Bekenntnis: Ich bin taz-Redakteur und Parteimitglied

Felix Dachsel

Felix Dachsel

Von Felix Dachsel

Diesen Text sollte ich besser nicht schreiben. Er wird mir Wege verbauen und Dinge unmöglich machen. Er wird mir vielleicht Diskussionen einbringen. Er wird Kritikern Argumente geben, früher oder später. Auf der einen Seite. Andererseits ist es so, dass mir dieser Text guttun wird, weil er ein Bekenntnis ist. Und Bekenntnisse, sind sie ehrlich gemeint, tun immer gut.

Das klingt nun pathetisch, nach “Hier steh ich nun und kann nicht anders”. Und wahrscheinlich riecht dieser Text auch nach Selbstbespiegelung. Soll er aber gar nicht. Mir wäre lieber, das Thema wäre keins. Deshalb schreibe ich darüber.

Es gibt Kollegen, viele Kollegen, eigentlich fast alle, mit denen ich bisher darüber gesprochen habe, in der taz und außerhalb, die ein Problem mit etwas haben, das ich als unproblematisch empfinde. Das war nicht immer so. In den Siebzigern zum Beispiel, höre ich. Wolf von Lojewski, ehemals Leiter des ZDF-”heute-journals”, bekennt sich bis heute zu seiner Mitgliedschaft. Er ist trotzdem ein herausragender Journalist.

Es geht also um eine Mitgliedschaft, um eine Mitgliedschaft in einer Partei. Bisher habe ich sie, seitdem ich mein Geld als Journalist verdiene, teilweise verheimlicht, manchmal halbherzig, oft glühend verteidigt, einmal wollte ich sie beenden, aber das ist kompliziert. Mein Herz hängt daran und ich müsste Formulare ausfüllen. Wenn es um diese Mitgliedschaft geht, dann sagen Kollegen wie aus der Lehrbuchpistole geschossen: “Das geht nicht. Das dürfen Journalisten nicht.” Warum eigentlich nicht?

Ein Kollege sagte, ich solle besser niemandem davon erzählen, seine Stimme wurde leise dabei. Eine andere Kollegin, sie war selbst mal Parteimitglied, wandte ein, dass sie mich zwar gut verstehe, aber diese Mitgliedschaft nicht von Vorteil sei. Die Zeiten seien eben andere. Es wird guttun, diesen Satz zu schreiben, und es ist auch etwas Trotz dabei: Ich bin Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Vor fünf Jahren, ich studierte Politik in Freiburg, der SPD ging es so na ja, kam eines Nachmittags Jörn in unsere WG, ein stämmiger Norddeutscher mit Wikingerbart. Er legte einen roten Ordner auf den Tisch und ein Büchlein mit eingeprägten Initialen. “Willkommen”, sagte Jörn. Das war mein letztes Date mit der Partei.

Ich weiß nicht, ob ich Mitgliedsbeiträge zahle. Ich habe mein Parteibuch verloren. Ich glaube es, liegt bei meinen Eltern. Ich war noch nie auf einer Veranstaltung der Partei, noch nie in einem Gebäude der Partei, und wenn ich durch Kreuzberg wandere und das Willy-Brandt-Haus sehe, dann bekomme ich Angst. Im Vorwärts, der Parteizeitung, las ich eine Bildunterschrift, die mich erschaudern ließ, sie erinnerte mich an Nordkorea. Sie ging ungefähr so: Alle Delegierten jubelten frenetisch für Frank-Walter Steinmeier.

Trotzdem: Ich bin stolz, Sozialdemokrat zu sein. Mein Bekenntnis lautet: Ich glaube, wir brauchen Parteien. Ich glaube, es gibt rechts und links. Es gibt Arbeitgeber und Arbeitnehmer, und solange es die gibt, wird es einen Konflikt zwischen ihnen geben, egal wie freundlich und kumpelhaft der Arbeitgeber tut. Ich glaube, wir brauchen starke Gewerkschaften. Ich glaube, wir brauchen mehr Streik, mehr mutige Betriebsräte, mehr Aufstand der Belegschaften. Ich glaube, die soziale Marktwirtschaft ist eine Illusion – aber solange es sie gibt, sollten wir das Soziale einfordern, so gut es geht. Ich glaube nicht an die Grünen, weil ich Leute kennengelernt habe, die sich als grün bezeichnen und gleichzeitig vom Ende des ideologischen Zeitalters faseln. Geht doch zu McKinsey! Ich glaube nicht an die Piraten, weil ich nicht weiß, für wen sie sich einsetzen. Ich glaube, die Piraten sind mehr eine Warnung als eine Partei: Seht her, das kommt raus, wenn ihr euren Kinder zu lange erzählt, es gibt nicht mehr rechts und links, sondern nur noch falsche und richtige Lösungen – Stimmt ab! Jetzt! Im Internet! Ich glaube, die Linkspartei ist okay – aber ich habe schon eine Partei.

Das war das Bekenntnis. Und jetzt kommen die Probleme. Mein Großvater ist Pfarrer. Wenn er Menschen mit seinem Glauben tröstete, dann gab es jene, die mit einem Satz antworteten, der meinen Großvater so wütend machte, dass er sich noch heute an ihn erinnert – und dabei wütend wird: “Sie müssen das sagen, sie sind ja Pfarrer.”

Wenn ich in Zukunft einen Text schreibe, dem man nachweisen kann, dass er der SPD hilft, was auch immer das heißen mag, dann werden Kollegen vielleicht sagen: “Du musst das schreiben, du bist ja in der Partei.” Mein Großvater sagte dann: “Ich muss gar nichts. Ich sage das, weil ich daran glaube.” Ich werde sagen: “Ich muss gar nichts. Ich schreibe das, weil ich daran glaube.”

