taz-Leser Michael Köhncke aus Hamburg ist empört über die folgende Karikatur, die wir auf der Meinungsseite abgedruckt hatten:
Köhncke schreibt:
Liebe Leute, die “Karikatur” ist in hohem Maße geschmacklos und völlig inakzeptabel. Über den Selbstmord eines verzweifelten Menschen macht man sich nicht lustig.
Darauf antwortet Elke Seeger aus der taz-Fotoredaktion:
Lieber Michael Köhncke, Sie meinen, dass die Karikatur sich in geschmackloser Weise über den Selbstmord Uwe Barschels lustig mache. Haben wir mit dem Abdruck moralische Grenzen verletzt? Wir glauben das nicht. Ja, die Zeichnung spielt auf den Fall Barschel an und sie ist böse. Mathias Hühn, unser Zeichner, will sich aber keinesfalls über das menschliche Schicksal Barschels mokieren. In der Badewanne liegt vielmehr die politische Kultur. Hat nicht etwa der Barschel-Skandal das politische Klima in Schleswig-Holstein für lange Zeit vergiftet? Das Bild von Barschel in der Badewanne ist zur Metapher geworden. Hühn will aus aktuellem Anlass die Doppelmoral einer Partei geißeln, deren Spitzenpersonal mit dem Image von Sauberkeit und Integrität hausieren geht, dem es selbst aber nicht gerecht werden kann und so zum Verlust der eigenen Glaubwürdigkeit beiträgt – und dabei politischen Selbstmord begeht. Karikaturen auf der Meinungsseite betrachten wir als satirische Gastbeiträge. Satire ist manchmal gemein und nicht immer konsensfähig.

bee says:
„Was darf die Satire? Alles.“
Kurt Tucholsky, Berliner Tageblatt Nr. 36 vom 27. Januar 1919. Hiermit verholfen.
August 23rd, 2011 at 10:53
stoltenberg says:
satire darf alles und wenn es um ehrenwort-barschel geht, erst recht.
als erwachsener leser mit einem mindestmaß an abstraktionsfähigkeit sollte man schon erkennen können, daß hier keine „verzweifelten menschen“ verhöhnt werden.
August 23rd, 2011 at 11:02
A.S. Reyntjes says:
Heil dem lebendig-gewhiskiten Badenwannen-Körperwärme-Wassser-Loser. Wer hat da Warmwasser nachgeschüttet?
Bendetto in clauds?
August 23rd, 2011 at 11:24
Hanni says:
Seit wann war Barschels Tod denn Selbstmord?
August 23rd, 2011 at 13:01
Roloff says:
Selbstmord, wie lächerlich.
Lieber Köhnke, lies mal nach, wer Barschel war und das Toxikologische Gutachten von 2010 durch. Dann schäm Dich für Deine Peinlichkeit in die Ecke und bleibe dort 15 Minuten.
August 23rd, 2011 at 15:53
vic says:
Geht`s denn wieder, Herr Köhncke?
Übrigens, ich sehe auf der Karrikatur nur ein Stück Arm, eine Hand und eine Fahne.
Keinen Barschel.
August 24th, 2011 at 03:56
I. Wrobel says:
Ganz großes Kino nach dem üblichen Strickmuster:
Leserbrief – taz-Reaktion – Blogeintrag – beleidigende Kommentare.
Ich finde, Herr Köhnke hat jegliches Recht der Welt, sich über diese Karikatur zu ärgern.
An dieser Stelle halten es eingie Kommentatore natürlich auf der Stelle für notwendig, verletzend zu werden. Herrn Köhnke wird persönlich angegriffen und lächerlich gemacht.
Ist der dumm und muss er sich schämen, weil er auf seine Weise denkt und fühlt? Wohl kaum.
Diskussionswürdig ist diese Karikatur sicherlich.
Leider wird bezeichnenderweise als allererstes das allseits beliebte Totschlag-Argument-Zitat “Satire darf alles” geliefert.
Muss ja so sein, hat Tucholsky ja gesagt.
Schon mal darüber nachgedacht, in welchem Kontext dieses Zitat zustande gekommen ist? Schon mal darüber nachgedacht, ob es sonderlich klug ist, unreflektiert nachzuplappern, was andere vor fast 100 Jahren von sich gegeben haben?
