von 23.08.2011

taz Hausblog

Wie tickt die denn? Der Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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taz-Leser Michael Köhncke aus Hamburg ist empört über die folgende Karikatur, die wir auf der Meinungsseite abgedruckt hatten:

Köhncke schreibt:

Liebe Leute, die „Karikatur“ ist in hohem Maße geschmacklos und völlig inakzeptabel. Über den Selbstmord eines verzweifelten Menschen macht man sich nicht lustig.

Darauf antwortet Elke Seeger aus der taz-Fotoredaktion:

Lieber Michael Köhncke, Sie meinen, dass die Karikatur sich in geschmackloser Weise über den Selbstmord Uwe Barschels lustig mache. Haben wir mit dem Abdruck moralische Grenzen verletzt? Wir glauben das nicht. Ja, die Zeichnung spielt auf den Fall Barschel an und sie ist böse. Mathias Hühn, unser Zeichner, will sich aber keinesfalls über das menschliche Schicksal Barschels mokieren. In der Badewanne liegt vielmehr die politische Kultur. Hat nicht etwa der Barschel-Skandal das politische Klima in Schleswig-Holstein für lange Zeit vergiftet? Das Bild von Barschel in der Badewanne ist zur Metapher geworden. Hühn will aus aktuellem Anlass die Doppelmoral einer Partei geißeln, deren Spitzenpersonal mit dem Image von Sauberkeit und Integrität hausieren geht, dem es selbst aber nicht gerecht werden kann und so zum Verlust der eigenen Glaubwürdigkeit beiträgt – und dabei politischen Selbstmord begeht. Karikaturen auf der Meinungsseite betrachten wir als satirische Gastbeiträge. Satire ist manchmal gemein und nicht immer konsensfähig.

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http://blogs.taz.de/hausblog/2011/08/23/taz-karikatur-geschmacklos-und-voellig-inakzeptabel/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Ich habe den Eindruck, dass Herr Köhncke sich über die Karikatur geärgert hat und Wrobel in erster Linie die Kommentier-, bzw. Diskussionskultur in diesem Blog hier in Frage gestellt hat.
    Letzteres war überfällig und jetzt scheint es auch etwas sachlicher als sonst zuzugehen.

    Ich habe eben mal ein paar ältere Postings inklusive der Kommentare durchgelesen. Mir ist aufgefallen, dass viele Kommentare beleidigend sind und gleichzeitig vernünftige Argumente liefern. Der Umgang mit solchen Beiträgen ist für einen Blog-Moderator sicher auch nicht ganz ohne.

    @ Espi:
    Was ist ein Godwin-Konto? Davon habe ich noch nie gehört.

  • Nachtrag – Die Dritte
    Jetzt habe ich auch nicht richtig gelesen, bzw. erst falsch abgeschrieben und dann die Korrektur überlesen.
    Es war natürlich auch bei mir keine Absicht Herrn Köhnckes Namen falsch zu schreiben.
    Enstschuldigung.

  • Nachtrag – Schon wieder.
    I. Wrobel hat die Karikatur ebenfalls als diskussionswürdig bezeichnet.
    Aber wirklich aufgeregt hat er sich meiner Ansicht, wenn überhaupt, eher über den Kontext in dem die Reaktion von Herrn Köhnke veröffentlicht wurde und die Art der hierzu folgenden Komentare.

  • @ Badewannenschnecke
    Also abgesehen von Herrn Köhnke hat sich hier niemand über die Karikatur aufgeregt. Ich persönlich finde die Karrikatur zwar ein klein wenig böse aber es gibt wesentlich bösere Satirestücke über den Selbstmord von „verzweifelten Menschen“. Ich denke zum Beispiel an das saukomische Video „Der Bonker“.
    Ich möchte jetzt natürlich nicht Herrn Barschel und den anderen in einen Topf werfen, zumal mein Godwin-Konto seit langer Zeit keine neuen Punkte zu verbuchen hatte.
    Im Moment habe ich eher das Gefühl das sich das Gespräch um die Kommentarkultur dreht und dies erfreulicherweise in einer sehr sachlichen Weise geschieht.
    Also von Moral-Adrenalin-Drüsen-Gedrücke bekomme ich zumindest nicht viel mit.

  • Die Aufregung um diese Karikatur erinnert doch sehr an die Islamisten, die sich über Mohammed-Abbildungen ereiferten.

    Weiter so TAZ, es gibt noch genug Moral-Adrenalin-Drüsen zum Draufdrücken !

  • Glauben Sie tatsächlich, I.Wrobel hätte versucht, Ihnen das Recht auf Meinungsäußerung abzusprechen?
    Ich habe den Text noch mal aufmerksam durchgelesen und keinen Hinweis darauf gefunden.
    Wie kommen Sie darauf?
    Ihre Schlussfolgerung finde ich etwas befremdlich.

  • @ S. Heiser:

    Zweifellos eine interessante Frage. Was würde ich tun, wenn ich einen Blog moderieren müsste?

    Die Frage habe ich mir noch nie gestellt. Ich wüsste selbst nicht, wie ich es machen würde.
    Eine schwierige, bzw. herausfordernde Aufgabe dürfte es allemal sein. Insbesondere, wenn man hohe Ansprüche an sich selbst hat.

