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vontazlab 14.04.2012

taz Hausblog

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Von Jonas Weyrosta

Die erste Veranstaltung des Tages im Auditorium hatte Wohlfühlcharakter. Das von Gordon Repinski moderierte Panel über den Sinn und Unsinn der Entwicklungszusammenarbeit mit Christiane Graefe (DIE ZEIT), Dirk Messner (DIE) und Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD, Bundesministerin a.D.) war durchgehend einer Meinung, was der Veranstaltung nur bedingt half, die Debatte aus dem Pauschalurteil des „Gutmenschentums“ zu befördern. Das Publikum kuschelte fleißig mit. Reger Applaus für halbwarme Forderungen nach „Global Governance“ und einem Aufbrechen der tradierten Rolle der Frau in vielen afrikanischen Gesellschaften machten Wieczorek-Zeul an diesem Morgen zur Sprecherin der Moralgesellschaft, der zu Recht von einer zögerlichen Stimme aus dem Publikum die „Implementierung westlicher Wertvorstellungen“ vorgewurfen wurde.

Foto: Wolfgang Borrs
Foto: Wolfgang Borrs

Als das Gespräch auf James Shikwati, den kenianischen Publizisten der ein sofortiges Ende der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in der jetzigen Form fordert, rollte Wieczorek-Zeul nur mit den Augen. Es gehe ihr auf den Keks, wenn Menschen die einst von europäischer Hilfe profitierten, diese nun kritisieren. Um der Veranstaltung zu mehr Brisanz zu verhelfen, wären kontroverse Meinungen von Nöten gewesen, die in einem Publikum aus Friedensaktivisten, Wutbürgern und Moralaposteln nicht zu finden waren.

Symbolwirkung hatte auch, dass eine Diskussion die sich mit der Zukunft der Partnerländer im globalen Süden beschäftigt, ihren Repräsentanten keine Teilnahme ermöglichte. Das Publikum konnte weiter von einer gerechten Weltordnung und einer internationalen Solidaritätsbewegung für Klimagerechtigkeit und Menschenrechte träumen und niemand störte dabei. Der wichtige Verweis Wieczorek-Zeuls darauf, dass die Mauer auch in Afrika stand, somit in eine Bilanz der Entwicklungszusammenarbeit auch die Stellvertreterkonflikte des kalten Krieges auf dem afrikanischen Kontinent einbezogen werden müssen, reproduzierte den naiven Konsens des Publikums, man müsse nur genug Entwicklungsambitionen aus Europa in die zu entwickelnden Länder tragen, dann würde auch in diesen Ländern irgendwann „Das Gute Leben“ möglich sein.

Foto: Wolfgang Borrs
Foto: Wolfgang Borrs

Dirk Messner erhoffte, sich aus einer Anpassung der Entwicklungzusammenarbeit an moderne Herausforderungen des Finanzmarktes eine „menschliche Entwicklung auf relevantem Niveau“ möglich zu machen. Mit abschließenden Forderungen nach einem Ausbau der erneuerbaren Energien, mehr Transparenz im Waffenexport und ein wenig mehr Gelassenheit artete die Veranstaltung in einen Kuschelkreis aus, der wie so oft nichts ändern wird und Stereotypen tradiert. Es sei ja auch nichts falsches daran, ein wenig schlechtes Gewissen für die eigene wirtschaftliche Hegemonie beruhigen zu wollen, reagiert Christiane Graefe auf den letzten spärlichen Versuch des Publikums, ein wenig Diskurs anzuregen. Versuch fehlgeschlagen.

Heidemarie Wieczorek-Zeul hat beim Zukunftslabor der taz über Sinn und Unsinn von Entwicklungshilfe gesprochen. Anschließend sprachen wir mit ihr über ihre Vorstellung von einem guten Leben.

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kommentare

  • Afrikas Elendsklischees verkaufen sich sehr gut. Das konstruierte Bild vom hilfsbedürftigen Afrika ist ein Produkt des politischen Lobbyismus “Für Afrika”. Deutsche Politiker wie Frau Wieczorek-Zeul rollen die Augen wenn die Rede auf Afrikaner wie Shikwati kommt. Er ist einer von vielen der die Verlogenheit der „Hilfe“ kritisiert.Wie könnte auch ein Afrikaner besser wissen was für Afrika Not tut? Ist ein Fotograf in der Nähe, ist die Selbstinszenierung der wohltätigen Weltenretter perfekt. Die Aufmerksamkeit für die eigene Marke ist gesichert. Die Folge ist, dass Afrika-Politik oft an der auf das “Helfen” reduzierten Oberfläche bleibt. Schade, dass sowenige Menschen wissen wollen welche Wirkung „Entwicklungshilfe“ in Afrika wirklich hat.Volker Seitz, Autor „Afrika wird armregiert“

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