Würde Tucholsky wirklich alles, was sich selbst als Satire bezeichnet, gutheißen? Fände er es wirklich in jedem Fall angemessen, kübelweise Hohn und Spott über dem Leid und Scheitern anderer Menschen auszugießen?
Ich wäre mir da nicht so sicher.
Was mich interessiert:
Es passiert ja nun häufiger, dass im taz-Blog Beschwerden von Lesern und die entsprechenden Antworten seitens der taz öffentlich gemacht werden. Ziel der taz dabei dürfte (hoffentlich!) das Zustandekommen einer eher inhaltlich geführten Diskussion sein.
Nur leider wird oft genug beleidigend sowohl auf Leserbrief-Autoren als auch taz-Mitarbeiter eingedroschen, Inhalte bleiben auf der Strecke.
Was erwartet / erhofft sich die taz, wenn Sie derlei im Hausblog veröffentlicht?
Werden die Autoren vorab um Erlaubnis gefragt, ob Sie mit der Publikation ihrer Leserbriefe an dieser Stelle einverstanden sind?
August 24th, 2011 at 11:14
Sebastian Heiser says:
Wrobel: Wir betreiben den Hausblog, um damit die taz-Leser und alle Interessierten über die taz zu informieren. Ich persönlich finde es auch spannend, hier im Blog die Funktionsweise von Journalismus ein Stückchen transparenter zu machen. Die Leserkommentare zu den Blogeinträgen sind ein ergänzendes Angebot, damit Feedback möglich ist und ein Gespräch zustande kommen kann. Es gibt auch sehr viele qualitativ hochwertige Debatten, wie ich sie mir wünsche. Manchmal kommt aber auch unsachliche Kritik, manmal wird gepöbelt und manchmal beleidigt. In einigen Fällen lösche ich das dann (was zu Zensurvorwürfen führt), manchmal lasse ich es stehen (was zu Nachfragen wie diesen führt). Den goldenen Weg habe ich bisher noch nicht gefunden. Wie würden Sie es machen?
Die Kommentatoren sind mit der Veröffentlichung ihres Leserbriefes einverstanden. Falls das nicht bereits aus dem Leserbrief hervorgeht, wird vor Veröffentlichung nochmal nachgefragt.
August 24th, 2011 at 12:51
vic says:
@ I. Wrobel
“Herr Köhnke hat jegliches Recht der Welt, sich über diese Karikatur zu ärgern. ” Natürlich hat er.
So wie ich, darauf zu reagieren.
August 24th, 2011 at 16:32
Espi says:
@ Vic
Herr Köhnke hat Herrn Barschel gar nicht namentlich erwähnt, und dennoch hat Frau Seeger 1. gewusst auf wen er sich bezieht und 2. auch sofort bestätigt, dass Herr Barschel gemeint war. Daher frage ich mich warum Sie in Ihrer ersten Reaktion den Bezug zu Herrn Barschel in Frage stellen.
Ich gehe jetzt einfach davon aus, dass Sie den Text nicht richtig gelesen haben.
Es ist natürlich Ihr gutes Recht auf die Meinung von Herrn Köhnke zu reagierern, dass spricht Ihnen auch niemand ab. Ich -und mit mir warscheinlich viele andere- würde es aber begrüßen wenn diese Reaktion in sachlicher Weise erfolgen würde.
August 24th, 2011 at 17:23
Espi says:
@vic
Kurzer Nachtrag
Ich persönlich empfinde Ihren Kommentar übrigens nicht als allzu unsachlich, zumindest im Vergleich zu einigen anderen Kommentaren die hier erscheinen.
August 24th, 2011 at 17:29
Cartoonliebhaberin says:
Mal ehrlich, auf Barschel wäre ich direkt gar nicht gekommen, wenns nicht einer gesagt hätte.
Ich finde nichts Schlimmes an dem Cartoon.
Weiter so, haut rein.
August 24th, 2011 at 17:32
I. Wrobel says:
@ S. Heiser:
Zweifellos eine interessante Frage. Was würde ich tun, wenn ich einen Blog moderieren müsste?
