Ines Pohl zur Nicht-Veröffentlichung eines Artikels über Pädophilie und grüne Ideologie

Es gibt Entscheidungen, die eine Chefredakteurin trifft, die eigentlich nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden sollten. Beispielsweise die Entscheidung, eine Fassung eines Textes noch einmal an die Redaktion zurückzugeben, weil sie den journalistischen Standards nicht genügt. So geschehen in der vergangenen Woche mit einem Text, der sich mit Pädophilie und grüner Ideologie beschäftigt.

 

Diese Entscheidung, der betroffene Text und die redaktionsinterne Diskussion sind durch Illoyaliäten an die Öffentlichkeit gelangt.

 

Und die Entscheidung der Chefredaktion, die sich auf die handwerkliche Qualität des Textes bezog, wurde in eine politische umgedeutet. Der Auftrag, einen Text noch einmal überarbeiten zu lassen, wird nun in anderen Blättern und in Internetforen als Zensur bezeichnet.

 

Was bedeutet das für die eigentliche Selbstverständlichkeit, nicht öffentlich über unveröffentlichte Texte von Kollegen zu diskutieren? Sollte ich wirklich en detail erklären, warum ein spezifischer Text unbedingt hätte überarbeitet werden müssen, bevor er in den Druck geht? Ein Dilemma, aus dem es kein wirkliches Entkommen gibt.

 

Da die von mir abgelehnte Textversion im Netz abrufbar (PDF) ist, möge jeder sich selbst ein Bild davon machen, ob er oder sie diesen Text in dieser Form verantwortet hätte.

 

Darum geht es. Es geht nicht um weniger. Es geht aber auch nicht um mehr.

 

Ines Pohl
taz-Chefredakteurin

Kommentare (102)

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  1. http://www.deutschlandfunk.de/kinderpornografie-im-zweifel-fuer-das-kind.720.de.html?dram:article_id=278181

    Selten so einen dähmlichen Artikel gelesen.
    “Im vergangenen Jahr haben 250.000 Deutsche rund 20 Milliarden Euro für Bilder und Filme mit nackten Kindern ausgegeben. ”
    Reden Sie nur daher oder sind diese Zahlen recherchiert?
    20 Milliarden / 250.000 = 80.000 Euro Pro Person!
    Also kann man sagen, das jeder der solche Bilder kauft ein Superreicher ist?
    Da weis man ja wo man in Zukunft Hausdurchsuchungen macht.

    “Auch der Graubereich muss künftig strafbar sein
    Wo nun aber verläuft die Grenze? Welche Bilder sollen erlaubt, welche müssen verboten werden? Kann man diese Grenzen überhaupt definieren?”
    Solche Feragen in den Raum stellen und dann unbeabtwortet lassen ist Bildniveau. Die Antwort auf genau diese Fragen ist nämlich die Antwort ob man das gesetzlich verbieten kann.
    Die Antwort ist: NEIN.

    PS: Grauzonen gibt es im Gesetz nicht, es gibt nur Ja oder nein und erlaubt oder verboten. Grauzonen existieren nur in den Köpfen der Menschen….in Ihrem ist es wohl ganz grau und nebelig

    • Sehr geehrte Frau Pohl,
      Ich hätte das zwar nicht so scharf formuliert, wie der Vor-Kommentator, aber mir stellten sich nach dem Beitrag, der am 22.02.14 früh morgens vom Deutschlandfunk gesendet wurde, ebenfalls Fragen, vor allem nach Ihren Belegen für diese Zahl.

      Frau Pohl, überspringen Sie den Artikel “Von wegen Milliardenmarkt” von Herrn Kleinz aus Ihrem Hause und lesen Sie stattdessen den Beitrag von Alvar Freude, der versucht hat, herauszufinden, wo die seit Jahren kolportierten Milliardenzahlen eigentlich ihren Ursprung haben. Ergebnis: Nirgendwo! Einer schrieb’s vom anderen ab mit Flüsterpost-Precission.

      Dafür liegt seit kurzem das Ergebnis einer Studie der juristischen Fakultät der Uni Hannover vor, derzufolge es keinen relevanten *kommerziellen* Markt für Missbrauchsdarstellungen von Kindern gibt.
      http://blog.alvar-freude.de/2014/02/milliardenmarkt.html
      http://www.jura.uni-hannover.de/1154.html

      Abschließend:
      1. Bilder der “Kategorie 2″ sind zwar fragwürdig, aber keineswegs “unbedenklich”. Wie kommen Sie zu dieser Weißwasch-Wortwahl?

