taz-kommune: Die Social Media-Profile der taz im Vergleich

In den vergangenen Monaten hat Ansgar Skoda in verschiedenen Abteilungen der taz ein Praktikum absolviert. Dabei bestand eine seiner Aufgaben darin, die Social Media Profile der taz mit denen von anderen Zeitungen zu vergleichen. Im folgenden die Ergebnisse seiner Analyse für Facebook und Twitterdie genannten Daten stammen aus dem April 2013.

Facebook ist weltweit die bekannteste und meistgenutzte Social Media-Plattform. Die taz hat in ihrem Facebook-Profil taz_kommune mit 41.387 Fans eine sehr viel kleinere Fanzahl als die fünf, zum Vergleich herangezogenen und wesentlich auflagenstärkeren Konkurrenzblätter. Die FAZ weist mit 79.890 Fans eine etwa doppelt so hohe Fanzahl auf. Die vier anderen untersuchten Fanpages können im sechsstelligen Bereich Fanlikes der Facebook-User und somit Abonnenten ihres Newsfeeds verbuchen. Die Bild-Zeitung führt bei den Fanzahlen mit 920.313 Fans mit großem Abstand, gefolgt von Spiegel Online mit 323.052 Fans. Es ist tatsächlich so, dass auf die Postings der Bild-Zeitung auch durchschnittlich die meisten Fans reagieren.

Auf dem Bild-Facebook-Profil sind Sport- und Fußballbeiträge besonders beliebt. Postings zu Fußballspielen und -ergebnissen erhalten regelmäßig mehrere tausend Likes und sogar Fankommentare werden von anderen Facebook-Fans oft hunderte Male geliked. Am 12. April erhielt folgendes Facebook-Textposting über 10.921 likes, wurde über 306 mal geteilt und 1.045 mal kommentiert: „Wahnsinn! Bayern vs. Barcelona und Dortmund vs. Madrid. Was sagt ihr den Spielpaaren? „Gefällt euch“ das?“ Noch erfolgreicher war im April nur am 10. April das Fotoposting einer sich sonnenden Frau im Bikini mit dem Text „Juhuu! Der Sommer fällt dieses Jahr auf nächsten Sonntag –  Sommer = Gefällt mir!!!!“. Dieses Posting wurde 10.921 mal geliked, 2.596 mal geteilt und erhielt 403 Kommentare. Solche spielerische Aufforderungen zum liken funktionieren im Facebook-Profil der Bild-Zeitung anscheinend gut. Bei Postings mit anspruchsvolleren Inhalten gibt es jedoch auf dem Bild-Facebook-Profil wesentlich weniger Interaktion.

Simpson-Karikaturen und Sinnsprüche aus Saint-Exuperys Der kleine Prinz – „Gefällt mir“ das?

Auf dem Facebook-Profil von Spiegel Online waren im April Textpostings mit kurzen Sinnsprüchen von Hans Christian Andersen und aus Saint-Exuperys Der kleine Prinz die beliebtesten Postings. Jeweils durch ein „Guten Morgen“ eingeleitet und kurz in einem Zusammenhang gestellt, wurden die Zitate etwa 2.500 mal geliked, 500 mal geteilt und erhielten zahlreiche Kommentare. Auf der Facebook-Fanpage des SZ-Magazins, die fast doppelt so viele Fans hat wie die Facebook Fanpage der SZ selber, waren zwei Fotobildserien am 7. April, die das SZ-Magazin von Dritten weiterteilte, die Interaktionshighlights. Die Bildergalerien wurden jeweils etwa 5.000 mal geliked, 2.042 beziehungsweise 3.887 mal geteilt und vielfach kommentiert. Auch auf dem Facebook-Profil von Zeit Online war im April eine Bilderserie aus Indien das beliebteste Fanpagepostings, 991 geliked, 252 mal geteilt und dreißig mal kommentiert. Während FAZ.NET schließlich mit Comicbildpostings von den Simpsons oder Greser & Lenz im April die größten Zahlen seiner Fans nur im dreistelligen Bereich zum Liken und Teilen bewegen konnte, erregte bei der taz.kommune am 12. April ein Posting zum NSU-Prozess die größte Aufmerksamkeit. Das mehrzeilige Posting mit dem Beginn „taz berichtet über NSU-Prozess auf türkisch…“ erhielt 657 Likes, wurde 133 mal geteilt und 54 mal kommentiert.
Web-Tracking-Ergebnisse der taz für Facebook im Monat April