    Kann es bei der Moderation von Blogs, Leserforen, etc… überhaupt einen „goldenen Weg“ geben? Ich habe da so meine Zweifel.

    Vielleicht würde ich mich immer mal wieder mit den Fragen auseinandersetzen, die mir spontan zum Thema eingefallen sind. Und im Laufe der Zeit würden sicher noch so einige dazu kommen.

    Auf taz.de heißt es „taz.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus ähnlichen Gründen unangemessene Beiträge nicht zu publizieren.“ Ähnliches gilt für den Hausblog.

    Prinzipiell finde ich den Ansatz gut und richtig.
    Nur: Ab wann liegt eine Beleidigung vor? Aussagen, die mich persönlich tödlich beleidigen würden, können an jemand anders abperlen wie Regenwasser am Gummistiefel.
    „Sie doofe blöde Arschdrecksau!“ ist sicher eine eindeutige Beleidigung. Was ist mit „als erwachsener leser mit einem mindestmaß an abstraktionsfähigkeit sollte man schon erkennen können, daß hier keine „verzweifelten menschen“ verhöhnt werden.“ oder „Dann schäm Dich für Deine Peinlichkeit in die Ecke und bleibe dort 15 Minuten.“? Sind das Beleidigungen oder vertretbare Diskussionsbeiträge im Rahmen einer nicht gerade zimperlich geführten Debatte?

    Und ab wann ist eine Aussage rassistisch?
    Ab wann ist ein Beitrag unangemessen?
    Und was ist mit den Diskussionsgegenständen selbst? Für einige Leser ist der ein oder andere taz-Artikel beleidigend, rassistisch und/oder unangemessen und es hagelt dementsprechende Reaktionen.
    Führt die taz sich selbst ad absurdum, wenn sie selbst beleidigende, rassistische und unangemessene Beiträge publiziert und sich gleichzeitig das Recht zur Zensur hinsichtlich der Leserkommentare vorbehält?

    Ist der Verfasser eines Leserbriefes hinsichtlich der Anwürfe und Beleidigungen irgendwelcher Kommentatoren per se schutzbedürftiger als eine taz-MitarbeiterIn?
    Sollte für den Verfasser eines veröffentlichten Leserbriefes überhaupt eine Art „Recht auf Schutz“ bestehen?
    Oder kann man davon ausgehen, dass dieser die Kompetenz hat, mit Kritik und Beleidigungen umgehen zu können?
    Müssen taz-Redakteure (bzw. Redakteure allgemein) prinzipiell mehr einstecken können als kritische Leser und Kommentatoren? Weil Journalisten aufgrund ihres Berufs vielleicht doch eine enorme Macht ausüben und dementsprechend scharf beobachtet und kritisiert werden sollten?
    Ich denke da immer wieder an meine vertrauensvolle Oma, eine einfache Frau vom Land. Auch die allerübelsten Unwahrheiten, die in der Zeitung zu finden waren, hat sie geglaubt: „Es steht doch in der Zeitung! Und wenn es in der Zeitung steht, ist es wahr!! Sonst würde es da nämlich nicht drinstehen!!!“. So denken erfahrungsgemäß leider immer noch viele Menschen.

    Sagt derjenige, der andere wüst beschimpft und beleidigt, damit nicht mehr über sich selbst aus als über denjenigen, den er beschimpft und beleidigt?

    Macht es Sinn, Kommentaristen im Blog die Möglichkeit zu bieten, ihre eigene Website anzugeben?
    Einerseits besteht dadurch unter Umständen die Möglichkeit, sich näher über den Verfasser eines Beitrags zu informieren.
    Andererseits kann diese Funktion dazu missbraucht werden, um für kommerzielle Seiten Reklame zu machen oder auf den eigenen Blog, etc.. aufmerksam zu machen.
    Wie sind Miniaturstatements – wie der erste Kommentar hier – einzuordnen: „“Was darf die Satire? Alles.“ Kurt Tucholsky, Berliner Tageblatt Nr. 36 vom 27. Januar 1919. Hiermit verholfen.“? Ist das ein ernstzunehmender Diskussionsbeitrag oder lediglich Werbung für die eigene Website?

    Ich glaube, keine dieser Fragen ist eindeutig zu beantworten. Ich zumindest kann es nicht.

    Übrigens habe ich Herrn Köhnckes Namen zunächst versehentlich falsch geschrieben. Tut mir leid.

  • Mal ehrlich, auf Barschel wäre ich direkt gar nicht gekommen, wenns nicht einer gesagt hätte.

    Ich finde nichts Schlimmes an dem Cartoon.

    Weiter so, haut rein.

  • @vic
    Kurzer Nachtrag
    Ich persönlich empfinde Ihren Kommentar übrigens nicht als allzu unsachlich, zumindest im Vergleich zu einigen anderen Kommentaren die hier erscheinen.