Vor kurzem habe ich in einem Kommentar Peer Steinbrück verteidigt. Es hätte bessere Kanzlerkandidaten gegeben. Es hätte vor allem bessere Wege gegeben, einen Kandidaten auszuwählen. Aber ich mag seine anarchische Ader, Dinge auszusprechen, von denen er überzeugt ist. Ich glaube, das tut der Demokratie gut. Ich habe Steinbrück nicht aus Parteiräson verteidigt – warum sollte ich mich der auch verpflichtet fühlen? -, sondern aus Überzeugung.

Ich würde auch Angela Merkel verteidigen, wenn sie einmal etwas Markantes, Unpopuläres sagt, von dem sie überzeugt ist – und für diese Ehrlichkeit in die Kritik geriete. Das wäre ihr wohl reichlich egal, für mich aber wichtig.

Meine Mitgliedschaft hält mich nicht davon ab, die SPD zu kritisieren. Im Gegenteil. Man kann eine Partei noch leidenschaftlicher, noch lauter, noch kratzender attackieren, wenn man sie mag. Weil man enttäuscht ist. Und es gibt Anlässe: Die Agenda 2010 (hat sich nur teilweise erledigt), Wolfgang Clement (hat sich erledigt), Thilo Sarrazin (wird sich hoffentlich noch erledigen).

Einmal hatte ich einen Streit mit der SPD-Pressestelle im Bundestag. Ein prominentes Mitglied der Fraktion wollte der taz nichts zu der Frage sagen, ob Asylbewerber nicht mindestens Hartz IV bekommen sollten. Es ging um ein sehr knappes Statement. Doch der Abgeordnete mochte sich nicht äußern. Er sagte ab – aus Termingründen, wie es hieß. Währenddessen twitterte er intensiv, dafür hatte er Zeit.

Ich stritt mich mit der Pressestelle, vielleicht war ich etwas zu emotional, vielleicht auch etwas zu selbstgerecht, vielleicht etwas naiv, es ging hin und her, schließlich dokumentierten wir die Auseinandersetzung auf dem Hausblog der taz. Hätte ein prominentes Mitglied der CDU-Bundestagsfraktion abgesagt, ich wäre cooler damit umgegangen. Den heftigsten Streit hat man eben in der eigenen Familie.

Nun kann man einwenden, dass einem Journalisten als Parteimitglied die professionelle Distanz fehlt, die Objektivität, dass ein Chirurg auch nicht die eigene Mutter operieren sollte. Aber es gibt eben einen Unterschied zwischen Chirurgen und Journalisten. Chirurgen sollten bei der Arbeit möglichst cool bleiben. Journalisten hingegen nicht. Sie dürfen sich durchaus mal aufregen – und sich auch bekennen. Sie müssen. Wenn sie das nicht können, dann sollten sie ihren Beruf wechseln.

Felix Dachsel, 25, ist sonntaz-Redakteur und kam 2011 zur taz. Sein Nebensitzer in der Journalistenschule war ebenfalls in der SPD.

Update 8. März: Auch taz-Redakteurin Asdrid Geisler outet sich als Aktivistin einer Partei – bei ihr sind es die Piraten

Kommentare (52)

  1. Pingback: Ein perfides Spiel mit der Wahrheit | Welcome to Shoebox Castle!

  2. Wie Bitte:

    > Den Chef-Bänker der Deutschen Bank
    > zerrten sie mit dessen Schmutz ins
    > Licht der Öffentlichkeit.

    Das ist richtig. Ich habe Anshu Jain allerdings vorher um eine Stellungnahme gebeten, um ihm die Gelegenheit zu geben, eventuelle Missverständnisse aufzuklären oder seine Sicht der Dinge auf den internen Mailverkehr zu schildern, der von US-Behörden veröffentlicht worden war.

    Nun, was haben wir in diesem Fall? Keine schriftlichen Dokumente, sondern Hörensagen von “Udo”, der Andeutungen über eine Person macht, ohne dabei seine eigenen Quellen anzugeben. Andere Kommentatoren mutmaßen dann, welche Person “Udo” gemeint haben könnte. Ich finde das reichlich dünn. Für solche Spekulationen steht das taz-Hausblog jedenfalls nicht zur Verfügung. Aber Sie haben ja schon “mehrere Medien-Redaktionen” im Blick, an die Sie sich ab nun damit wenden können.

    Update 2. April: Hausblog-Leser A.H. hat bei dem betreffenden ehemaligen taz-Redakteur nachgefragt, der ihm geantwortet hat: Er sei kein Mitglied der SPD und dies auch nie gewesen. Sebastian Heiser

  3. Sind auch heute Journalisten und Journalistinnen der taz Mitglieder von Parteien? Ist das eine Bagatelle?

    Ich versuche nun erst einmal: nachzudenken. Bevor ich gegebenenfalls den Ex-Redakteur selbst frage und mehreren Medien-Redaktionen meine Screenshots aus diesem Blog schicke.

  4. Outen assoziiere ich mit unmoralischer und aufgezwungener Zur-Schau-Stellung von Privatem. Veröffentlichen nicht. Die Öffentlichkeit geht vor, wenn das private Verhalten von Personen von öffentlichem Interesse ist.

    Richtig finde ich es nicht, wenn ein Journalist über eine Partei berichtet, selbst parteiisch ist und wir Leser und Leserinnen das nicht erfahren. Ich sage das als Betroffene: die Berichterstattung des Ex-Redakteurs las ich. Deshalb die Kritik. Hätte ich gewusst, dass der Redakteur parteisch ist, hätte ich auch gewusst, wie ich dessen Meinung besser einschätzen kann. Ich bin enttäuscht.

  5. Wieso geht eigentlich das Posten längerer Kommentare hier nicht? Egal, dann eben in Stücken.

    Nun versuche ich den Unterschied von Outen und Veröffentlichen im Sinne einer kritischen Leserschaft zu verstehen. Sie sind doch ein kritischer Journalist. Unsaubere Geschäftspraktiken bei Zeitungen veröffentlichten Sie. Den Chef-Bänker der Deutschen Bank zerrten sie mit dessen Schmutz ins Licht der Öffentlichkeit. War das das Outen eines Kriminellen oder heißt das dann anders?