Unabhängig von der Fanpage taz.kommune zeigt das Web-Tracking durch das Analyse-Tool
etracker im Report der taz im Monat April für das Segment Facebook, das tatsächlich kontroverse Themen über Facebook besonders oft besucht werden. Neben der Artikelseite der Zeitung, die im April mit 11.080 Besuchern insgesamt die höchste Besucherzahl über Facebook heranzog, hatten Deniz Yücels Artikel „Wir Linkskoreaner“, „Liebe N-Wörter, ihr habt ‘nen Knall“ und „Super, Deutschland schafft sich ab!“ im April über Facebook die größten Zugriffszahlen. Erstgenannter Artikel hatte 7.527, der Zweitgenannte 6.567 und der Letztgenannte 5.846 Besucher und sie hatten jeweils über 7.000 bis über 8.000 Seitenabrufe über Facebook. Geringfügig weniger als diese Artikel wurde die Webseite taz.de von Facebook-Usern angeklickt. Die Absprungrate der Besucher, die über Facebook Artikel der taz besuchen, liegt durchschnittlich bei 70 Prozent und die Ansichtszeit pro Seite durchschnittlich bei einer Minute. Beide Angaben sind in Ausnahmefällen jedoch wesentlich höher oder geringer.

Twitter

Auf Twitter ist @tazgezwitscher mit 112.138 Followern gegenüber der untersuchten Konkurrenz gut aufgestellt, nur @zeitonline mit 259.719 und @bild mit 157.038 Followern haben jeweils wesentlich mehr Twitter-User, die ihren jeweiligen Newsstreams folgen. Der Twitter Account @SZ_Topnews hat „nur“ 105.941 Follower, @SpiegelOnline hat mit 97.237 Followern sogar weniger als 100.000 Follower und @FAZ_Topnews hat aktuell nur 72.617 Follower.

Sämtliche untersuchten Zeitungen haben auch noch andere Twitter-Profile, die sie auf ihren wichtigsten Profilen mit den jeweils meisten Followern des Öfteren retweeten oder in Tweets einbinden. Die Profile von @ZeitOnline, @Bild und @SpiegelOnline benennen die Social Media-Manager, welche die jeweiligen Twitter-Profile betreuen in ihren Bio-Kästchen namentlich, während bei @SZ_Topnews, @FAZ_Topnews und bei @tazgezwitscher nicht bekannt ist, wer eigentlich die jeweiligen Profile betreut. @ZeitOnline und @FAZ_Topnews folgen selber nur wenigen Unterprofilen der eigenen Zeitung und jeweils einem Konkurrenzprofil, während @SZ_Topnews auch eigenen Mitarbeitern folgt. @SpiegelOnline, @Bild und @tazgezwitscher folgen jedoch sehr viel mehr anderen Profilen von unter anderem Prominenten, Vereinen, Parteien, Politikern oder Privatpersonen. Da die jeweiligen Zeitungen über Twitter durchschnittlich wesentlich mehr Newsmeldungen posten als auf Facebook oder Google+, gibt es eine größere Verteilung der Interaktion mit den Followern. Auch sind die Newsstreams der untersuchten Zeitungen nach etwa einem Monat nicht mehr einsehbar, da Twitter diese nach einem längeren Zeitraum nicht mehr speichert und automatisch löscht. Meistens teasern die untersuchten Zeitungen aktuelle Artikel auf Twitter. Dabei wird oft die Möglichkeit genutzt, die Twitteraccounts von Autoren, die berichten, oder Unternehmen und Persönlichkeiten, über die berichtet wird, mit einzubinden. Selten werden auch Tweets eigener Hausautoren retweetet. So hat beispielsweise @tazgezwitscher im April viermal Tweets des Redakteurs Paul Wrusch retweetet.