Die Frage habe ich mir noch nie gestellt. Ich wüsste selbst nicht, wie ich es machen würde.
Eine schwierige, bzw. herausfordernde Aufgabe dürfte es allemal sein. Insbesondere, wenn man hohe Ansprüche an sich selbst hat.
Kann es bei der Moderation von Blogs, Leserforen, etc… überhaupt einen “goldenen Weg” geben? Ich habe da so meine Zweifel.
Vielleicht würde ich mich immer mal wieder mit den Fragen auseinandersetzen, die mir spontan zum Thema eingefallen sind. Und im Laufe der Zeit würden sicher noch so einige dazu kommen.
Auf taz.de heißt es “taz.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus ähnlichen Gründen unangemessene Beiträge nicht zu publizieren.” Ähnliches gilt für den Hausblog.
Prinzipiell finde ich den Ansatz gut und richtig.
Nur: Ab wann liegt eine Beleidigung vor? Aussagen, die mich persönlich tödlich beleidigen würden, können an jemand anders abperlen wie Regenwasser am Gummistiefel.
“Sie doofe blöde Arschdrecksau!” ist sicher eine eindeutige Beleidigung. Was ist mit “als erwachsener leser mit einem mindestmaß an abstraktionsfähigkeit sollte man schon erkennen können, daß hier keine „verzweifelten menschen“ verhöhnt werden.” oder “Dann schäm Dich für Deine Peinlichkeit in die Ecke und bleibe dort 15 Minuten.”? Sind das Beleidigungen oder vertretbare Diskussionsbeiträge im Rahmen einer nicht gerade zimperlich geführten Debatte?
Und ab wann ist eine Aussage rassistisch?
Ab wann ist ein Beitrag unangemessen?
Und was ist mit den Diskussionsgegenständen selbst? Für einige Leser ist der ein oder andere taz-Artikel beleidigend, rassistisch und/oder unangemessen und es hagelt dementsprechende Reaktionen.
Führt die taz sich selbst ad absurdum, wenn sie selbst beleidigende, rassistische und unangemessene Beiträge publiziert und sich gleichzeitig das Recht zur Zensur hinsichtlich der Leserkommentare vorbehält?
Ist der Verfasser eines Leserbriefes hinsichtlich der Anwürfe und Beleidigungen irgendwelcher Kommentatoren per se schutzbedürftiger als eine taz-MitarbeiterIn?
Sollte für den Verfasser eines veröffentlichten Leserbriefes überhaupt eine Art „Recht auf Schutz“ bestehen?
Oder kann man davon ausgehen, dass dieser die Kompetenz hat, mit Kritik und Beleidigungen umgehen zu können?
Müssen taz-Redakteure (bzw. Redakteure allgemein) prinzipiell mehr einstecken können als kritische Leser und Kommentatoren? Weil Journalisten aufgrund ihres Berufs vielleicht doch eine enorme Macht ausüben und dementsprechend scharf beobachtet und kritisiert werden sollten?
Ich denke da immer wieder an meine vertrauensvolle Oma, eine einfache Frau vom Land. Auch die allerübelsten Unwahrheiten, die in der Zeitung zu finden waren, hat sie geglaubt: “Es steht doch in der Zeitung! Und wenn es in der Zeitung steht, ist es wahr!! Sonst würde es da nämlich nicht drinstehen!!!”. So denken erfahrungsgemäß leider immer noch viele Menschen.
Sagt derjenige, der andere wüst beschimpft und beleidigt, damit nicht mehr über sich selbst aus als über denjenigen, den er beschimpft und beleidigt?
Macht es Sinn, Kommentaristen im Blog die Möglichkeit zu bieten, ihre eigene Website anzugeben?
Einerseits besteht dadurch unter Umständen die Möglichkeit, sich näher über den Verfasser eines Beitrags zu informieren.
Andererseits kann diese Funktion dazu missbraucht werden, um für kommerzielle Seiten Reklame zu machen oder auf den eigenen Blog, etc.. aufmerksam zu machen.
Wie sind Miniaturstatements – wie der erste Kommentar hier – einzuordnen: “”Was darf die Satire? Alles.” Kurt Tucholsky, Berliner Tageblatt Nr. 36 vom 27. Januar 1919. Hiermit verholfen.”? Ist das ein ernstzunehmender Diskussionsbeitrag oder lediglich Werbung für die eigene Website?