  6. @ Sebastian Heiser

    Ich hatte hier mehrere Kommentare gepostet. Ich habe mich dann darüber gewundert, dass sie zensiert wurden. Betrafen sie doch genau das Thema der Mitgliedschaft von Redakteuren der taz in Parteien. Meine Spekulationen hatte ich mit öffentlich zugänglichen Nachweisen untermauert.

  7. Ich habe hier mehrere Kommentare gelöscht, in denen darüber spekuliert wurde, dass ein konkret genannter Ex-Redakteur der taz SPD-Mitglied ist, obwohl er bei uns über politische Themen geschrieben hat. Im Hausblog kann sich jeder selbst als Parteimitglied outen, das Outen von anderen wird an diesem Ort jedoch nicht unterstützt. Da die Person auch nicht mehr in der taz arbeitet, kann ich auch nicht rausfinden, was dran ist. Sebastian Heiser

  8. Partei Lichkeit: Immer gerne.

    Sie sind insgesamt, mit Verlaub, auf der falschen Spur. Zwar stimmt es, dass die taz häufig als grünen-nah oder grün-alternativ bezeichnet wird. Aber das sind wir nicht deshalb, weil Bündnis 90/Die Grünen uns dafür bezahlt oder mitfinanziert. Sondern weil die taz und die Grünen aus der gleichen Bewegung kommen, nämlich der 68er-Bewegung. Die musste feststellen, dass die damals etablierten Medien nicht über die Themen berichteten, die sie wichtig fand, etwa über die Umwelt oder die “Dritte Welt”. Die Berichterstattung über die Studentenbewegung bestand im besten Fall aus Unverständnis, im schlechtesten Fall aus einseitiger Hetze. Zudem erklärten sich die bestehenden Medien damals bereit, auf Wunsch der Regierung bestimmte Informationen nicht zu veröffentlichen (siehe etwa http://www.zeit.de/1977/41/informationen-als-schweigegeld).

    Nach und nach gründeten sich alternative Stadtzeitungen, zum Beispiel in Frankfurt der “Pflasterstrand” oder der “Informationsdienst für unterdrückte Nachrichten”. Bei der taz entstand aus dieser 68er-Bewegung heraus und aus den lokalen Projekten eine überregionale Tageszeitung. Aus der gleichen Bewegung gingen auch die Grünen hervor. Das Binnenklima bei der taz und bei den Grünen ist bis heute ähnlich. Hier wie dort Duzen sich alle untereinander (also die tazler untereinander und die Grünen untereinander – gegenseitig wird in der Regel gesiezt), die Kleidung ist wenig formal, es wird vom Einzelnen weniger Stromlinienförmigkeit erwartet als in anderen Zeitungen bzw. Parteien und das Maß an persönlicher Freiheit (eine abweichende Meinung zu drucken bzw sagen) ist relativ groß. Die taz und die Grünen eint zudem, dass viele der Redakteure und Parteimitglieder ähnliche weltanschauliche Werte haben und die gleichen Fragen an die Welt stellen. Zum Beispiel: Wer profitiert? Oder: Was bedeutet das für die Umwelt?

    Wir berichten über das Innenleben der Grünen mehr als über das Innenleben der FDP oder der CDU, weil es uns und unsere Leser (70 Prozent wählen die Grünen) mehr interessiert. Wir berichten viel mehr über parteiinterne Auseinandersetzungen bei den Grünen (was sicher nicht im Sinne der Parteistrategen ist, die es immer besser finden, wenn eine Partei als geschlossen und unzerstritten wahrgenommen wird) und kritisieren die Grünen oft auch heftiger. Um es mal zugespitzt zu sagen: Wenn die FDP etwas fordert, was wir nicht gut finden, dann regt das weniger auf – von denen ist ja eh nichts zu erwarten. Wenn aber die Grünen daneben liegen, ist die Enttäuschung höher.

    Und damit zu den konkreten Fragen:

    > Wie viel Geld spenden die Grünen an die taz?

    Keins.

    > In welcher Höhe sponsern die Grünen jährlich die taz?

    Ich weiß nicht, welches Sponsoring gemeint sein könnte.

    > Was erhält die taz für Informations-Stände der
    > Grünen bei Veranstaltungen der taz?

    Bei der jährlichen Geno-Versammlung gibt es keinen Grünen-Stand. Beim jährlichen taz-Kongress bin ich mir nicht sicher. Falls es so einen Stand gibt, wollen wir aber nicht mehr als ein paar hundert Euro dafür.

    > Wie viele Genossenschafts-Anteile wurden
    > in welcher Höhe von Mitgliedern und/oder
    > Mitarbeitern der Grünen gezeichnet?

    Das wissen wir nicht. Die Genossen müssen uns nicht mitteilen, ob sie Mitglied eine Partei sind oder wer ihr Arbeitgeber ist. Wir haben auch keinen Einblick in die Mitgliederdatenbank oder eine Mitarbeiterdatenbank der Grünen.

    > In welchem Umfang unterstützen die Grünen
    > die taz beim Organisieren von Veranstaltungen?

    Wenn wir zu einer Veranstaltung (etwa taz-Kongress, Diskussion im taz.cafe) einen Politiker der Grünen einladen, erhalten wir oft eine Zusage. Die Organisation im engeren Sinne machen wir alleine.

    > Ich weiß unter anderem, die taz nutzt Räumlichkeiten
    > der Grünen für Jahresversammlungen, über die
    > Heinrich-Böll-Stiftung.

    Richtig, wir mieten dort Räume an (Foyer, Großer Saal 1+2), und zahlen dafür den üblichen Preis.

  9. Man dankt für die aufmerksame Antwort. Sie betreuen den Blog in einer ausgesprochen sorgsamen Art und Weise.

    Wenn die Partei “Bündnis 90/Die Grünen” die taz in wesentlichem Umfang finanziert, dann wird sie das sicher nicht öffentlich machen. Ich kann mir verdeckte Finanzierungen vorstellen. Dazu frage ich:

    Wie viel Geld spenden die Grünen an die taz?