Auf @ZeitOnline war im April mit Abstand der beliebteste Tweet „In Regenbogenfamilien leben nur Wunschkinder. Darum geht es dem Nachwuchs schwul-lesbischer Paare auch so gut “ Er erhielt 90 Retweets, wurde 36 mal favorisiert und erhielt zwei Antworten. Der zweitbeliebteste Tweet auf @zeitonline im April war zu einem ähnlichen Thema: „Homosexuelle dürfen in Frankreich künftig heiraten und Kinder adoptieren“. Er wurde 75 mal retweetet, 40 mal favorisiert und erhielt 5 Antworten. Bei @tazgezwitscher war im April ein frecher Tweet mit dem Hashtag #Kampfradler der Erfolgreichste mit der meisten Interaktion: „Kampfradler ? Viel schlimmer sind die Friedensradler – lahme Hobbyfahrer, die ab Frühjahr die Radwege verstopfen erhielt 47 Retweets, 16 Favorisierungen und 9 Antworten. Ebenfalls viel Interaktion löste auf @tazgezwitscher der Tweet aus: „Die taz titelt heute zum Rausschmiss der Chefredakteure bei einem Hamburger Nachrichtenmagazin„. Er erhielt 40 Retweets, 25 Favorisierungen und 9 Antworten.

Fazit

Während die taz auf Twitter von der Followerzahl und der Interaktion mit den Followern bereits im Vergleich mit den untersuchten Konkurrenzblättern gut dasteht, gibt es für sie auf Facebook durchaus möglichen Aufholbedarf. Wie einige Konkurrenzblätter es bereits tun, könnte man die Social Media-Accounts der taz personalisieren und dabei festlegen wer diese betreut. Etwa über Fotos könnte man hier Einblick in den Alltag des Planungsteams geben und dadurch einen persönlicheren Bezug zu den Followern oder Fans herstellen. Artikelteaser sollten wortgewandt umformuliert werden, um im Social Media-Posting einen Mehrwert zu liefern.  Unterhaltsame und ungewöhnliche Einbettungen von Fotos oder Videos, Comics, Sprüchen- oder Zitaten funktionieren in sozialen Netzwerken oft gut und könnten auch auf den Social Media-Plattformen der taz vermehrt eingebunden werden. . Es gibt viele mögliche neue Optionen, um noch mehr LeserInnen über die analysierten Kanäle zu gewinnen.

Kommentare (9)

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  1. Mein Name taucht bei dem google-Suchergebnis im Zuzsammenhang mit obigem Artikel auf, obwohl ich ihn weder finden kann noch mich je in einer Publikation zu Artikeln der taz geäußert habe. Ich hoffe auf Namengleichheit und wünsche, dass mein Name hiier nicht missbraucht wurde.

  2. Auch hinsichtlich der Analyse gibt es noch mehr nachzulesen. Es wurden auch einige andere Parameter untersucht. Mehr Infos findet ihr hier http://www.campus-web.de/34/6580/13076/ und im zweiten Teil: http://www.campus-web.de/34/6580/13079/

  3. Um die (zumindest relativ gesehen) niedrigen Follower-Zahlen von ihre.sz zu verstehen, muss man die irre Vorgeschichte dazu kennen, in der Facebook mal wieder sein wahres Gesicht gezeigt hat.

    Die Hintergründe kann man hier nachlesen:
    http://www.sueddeutsche.de/kolumne/social-media-groteske-wieso-die-sz-ploetzlich-doppelt-auf-facebook-ist-1.1272331

  4. gibt es keinen Ersatzbegriff für „geliked“?!

    Winfried Janssen

  5. Größere Bildelemente verursachen ungewohnte Ladezeiten, wurde von einigen bemängelt. Vor allem via twitter erreichte uns Bedauern über das Fehlen responsiven Designs. Das bedeutet, dass eine Website sich endgeräteunabhängig darstellen lässt. Dieses Bedürfnis haben wir mit der Mobilversion von taz.de gelöst, die Sie auch weiterhin unter http://m.taz.de/ finden. Die neuen Funktionen hingegen, wie die “mitwandernde” Menüleiste oben, erfahren durchweg Lob. Vielleicht braucht es etwas Zeit, um sich an das neue Erscheinungsbild von taz.de zu gewöhnen. Manche werden nie zufrieden damit sein. Insgesamt aber erkennen wir eine neutrale bis positive Grundstimmung der NutzerInnen. Die Beta-Version, die noch Schwachstellen und Fehler haben mag, ins Netz zu stellen, wird auf designtagebuch.de als “transparente Herangehensweise” gelobt. Wenn Sie die Beta-Version im Blick behalten, werden Sie die ständig stattfindenden Anpassungen und Änderungen bemerken. Wir freuen uns weiterhin auf Ihre Eindrücke, Kritik und Lob. Wir werden die Seite weiter optimieren, weiter “am offenen Herzen zu operieren” und möchten dafür auch weiterhin um Ihr Feedback bitten.

