von 28.06.2013

taz Hausblog

Wie tickt die denn? Der Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Die Essenstische draußen vor dem taz-Café blieben gestern zur Mittagszeit weitgehend leer. Rund zehn Personen standen zwei Stunden lang in einer Reihe auf dem Bürgersteig und beobachteten die taz-Mitarbeiter. Die meisten von uns fanden es unangenehm, sich den Blicken der Protestierenden so unmittelbar auszusetzen und aßen ihr Mittagessen lieber durch eine Glasscheibe geschützt im Inneren des taz-Cafés. Dort war die Aktion, mit der die Initiative „taz watch“ gegen Rassismus und Diskriminierung durch die taz protestierte, das Thema vieler Tischgespräche.

In dem über Facebook verbreiteten Aufruf hatte die Initiative “die geringe bewegungsmöglichkeit ‘der taz’ in punkto der ihr zugetragenen kritik in der jüngsten vergangenheit” kritisiert. Die Initiatoren wollen der taz klarmachen, “dass man uns nicht ungefragt mit den so lieb gewonnenen rassismen, der so liebgewonnen deutungshoheit belästigen darf ergo auch kein rassismus im journalismus, keine diskriminierung, keine beleidigung stattfinden darf“. Geplant war ein stiller Protest: „schauen wir durch die fensterfront des tazcafés, das auch eingang zur redaktion ist. wir bleiben friedlich. wir schauen einfach ganz genau hin und bedeuten damit u.a. der taz: es muss aufhören!!!“

Der Blick von drinnen nach draußen
Ein tazler provozierte, indem er fragte, warum die Teilnehmer der Aktion nicht vor dem Axel-Springer-Verlag stehen würde, der sei doch viel schlimmer. Andere tazler suchten aber auch das Gespräch. Die Protestierenden machten dabei deutlich, wie enttäuscht sie gerade von der taz seien, da diese Zeitung sich links verstehe. Rassismus und Diskriminierung sei in dieser Gesellschaft weit verbreitet, die taz solle sich als verlässliche Verbündete in dem Kampf dagegen beteiligen. Vor allem wünschten sie sich, dass die taz sich entschuldigt und sich auf einen Dialog auf Augenhöhe einlässt. Saraya Gomis berichtet auf unserer Facebook-Seite von ihrem Gespräch mit Ines Pohl.

Zwischendurch kamen zwei Polizisten vorbei und fragten die Teilnehmer der Aktion, wie lange sie hier noch stehen würden.

Blick aus dem zweiten Stock auf die Protestaktion: So wird das nichts mit dem Dialog auf Augenhöhe

Nach der Aktion schrieb die Initiative auf ihrer Facebook-Seite: „Wir bleiben bei der einfachen Forderung, die wir schon mehrfach geäußert haben: Liebe „taz“, hört einfach auf mit der medialen Verbreitung von Rassismen! Die Semantik ist abhängig vom Kontext, d.h. wenn eine/r von „UNS“ zu bestimmten Begriffen, o.ä. ein anderes Verhältnis hat als ein/e andere, dann könnt ihr das im privaten Rahmen ja alles gemeinsam absprechen. In der Öffentlichkeit, in der medialen Verbreitung ist dies inakzeptabel!!! STOP that sh…!!!“ Uns wird dort zudem „das handliche Buch von Susan Arndt als Einstiegslektüre“ empfohlen sowie ein Anti-Rassismus-Training.

taz-Chefredakteurin Ines Pohl suchte das Gespräch
Die Auseinandersetzung entzündete sich ursprünglich durch eine Podiumsdiskussion Ende April auf dem taz-Kongress. Auf der Veranstaltung mit dem Titel „Meine Damen und Herren, liebe N-Wörter und Innen“ sollte es um Sprache, Diskriminierung und Zensur gehen. Es kam zum Eklat, als Deniz Yücel ein Zitat aus einer Rede von Martin Luther King vorlas und dabei zum wiederholten Mal das umstrittene N-Wort aussprach. Im Audio-Mitschnitt der Veranstaltung findet sich die Stelle im Teil 4 ab Minute 9.20, hier ein Transkript:

Triggerwarnung: Rassistische Sprache

Deniz Yücel: „Und dann habe ich hier noch ein letztes Zitat für heute: ‚Aber einhundert Jahre später ist der Neger immer noch nicht frei. Einhundert Jahre später ist das Leben des Negers leider immer noch von den Handfesseln der Rassentrennung und den Ketten …'“