    In welcher Höhe sponsern die Grünen jährlich die taz?

    Was erhält die taz für Informations-Stände der Grünen bei Veranstaltungen der taz?

    Wie viele Genossenschafts-Anteile wurden in welcher Höhe von Mitgliedern und/oder Mitarbeitern der Grünen gezeichnet?

    In welchem Umfang unterstützen die Grünen die taz beim Organisieren von Veranstaltungen?
    Ich weiß unter anderem, die taz nutzt Räumlichkeiten der Grünen für Jahresversammlungen, über die Heinrich-Böll-Stiftung.

  10. Partei Lichkeit: Ich glaube, dass wir manchmal als Grünen-Parteizeitung wahrgenommen werden, weil viele taz-Redakteure in vielen Fragen die gleichen Ansichten haben wie viele Grüne. Das muss nichts mit einer Finanzierung durch die Grünen zu tun haben. Die Wähler der Grünen wählen die Grünen ja auch deshalb, weil sie ähnliche Ansichten haben und nicht, weil sie Geld von ihnen bekommen.

    Dies vorausgeschickt ist es aber tatsächlich so, dass die Grünen der taz Geld zahlen. Die Partei schaltet immer mal wieder bezahlte Anzeigen in der taz. Insgesamt machen wir zehn Prozent unserer Einnahmen mit Anzeigen. Allerdings kommen nur die wenigsten Anzeigen von den Grünen. Die meisten Anzeigen kommen von Unternehmen, Initiativen, Verbänden und Privatpersonen, einige Anzeigen kommen auch von anderen Parteien.

    Eine zweite Quelle für Geld von den Grünen sind Abos. Wenn zum Beispiel eine Landesgeschäftsstelle der Grünen die taz abonniert, dann bezahlen die uns dafür. Gemessen an unserer Gesamtauflage ist das aber marginal.

    Ich würde jetzt mal als grobe Größenordnung sagen, dass wir von den Grünen weniger als 0,1 Prozent unserer Einnahmen bekommen.

    Zur finanziellen Abhängigkeit der taz von externen Geldgebern habe ich hier mal etwas geschrieben:
    http://blogs.taz.de/hausblog/2011/02/28/unsere-finanzielle-abhaengigkeit/

  11. Meiner Ansicht nach ist es eine uralte Weisheit, dass Journalistinnen und Journalisten in keine Partei gehören. Das war doch einmal im 19. und 20. Jahrhundert. Damals waren Zeitungen Partei-Zeitungen.

    Heute dürfte klar sein, dass Bürgerinnen und Bürger unabhängige Informationen zum politischen Geschehen brauchen.

    Für Anhängerinnen und Anhänger von Parteien gibt es Publikationen bei den Parteien. Felix Dachsel, Sie sind als Parteimitglied in der taz am falschen Ort.

    Vielleicht sollte der Beitrag von Felix Dachsel das Image der taz aufbessern, nachdem Peer Steinbrück das Lesen dieser Zeitung mit den Grünen in Verbindung gebracht hatte. Der taz werfen viele vor, sie sei die Partei-Zeitung der Grünen. Wie viel steckt dahinter? Wie viel finanziert die Partei Bündnis 90/Die Grünen bei der taz?

  12. Meinungsvielfalt wird durch viele Meinungen gesichert.
    Nicht einseitige oder sympathisierende Journalisten gefährden die Meinungsfreiheit sondern zu wenig Medien.

  13. Pingback: Blog » Blog Archive » SPD-Mitglied

  14. Lustig, lustig, dieser Blog. Bin über meinen RSS-Reeder aufmerksam geworden. Hab die US-Wahl und anderen Unsinn verpaßt, aber freue mich jetzt über diesen putzigen Journalisten und einige Kommentare.
    Macht alle weiter so ;-)

  15. Die einzige Chance der SPD sind junge Leute, die die Agenda 2010 nicht mitbekommen haben oder alte, die sich nicht mehr daran erinnern können.

  16. Ich bin schockiert. Grüne oder Linke, das ginge ja noch, von mir aus auch Tierschutzpartei. Aber die Atom-, Gentechnik- und Sozialabbaupartei SPD? Da muss ich die taz gleich abbestellen.

  17. Sebastian Heiser:

    Der Kommentar ist jetzt weg. Ich müßte ihn noch mal schreiben. Dazu habe ich keine Lust. Und mal ehrlich – die Republik hätte ich damit auch nicht gerettet.
    Aber danke für’s kümmern.

  18. Fred Schywek: Nein, nur die Uhr.

  19. Real Life: Ich kann den Fehler leider nicht nachvollziehen. Es scheint sich um einen typischen Ab-und-zu-Fehler zu handeln, der nur ab und zu auftritt, da sowohl bei dem dortigen Blogbeitrag andere Kommentaroren kommentieren können als auch Sie hier in diesem Blogbeitrag kommentieren können. Bitte versuchen Sie es doch nochmal. Oder stellen Sie ihren Kommentar hier rein, dann kopiere ich ihn rüber zum anderen Beitrag.

  20. EURE UHR STIMMT NICHT. Es ist alles aus der Fuge?

  21. Wer diese SPD unterstützt, ist mitverantwortlich für die größte Sozial-Katastrophe der Nachkriegszeit.
    FRED SCHYWEK – Duisburg am Rhein

  22. Deshalb ist die taz Scheiße. Gute Journalisten sind in der Lage, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Ich bin Mitglied der SPD. Punkt. Wenn man unter dem Zwang steht, eine Zeitung voll schreiben zu müssen, obwohl man nichts zu sagen hat, kommt die taz dabei heraus. Scheiße eben.

  23. … eine unbekannte Anzahl an Usern will das wissen. Irgendetwas höher als 20 dürfte es allemal sein.