  • @ Vic
    Herr Köhnke hat Herrn Barschel gar nicht namentlich erwähnt, und dennoch hat Frau Seeger 1. gewusst auf wen er sich bezieht und 2. auch sofort bestätigt, dass Herr Barschel gemeint war. Daher frage ich mich warum Sie in Ihrer ersten Reaktion den Bezug zu Herrn Barschel in Frage stellen.
    Ich gehe jetzt einfach davon aus, dass Sie den Text nicht richtig gelesen haben.
    Es ist natürlich Ihr gutes Recht auf die Meinung von Herrn Köhnke zu reagierern, dass spricht Ihnen auch niemand ab. Ich -und mit mir warscheinlich viele andere- würde es aber begrüßen wenn diese Reaktion in sachlicher Weise erfolgen würde.

  • @ I. Wrobel
    „Herr Köhnke hat jegliches Recht der Welt, sich über diese Karikatur zu ärgern. “ Natürlich hat er.
    So wie ich, darauf zu reagieren.

  • Wrobel: Wir betreiben den Hausblog, um damit die taz-Leser und alle Interessierten über die taz zu informieren. Ich persönlich finde es auch spannend, hier im Blog die Funktionsweise von Journalismus ein Stückchen transparenter zu machen. Die Leserkommentare zu den Blogeinträgen sind ein ergänzendes Angebot, damit Feedback möglich ist und ein Gespräch zustande kommen kann. Es gibt auch sehr viele qualitativ hochwertige Debatten, wie ich sie mir wünsche. Manchmal kommt aber auch unsachliche Kritik, manmal wird gepöbelt und manchmal beleidigt. In einigen Fällen lösche ich das dann (was zu Zensurvorwürfen führt), manchmal lasse ich es stehen (was zu Nachfragen wie diesen führt). Den goldenen Weg habe ich bisher noch nicht gefunden. Wie würden Sie es machen?

    Die Kommentatoren sind mit der Veröffentlichung ihres Leserbriefes einverstanden. Falls das nicht bereits aus dem Leserbrief hervorgeht, wird vor Veröffentlichung nochmal nachgefragt.

  • Ganz großes Kino nach dem üblichen Strickmuster:
    Leserbrief – taz-Reaktion – Blogeintrag – beleidigende Kommentare.

    Ich finde, Herr Köhnke hat jegliches Recht der Welt, sich über diese Karikatur zu ärgern.

    An dieser Stelle halten es eingie Kommentatore natürlich auf der Stelle für notwendig, verletzend zu werden. Herrn Köhnke wird persönlich angegriffen und lächerlich gemacht.
    Ist der dumm und muss er sich schämen, weil er auf seine Weise denkt und fühlt? Wohl kaum.

    Diskussionswürdig ist diese Karikatur sicherlich.

    Leider wird bezeichnenderweise als allererstes das allseits beliebte Totschlag-Argument-Zitat „Satire darf alles“ geliefert.
    Muss ja so sein, hat Tucholsky ja gesagt.
    Schon mal darüber nachgedacht, in welchem Kontext dieses Zitat zustande gekommen ist? Schon mal darüber nachgedacht, ob es sonderlich klug ist, unreflektiert nachzuplappern, was andere vor fast 100 Jahren von sich gegeben haben?
    Würde Tucholsky wirklich alles, was sich selbst als Satire bezeichnet, gutheißen? Fände er es wirklich in jedem Fall angemessen, kübelweise Hohn und Spott über dem Leid und Scheitern anderer Menschen auszugießen?
    Ich wäre mir da nicht so sicher.

    Was mich interessiert:

    Es passiert ja nun häufiger, dass im taz-Blog Beschwerden von Lesern und die entsprechenden Antworten seitens der taz öffentlich gemacht werden. Ziel der taz dabei dürfte (hoffentlich!) das Zustandekommen einer eher inhaltlich geführten Diskussion sein.
    Nur leider wird oft genug beleidigend sowohl auf Leserbrief-Autoren als auch taz-Mitarbeiter eingedroschen, Inhalte bleiben auf der Strecke.

    Was erwartet / erhofft sich die taz, wenn Sie derlei im Hausblog veröffentlicht?
    Werden die Autoren vorab um Erlaubnis gefragt, ob Sie mit der Publikation ihrer Leserbriefe an dieser Stelle einverstanden sind?

  • Geht`s denn wieder, Herr Köhncke?
    Übrigens, ich sehe auf der Karrikatur nur ein Stück Arm, eine Hand und eine Fahne.
    Keinen Barschel.

  • Selbstmord, wie lächerlich.
    Lieber Köhnke, lies mal nach, wer Barschel war und das Toxikologische Gutachten von 2010 durch. Dann schäm Dich für Deine Peinlichkeit in die Ecke und bleibe dort 15 Minuten.

  • Heil dem lebendig-gewhiskiten Badenwannen-Körperwärme-Wassser-Loser. Wer hat da Warmwasser nachgeschüttet?
    Bendetto in clauds?

  • satire darf alles und wenn es um ehrenwort-barschel geht, erst recht.
    als erwachsener leser mit einem mindestmaß an abstraktionsfähigkeit sollte man schon erkennen können, daß hier keine „verzweifelten menschen“ verhöhnt werden.

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