Kein Geschäftsmodell: Das Internet als Flop vieler Verlage

Karl-Heinz Ruch, Verlagsgeschäftsführer der taz. Foto: Anja Weber

Karl-Heinz Ruch, Verlagsgeschäftsführer der taz. Foto: Anja Weber

Das Netz ist ein Turbo für die freie Information. Gut so! Aber geschäftlich ist das Internet ein Flop für viele Verlage. Das alte Geschäftsmodell der gedruckten Zeitung, Journalismus durch Leser und Anzeigenkunden zu finanzieren, funktioniert nicht mehr, und es kommt kein neues. In Deutschland werden die ersten Zeitungen eingestellt, Redaktionen aufgelöst. Die Stimmung in den Verlagen ist schlecht. Das äußert sich auch in schrillen Tönen gegen vermeintliche Gewinner wie Google oder die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren “Zwangsgebühren”.

Und wie ist die Stimmung in der taz? Auch in der Rudi-Dutschke-Straße wird die dramatische Entwicklung gerade bei den überregionalen Tageszeitungen mit Sorge beobachtet. Wird es uns in fünf Jahren überhaupt noch geben?

Überlebenskampf ist für die taz nichts Neues. Neu ist, dass andere diesmal auch betroffen sind, vielleicht noch mehr als die taz, weil das Anzeigengeschäft schwindet, das bei der taz nie eine tragende Rolle spielte. Die taz wird von vielen solidarischen LeserInnen getragen. Der taz-Solidarpakt bei den Abonnements, dass jedeR nach seinen und ihren Möglichkeiten einen Preis frei wählen kann, funktioniert seit 20 Jahren gut. Von dem Erfolg unseres digitalen Bezahlmodells “taz zahl ich” und den vielen positiven Reaktionen von Nutzern sind wir selbst überrascht. Finanziell wird dieses Modell bereits in diesem Jahr bei stark steigender Tendenz ein Drittel des digitalen Anzeigenumsatzes ausmachen und damit einen wichtigen Teil zur Finanzierung von taz.de beisteuern. Noch wichtiger als dieser rechenbare Erfolg ist für uns die Erfahrung, dass NutzerInnen von taz.de sehr wohl bereit sind, sich für ihre taz zu engagieren, ebenso wie LeserInnen der gedruckten taz. Dieses Moment von Teilhabe funktioniert offenbar in der Netzcommunity genauso wie bei den taz-Abonnenten oder in der taz-Genossenschaft. Für die taz ist das ein wahrlich gutes Signal.

Für dieses Frühjahr haben wir uns viel vorgenommen. Im März werden wir nach zweijähriger Vorbereitung einen überarbeiteten taz.de-Auftritt präsentieren. Es wird weiter möglich sein, taz-Artikel im Internet frei zu lesen. Wir setzen aber darauf, dass sich unsere LeserInnen im Netz das Angebot auch etwas kosten lassen, um die journalistische Unabhängigkeit der taz zu sichern.

Inzwischen gibt es eine größer werdende Zahl von LeserInnen, die nur noch am Wochenende zur gedruckten taz greifen. Wir nehmen diesen Zuspruch zum Wochenendabo und zur taz-Wochenendausgabe zum Anlass, noch einmal an deren Konzept zu feilen, um dann ab April mit einer neuen Wochenendausgabe bei den LeserInnen zu sein.

Kommentare (7)

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  1. Wenn man von den fehlenden €400.000/jahr großzügig 50.000 als werbungskosten abzieht (keine mark in die schokolade), fehlen immer noch 350.000/jahr, das ist aber gesellschaftlich betrachtet ein klacks, ein schnäppchenpreis.

    Da wurden doch zwei bahnhöfe oder flughäfen dicht beieinander in zwei bundesländern gebaut und der staub fegt durch die hallen – kam das bei das! oder bei quer oder wo.. jedenfalls nutzt pressefreiheit ohne presse nix und selbst der iran hat einen blätterwald, der hinter israelischer gag-order und militärzensor auch nicht zurückstehen muss.

    Ich meine, es gibt in der bundesdeutschen gesellschaftsform grundlegende mechanismen der wehrhaften demokratie und dazu gehört auch, dass man über fälle wie klaas faber und dass der bundestag nazis nicht ausliefert berichtet, auch wenn man kein rt-reporter ist oder über richard von weizäckers “härteste maßnahmen” kurz vor kriegsende 1945 (vgl. Bild) – man kann das nicht der murdoch-presse überlassen.