  24. Und, wer will das wissen!?

  25. OHJEH! So ein ehrliches Bekenntnis zu so einer komplett verlogenen Partei.

    Muss es denn ausgerechnet die Parteimitgliedschaft bei den Spezialdemokraten sein? Die Partei, die die ArbeitnehmerInneninteressen während ihrer rot-grünen Regierungszeit derart nachhaltig verraten hat? Die SPD ist seit 1998 neoliberal. Wer sich heute – nach Agenda 2010- und Hartz-Iv-politik immernoch vormacht, diese Partei sei
    auf der seite der Arbeitnehmer, der ist entweder dämlich oder uninformiert.

    Übrigens: Auch die Gewerkschaften haben tatenlos zugesehen, als SPD und Grüne Leiharbeit, Minijobs, den ganzen Niedriglohnsektor und die prekäre Beschäftigung samt folgender Armutsrenten in Deutschland eingeführt haben.

    “Es gibt Arbeitgeber und Arbeitnehmer, und solange es die gibt, wird es einen Konflikt zwischen ihnen geben, egal wie freundlich und kumpelhaft der Arbeitgeber tut. Ich glaube, wir brauchen starke Gewerkschaften. Ich glaube, wir brauchen mehr Streik, mehr mutige Betriebsräte, mehr Aufstand der Belegschaften.”

    Das alles glaube ich auch. Und deshalb kann man heute – wenn überhaupt – nur in die Partei DIE LINKE eintreten, denn die hat uns bisher wenigstens nur auf Landesebene verraten. Und nicht im flächendeckend und gründlich im Bund so wie SPD und Grüne von 1998 – 2005.

  26. Da ist wohl jemand mutiger als ich (siehe meinen Blogbeitrag zum selben Thema). Und aus Deiner Warte heraus müsste ich wohl den Beruf wechseln. Mich würde interessieren, welche Erfahrungen Du seit Deinem Bekenntnis gemacht hast?

  27. wieso ist es nicht möglich, bei dem Beitrag zur Einnahmesituation im Dezember Kommentare zu schreiben?
    nach absenden passiert nichts, absolut nichts. technik nicht im griff oder was?

  28. Lieber Journalist!
    Ein wunderbares Statement, nur leider ist ihre Partei völlig unglaubwürdig. Ob Seeheimer Kreis oder Pseudo-Genosse: eine Posse. Die SPD kann keinesfalls Kanzler, aber wenigstens Herr Dachsel hat seinen Beruf verstanden. Kompliment

  29. Hätten sie den Namen der Partei nicht erwähnt, in der sie sind, ich hätte vermutet, sie sind in der Linkspartei.

    Starke Gewerkschaften, Betriebsräte, Streiks …das war vielleicht die SPD vor 50 Jahren, aber die heutige wird von rechtspolitischen Trotteln geführt, spätestens seit dem Schröder-Blair-Papier das scheinbar das wichtigste Dokument der Neuzeit der SPD ist.

    Treten sie aus und laufen sie in eine vernünftige Partei über, die SPD hat fertig und ihre Verantwortlichen werden bald [Restkommentar gelöscht, S. Heiser]

  30. Es gibt links und rechts, es gibt ökomische Sozialisten und kulturelle Sozialisten.

    Felix Dachs versteht sich als Linker, und ist bewegt von einem Streben nach mehr sozialer Gerechtigkeit, und er hat Mitleid mit armen Asylsuchenden, die er als Unterdrückte wähnt. Aber wo ist sein Mitleid für die die deutsche Arbeirterschaft, die deutschen Geringverdiener, die unter den der Massenzuwanderung wie sie etwa durch Asylweg erfolgte und deren direkten Folgen,, wie sie ausgerechnet Thilo Sarrazin in seinem Buch beschrieb.

    Es sind doch Arme und Geringverdiener, die nicht einfach in ein besseres Viertel umziehen können, und dann als “Restdeutsche” zurückbleiben, wenn ihr altes Arbeiterviertel durch den Zuzug nichteuropäischer Migranten in ein “Brennpunktviertel” verwandelt, indem sich nicht mal mehr die Polizei hineintraut.

    Es sind doch gerade Arme und Geringverdiener, die ihre Kinder auf von nichteuropäischen Migranten dominierten Schulen schicken müssen, in denen diese als ethnische Minderheit in extremen Maß ausgegrenzt werden. http://www.morgenpost.de/berlin/article1416520/Wie-Migranten-deutsche-Kinder-mobben.html

    Es sind doch gerade Arme und Geringverdiener, die darunter leiden, dass es in ihrem Viertel das Stadtbad oder die Bücherei schließen muss, weil der Sozialleistungsbedarf der nichteuropäischen Migranten, den halben Gemeindeetat aufzehrt.

    Es sind doch gerade Arme und Geringverdiener – Geringqualifizierten- auf die sich das Zuwanderungs-bedingten Überangebot an Arbeitskräften, und dessen Folgen(Lohndumping, verstärkter Konkurenzkampf) zuerst auswirkt.

    Und da kommen wir auch zum einer entscheidenden Aussage:

    Ich bin stolz, Sozialdemokrat zu sein. Mein Bekenntnis lautet: Ich glaube, wir brauchen Parteien. Ich glaube, es gibt rechts und links. Es gibt Arbeitgeberund Arbeitnehmer, und solange es die gibt, wird es einen Konflikt zwischen ihnen geben, egal wie freundlich und kumpelhaft der Arbeitgeber tut. Ich glaube, wir brauchen starke Gewerkschaften. Ich glaube, wir brauchen mehr Streik, mehr mutige Betriebsräte, mehr Aufstand der Belegschaften. Ich glaube, die soziale Marktwirtschaft ist eine Illusion – aber solange es sie gibt, sollten wir das Soziale einfordern, so gut es geht.

    Und diese Arbeitgeber sind es, die lautstark nach Zuwanderung, und für eine “offene, multikulturelle Gesellschaft” rufen, wie etwa der Goldman-Sachs-Vorstand und Bilderberger Peter Sutherland. Sutherland erklärte gegenüber der BBC:

    Der UN-Sonderbeauftragte für Migration [Peter Sutherland] hat die EU aufgefordert, “ihr Bestes zu tun”, die “Homogenität” der Mitgliedsstaaten zu “untergraben”.