Zwischenruf aus dem Publikum: „Sag doch einfach ‚N-Wort‘!“

Deniz Yücel ruft: „Ich sage was ich will! Und ich lese den Text so vor …“

Weitere Zwischenrufe

Deniz Yücel ruft: „Sag mal! Entschuldigung! Das könnt ihr vielleicht an der Universität machen, ich lasse mir das Wort hier nicht verbieten!“

Deniz Yücel brüllt: „Du kannst gerne vor die Tür gehen!“

Deniz Yücel sagt: „So. Und ich lese diesen Text so, wie er geschrieben wurde! ‚Und den Ketten der Diskriminierung …“

Zwischenrufe: „Sag das Wort nicht! Sag das Wort nicht!“

Deniz Yücel ruft: „Geh bügeln! – ‚Einhundert Jahre später – Einhundert Jahre später lebt der Neger immer noch auf einer einsamen Insel der Armut in der Mitte eines weiten weiten Ozeans des materiellen Wohlstands.‘ Eine Passage aus Martin Luther Kings berühmter Rede ‚I have a Dream’…“

Weitere Zwischenrufe

Deniz Yücel: „Wir sind hier aber nicht an der Universität und wenn jetzt die versammelten Kulturwissenschafts-Spackos den Saal verlassen, dann können wir diese Veranstaltung in Ruhe zu Ende führen. Ist noch wer da, dann bitte jetzt gehen, es ist jetzt die Gelegenheit! Hallo, Du auch bittesehr, da ist die Tür, oder der Ausgang!“

Auch Sharon Otoo, Mitglied im Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V., verließ das Podium.

Deniz Yücel schrieb anschließend in der taz über die Zwischenrufer: „Es ist dies ein zwangsneurotisches Verhalten, das man weniger bei aufgeklärten Menschen, Intellektuellen gar, vermuten würde und das an ganz andere Leute erinnert: An katholische Nonnen, die versehentlich auf Youporn gelandet sind (‚Weiche, Satan!‘). Oder an Hinterwäldler in Pakistan, die mit Schaum im Bart und Schuhen aus Autoreifen an den Füßen gegen Karikaturen protestieren (‚Death to Amerikka!‘). Ähnlich ist nicht nur der religiöse Abwehrreflex, ähnlich ist auch der inquisitorische Furor, mit man zu Werke geht. In diesem Zusammenhang also: Das Wort ‚Neger‘ ist schlimm, schlimm, schlimm und muss weg, weg, weg.“

Sharon Otoo antwortete in der taz: „Das N-Wort ist traumatisierend, ruft grausame Erinnerungen und gewaltvolle Bilder hervor. Es wurde damals benutzt, um die Versklavung von Millionen von Afrikaner_innen zu legitimieren.“ Ihr sei natürlich klar gewesen, dass das Wort in der Veranstaltung vorkommen würde, aber sie habe nicht gewusst, dass es so häufig sein würde. Otoo: „Trotzdem bin ich erst aufgestanden, als Herr Yücel anfing, das Publikum lauthals zu beschimpfen. Ich bin gegangen, weil ich nicht mehr Teil einer so respektlosen, verhöhnenden Diskussion sein wollte.“ Sie wolle niemandem etwas verbieten, dazu habe sie ja auch gar keine staatliche Gewalt, sie wolle jedoch aufrufen: „Wenn ich für eine gendergerechte und rassismusfreie Sprache plädiere, dann, weil ich andere – und mich selber – für die eigenen Privilegien zu sensibilisieren versuche. Auch mittels Sprache kann ich mich solidarisch zeigen und es kostet mich wenig. Die möglichen ästhetischen Kosten (dieses Binnen-I sieht so hässlich aus!) erscheinen mir als das kleinere Übel gegenüber den Zumutungen, denen marginalisierte Menschen sonst täglich ausgesetzt sind. Sie haben keine Wahl.“

Chefredakteurin Ines Pohl und der Leiter des taz.labs, Jan Feddersen, haben gemeinsam ihr Bedauern öffentlich gemacht. Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland warf Deniz Yücel in einem offenen Brief vor, er habe den Kolonialismus verharmlost, Genozide relativiert und sich als Moderator respektlos verhalten. Die Initiative verurteilt erneut die Benutzung des N-Wortes. Der Begriff werde “nach wie vor im Zusammenhang mit Gewaltverbrechen und Alltagsdiskriminierung gegen Schwarze Menschen in Deutschland verwendet” und sei “integraler Bestandteil rassistischer Konzepte” gewesen. Es werde Zeit, “dass sich die taz, ebenso wie die breite Gesellschaft, endlich kritisch mit dem Thema Rassismus und Sprache auseinandersetzt” und die “Stimmen derjenigen ernst nimmt, die üblicherweise als die so genannten Anderen gelten” und die als “Expert_innen zum Themenfeld Rassismus und Diversity anzuerkennen” seien. Den offenen Brief haben zahlreiche Gruppen sowie mehrere hundert Menschen unterschrieben.