Ich glaube, keine dieser Fragen ist eindeutig zu beantworten. Ich zumindest kann es nicht.
Übrigens habe ich Herrn Köhnckes Namen zunächst versehentlich falsch geschrieben. Tut mir leid.
August 24th, 2011 at 21:28
Leo says:
Es ist ja auch – zum Glück – im Ermessen des Betrachters, welche Bedeutung er der Karikatur beimisst.
August 24th, 2011 at 21:37
@ vic says:
Glauben Sie tatsächlich, I.Wrobel hätte versucht, Ihnen das Recht auf Meinungsäußerung abzusprechen?
Ich habe den Text noch mal aufmerksam durchgelesen und keinen Hinweis darauf gefunden.
Wie kommen Sie darauf?
Ihre Schlussfolgerung finde ich etwas befremdlich.
August 25th, 2011 at 08:10
Badewannenschnecke says:
Die Aufregung um diese Karikatur erinnert doch sehr an die Islamisten, die sich über Mohammed-Abbildungen ereiferten.
Weiter so TAZ, es gibt noch genug Moral-Adrenalin-Drüsen zum Draufdrücken !
August 25th, 2011 at 10:57
Espi says:
@ Badewannenschnecke
Also abgesehen von Herrn Köhnke hat sich hier niemand über die Karikatur aufgeregt. Ich persönlich finde die Karrikatur zwar ein klein wenig böse aber es gibt wesentlich bösere Satirestücke über den Selbstmord von “verzweifelten Menschen”. Ich denke zum Beispiel an das saukomische Video “Der Bonker”.
Ich möchte jetzt natürlich nicht Herrn Barschel und den anderen in einen Topf werfen, zumal mein Godwin-Konto seit langer Zeit keine neuen Punkte zu verbuchen hatte.
Im Moment habe ich eher das Gefühl das sich das Gespräch um die Kommentarkultur dreht und dies erfreulicherweise in einer sehr sachlichen Weise geschieht.
Also von Moral-Adrenalin-Drüsen-Gedrücke bekomme ich zumindest nicht viel mit.
August 25th, 2011 at 14:13
Espi says:
Nachtrag – Schon wieder.
I. Wrobel hat die Karikatur ebenfalls als diskussionswürdig bezeichnet.
Aber wirklich aufgeregt hat er sich meiner Ansicht, wenn überhaupt, eher über den Kontext in dem die Reaktion von Herrn Köhnke veröffentlicht wurde und die Art der hierzu folgenden Komentare.
August 25th, 2011 at 14:19
Espi says:
Nachtrag – Die Dritte
Jetzt habe ich auch nicht richtig gelesen, bzw. erst falsch abgeschrieben und dann die Korrektur überlesen.
Es war natürlich auch bei mir keine Absicht Herrn Köhnckes Namen falsch zu schreiben.
Enstschuldigung.
August 25th, 2011 at 14:24
Pelle Grino says:
Ich habe den Eindruck, dass Herr Köhncke sich über die Karikatur geärgert hat und Wrobel in erster Linie die Kommentier-, bzw. Diskussionskultur in diesem Blog hier in Frage gestellt hat.
Letzteres war überfällig und jetzt scheint es auch etwas sachlicher als sonst zuzugehen.
Ich habe eben mal ein paar ältere Postings inklusive der Kommentare durchgelesen. Mir ist aufgefallen, dass viele Kommentare beleidigend sind und gleichzeitig vernünftige Argumente liefern. Der Umgang mit solchen Beiträgen ist für einen Blog-Moderator sicher auch nicht ganz ohne.
@ Espi:
Was ist ein Godwin-Konto? Davon habe ich noch nie gehört.
August 25th, 2011 at 14:53
Espi says:
@ Pelle Grino
Es gibt in der Internet- und Forenkultur eine Vorhersage die Godwins Gesetz gennant wird, die besagt:
„Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit Hitler oder den Nazis dem Wert Eins an.“
Diese Theorie wurde von einem Herrn Mike Godwin aufgestellt. Und wann immer jemand in der Hitze der Diskussion einen Hitlervergleich raushaut bekommt er ironisch one-point-Godwin gutgeschrieben.