      2. Das herausragende Wort im Edathy-Kontext ist nicht “Ekel” sondern, “NSU”! Das Schweigen, mit dem alle abhängigen Medien *nicht* darüber berichten, dass Edathy fast 2 Jahre erpressbar war, ist ohrenbetäubend.

      Schönen Gruß,
      WM

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  10. Ich kann nur vermuten, warum dieser Text, der flüssig und verständlich geschrieben ist, zudem von jemandem, der sich im Thema wohl auskennt, nicht veröffentlich wurde. Ich vermute, er liegt nicht auf Linie….

  11. Pingback: taz haut mal wieder daneben - BLAUE NARZISSE - WEBLOG

  12. Pingback: Verzerrt oder Neutral? Von linker Zensur und asiatischen Weinen | Medien - Märkte - Meinungen

  13. Wer sich – im Rahmen des hier möglichen – weiter informieren will, mag dies auf http://pisaversteher.com tun. Nur zwei wichtige Korrekturen. Ich habe den wg angeblich falscher Tatsachenbehauptungen gestoppten Text bzw das PDF nicht an Stefan Niggemier geleakt. @rosenkohl Frau Vogel wusste von mir, dass die FAZ/FAS sich für ihre Interview-Aussagen interessiert, ich habe es ihr selbstverständlich gesagt. Sie hat das längst auch bestätigt.

  14. Wenn ich taz-Chefredakteurin wäre… Jetzt wird’s wirklich seicht und seichter. Wie wäre es, wenn Sie als Chefredakteurin “porös” blieben? Weil irgendwie ist das ja doch was geworden, zumindest mit dem Dickhäutertum…

    Ersetzen Sie mal “Wenn ich Bundeskanzlerin wäre…” durch “Wenn ich Chefredakteurin wäre…”. Längeres Schmunzeln kann man/frau sich da nicht verkneifen…

    http://www.taz.de/taz-Chefin-ueber-Bundestagswahl/!122850/

  15. Das nur anscheinend ploetzliche Scheuen vor einem Tabu-Thema hat m.E. einen Grund, der tief an das Selbsverstaendnis der einstigen Neuen Linken geht. Wer von uns 60-jaehrigen, die dabei waren, koennte leugnen, dass sexuelle Befreiung, Bekaempfung der “buergerlichen” Kleinfamilie etc. ein identitaetsstiftender Bestandteil des progressiven Teils unserer Generation und der Mittelklasse war. Die Frage ist, was davon weitergewirkt hat, heute zur Hegemoniekultur gehoert und politische Positionen im vorpolitischen Raum predeterminiert. Man denke an die Anerkennung oder Nicht-Anerkennung des Geschlechtsunterschieds, die Deregulierung der Prostitution, Deregulierung des Familienrechts mit seinen langfristigen Auswirkungen auf den Sozialstaat etc.. Diese Themen aufzugreifen verlangt nicht nur Mut, sondern koennte der Beginn einer ungewissen und tatsaechlich schwer zu verantwortenden Reise sein.

    • Interessante Perspektive. Danke. Frage ist, ob wir uns nicht eher bereits mitten in oder auf dieser ungewissen Reise befinden, eventuell schon gar an einem düsteren Wendepunkt stehen und nicht wegen “revisionistischer” Kräfte sondern auf Grund der eigenen Unzulänglichkeiten, Scheinheiligkeiten, Lebenslügen, dieser sogenannten Kulturrevolution, der Kulturrevolutionäre…

      Dann aber wird die Frage, ob diese Reise schwer zu verantworten sei, zur Vorwärtsverteidigung, weil: es wäre bereits Verantwortung zu übernehmen. Mittelklasse ist übrigens ein prima Stichwort… da gäb’s im Zusammenhang der 68er und der Grünen ‘ne Menge zu sagen, aber das sprengt den Rahmen der Auseinandersetzung hier, allzumal wenn die taz selbst sich nun im Stillschweigen, im Schweigen übt.

  16. Tja, warum so ängstlich? Ängstlich? Vielleicht hat das alles nichts mit Angst zu tun, sondern mit Selbstgewissheit, dass schon morgen, übermorgen, in einer Woche anderes als Meistgelesenes, Meistkommentiertes auf dem Programm steht. Vielleicht täusche ich mich auch und in der taz wird heftig debattiert. Umso besser. Und ja, Frau Pohl, es wäre an Ihnen gewesen, nun zu den Fragen Stellung zu beziehen, anstatt zu erlauben, dass noch mehr, fast peinliche, Nebenthreads, Nebenblogs aufgemacht werden. Hier ein Vorschlag zur Güte, da ein nachträgliches Abdrucken wohl niemandem hilft.