Unsere Chefredaktion hat darauf eine Stellungnahme veröffentlicht, in der es heißt, die Redaktion habe in vielen Gesprächen – durchaus kontrovers – über den Vorfall, unseren Umgang damit und das Thema Sprache und Rassismus diskutiert. Rassismus sei für die taz inakzeptabel, Respekt im Umgang miteinander unabdingbar. Die Redaktion nehme die Vorwürfe, die im offenen Brief der ISD genannt werden, sehr ernst. Sie wisse, dass sich die taz, wie die Gesellschaft überhaupt, diesem Thema stellen müsse. Dabei müsse es um Grenzen gehen, die wir nicht überschreiten sollten, aber auch um die Frage, wann Diskussion unmöglich gemacht werde und wo Zensur beginne.

Die taz druckte eine ganze Seite Leserbriefe zu dem Thema und begann eine Debattenserie. Unser Redakteur Daniel Bax unterstellte in dem ersten Artikel Deniz Yücel einen „Willen zur Verhöhnung“ und fragte: „Warum muss man ein Wort wie ‚Neger‘ verwenden, wenn sich andere dadurch verletzt fühlen?“ In einem zweiten Artikel antwortete Bettina Gaus: „Die Tatsache, dass es oft vernünftig ist, Betroffene selbst eine Sprachregelung treffen zu lassen, heißt jedoch nicht, dass im Konfliktfall alle anderen zu schweigen hätten. Diskriminierung bedeutet nicht nur Herabwürdigung, sondern auch Ausgrenzung. Wer meint, nur Betroffene seien zu einem Urteil berechtigt, fördert selbst die Ausgrenzung.“ Im dritten Teil der Debattenserie schrieb Hadija Haruna: „Sicher, es ist unbequem, sich bewusst zu machen, dass viele Worte eine Bedeutung haben, die über das hinausgehen, was man vielleicht sagen möchte. Doch leider können sich Menschen einer rassistischen Sprache bedienen, obwohl schwarze Menschen, Schwule und Lesben, Sinti oder Muslime zu ihrem Freundeskreis zählen. Und dass sie es nicht rassistisch gemeint haben, ist kein Argument dafür, dass ihre Sprache nicht auch rassistische Spuren aufweist.“

Korrektur: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, Saraya Gomis habe auf ihrer Facebook-Seite von ihrem Gespräch mit Ines Pohl berichtet. Tatsächlich geschah dies auf unserer Facebook-Seite. Danke an „taz watch“ für den Hinweis, der Fehler ist korrigiert.

Zweite Korrektur: In dem Text hatte ich ursprünglich die Aussage der Polizisten wiedergegeben, die Teilnehmer der Aktion sollten sich, wenn sie in zwei Wochen wiederkommen, vorher noch mal melden. Daraus schloss ich: „Offenbar war die Aktion vorher nicht als Versammlung angemeldet worden.“ Inzwischen hat „taz watch“ erklärt, dass die Aktion sehr wohl bei der Polizei angemeldet war. Ich habe meine gegenteilige Mutmaßung daher aus dem Artikel entfernt.

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http://blogs.taz.de/hausblog/2013/06/28/rassismus-vorwuerfe-taz-mitarbeiter-suchen-schutz-vor-protestierenden/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Mmmmhhhh….