Was natürlich eine eher zweifelhafte Ehre ist.
Was die Verquickung von Beleidigung und guten Argumenten betrifft, nun ja, meine Meinung ist die, das zu viele Menschen Schopenhauers “Die Kunst, Recht zu behalten” gelesen haben und alle 38 “Kunstgriffe” tatsächlich für sinnvolle Regeln halten.
Was lernt man daraus?
Ironie, versteht der Leser nie.
August 25th, 2011 at 15:50
Pelle Grino says:
@ Espi
Vielen Dank für deine Erklärung!
Ob die “Diskussionskultur” im Netz vorwiegend auf Schopenhauers “Kunstgriffen” beruht, wage ich allerdings zu bezweifeln… Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Werk allgemein oder zumindest weitreichend bekannt ist.
August 25th, 2011 at 18:17
Espi says:
Ich denke auch nicht, dass jeder der diese Kunstgriffe anwendet, sie auch direkt aus Schopenhauers Werk gelernt hat.
Dennoch glaube ich, dass dieses Buch stark dazu beigetragen hat Dinge wie persönliche Angriffe, Spitzfindigkeiten oder Ähnliches in der breiten Diskussionskultur zu etablieren. Es genügt ja bereits wenn eine Person das Buch gelesen hat und sich zehn ein Beispiel an ihr nehmen.
Zumal bereits die Lektüre des Vorwortes von “Die Kunst, Recht zu behalten” ausreicht um zu zeigen das die Eristische Dialektik nicht unbedingt der Wahrheitsfindung dient.
Es wäre hier natürlich zu diskutieren welchen Zweck ein Forum verfolgt.
Geht es darum Wahrheiten zu finden, geht es darum sich auszutauschen oder geht es darum Recht zu behalten.
Wenn es nur darum geht Recht zu behalten sind die “Kunstgriffe” imho zweifellos zulässig und absolut in Ordnung. Geht es aber darum sich auszutauschen oder sogar dazuzulernen, dann sind Menschen die diese “Kunstgriffe” anwenden, egal woher sie sie haben, nichts weiter als gebildetere bzw. rethorisch begabtere Trolle.
In diesem Fall wäre es vielleicht sogar angebracht diese Beiträge zu zensieren, oder zumindest zu kürzen, auch wenn gute Argumente gebracht werden einfach weil die Diskussionskultur unter diesen Beiträgen erheblich leidet und hierdurch der Austausch und die Wahrheitsfindung mehr blockiert als gefördert werden.
Ich persönlich stünde diesen Maßnahmen eher ablehnend gegenüber. Dennoch gehen mir unsachliche, spitzfindige, verabsolitierende und sonstige die “Kunstgriffe” übermäßig gebrauchende Beiträge ziemlich auf die Nerven.
Dies ist natürlich nur meine Meinung. Es würde mich aber interessieren was die übrigen Teilnehmer davon halten.
August 26th, 2011 at 00:11
klaus says:
Da gibt es in der Theorie 2 Grundsätze:
1) Satire darf alles
2) Ich verachte Ihre Meinung, würde aber alles tun, damit Sie diese frei äußern dürfen
In der Praxis dürfen dann alle TAZ-Leser mal in sich gehen und sich fragen, ob das nur für Karikaturen gegen Barschel und CDU gilt oder ob Sie mit der gleichen Vehemenz auch für Meinungs- und Satirefreiheit bei Mohamedkarikaturen oder sonstigem Gedankengut gilt, bei dem der linksalternative Kleinbürger so gern den Meinungsnazi spielt.
Ich habe da letztens in Italien eine ziemlich böse Karikatur über diesen Randalierer gesehen, den die Polizei in Genua erschossen hat (und den die Kreuzberger Autonomen gerade zum Helden machen wollen). Tenor so in etwa “wer mit großen Jungs spielen will, fängt sich eine ein”.
Würde mich mal interessieren, wie der Diskursverlauf bei dieser Karikatur in der TAZ ablaufen würde.
