Über Monsanto: Wie ein taz-Bericht um die Welt ging

Von Jost Maurin

Die taz ist mit rund 57.000 verkauften Exemplaren täglich eine kleine Zeitung. Aber die Auflage sagt wenig aus über die publizistische Wirkung. Das zeigt unser Artikel über die Ankündigung des Saatgutkonzerns Monsanto, den Kampf für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Europa aufzugeben.

Wir haben die wichtigsten Zitate aus unseren Interviews mit den Konzernsprechern bereits am 31. Mai – einen Tag vor Erscheinen der gedruckten Zeitung – den großen Nachrichtenagenturen mit deutschsprachigen Diensten geschickt. Alle haben die Meldung übernommen und an ihre Kunden übermittelt, darunter an alle wichtigen Medien. Quellenangabe: „taz“.

Kurz darauf verbreitete unter anderem Spiegel Online die Nachricht. Bis zum Abend erschien die taz-Meldung laut Google News auf mehr als 50 Internetseiten.

Nachrichtenagenturen wie afp, dpa und Reuters übersetzten die Meldung sogar in andere Sprachen. Deshalb zitierten zum Beispiel das Wall Street Journal oder die US-Nachrichtenseite Huffington Post die taz.

Am nächsten Tag stand die taz mit der Nachricht unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Berliner Zeitung. Der Deutschlandfunk führte die Nachricht als Grund dafür an, dass der Kurs der Monsanto-Aktie an der New Yorker Börse fiel.

Natürlich wurde auch der Artikel auf taz.de fleißig geklickt. Innerhalb von sechs Tagen mehr als 43.000 Mal.

Als die Medienmaschinerie so richtig lief, schlichen sich allerdings auch Fehler ein. Spiegel Online brachte zwar eine korrekte Zusammenfassung des taz-Artikels, behauptete aber im Vorspann, Monsanto beende „seinen Kampf für Gentechnik“ in Europa. Das Unternehmen wolle nicht mehr „für solche Nahrung lobbyieren“. Eine Expertin des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) schrieb sogar der taz die Aussage zu „Monsanto gibt Europa als Markt für Gentech-Pflanzen auf“.

Das war dann doch etwas zu viel des Guten: Monsanto will – wie in unserem Text nachzulesen – weiter bei der EU Zulassungen dafür beantragen, dass europäische Viehhalter Futter mit Gentech-Pflanzen des Konzerns etwa aus Südamerika importieren dürfen. Und dafür werden natürlich auch Monsantos Lobbyisten weiter kämpfen.

Kommentare (6)

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

CAPTCHA-Bild

*

  1. Pingback: 61398: Gentechnik-Seilschaften: Außerordentlicher Newsletter am 26.5.2013

  2. @Jonas:
    Die Antwort steht in den letzten beiden Absätzen dieses Hausblog-Eintrags. Hier noch einmal: Die taz hat keinesfalls geschrieben, dass Monsanto sich komplett aus Europa zurückziehe. Wir haben dagegen Monsanto-Sprecher mit der Ankündigung zitiert, dass das Unternehmen künftig keine neuen ANBAU-Zulassungen für NEUE Gentech-Pflanzen in Europa beantragen wolle. Tatsächlich hat Monsanto die letzten ANBAU-Zulassungen vor Jahren beantragt.

  3. Schade, wir haben uns schon so extrem gefreut. Wann gibt dieses Horror-Unternehmen endlich auf?

  4. Hier steht, dass die Meldung der taz falsch war und Monsanto sich gar nicht zurückziehen will:
    http://www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/06/07/zu-frueh-gefreut-monsanto-dementiert-rueckzug-aus-europa/

    Wie ist der taz denn so ein Lapsus passiert?

  5. Wie war das? „… und morgen die Weltherrschaft“?
    Die kleine taz verändert mit einem Artikel den Wert eines transnationalen Unternehmens!
    Lange kann’s ja nicht mehr dauern :-)

  6. Von 1965 bis 1970, während des Vietnamkriegs , war Monsanto ein wichtiger Lieferant des mit Dioxinen kontaminierten Herbizids „ Agent Orange “, das zur Entlaubung von Wäldern und Nutzpflanzen eingesetzt wurde und in der Folge zu erheblichen irreversiblen gesundheitlichen Schädigungen bei der Bevölkerung in den ehemaligen Einsatzgebieten und den kriegsführenden US-Soldaten führte.