    1. Eine Übersetzung des Wortes negro soll als Rechtfertigung dienen? Wenn man sich Nachschlagewerke verschiedenster Zeit anschaut, dann finden sich dort als sprachlich verpackt verschiedenste „Zeitgeister“…
    2. Warum die Bitte vieler Menschen ignorieren? Wenn ich nicht als „doofe Kuh“ oder Schlimmeres bezeichnet werden möchte, dann erwarte ich doch auch, dass mein Gegenüber dies respektiert und sich nicht auf seine freie Meinungsäußerung beruft. (Der Vergleich hinkt etwas, ich weiß…). Wenn ein liberal eingestellter Mann einer Frau erzählt, dass er nicht frauenfeindlich sein könne, weil er ja so liberal sei, glauben wir das dann? Und wenn jemandem Herrn Wowereits Politik nicht gefält, würen wir uns dann erlauben, ihn aufgrund seiner gelebten Sexualität zu kritisieren????
    3. Ich kann mich den Stimmen nur anschließen… warum beharren wir so sehr darauf etwas zu verteidigen? Das ist hier die Frage!
    4. Wenn wirklich schon so viele versucht haben mit der taz zu sprechen, warum wird hier so getan als handele es sich um einzelne Bekloppte?
    5. Die eigene Freiheit hört da auf, wo die Freiheit des anderen eingeschränkt wird… Ist doch eigentlich gar nicht so schwer zu sagen (selbst wenn man nicht 100% einverstandenn ist): okay, das ist deine Grenze und diese respektiere ich….

    Verrückte Welt.

  • Fred Ferrington Frost says:“Es wäre übrigens auch sehr kollegial von euch, wenn ihr Dennis Yücel daran hindert, sich selbst zum “Lenny Bruce” der Taz herabzuwürdigen, der sich immer mehr in der Provokation um der Provokation willen verheddert.“

    HERABWÜRDIGEN? Lenny Bruce war genial!

    http://www.youtube.com/watch?v=HTWZ0JhAIc4

  • Oh mein Gott! In welchem Jahrhundert wir noch immer leben möchte ich an der stelle nicht wiedergeben müssen. OB mit oder ohne das Wort „Neger“, es gibt und gab Sklaverei, Gewallt gegen „andersfarbige“ und viele schreckliche Dinge mehr. Wenn man auf begriffe wie Neger verzichtet, verschwinden diese dann auch aus dem Bewusstsein? Ich fürchte schon.
    Ich habe ehrlich gesagt etwas mehr Mut und Courage erwartet von den Mitarbeitern. Ich für meinen Teil hätte mich bei schönen Wetter auch draußen anglotzen lassen und den Dialog damit provoziert um meinen Standpunkt zu dem Thema zu erörtern. Schade das diese Chance vertan wurde.
    Schlimme Wörter und deren Hintergrund sollen und müssen meines Erachtens bleiben, sonst gerät alles damit einhergehende in Vergessenheit, was ich persönlich viel schlimmer finde, als das Wort an sich.
    Man kann, muss und darf anderer Meinung sein. Sich aber vor anderslautenden zu drücken ist feige! Zudem die Herrschaften ja friedlich blieben. Ich hätte mein Essen genossen und mir vielleicht sogar einen Negerkuss mitgebracht.

  • Ach… und P.S. Es scheint mir irreführend mit dem Gebrauch des Wortes negro von Dr. martin Luther King zu argumentieren. Wer sich mit Kings Geschichte beschäftigt hat, weiß, dass er dieses Wort schließlich abgelegt hat, weil er identifiziert hatte, dass er in rassistischen Sprachhandlungen seiner Zeit gefangen war. Man hörte dann nur noch das Wort Black von ihm. Und warum verteidigen wir denn dieses Wort so vehement? Was steckt dahinter? Das gilt übrigens für alle anderen Bezeichnungen der „Anderen“…

  • Ihr Artikel sagt letztendlich sehr wenig über tazwatch, sondern lenkt des Lesers Augenmerk vor allem auf eine Stellvertreterauseinandersetzung, die dem Leser dann ermöglicht sich zu erheben und das Ganze abzutun (Die haben wohl zu viel Freizeit, die quengeln infantil, usw.)! Sehr schade, denn ich würde gerne wirklich informiert werden…

  • Fred Ferrington Frost, Yücel las die Übersetzung der US-Botschaft in Deutschland vor: http://usa.usembassy.de/etexts/soc/traum.htm

    Welches ist denn Ihrer Meinung nach die korrekte Übersetzung von „Negro“ ins Deutsche?

    „N-Wort“ kann es nicht sein, denn der englische Begriff dafür lautet „N-Word“, und das hat King nicht gesagt.

  • auria: Der Auszug aus dem Redaktionsstatut zeigt ja gerade, wie schwer es ist, im konkreten Fall eine Entscheidung zu treffen.