Ich zähle mich weder zum einen noch zum anderen Lager, aber es ist schon verwunderlich mit welchem Tunnelblick hier einige unterwegs sind, die beim Begriff Sarrazin sofort “Verbot” schreien
Wenn es für einen gilt, gilt es für alle!
August 26th, 2011 at 08:58
flipper says:
@klaus:
kleiner Zusatz zu Godwins Gesetz
(„Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit Hitler oder den Nazis dem Wert Eins an.“):
- das Gleiche gilt für das Auftreten von Trollen, ganz besonders bei einer TAZ-Diskussion.
August 27th, 2011 at 13:09
Heiko says:
Also, ich habe herzlich gelacht. Vielen Dank, taz!
August 27th, 2011 at 14:47
Charon says:
Ich muss sagen das sieht mir hier nach einer sehr vernünftigen Diskussion aus, aber was die Karikatur an sich betrifft, bin allerdings etwas enttäuscht. Ich hätte jetzt schon etwas heftigeres erwarten, so wie Turban tragende Piloten, die “Gott ist groß” rufen oder Pädophile Hautköpfe die sich an kleinen Kopftuchmädchen vergreifen. Das war in meinen Augen noch lange nicht inakzeptabel, aber es bleibt ja jedem selber überlassen, was er als zu geschmacklos oder übertrieben empfindet.
August 28th, 2011 at 23:11
Luxusschlampe says:
Satire darf alles, selbst Mohamed mit einer Bombe abzubilden ist erlaubt!
August 29th, 2011 at 15:45
Espi says:
@Luxusschlampe
Das Satire alles darf habe ich, das meine ich zumindest, oft genug gehört. Die Frage ist, ob sich alles als Satire bezeichnen darf.
Ich meine wenn der Zweck der Satire nur noch ist die Gefühle der “Anderen” zu verletzen, um sich selbst abgeklärter und intelligenter vorzukommen ist irgendwann eine Grenze überschritten.
Schwierig ist es die Grenze zu ziehen. Ich persönlich denke, dass die oben abgebildete Karikatur keine Grenze überschreitet. Herr Köhncke ist hierbei anderer Meinung.
Wenn aber einige Kommentatoren, anstatt sich an der Karikatur zu erfreuen, sich lieber an dem Entsetzen der anderen Erfreuen und genüßlich von Moral-Adrenalin-Drüsen sprechen, sind diese Zeitgenossen auf dem besten Wege die Grenze von der Ironie zur Selbsgefälligkeit und damit zum weit weniger charmanten Sarkasmus zu überschreiten. Hier wäre dann zu fragen ob der Sarkasmus, obwohl er sich alles herausnimmt, tatsächlich auch alles darf. Diese Art der “witzigen Satire” erinnert mich nämlich eher gasagt an den “Humor” von Kai Diekmann wenn er mal wieder in der TAZ inseriert.
Wobei ich ehrlicherweise zugeben muss auch selbst hin und wieder auf der anderen Seite dieser Grenze zu stehen, da ich mich zum Beispiel bei einigen der Kommentare zur Trikottausch-Kolumne von Herrn Yücel königlich amüsiert habe. Natürlich nur um hinterher in den Keller zu gehen um mich zu schämen.
August 29th, 2011 at 17:18
der yeti says:
tja…
wollte nur mal sagen, daß das eine der handwerklich besseren sachen ist…
f.k.waechter hätte sie gefallen, ganz sicher.
tschüss
August 29th, 2011 at 22:08
Gerd Dubrand says:
Die Ente bleibt draussen.
August 29th, 2011 at 22:37
vic says:
@ espi
Zum einen ist es schwierig, den Bezug zu Barschel nicht herzustellen, zum anderen wies ich durchaus darauf hin, das ich Barschel gar nicht sehen kann.
Wie auch immer. Dass er gemeint war steht vermutlich außer Frage, aber dieses unwichtige Detail wird mir langsam zu groß.
*Für den Nachtrag meinen Dank;)
August 30th, 2011 at 04:37
vic says:
@ Luxusschlampe
auch damit habe ich kein Problem.
