taz.lab 2013: “Das Internet geht nicht wieder weg”

Von Donata Künßberg

Nicola Schwarzmaier, Enrico Ippolito, Mariam Lau, Kalle Ruch, Foto: David Oliveira

“Die taz wird dick und gemütlich“ ist seit Tagen von Plakaten zu erfahren. Auch das Gespräch zwischen Mariam Lau, politische Korrespondentin bei der Zeit, und taz-Geschäftsführer Karl-Heinz „Kalle“ Ruch über die Kunst der LeserInnen-Blatt-Bindung wird als „tiefenentspannt“ angekündigt. Und tatsächlich findet Aufregung angesichts des medialen Wandels eher im Publikum statt. Die blendend aussehenden Moderatoren Nicola Schwarzmaier und Enrico Ippolito führten durch die Veranstaltung.

Vieles ist bekannt: Die taz steckte 1990 in einer Krise, deren Lösung zu einem vitalen Unterstützerkreis führte, der sie auch in der Medienkrise gelassener agieren lässt. Die Genossenschaft, der politische Preis oder die traditionell vergleichsweise niedrigen Mitarbeitergehälter dürfen als Stützen der taz in stürmischen Zeiten betrachtet werden, die für Stabilität sorgen. Dass die Süddeutsche Zeitung heute zum Erscheinen der neuen taz.am Wochenende schreibt, der taz gehe es nicht gut, quittiert Geschäftsführer Ruch mit den Worten: „Es geht uns blendend. Wir stehen auf ganz vielen Beinen.“

Im Laufe des Gesprächs wurden zwar überwiegend Kernaufgaben klassischen Marketings verhandelt, doch auch grundsätzliche Positionen hinsichtlich eines zeitgemäßen Journalismus eingenommen. Klar ist: Eine stetige Einbindung der LeserInnen verschafft Wettbewerbsvorteile. Mariam Lau weist jedoch jegliche Anbiederung an die Leserschaft als „verhängnisvoll für den Journalismus“ zurück. Redaktionen sollten demografischen Wandel abbilden und als Gestus der Freiheit immer wieder schreiben, was den Leser kitzelt, was ihn kratzt.

Es gibt dennoch Fragen, die sich nicht sofort beantworten lassen. Zum Beispiel, wie man verstärkt Leserinnen erreicht  – und ob das durch die neue taz.am Wochenende begünstigt wird. „Ich habe gestern mehr sonntaz-Exemplare an Frauen verkauft als sonst“, so eine Stimme aus dem Publikum. Oder die Frage, wie sich die Leserschaft verjüngen soll, wenn „die Leser wegsterben wie im Fall Neues Deutschland“.

Oder wie eine genossenschaftsartige Blatt- Bindung der jüngeren Lesergeneration, deren Medienkonsum überwiegend online erfolgt, geschehen könne. Der Königsweg im Netz muss noch gefunden werden. Ruch dazu: „Von der gedruckten Zeitung muss man sich langfristig verabschieden. Neues kann jetzt gegründet werden.“ Den Content nicht mehr online zu stellen, wie zwischenrufend vorgeschlagen wurde, ist jedenfalls keine Option: „Man kann lamentieren, wie man will – das Internet geht nicht wieder weg.“ Am besten richtet man sich also gemütlich dort ein.

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