    „Sie tritt ein für die Verteidigung und Entwicklung der Menschenrechte“

    Martin Luther King behauptete von sich, für die Verteidung und Entwicklung der Menschenrechte einzutreten. Auch viele Beobachter schätzen das so ein, auch wenn man natürlich konstatieren muss, dass er dafür rassistische Worte verwendete, mit der die Versklavung von Millionen von Afrikanerzu legitimiert wurde. Wer sollte hier endgültig die Entscheidung treffen, ob King unter dem Strich mehr für die Menschenrechte oder gegen die Menschenrechte bewirkt hat?

    „und artikuliert insbesondere die Stimmen, die gegenüber den Mächtigen kein Gehör finden“

    Martin Luther King fand mit seiner Stimme gegenüber den Mächtigen zunächst kein Gehör. Man kann allerdings darüber streiten, ob das zum Zeitpunkt der „I have a dream“-Rede noch der Fall war, dort war er ja schon ziemlich populär und er wurde auch von den Mächtigen beachtet (wenn sie ihm auch nicht folgten, aber gehört haben sie ihn damals gewiss).

    „Die Zeitung ist der wahrheitsgetreuen Berichterstattung verpflichtet“

    Das würde dafür sprechen, die Rede so wiederzugeben, wie sie gehalten wurde, und nicht nachträglich ein Wort durch den Begriff „N-Wort“ zu ersetzen…

  • Art 1
    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
    (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
    Art 3
    (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
    (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
    (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

    Art 5
    (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
    (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

  • Auszug aus dem Redaktionsstatut der taz

    § 2 die taz: Selbstverständnis
    (3) Sie tritt ein für die Verteidigung und Entwicklung der Menschenrechte und artikuliert insbesondere die Stimmen, die gegenüber den Mächtigen kein Gehör finden.

    (4) Die taz wendet sich gegen jede Form von Diskriminierung.

    (5) Für die Redaktion ist Freiheit die Freiheit der Andersdenkenden, entscheidet sich Demokratie an den demokratischen Rechten jedes einzelnen Menschen.

    (6) Die Zeitung ist der wahrheitsgetreuen Berichterstattung verpflichtet; sie bekennt sich zur Tradition ihrer publizistischen Sprache, sie widersteht dem Druck der Stereotype und des sprachlichen und thematischen Konformismus, sie gibt den Beiträgen ihrer RedakteurInnen, KorrespondentInnen und AutorInnen besonderes Gewicht.

    Quelle: http://www.taz.de/6/redaktionsstatut/

  • Dennis Yückel hat ja nicht nur in diesem Fall völlig danebengegriffen. Und das wirft die Frage auf, warum sich die taz von ihm so durch den Kakao ziehen lässt.
    Ich verstehe dass die Protestierenden wütend sind, aber es lenkt eben auch die Aufmerksamkeit von wichtigeren Problemen ab. Wenn jemand wie Yückel das erreichen kann, wäre es an der Zeit sich von ihm zu trennen. Für Kaspereien lese ich lieber das MAD-Magazin.

  • Liebe Taz,
    Wessen Idee war das denn eigentlich, ausgerechnet Dennis Yücel zum „Moderator“ der Taz-Veranstaltung zu machen?

    Und noch eine wichtigere Frage:
    Hättet ihr nicht nach dem Eklat seine selbstverliebte Eigendarstellung der Ereignisse vor der Veröffentlichung intern diskutieren können, bevor sich Dennis Yücel noch tiefer „in die Scheiße reitet“?

    Er war es schließlich, der eine ins deutsche übersetzte Rede von Martin Luther King mit „Neger“ als Übersetzung für „Negro“ vortragen wollte, aber kein Interesse oder Verständnis zeigen möchte, dass diese beiden Wörter in den jeweiligen Sprachen vollkommen unterschiedlich konnotiert sind.

    Es ist auch etwas merkwürdig von ihm, dann seinen Kritikern vorzuhalten „Diese Leute haben keinen Respekt vor der Authentizität von Texten…“?

    Bitte?

    Wann hat Martin Luther King denn bitte „der Neger“ gesagt oder geschrieben? „Authentizität“?

    Verschwörungstheorien über „vornehmlich studentische Aktivisten“ und eine vorsätzliche Sabotage der ISD an seiner „Provo-Party“ herbei zu phantasieren, ist auch irgendwie albern.

    Ganz aufrichtig: Ich bin Taz-Leser. Normalerweise finde ich auch die Kolumne von Dennis Yücel amüsant. Aber dieses ganze Verhalten rund um die „taz.lab“-Veranstaltung und die Aufarbeitung der Ausfälle von Dennis Yücel sind eben das, was euch diese Proteste eingebrockt haben. Ist ja schön, dass ihr angeblich in der Redaktion anschließend über Rassismus diskutiert habt, nur hättet ihr dann eben eure Leserschaft etwas mehr von dieser Diskussion zeigen sollen, als die Selbstdarstellung von Dennis Yücel abzudrucken, mit der begründete Kritik dann bloss wieder ohne jegliche Auseinandersetzung damit beleidigend zurückgewiesen wird.