    Ich habe nun noch einmal den Text von Frau Constabel gelesen, den Text, dem es angeblich an Klarheit gefehlt hat, den Text, der kein Debattenbeitrag in Antwort sein darf, weil er zu schockierend die Vorrednerin in Frage stellt, die Vertreterin von Doña Carmen. Aber gerade das gehört zur Auseinandersetzung, wenn es um Lebensfragen, um Überlebensfragen geht. Ja, im Text von Sabine Constabel erscheint Frau Juanita Henning als Hassadeurin, als Marketenderin einer Kriegswirtschaft, und ja, das geht ans Eingemachte, aber Frau Henning von Doña Carmen hat auch ausgeteilt und so sollte Sie nun antworten, in der taz.

    Der Text von Sabine Constabel ist nun bekannt, wie auch der Text von Christian Füller und die taz, anstatt so zu tun, als müsste sie noch ersatzweise “korrekte” Debattentexte suchen, sollte nun ihre wichtige, ihre Meinungsseite genau für die Antworten auf Christian Füller, auf Sabine Constabel zur Verfügung stellen! Für die Leser reicht es aus, Hinweis auf die beiden nun online zur Verfügung stehenden Texte zu geben, mit einem halbwegs anständigen Editionsvermerk.

    Dies wäre, nach dem Desaster, ein aufrechtes Programm, eine Rückkehr zur aufrechten Debatte, die nicht von der taz “scheinheilig” gesteuert wird. (Die taz darf übrigens “steuern”, nichts dagegen, nur scheinheilig und hinterfotzig sollte sie es nicht tun!)

    Nochmal deutlicher: Ich wünsche also noch einmal etwas. Anstatt schon gegebene Antworten (Debattenbeiträge) zu suchen, wie dies Herr Heiser so schön formuliert hat, liebe taz, sucht Antworten, Debattenbeiträge, die auf Christian Füller, auf Sabine Constabel antworten! Dann braucht’s auch keine weitere Selbstzerfleischung. Für Frau Constabel habt ihr Doña Carmen, für Christian Füller gibt es sicherlich mehr als genug Menschen, man siehe allein die Kommentare hier, die sich bereitwillig publizistisch äussern wollen…

  17. Es wird höchste Zeit, dass die taz den Text von Christian Füller endlich druckt. Das Nichtdrucken des Textes, was nicht wenige auf den Gedanken gebracht hat, dass es da um einen Schutzreflex ging, passt überhaupt nicht zu dem Blatt, das ja auch sonst kein Blatt vor dem Mund nimmt und in dem auch pointierte Meinungen erlaubt sind. Das Nichtdrucken des Textes schadet dem Ansehen der taz und den Grünen, die sich jetzt vorwerfen lassen müssen, zaghafter aufzuklären und zu reagieren als die katholische Kirche und Artikel, die dieses zaghafte Verhalten thematisieren zu unterdrücken. Das ist der taz und den Grünen unwürdig.

    • Meiner Meinung nach ist das Quatsch mit Soße, was Sie da schreiben.
      Der Text ist veröffentlicht. Durch die mediale Kritik an der taz dazu hat er inzwischen vermutlich bundesweit eine größere Aufmerksamkeit erfahren, als er auf gewöhnliche Weise durch Druck in der Sonntaz zwischen hunderten anderer Artikel bekommen hätte. Außerdem sind die Informationen des Textes jetzt nicht mehr neu.

  18. Guten Tag Frau Pohl:

    Die Wahrheit sollte man immer verantworten können!

