taz.lab 2013: Es braucht radikalere Gedanken

Von Ansgar Skoda

Drei Egos: Schlieter, Schirrmacher, Feddersen; Foto: Wolfgang Borrs

Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, erläutert auf dem taz.lab Thesen und Gedanken aus seinem Buch “Ego”, diesen Februar erschienen im Kai Blessing Verlag. Vorgestellt wird er zu Anfang von taz.lab-Organisator Jan Feddersen und seinem Kollegen Kai Schlieter aus dem taz-Ressort Reportage und Recherche. Kurz plaudert Schirrmacher über die Arbeit bei der FAZ: Wöchentliche Hintergrundgespräche, flache Hierarchien und bald auch Online-Paywalls, ähnlich wie bei der taz. Außerdem bilde die FAZ, der taz ähnlich, Rücklagen über eine Stiftung. Jan Feddersen verweist auf ein Interview “Ich rede als Kontaminierter“, dass Schlieter und er mit Schirrmacher führten und das heute in der taz erschien.

Der Chaos Computer Club, die größte europäische Hackervereinigung, wurde vor vielen Jahren in den Räumlichkeiten der taz gegründet, wirft Feddersen als Anekdote ein. Der Mensch ist ein Uhrwerk und die Räder greifen ineinander. Schirrmacher hinterfragt, ob es ein stabiles Ich gibt oder ob dies liquide ist. Und ist es eigentlich vernünftig, nur an sich zu denken? Oder ist es vielmehr egoistisch, nicht teilen zu wollen? Ganz auf das persönliche Wohlbefinden des Einzelnen zielen auch Konzerne im Internet ab. Ihre Systeme wollen die Präferenzen möglicher Kunden herausfinden. In den USA gebe es die National Security Agency (NSA), die alles “greent”, was gesagt, getan oder gedacht wird, so Schirrmacher. Dinge werden von der NSA gespeichert, auch wenn sie nur kurz im Netz sind.

Schirrmacher stellt sich und den Zuhörern lakonisch und schnell komplexe Fragen. Was heißt es, wenn soziale Netzwerke, wenn Google, Apple und Facebook den Geist zu monetarisieren versuchen? “Ich benutze Amazon auch”, verrät Schirrmacher. Er glaubt, dass niemand Amazon zerstören wird, außer wenn die Gemeinschaft abwandert in ein neutrales, werbefreies Netzwerk.  Doch die Macht liege bei zu wenigen.  Schirrmacher erklärt, das viele Linke partiell total neoliberal argumentieren, auch die Piraten, was sie jedoch oft nicht merkten. Muss man tiefer graben, sich radikalere Gedanken machen, um Krisen, wie die Euro-Krise und die einhergehende Jugendarbeitslosigkeit zu bewältigen?

 

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