  6. Ganz kurz Herr Gerd J. Walter,

    bitte verallgemeinern sie nicht.
    Oder andersrum, nun verallgemeinere ich.
    Man hat im Süden Deutschlands auch schon was von Homophobie, Gender-Troubles, nachhaltige Landwirtschaft, Critical Whiteness gehört, interessiert sich aber nicht dafür.
    Stattdessen pflegt man sein Ego und vergöttert die rationalen Entscheidungen oder die durch Maschinen erstellten Algorithmen. Nicht eine Zeitung, sondern ihre Haltung nenne ich selbstgerecht.
    Von ihnen als Exempel ausgehend, lässt sich die oberlehrerhafte Haltung einer Bevölkerung bestätigen, die besagt, wenn man als gescheiter ArbeiterInnen nur egoistisch genug sein Geld nach Hause bringt, ist es einem vergönnt von allen Schwierigkeiten nichts mehr zu erfahren. Das nenne ich sich einer scheinbaren Elite zugehörig machen um sich den Problemen der Zeitgenossen unantastbar zu machen.

    Und nun zurück zum Thema dieser Seite : die sozial Media Profile der TAZ im Vergleich.

    • Leider muss ich schon darauf verzichten Sie als Kritiker meines Kommentars persönlich anzureden, denn Lokka Flokka werden Sie ja wohl nicht heißen. Wenn Sie nun davon reden, wovon man im Süden gehört hat, aber hinsichtlich dessen untätig oder voller Vorbehalte bleibt, möchte ich Sie – wenn auch spät daran erinnern, worüber man in Berlin sogar redet (nicht nur gehört hat) und dennoch nichts tut. Sie werden mir zumindest zugestehen müssen, dass es – sagen wir einmal – überheblich ist allzu dreist einen anderen Schauplatz sucht um sich auszutoben. Kritik ist immer und überall und das schließt den Süden nicht aus. Aber da sollte man dann doch „lokka“ bleiben.

  7. Man hat im Süden Deutschlands auch schon von der taz gehört und deren Journalisten in Talk-Shows erlebt, aber die Zeitung und ihre Artikel vergisst man gerne wieder. Ich habe selten etwas Selbstgerechteres gelesen als in diesem Blatt. Da hält man sich wohl für das ultimative Gegenteil zur Bildzeitung und wird etwas derart Oberlehrerhaftes, dass man sich genau so verrennt wie BILD nur in genau entgegengesetzter Richtung. Das ist einfach nur öde oder schöner ausgedrückt elitäre, ohne wirklich zur Elite in der Zeitungslandschaft zu werden.

  8. Ansgar Skoda, wieso machen Sie nicht, was der taz fehlt? Kompetent genug dafür wirken Sie.

    Ich für meinen Leserinnen-Teil melde mich mit Sicherheit nicht bei Facebook, Googleplus oder Twitter an: Datenschutzparanoia. Ich lese dort aber nach, wenn es für Nicht-Mitglieder frei zugänglich ist und ich den Eindruck habe, dass ich interessante Diskussionen und Informationen sonst verpasse.

    Mein taz-abo ist unter der Woche mitunter zu schnell fertig gelesen oder kenn ich schon oder will nicht mehr, da wandere ich dann nach Interessantem durch Leserkommentare auf Taz.de. Die Diskussionskultur unter den vielen Artikeln dort ist glaube ich naturbedingt zeitversetzt, dublettenmäßig und leicht aneinander vorbei. Da finde ich, wenn ich denn Glück habe, moderierte Beiträge zu Spannendem in den Blogs der taz besser.

    Auf Facebook und Co stelle ich mir das noch interessanter vor, da konzentrierter. Super spannend wäre für mich dann auch ein Artikel darüber, mit was ich mich dort auf der Seite der taz an Malware alles anstecken kann (gibs schon?).

    Schönes Wochenende und danke für interessanten Infos zu meinem Leseumfeld!