    Wer ist denn zuständig für politische bildung – schavan? Wenn ein dpa-artikel in dreißig zeitungen kopiert wird, dann ist das keine pressevielfalt und das netz der zuträger der ard (hab vergessen, wodrauf die zurückgreifen, aber die recherchieren in eigener infrastruktur) wird vor ort von “informanten” versorgt (vermutlich al-kaida), hat mal einer ausgeplaudert. Da ging es drum, wie man reportagen genehmigt bekommt oder so. Die staatspresse ist doch auch nicht anzeigenfinanziert – die gebühren müssten geteilt werden oder so.

    Gibt es nicht irgendwann mal ne gebührenreform? Warum müssen manche die medien der politischen gegner zwangsfinanzieren und die eigenen medien gehen bankrott, is das chancengleichheit?

  2. Marco Hoffmann: Für taz.de haben wir eigene Redakteure, die dafür bezahlt werden, sich um die Webseite zu kümmern. Deren Arbeit wird in diesem Video vorgestellt:
    http://blogs.taz.de/hausblog/2012/07/17/bezahlschranken-lochrige-paywalls-und-die-alternative-taz-zahl-ich/

    Es ist richtig, dass bei der gedruckten Ausgabe erhebliche Kosten für Druck und Zustellung anfallen. Allerdings sind die Leser der gedruckten Ausgabe auch bereit, dafür zu bezahlen.

    Im Jahr 2011 haben unsere Print-Leser uns rund 20 Millionen Euro gezahlt. Druck und Zustellung kosteten 9,7 Millionen Euro. Blieben also gut 10 Millionen Euro übrig, um damit unsere Mitarbeiter zu bezahlen.

    Die Online-Leser zahlten im Februar 12.200 freiwillig für taz.de. Wenn man das auf ein Jahr hochrechnet, sind das 146.000 Euro. Die Kosten für Hardware und Traffic lagen (Anfang 2011) bei rund 90.000 Euro im Jahr. Da bleiben also 56.000 Euro pro Jahr übrig, um damit unsere Mitarbeiter zu bezahlen. Das Problem ist nur: Allein für die Online-Redaktion arbeiten so viele Menschen, dass wir 480.000 Euro pro Jahr für sie ausgeben.

    Die Zahlen stammen teilweise aus verschiedenen Zeiträumen und sind nicht immer aktuell. Sie sind aber gut geeignet, um die Größenordnung zu demonstrieren: Die Online-Ausgabe verursacht zwar weniger Ausgaben – aber sie sorgt auch nur für sehr, sehr wenige Einnahmen. Unter dem Strich macht also unser Online-Auftritt ordentliche Verluste und wird von den Lesern der gedruckten Ausgabe mitfinanziert.

    Quellen:
    http://blogs.taz.de/hausblog/2012/09/06/2012-die-einnahmen-und-ausgaben-der-taz/
    http://blogs.taz.de/hausblog/2011/04/21/was_kostet_so_ein_artikel_auf_tazde_eigentlich_/

  3. Unterschätzt wird m.E. die Feedback-Funktionalität, so viele außendienstmitarbeiter muss man sonst erstmal finanziert kriegen und wenn kommentare nicht veröffentlicht werden, sondern stattdessen spiegel-artikel erscheinen, dann ist das im Sinne der taz-existenzberechtigung (s.u.) nur recht und billig.

    Dass die handwerkliche seite der ermittlungen und deren ergebnis-präsentation finanziert sein will ist beim datenträger homepage und den zustellungskosten sogar billiger, bzw. die printkosten müssen nicht wieder reinkommen mein ich. Machen die redakteure die homepage eigentlich nebenbei als unbezahlte überstunden?


    Die taz Genossenschaft ist eine engagierte Gemeinschaft. Wer hier mitmacht, findet eine politische Rendite wichtiger als finanzielle Gewinne. Denn eine Investition in die taz ist immer auch ein Engagement für die Pressefreiheit

    http://www.taz.de/zeitung/genossenschaft/

    Ich hab da vielleicht die falsche brille auf, ich denk vom gewünschten ergebnis über den dafür nötigen aufwand geteilt durch x gleich arbeit pro nase und nicht nasen mal arbeitsplätze gleich aufwandsbedürfnis.

    Wenn alle stricke reißen, muss ein tazpfennig her. Strom und wasser, sowie stahlindustrie unterliegt auch nicht den marktgesetzen. Krankenhäuser auch nicht und schulen auch nicht.

  4. WOLLT IHR GELD VERDIENEN ODER ALLES WEITERLEITEN, häää
    http://www.ulibeck.de

  5. WER WORDPRESS NUTZT DENKT ZU KURZ
    Uli
    http://www.ulibeck.de

  6. WER PENNT GLAUBT DAS UND VERÖFFENTLICHT ALLES BEI AMAZON, wer denkt wird schlauer…
    Uli
    http://www.ulibeck.de