    Nein, diese Leute protestieren eben nicht gegen „Axel Springer“, sondern gegen den Mist den ihr gedruckt habt. Das habt ihr leider verdient.

    Es wäre übrigens auch sehr kollegial von euch, wenn ihr Dennis Yücel daran hindert, sich selbst zum „Lenny Bruce“ der Taz herabzuwürdigen, der sich immer mehr in der Provokation um der Provokation willen verheddert.

    Trotzdem gute Besserung.

  • Der merkwürdige Rassismus der taz gegen Schwarze ist mir auch schon aufgefallen. Es gab schon mehrere Glossen, die ein lustiges Spiel mit den „N….“ trieben. Frau Gümüsay mit ihrer Hetze gegen „Haustürken“ fand ich auch inakzeptabel.

  • ich finde das nur krank. die orthodoxe linke ist einfach so gestört wie die zeugen jehovas.

    wenn man nicht einmal mehr zitieren darf weil darin „hässliche wörter“ vorkommen ist das ja absurd.

    vielleicht kann man da eine einleitung fordern die erklärt warum das so zitiert wird aber das wars dann schon.

    man kann auch einen hitler text verlesen wenn es vom kontext her sinn macht. das macht einen auch nicht zum nazi.

  • Warum ihr Yücel immer noch beschäftigt ist mir nicht ganz klar. Da geht es wahrscheinlich nicht nur mir so.

    MLK sagt im original übrigens negro. Er verwendet das Wort in einem eigenen historischen und kulturellen Kontext, den USA der 60er. Es ist klar, dass wenn ein Nichtschwazer in Deutschland Neger sagt, dies nur als Beleidigung aufgefasst werden kann.

    Wahrscheinlich würde Yücel auch beim Vorlesen von Kinderbüchern vor Kindern darauf beharren, das N-Wort zu benutzen. Man sollte dann schon konsequent sein.

    Und zu diesem Argument, dass Springer schlimmer sei kann ich nur sagen: Frauen sollten froh sein, dass sie hier immerhin 60% des Gehaltes de Männer bei gleicher Arbeit verdienen. Denn irgendwo auf der Welt wird sich schon ein Ort finden, an dem es noch schlimmer ist. Ergo: Frauendiskriminierung in Deutschland ist gerechtfertigt.

    Schön, dass die taz das irgendwo anders ist es schlimmer Argument auch verwendet. Da wären wir dann auch bei der taz auf Springer Niveau angekommen.

  • Also: „suchen Schutz vor Protestierenden.“ ist aber himmelhochjauchzend übertrieben. Man mag die Konfrontation meiden mit einer Hand voll stehender Leute, indem man sich hinter der Glasscheibe der heile-rosa/moosgrünen-Welt des taz-Cafés „versteckt“, aber sich schützen müssen sich wohl eher die mutigen Protestierenden auf der „anderen“ Seite der Glasfront.

  • „Die meisten von uns fanden es unangenehm, sich den Blicken der Protestierenden so unmittelbar auszusetzen und aßen ihr Mittagessen lieber durch eine Glasscheibe geschützt im Inneren des taz-Cafés.“

    Was gibt´s am 11.6. dem nächsten Aktionstag ? UDELN ?

    Hüpf

  • egal says:

    „schade, dass ihr das ganze so hämisch und von oben herab kommentiert.“

    Dem stimme ich nicht zu. Ich finde, die taz hat auf das infantile Gequengel sehr nett geantwortet, obwohl sie noch nicht mal in Ruhe Mittag essen konnten.

  • schade, dass ihr das ganze so hämisch und von oben herab kommentiert. klar, über den protest können wir streiten. klar, der axel springer verlag ist noch schlimmer. aber ich – als eigentlich zufriedener taz-abonnent – finde es trotzdem schade, wie ihr mit dem thema (nicht) umgeht. was sich denis yücel auf dem taz.lab geleistet hat war scheiße – dazu müsst ihr stehen! eure herablassende art, die in diesem artikel nur zu deutlich rauskommt, finde ich schade. (und eigentlich sind (waren?) mir denis yücels kommentare meist fast die liebsten…

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