menschen.

Was ist dein Rat an angehende visuelle Berichterstatter?

Lernt alles zu machen und liebt was ihr macht! Man muss kein Experte in Sachen Video oder Grafiken sein, aber man sollte sich wohlfühlen mit Leuten, die dass schon sind und seine Fähigkeiten richtig einschätzen können. Auch sollte man lernen, wie man mit seinem Mobil- Telefon arbeiten kann. Die Bedienung des Tweeten bis hin zu Bloggen und das ganze Know-How sollte klar sein. Wenn man das nicht kann, schadet man sich in diesem Bereich nur selbst.

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