Aus der taz: Anteilseigner übernehmen die Redaktion

Die taz feiert den 20. Jahrestag der Gründung der taz Genossenschaft mit einer von GenossenschaftlerInnen produzierten Sonderausgabe und dem Kongress “Das gute Leben” am 14. April im Berliner Haus der Kulturen der Welt. Die von über 11.600 Mitglieder getragene taz-Genossenschaft sichert die finanzielle Existenz und journalistische Unabhängigkeit der taz. Gut 30 dieser Mitglieder werden nun die Redaktion übernehmen und für einen Tag bestimmen, was in der Zeitung steht.

1978 war die taz als alternative Tageszeitung für (West-)Deutschland gegründet worden und arbeitete die ersten Jahre als Kollektivbetrieb. Herausgeber war ein eingetragener Verein. War die taz schon in den achtziger Jahren häufig durch Liquiditätsengpässe akut bedroht, sah sich das Zeitungsprojekt nach dem Fall der Berliner Mauer endgültig vor dem Aus. Als 1991 die Insolvenz bevorstand, gelang die Rettung mit der Gründung der taz-Genossenschaft. Verhindert wurden der Verkauf des Blattes an einen anderen Verlag und die Hereinnahme externer Investoren, was aus heutiger Sicht das Ende der Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Zeitung und des gesamten taz-Projekts bedeutet hätte.

Die Gründung der taz-Genossenschaft bedeutete nach verhaltenem Start schließlich auch das Ende der fortgesetzten finanziellen Krisen der taz. Die Genossenschaft ist somit zu einer in der deutschen Zeitungslandschaft beispiellosen Erfolgsgeschichte geworden. Aktuell sichern über 11.600 Genossenschaftsmitglieder Kapital in Höhe von mehr als 10 Millionen Euro, mit weiter steigender Tendenz. Dabei geht es den “InvestorInnen” nicht um möglichst hohe Dividenden, sondern um eine publizistische Rendite. Das Konstrukt der Genossenschaft wurde dabei in zwanzig Jahren nicht verändert. Bis heute kostet ein Genossenschaftsanteil 500,00 Euro, und jedes Mitglied hat unabhängig von der Anzahl der erworbenen Anteile nur eine Stimme. Feindliche Übernahmen und inhaltliche Einflussnahmen sind damit ausgeschlossen.

Die taz-Genossenschaft sichert die finanzielle Existenz und die journalistische Unabhängigkeit der taz. Und sie ermöglicht gleichzeitig, dass die taz weiter als selbstverwalteter Betrieb mit besonderen Rechten für die MitarbeiterInnen funktioniert. Diese bestimmen, wer im Vorstand und in der Chefredaktion das Unternehmen führt. Auch das ist einzigartig im deutschen Mediengeschäft.

2008 wurde aus der Genossenschaft die taz-Panter-Stiftung gegründet, die zivilgesellschaftliche Projekte fördert und den jährlichen Panter-Preis für die HeldInnen des Alltags vergibt. Die Panter-Stiftung engagiert sich vor allem in Sachen journalistischer Ausbildung: Die taz-Akademie der Panter Stiftung bietet dreimal im Jahr dem journalistischen Nachwuchs die Möglichkeit zu einem Kurzpraktikum und fördert zudem zwei besondere Volontariate für Menschen mit interkulturellem Hintergrund.

Zum 20. Geburtstag bekommen die taz-GenossInnen ein besonderes Geschenk: Am 13. April 2012 werden sie die Geburtstags-Ausgabe der taz produzieren. Und am 14. April widmet sich im Berliner Haus der Kulturen der Welt das diesjährige tazlab der Frage, wie “Das gute Leben” im 21. Jahrhundert aussieht, mit einem eigenen Programmteil zu 20 Jahren taz-Genossenschaft.

Aus Anlass ihres Geburtstags sammelt die taz-Genossenschaft derzeit für ihre Aktion “Hand in Hand”. Damit werden vier noch junge Zeitungsgenossenschaften in vier Ländern unterstützt: Die neu gegründete Kulturni noviny aus Tschechien, die immer wieder mit staatlichen Repressionen und Zensur konfrontierte Istanbuler Zeitung BirGün, die Genossenschaft der zweitgrößten Zeitung im uruguayischen Montevideo, La Diaria, und das linke schwedische Meinungsblatt Fria Tidningen. Alle Unterstützungsbeträge, die bis zum 15. September 2012 bei der taz Genossenschaft eingehen, werden zu gleichen Teilen an diese vier Genossenschaften weitergegeben.

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