  19. Warum so ängstlich?

  20. Pingback: So viel TAZ war nie – Die TAZ als Parteiblatt der Grünen | Dierk Schaefers Blog

  21. Irgendwie hat Frau Pohl nicht verstanden, dass ein Blog auch und gerade die Bereitschaft der Bloggerin voraussetzt, sich auf die Niederungen der Auseinandersetzung aka Debatte einzulassen. Aber Pohl verlautbart und verschwindet dann in der Versenkung. An wirklicher Auseinandersetzung liegt’s ihr nicht. Bizarr wird’s, wenn wir das mit einem anderen Fall, dem der Prostitution vergleichen. Ob’s Zufall ist, dass sich die taz innerhalb von wenigen Tagen zweimal extrem schwer tut, mit sexueller Gewalt? Auch hier wurde ein Debattentext angefordert: Da wird nun von der taz-Redakteurin als Grund angegeben, dem Text habe es an “argumentativer Deutlichkeit” gefehlt. Dies sei für einen Debattentext jedoch unabdingbar, so Heide Ostreich auf ihrem taz-blog. An Klarheit hat’s auch diesem Text allerdings nicht gefehlt. Er war garniert mit Details aus dem “Arbeitsleben” von Prostituierten, die für taz-LeserInnen nicht zumutbar waren, weil Akkordprostitution zu 10Euro/Stunde ist eine soziale Errungenschaft, die gemäss taz als grüne Errungenschaft nicht in Frage gestellt werden darf.

    Frau Weigt, ich nehme an, dass Sie auch solche kritischen Texte, Antworten, nicht mehr zu lesen wünschen, die sehr wohl etwas vom Arbeitsalltag von Prostituierten mitteilen. Übrigens hat sich jetzt endlich mal ein Grüner, der Bundestagskandidat Jörg Rupp aus Karlsruhe, halbherzig und zähneknirschend zu Cohn-Bendit geäussert. Herr Rupp gibt Herrn Füller in Bezug auf Cohn-Bendit Recht. Mit Wahlkampf hat das übrigens sehr wenig zu tun. Das Thema beschäftigt seit mehr als drei Jahren intensiv, dutzende Buchveröffentlichungen, hunderte, tausende von Zeitungsartikeln. Vergessen Sie auch bitte nicht, die taz hat einen Debattenartikel eingefordert und Ines Pohl wollte dann partout die Debatte nicht wie die taz die Debatte zur Realität der Prostitution nicht wünscht, weil ist ja jetzt alles so schön “anything goes” auch und gerade von den Grünen geregelt worden. Und das Ines Pohl Schwierigkeiten mit dem vermeintlichen Herzstück der taz, der Debatte hat, zeigt sich, wie schon gesagt, auch hier: Sie “bloggt”, aber eigentlich wollte sie nur möglichst viele “I like Ines Pohl” und “I like Die Grünen” einheimsen, aber das hat mit Debatte und Diskurs herzlich wenig zu tun. Und wahrscheinlich will auch Frau Pohl nie mehr wieder was von Christian Füller in der taz lesen. Da haben Sie der Frau Chefredakteurin Pohl wahrscheinlich aus der Seele gesprochen. Unangenehm ist das, noch unangenehmer als sexuelle Gewalt und der Alltag der Prostitution in Deutschland. Wer will und braucht davon schon was zu wissen, wenn er taz liest und Grüne wählt?!

    • Die Vorgeschichte zu dem nicht erschienenen Text über Prostitution ist wie folgt: In der vergangenen Woche hatte der Politologe Franz Walter mit seinem Koautor Stephan Klecha in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Artikel über die ersten Ergebnisse seiner Forschungen zur Pädophilie bei den Grünen veröffentlicht. Wir baten Alice Schwarzer, in einem Artikel für uns zu schreiben, wie sie 1980 gemeinsam mit dem Sozialwissenschaftler Günter Amend gegen die Legalisierung der Pädophilie vorging. Schwarzer rechnet in ihrem Artikel mit den Grünen und ihrem Umfeld ab:

       

      +++ Zitat Anfang +++

       

      Und genau das war – und ist! – das Problem in diesem ach so progressiven Milieu: Die gesellschaftlichen Machtverhältnisse werden angeprangert – die privaten Machtverhältnisse jedoch geleugnet. Das gilt für Erwachsene und Kinder wie für Männer und Frauen. Letzteres bis heute. Es herrscht “das Recht des Stärkeren über den Schwächeren”, beklagte Amendt diese “Art von Sexualdarwinismus”.

       

      +++ Zitat Ende +++

       

      Zu Ende des Artikels kritisiert Schwarzer den Parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, und zieht einen Vergleich zwischen Pädophilie und Prostitution:

       

      +++ Zitat Anfang +++

       

      Heute sagt derselbe Beck über Prostitution, für ihn “ein Beruf wie jeder andere”, wörtlich: “Wenn Leute etwas anbieten, andere es kaufen wollen und es keine ökologischen oder sozialen Nebenwirkungen gibt, die man dringend unterbinden muss, dann nehme ich das zur Kenntnis und störe mich nicht weiter dran.”