August 30th, 2011 at 04:39
bee says:
@I. Wrobel:
Was Sie als Totschlagargument bezeichnen, könnte möglicherweise als Schluss einer längeren Diskussion stehen, die viele schöne Dinge hervorgebracht hat. Pressefreiheit beispielsweise, oder Kunstfreiheit. Oder eine demokratische Gesellschaft. Zitate gründlich toter Männer sind sowie manchmal vielschichtiger, als man ahnt. Manchmal mehr, als man fürchtet.
Gibt es inakzeptable Kunst? Die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Meinungsäußerung endet da, wo die strafrechtliche Verantwortung beginnt, da und nur da. Ich darf nicht öffentlich sagen: Kunibert Potschappel ist ein Schwein. Ich darf aber eine Figur auf die Bühne stellen, die sagt: Kunibert Potschappel ist ein Schwein. Ich darf sie sagen lassen: Ich bin ein Schwein. Ich darf selbst als Kunibert Potschappel auf die Bühne gehen und mich als Schwein bezeichnen. Ich darf das malen und tanzen und Skulpturen aus Schmierkäse schnitzen, und keiner wird mich daran hindern. Kunibert Potschappel wird vor Wut schäumen, und er wird gründlich vergessen, dass er mir vor einem Jahr noch begeistert zugejubelt hat. Aber da hatte ich seinen Erzfeind als Esel tituliert, und das ist ja etwas ganz anderes.
Gibt es inakzeptable Kunst? Der Künstler hat also zu bedenken, was als Ziel seiner satirischen Versuche gerade noch korrekt ist. Man sieht das Kriterium innerer Grenzsetzungen so hübsch daran, wo eine sich als progressiv und aufgeklärt verstehende Bildungselite vehement den Anstand wahren will. Sie würden den Rasen nie betreten – dann sollen es verdammt noch eins die anderen auch nicht dürfen. Und sie zäunen gründlich ein, worüber man öffentlich spotten darf. Den Papst angreifen? Immer gib ihm, immer feste! Aber den Dalai Lama doch bitte nicht, das wäre ja unfein.
Gibt es inakzeptable Kunst? Demnach ist es eine ästhetische Frage. Und da wären wir doch mal sehr gespannt, wie man aus der Nummer wieder rauskommt. Mit einem Ehrenkodex deutscher Karikaturschaffender zur Aufrechterhaltung des Feingefühls? Oder besorgt derlei schon ein Bundesamt für Geschmacksfragen? Ich zum Beispiel kenne da diesen einen Schlagersänger – entsetzlich, mir verursacht das körperliche Übelkeit. Wo immer ich eins seiner Plakate an einem Bauzaun kleben sehe, stelle ich mich wutentbrannt davor, schüttele meine Fäuste und schreie: Ich werde dieses Konzert nicht besuchen! Und ich gehe nach Hause, tief befriedigt und im steten Bewusstsein, alles getan zu haben, was ein guter Demokrat nur tun kann. Nazivergleiche scheuern sich an mir wie die Wildsau an der Eiche. Dieser seichte Singsang, der mir so sauer aufstößt, ist nicht anders zu bekämpfen – und im Gegensatz zu den Dauerdiskutanten, die sich am Ende nur künstlich aufregen wollen, habe ich es dem Schlagerfuzzi wirklich gezeigt.
Was das Streitobjekt selbst betrifft, ich halte diese Karikatur nicht einmal für besonders geistreich. Ein tiefer Griff in die Klischeekiste. Aber es ist angenehm, in einem Land zu leben, in dem man alles, Lustiges und Lächerliches, publizieren kann in der Hoffnung, dass Zehntausend die Stirn runzeln und einer darüber schmunzelt. In genau dem Maß, in dem Tucholsky für freie Kunst, freien Funk, freien Film eingetreten ist (genau hier darf der geneigte Leser sich übrigens auch fragen, warum hinter dem sattsam bekannten Zitat die Quellenangabe steht – möglicherweise, um genau anzugeben, in welchem Kontext diese Äußerung zu Stande kam, damit andere nicht unreflektiert nachplappern müssen), ist der Satz heute noch gültig. Bleibt gültig. Amen.
Ach ja, eins noch. Werbung macht man am besten mit einer einigermaßen gehaltvollen Äußerung. Wer kauft schon einen Sack ohne Katze.
August 30th, 2011 at 13:47