Unsere neue Wochenendausgabe: Was wichtig ist, braucht Zeit

taz-Chefredakteurin Ines Pohl

taz-Chefredakteurin Ines Pohl

Was ist eigentlich eine Zeitung? Ein Stapel bunten Papiers, nachts bedruckt, am Morgen ausgeliefert? Nicht mehr als eine Sammlung von Artikeln und Fotos, die zwangsläufig mindestens von gestern sein müssen, wenn die Leserinnen und Leser sie in Händen halten? Wenn dem so wäre, müssten wir in großer Sorge sein. Dann wäre in der Tat das Ende aller Zeitungen zu erwarten. Das Geschäft mit den Nachrichten wandert dann ins Gratisnetz – und basta!

Wie gut, dass gerade unsere taz so viel mehr ist als eine bloße Zusammenstellung von Einzelartikeln und Bildern. Diese Zeitung ist seit ihrer Gründung 1979 Ausdruck eines Lebensgefühls, eines In-der-Welt-Seins, das nie fertig ist, nie angekommen, sich immer wieder neu erfindet, ausprobiert, entwickelt.

Und das tun wir auch jetzt. Unkonventionell, wie man von uns erwarten darf, erfinden wir mit Lust und Kraft mal wieder unsere Zukunft.

Wie dieser Prozess genau abläuft, wohin er führt – darüber werden wir in den kommenden Wochen an dieser Stelle berichten. Unterstützt von Prominenz aus dem taz-Kosmos und dem Rest der Welt. Immer orientiert an der Frage, warum der Leser sie auch weiter will und braucht, die gedruckte Zeitung.

Es geht dabei vor allem um die Wochenendausgabe. Unser Grundgedanke ist, dass Printprodukte sich künftig noch deutlicher den Lebensrhythmen ihrer Leserschaft anpassen müssen. Ja, es gibt auf der einen Seite das schnelle Netz mit den Onlineportalen wie taz.de, in denen eine gewisse Nachrichtensicherheit und die Geschwindigkeit der Übermittlung eine große Rolle spielen. Entsprechend werden wir im März mit einem gründlich überarbeiteten Onlineauftritt erscheinen. Dazu werden Sie in den kommenden Wochen hier ausführlich informiert.

Außer online zu gehen, greifen viele Menschen jedoch mittlerweile besonders am Wochenende zu einer gedruckten Zeitung. So zeigt die Wochenendausgabe der taz schon jetzt eine höhere und stärker wachsende Auflage als die werktägliche. Die LeserInnen wünschen sich offensichtlich an den entschleunigten Tagen der Woche eine Zeitung, die andere Bedürfnisse als die nach frischesten Nachrichten befriedigt. Entsprechend werden wir am 20. April mit einer neuen Wochenendausgabe auf den Markt kommen, passenderweise zum 34. taz-Geburtstag, der auf dem taz.lab gefeiert wird.

Wir nehmen uns das Recht zu sagen: Was wichtig ist, das braucht auch Zeit – die Zeit, den Hintergrund der Nachricht zu recherchieren, sie sorgfältig aufzuschreiben und opulent mit Bildern und Grafiken zu gestalten.

Die taz steht ja nicht nur für eine bestimmte Haltung in der Welt, sondern auch dafür, die Welt anders zu vermessen. Wir werden künftig am Wochenende das Beste aus der zu Ende gehenden Woche aufbereiten. Und werden uns von den Zwängen einer der Aktualität verschriebenen Kleinteiligkeit verabschieden. Die Verlaufsberichterstattung belassen wir in der täglichen taz.die tageszeitung, um zum Wochenende unsere Stärken noch besser zu nutzen.

Wir versprechen uns dabei, dass der kritische Blick nicht nur das Elend der Welt entdeckt, sondern auch das Vorwärtsweisende. Die Fragen, die wir bisher auf Kongressen und in Sonderausgaben diskutieren, stellen wir mit Absicht in den Mittelpunkt: Was ist das gute, das bessere Leben? Wo sind die guten Nachrichten? Während wir werktags auf taz.de und in der gedruckten Ausgabe berichten, wie die Dinge sind, zeigen wir am Wochenende, wo es langgehen könnte.

Die sonntaz wird dazu gesellschaftliche Fragen der Zeit bewusster verhandeln. Während wir also auf den aktuellen Seiten den gegenwärtigen Pferdefleischskandal recherchieren und Forderungen zur Verbesserung der Lebensmittelkontrolle Raum verschaffen, werden wir in der sonntaz diskutieren, wie sich gerade der Stellenwert der Ernährung im modernen Leben wandelt. Vom täglichen Tamtam zum großen Ganzen.

Seien Sie gespannt!

Kommentare (5)

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  1. @ noi,
    jo(!), was haben wir gelacht, Bedna!
    Du hast gewohnt einfältig ‘einfach’ begriffen, worum es geht;
    Z.B., damit Du weiterhin ungestört solche Kommentare wie z.B. diesen posten, freischalten kannst(?):
    https://www.taz.de/!c111186/ – 17.02.2013 23:47 Uhr

  2. @ ion:
    Dann schreib doch einfach keine Kommentare mehr.
    Scheint mir die einfachste Lösung.

  3. Ich protestiere gegen die offenbar massiv zunehmenden Nicht-Freischaltungen von taz-Leserkommentaren und erwarte, dass die taz endlich mal minimale Transparenz bezüglich ihres zunehmend undurchsichtiger werdenden Agierens betreffs der Leserkommentar-Selektion/-Zensur walten läßt, die sich eben nicht nur an der hauseigenen “Netiquette” orientiert und auch nicht durch das vorlaufende, von taz-AutorInnen in 2012 wiederholt insubstanziiert und ausgesprochen platt betriebene all-round-bashing vermeintlich überhand nehmender Trolle, etc., erklären ließe, resp.: somit etwa erübrigte – zumindest sollte z.B. zu jeder Lk-Spalte jedes Artikels automatisch auch die Anzahl ALLER eingegangenen aber NICHT freigeschalteten Lk-e zum jeweiligen Artikel eingeblendet werden. So manchem würde dadurch einiges klarer, resp.: fragwürdiger!
    Beste Gelegenheit, Frau Pohl:
    “(….). ….. werden wir im März mit einem gründlich überarbeiteten Onlineauftritt erscheinen. Dazu werden Sie in den kommenden Wochen hier ausführlich informiert.”

  4. “Gratisnetz” ist genauso ein schwachmatöses Gewäsch wie “free-tv”, Internet kostet viel Geld. Da allerdings auch weiterhin zu erwarten bleibt, daß 25-35% der Menschen sich entweder das nicht leisten können oder keinen Bock drauf haben, liegt die Zukunft in echtem Gratisjournalismus: Indymedia ausdrucken und verteilen.
    Vielleicht sollte die TAZ sich dem Markt anpassen und Internetzugang, Emailaccounts und den ganzen sonstigen Mist in einem Gesamtpacket mit Zeitung zum einwickeln anbieten; gute Leselampen nicht vergessen.

  5. Mit Schwerpunktthemen in der Wochenendausgabe und seiner täglichen Schwerpunkt-Titelseite, die dann auch noch (online) angekündigt werden, geht die taz schon jetzt in Richtung Zeitschrift. Was wahrscheinlich gar nicht so dumm ist, zumal es den Wochenzeitungen und Zeitschriften immer noch relativ gut ist. So könnte die taz mit als Zeitschrift-Zeitung tatsächlich eine Lücke füllen, die bisher noch niemand kannte.