    Peter Sutherland erklärte vor Mitgliedern des britischen Oberhauses, der künftige Wohlstand vieler EU-Staaten hänge davon ab, dass sie multikultureller würden.

    (…)

    Dies sagte er im Zuge einer Befragung durch den Unterausschuss für innere EU-Angelegenheiten des Oberhauses, der Fragen der globalen Migration untersucht.

    Peter Sutherland, der zugleich Non-Executive Chairman von Goldman Sachs International und ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Ölkonzerns BP ist, leitet das Globale Forum über Migration und Entwicklung, in dem Vertreter von 160 Nationen Ideen zu politischen Konzepten austauschen.

    Er erklärte dem Ausschuss, Migration sei ein “entscheidender Motor für das Wirtschaftswachstum” in einigen EU-Nationen, “so schwierig es auch sein kann, dies den Bürgern jener Staaten zu erklären.”

    Mehr Offenheit

    Alterung und Niedergang der einheimischen Bevölkerung in Ländern wie Deutschland seien das “entscheidende Argument … für die Entwicklung multikultureller Staaten”, fügte er hinzu. “Es kommt nicht in Betracht, dass das Maß an Homogenität … aufrechterhalten werden kann, weil Staaten sich für neue Einwohner öffnen müssen, wie das Vereinigte Königreich demonstriert hat.

    (…)

    Gegenüber dem Oberhaus-Ausschuss drängte Peter Sutherland die Mitgliedsstaaten der EU, in der Einwanderungspolitik enger zusammenzuarbeiten, und befürwortete ein globales Herangehen an das Thema – zugleich kritisierte er den Versuch der britischen Regierung, die Einwanderung von ihrem bisherigen Stand auf “einige zehntausend” pro Jahr herunterzufahren.

    (…)

    Er sagte, Großbritannien setze mit dieser Politik seinen traditionellen Status als “tolerante, offene Gesellschaft” aufs Spiel und schädige massiv sein höheres Bildungswesen, und zwar sowohl intellektuell als auch finanziell.”

    Quelle: http://www.bbc.co.uk/news/uk-politics-18519395
    Quelle Übersetzung:http://korrektheiten.com/2012/06/23/peter-sutherland-un-migration-ethnische-homogenitaet-multikulturell/

    Aus diesem Grunde waren Linke und Gewerkschaften, in der Vergangenheit, weil sie um das Wohl der Arbeiter besorgt waren, immer sehr Zuwanderungsfeindlich. Aber die heutigen Linken sind größtenteils keine ökomischen Linken mehr, sondern kulturelle Linke – Multikulturalisten, “68er”-Ideologien, oder Kulturmarxiste– wie man es auch nennen möchte , und interessieren sich weniger für das Wohl und Interessen der Arbeiterschaft – erst recht nicht wenn diese deutsch oder europäischstämmig sind– sondern um das Wohl nicht-westlicher, nichteuropäischer Migranten, –Muslime, Afrikaner, Yeziden,– sie als eine “Arbeiterklassen-Ersatz” ansehen, und auch ihre Stammwählerschaft bilden. Auf das eigene Volk, deren Kultur usw. blicken sie dagegen herab unabhängig von der Klassenzugehörigkeit

    Und die (heute fast ausschließlich kulturellen) Linken haben diesen Bestrebungen der Großkapitalisten hin zur Anschaffung der Nationalstaaten und homogener Kulturnationen (oder im Falle Deutschlands, das was noch davon übrig geblieben ist) nichts entgegenzusetzen. Im Gegenteil, mit ihrem Multikulturalismus und ihrem Hass auf das eigene Volk, unterstützen sie diese Interessen auch noch.

  31. Danke für deine “Offenbarung”.

    Ich finde das wichtig und gut. Ich möchte gerne einordnen können, wer wie warum argumentiert; welches Motiv bewegt den Schreiber, wofür engagiert und interessiert er sich (bzw sie natürlich). Dazu gehört auch der sozio/kulturelle/politische Hintergrund.

    Gerade als politisch Aktiver (Piraten) weiß ich mit kritischen Berichten dabei auch viel besser umzugehen und sie zu gewichten, zu werten und dann auch in Pro und Contra umzusetzen.

  32. @Marco Hoffmann: Die Landesregierung von Schleswig-Holstein – weil er sich damals eben in seiner Geburtsstadt Lübeck aufgehalten hat – gab ihm 1947 die deutsche Staatsbürgerschaft zurück. 1947 gab es kein deutsches Reich mehr aber auch noch nicht BRD und DDR, die Länder waren also die höchste Stelle, die es damals gab. Willy Brandt war ab 1947 sehr wohl deutscher Staatsbürger, sonst hätte er garnicht Bundeskanzler werden können. Und ich würde eine Aberkennung der Staatsbürgerschaft durch die Nazis nun wirklich nicht als Argument gegen jemanden verwenden. So etwas ist eine moralische Auszeichnung 1. Grades.

    @Gerda Fürch:
    1. Er weiß nicht, ob er Beiträge zahlt. Vermutlich hat er das per Dauerauftrag auf der Bank erledigt, sonst wären ja mal Zahlungserinnerungen ins Haus geflattert.
    2. “Die Mitgliedschaft endet durch Tod, Austritt oder Ausschluss.”
    Parteiausschlüsse gibt es nicht wegen nicht gezahlter Beiträge, weil ein Parteiausschlussverfahren aufwendig ist und erstmal von jemandem beantragt werden muss, ein Automatismus existiert hier nicht. Der/diejenige bleibt als Karteileiche weiter Mitglied, schon allein, um nach außen eine größere Anzahl Mitglieder angeben zu können.

    @Topic: Parteimitgliedschaften sind gut, dass sie heute bei vielen verpönt sind und man dadurch Schwierigkeiten im Beruf hat (nicht nur im Journalismus), ist beängstigend und eine Gefahr für unsere Demokratie.

  33. Du sprichst ein interessantes Thema an und ich kann deinen Standpunkt verstehen. Ich glaube nicht, dass eine Parteimitgliedschaft dich automaitsch zu einem unkritischen Journalisten macht. Jeder Mensch hat eine Meinung, jeder Mensch hat eine Weltanschauung, jeder Mensch ist auf seine Weise “parteiisch”, auch wenn er sich als unparteiisch darzustellen versucht. Neutralität ist ein Mythos. Du gibst wenigstens nicht vor, neutral oder objektiv zu sein.

    Ich verstehe nur nicht, warum nicht du mal prüfst, ob du überhaupt noch Parteimitglied bist. Da dir an deiner Partei eetwas liegt (was auch immer), solltest du wenigstens deinen Beitrag zahlen. Das ist A) nicht zuviel verlangt und macht sie B) ein bisschen unabhängiger von den Geldgeschenken der Großkonzerne.

    Es kann sein, dass du seit Jahren kein Genosse mehr bist, dann hättest du dir zumindest für dich all diese Überleungen sparen können ;-)

  34. Die Frage ist doch, ob Menschen (Journalisten) ohne Parteibuch keine Vorlieben und Vorurteile, keinen moralischen und keinen politischen Standpunkt haben. Ich glaube und hoffe: nicht. Also! Solange Felix Dachsel kein Funktionsträger ist …

  35. Mein Herz hängt daran und ich müsste Formulare ausfüllen. Gibt kein Formular, formlose Beendigung der Mitgliedschaft genügt, Parteibuch beifügen.

    Warum? “Das geht nicht. Das dürfen Journalisten nicht.” Warum eigentlich nicht? Weil Journalismus nicht befangen sein darf, weil Journalisten auch nur Menschen sind, und weil es euch immer vor einen Zwiespalt stellt.

    Sozialdemokraten wiederum erwarten gefällige Berichterstattung, jedenfalls die direkt Betroffenen.

    Dritte wiederum unterstellen immer das selbe.

    Das wird euch ein Leben lang beschäftigen. Oder immerhin bis zur Beendigung der Mitgliedschaft oder zum Berufswechsel.

    (Rest des Kommentars gelöscht, in dem angedeutet wird, dass ein anderer Ex-Redakteur der taz Parteimitglied ist, obwohl er bei uns über politische Themen geschrieben hat. Im Hausblog kann sich jeder selbst als Parteimitglied outen, das Outing von anderen Personen wird an diesem Ort allerdings nicht unterstützt. Da die Person auch nicht mehr in der taz arbeitet, kann ich sie auch nicht fragen, was dran ist. Sebastian Heiser)

  36. Ich kenne das Problem, Felix. Vor zwei Jahren saß ich in einer Berliner Bibliothek, wo ich immmer zum Schreiben hinging, und entdeckte zufällig das Buch: “… auf dem Dienstweg: Die Verfolgung von Beamten, Angestellten und Arbeitern der Stadt Berlin 1933 bis 1945″.

    Ich las die Geschichte vom damaligen Oberinspektor des Bezirksamtes Kreuzbergs, Friedrich Küter (SPD). Er benutzte nicht den Hitlergruß und fragte Leute, die mit dem Hitlergruß grüßten, ob es keinen “Guten Tag” mehr gebe. Küter verschwand im KZ. Nach der Geschichte wollte ich in die SPD eintreten. Um irgendwie meinen Beitrag für die Demokratie zu leisten. Ich war aber unsicher, wegen unabhängigem Journalismus und so, auch, wenn ich gar nicht über Politik schreibe.

    Ich schrieb jedenfalls Heribert Prantl von der SZ einen Brief und fragte ihn, was er darüber denke. Er antworte, meine Begründung sei aller Ehren wert, aber grundsätzlich sei er bei sowas skeptisch, da es bei “(politischen) Journalisten” die “Besorgnis der Befangenheit” wecke, “um es juristisch zu formulieren”. Ich bin dann nicht eingetreten und vermisse auch nichts. Ich kann Deine Argumente aber völlig nachvollziehen. Zuallererst gilt sowieso: Wir brauchen mehr Journalisten mit Haltung!

  37. Parteien sind nicht die Löser der Probleme, sie sind das Problem. Viele verstehen Demokratie als die Macht der Wähler, der Mehrheit. Das ist grundlegend falsch. Denn sonst wäre jede Kneipenschlägerei ein demokratischer Akt. Demokratie hat nicht die Rechte vieler über die Weniger zu stellen, sondern lediglich ein Recht auf Recht darzustellen. Also auch Minderheitenschutz. Und Politik darf nur die Freiheit der Bürger garantieren, sonst nichts. Von mir aus können sie in jeder Partei sein, auch in der NSDAP, solange sie niemanden dazu zwingen ebenfalls Parteimitglied zu werden, oder dies gut zu finden.

  38. Herzliches Beileid! Kommen Sie doch zu den Anarcho-Kapitalisten. Wir machen keine Politik, weil “Politik” schlicht das Mittel ist, sich mit aggressiver Gewalt das Eigentum anderer anzueignen.

    Damit sind Sie richtig trendy, versprochen!


  39. Von Brandt stammt das Zitat, dass es kein Widerspruch sei, Sozial de mo kr at u nd guter Journalist zu sein!

    Und Willy Brandt ist auch ein Beispiel dafür, dass es kein Widerspruch ist, Kanzler der Bundesrepublik Deutschland und Norweger zu sein. Übrigens hatte Willy Brandt keine Doppelstaatsbürgerschaft, sondern seit seiner Ausbürgerung unter Hitler keine deutsche und seit seiner Einbürgerung in Norwegen, wo er auch Soldat war, bis zum Tode aUsschließlich die norwegische Staatsbürgerschaft (auch beim Kniefall in Polen) – die SPD macht’s möglich!

    Irgendein Bürgermeister o.ä. hat Willy 1947 o.ä. die deutsche Staatsbürgerschaft (zurück?)gegeben, aber das ist so, als würde iCh tibetische Staatsbürgerschaften verteilen..

  40. Karl Marx war Journalist, Willy Brandt auch!
    Von Brandt stammt das Zitat, dass es kein Widerspruch sei, Sozialdemokrat und guter Journalist zu sein!
    Kollegiale Grüße

  41. @nonationnoborder:

    Damit statt korrupten Politikern rassistische Komplexe über “schwarze Schafe” und die BILD-Zeitung die Meinung bilden? So pöbelhaft die Politiker erscheinen, der wahre Pöbel herrscht in einer “direkten Demokratie”.

    Sie entschuldigen, wenn sich meine Begeisterung in Grenzen hält [haha, Wortspiel].

    Erklärung: Mit schöner Regelmäßigkeit wird uns hierzulande gezeigt, welch großer Anteil an der Bevölkerung ein geschlossen rechtes Weltbild hat 9%), bzw offen chauvinistische (20%) und ausländerfeindliche (25%) Meinungen vertritt. Die paar Steinbachs, Sarrazins, Buschkowskis und Friedrichs können dagegen kaum anstinken. Besser, diese Leute stimmen nicht direkt ab, sondern geben ihre Stimme an Parteien, die sich zumindest halbwegs demokratisch geben.

  42. wir brauchen keine Parteien, wir brauchen echte Demokratie!
    Parteien Demoraktie führt zu der Herrschafft des Pöbels die wir heute haben…

  43. Netter Text mit ein paar witzigen Pointen. Meine Highlights: Die SPD sei links, xD
    Steinbrücks “anarchische” Ader =)

  44. “Aber ich mag seine anarchische Ader, Dinge auszusprechen, von denen er überzeugt ist.”
    Wer dem Steinbrück glaubt, daß er davon überzeugt ist, also von den Dingen, die er täglich so absondert, ja, der ist in der SPD gut aufgehoben, als kritischer Journalist hingegen, vor allem in der Taz, jedoch eher fehl am Platz.

  45. Okay, also langsamer und noch einmal:

    P. S.

    Im übrigen bin ich der Meinung, daß Journalistinnen und Journalisten in ihren Kommentaren sehr wohl parteilich sind und sein dürfen!

  46. Gut, daß Sie sich zur Sozialdemokratie bekennen und diese verteidigen!
    Ich bin 1992 aus der SPD ausgetreten (aus guten Gründen).

    Wenn Sie seit mehreren Jahren keine Mitgliedsbeiträge mehr gezahlt haben und sich auch nicht daran erinnern können, sind Sie nicht mehr Mitglied in der SPD. Wer auf Zahlungsaufforderungen nicht reagiert, was ich mir im Laufe Ihres anstrengenden Studiums gut vorstellen kann, bedeutet das automatisch eine Austrittserklärung!

    Sie sind also heute Symphatisant der SPD, aber kein gezähltes Mitglied mehr.

  47. Na, nu wollt ich hier meinen Senf dazu geben und dann ist alles schon gesagt…

    Respekt für das Statement, aber Sie sind eindeutig in der falschen Partei. Nicht, weil die SPD *die* falsche Partei ist, was sie ist, weil sie tut, als wäre sie die richtige Partei für Sie, sondern, weil sie die falsche Partei für Sie ist. Weil die Agenda2010 eine breit angelegte Entmachtung und Zerschlagung der Gewerkschaften bedeutet. Weil sie die Arbeiter entrechtet und zu Zwangsarbeitern gemacht hat. Weil das immer neu austarierte Gleichgewicht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nachhaltig zerstört wurde. Weil Zeitarbeiter praktisch nicht streiken können, zum Ausgleich aber immerhin schlechter bezahlt werden (ja, so ist das tatsächlich gedacht, das gibt’s so nur in Deutschland). Weil Arbeitssuchende Jobs nicht ablehnen können, bloß weil sie für diese Arbeit nicht bezahlt werden. Weil die SPD die Partei der Arbeitgeber, nicht der Arbeitnehmer ist.

  48. @westernworld

    Treffer, versenkt. :D

  49. Hallo Herr Dachsel,
    ihr Offenheit ehrt Sie!
    Ich bin ihrer Meinung, wenn Sie behaupten “Den heftigsten Streit hat man eben in der eigenen Familie.”, und ich bin davon überzeugt, daß Sie unparteiisch schreiben und berichten.
    Leider ist in unserer politischen Landschaft eine Dummheit Usus geworden, der Fraktionszwang. Für eine Demokratie, für gewählte VOLKSvertreter eigentlich undenkbar.
    Ich war vor einigen Jahren kurz davor, dieser ihren Partei beizutreten, weil ich in diesem Land etwas bewegen will. Leider überzeugten mich Einzelgespräche mit mehreren hochrangigen Angehörigen der SPD nicht, schreckten mich sogar ab, ich fand dann meine politische Heimat später in der ddp.
    Ich hoffe, daß sie weiterhin ihre Meinung vertreten, egal welcher Partei oder Redaktion sie angehören, daß sie nie ihre Ideale verraten.

    Mit aufrichtigem Dank,
    Wolfgang Dillenburger

  50. ” Ich glaube, wir brauchen Parteien. Ich glaube, es gibt rechts und links. Es gibt Arbeitgeber und Arbeitnehmer, und solange es die gibt, wird es einen Konflikt zwischen ihnen geben, egal wie freundlich und kumpelhaft der Arbeitgeber tut. Ich glaube, wir brauchen starke Gewerkschaften. Ich glaube, wir brauchen mehr Streik, mehr mutige Betriebsräte, mehr Aufstand der Belegschaften.”

    gut gebrüllt löwe kann ich problemlos unterschreiben bin ich völlig bei ihnen, aber was in drei engels namen wollen sie mit solchen ansichten in dieser partei?

  51. Schön gesagt! Zwar halte ich auch nicht so viel von der SPD, jedoch bin ich beeindruckt von deiner Ehrlichkeit! Genau das brauchen wir jetzt!