       

      Sexualität als Ware. Der schlimmste Albtraum aufrichtiger AufklärerInnen ist wahr geworden. Und die Parallelen im Diskurs um die Pädophilie und dem über die Prostitution drängen sich regelrecht auf: Auch die heute über 90 Prozent Armuts- und Zwangsprostituierten in Deutschland werden geleugnet, und es ist von “Einvernehmlichkeit” und “Freiwilligkeit” die Rede. Und auch bei diesem Kampf – gegen die Verharmlosung und Akzeptanz der Prostitution und für den Schutz der betroffenen Frauen – bin ich mit Emma mal wieder verdammt allein. Und kein Günter Amendt ist in Sicht. Da kann ich nur hoffen, dass es nicht noch einmal 30 Jahre dauert, bis die so dauercoole Szene begreift, was für ein ungeheurer Skandal das ist! Auf Kosten der Schwächeren.

       

      +++ Zitat Ende +++

       

      Diese Darstellung war keineswegs unzumutbar für die taz-Leser, wir haben diese Kritik an Prostitution (und den Grünen) gerne abgedruckt, und zwar prominent auf Seite 2. Der Prostituiertenverein Dona Carmen erhielt von uns die Möglichkeit zur Antwort im Rahmen eines “Debatte”-Textes. Die “Debatte” ist bei uns ein bestimmtes Format: Ein 180 Zeilen langer Kommentar auf der Meinungsseite.

       

      Wir baten Alice Schwarzer darum, in einem weiteren “Debatte”-Text zu antworten. Leider erhielten wir eine Absage. Dann fragten wir Sabine Constabel um einen solchen Kommentar.

       

      Wenn Heide Oestreich und Ines Kappert davon sprechen, dass sie “argumentative Deutlichkeit” vermissen, dann meinen sie, dass der Text über weite Strecken einzelne Fälle beschreibt. Wir hatten uns für unser Format eine stärker argumentative Auseinandersetzung in Kommentarform gewünscht und schlugen eine Überarbeitung des Textes vor. Die Autorin lehnte ab und wollte den Text dann lieber anderswo veröffentlichen. Wir stimmten zu. Und suchen weiterhin nach einer “Debatte”, die auf Dona Carmen antwortet.

       

      Es ging also weniger um die Frage, ob der Text ein guter Text ist oder ob es dem Text an “Klarheit” fehlt. Sondern ob er in das spezielle Format passt, für das wir ihn angefragt hatten. Ich weiß nicht, ob Sie regelmäßig die Meinungsseite der taz lesen. Wenn ja, dann könnten Sie mir hoffentlich zustimmen, dass dieser Text an dieser Stelle aus dem Rahmen gefallen wäre.

       

      • Die Stärke des Textes lag ja gerade darin, dass er mal nicht “argumentativ” abgehoben antwortete, sondern Alltag verdeutlichte! Für eine Debatte ist gerade das wichtig! Bleibt bei, äusserst schade, dass gerade dieser Text gekippt wurde. Für mich war der Text klärender, auch um die Positionen von Alice Schwarzer und von Dona Carmen zu verstehen, die ich beide gelesen hatte. Nichts hätte ja dagegen gesprochen, dass wie in einer Debatte üblich, die Gegenseite, in diesem Fall Dona Carmen, erneut antwortet. Schade.

        • Ja, das ist die Stärke des Textes. Der Text hätte auch etwas zur Debatte um Zwangsprostitution beigetragen. Er war allerdings kein Text im Sinne des Formats, das wir hausintern “Debatte” nennen, also ein 180 Zeilen langer Kommentar.

          • Also er hätte etwas zur Debatte beigetragen, ist auch ein starker Text, aber weil er 180-Zeilen-Format für “hausinterne” Debattentexte nicht eingehalten hat, obwohl er kaum mehr als 180 Zeilen hat, darf er an der Debatte nicht teilnehmen. Man fragt sich, warum man überhaupt hier antwortet.

            Na, Sie sind mir Meister darin, hausinterne Debatten zu erzeugen! Wenn Sie sowieso nur für hausinterne Debatten schreiben lassen wollen, sollten sie vielleicht die Gastautoren zuvor drauf hinweisen.

          • Ja, zumindest wollten wir diesen Text nicht als “Debatte” auf der Meinungsseite veröffentlichen. Das heißt übrigens nicht, dass dieser Text nirgendwo in der taz hätte erscheinen können. Womöglich wäre ein anderes Ressort der taz interessiert gewesen, den Text zu drucken. Darüber hätte nicht die Meinungsredaktion selbst entscheiden können, sondern sie hätte dafür im Haus herumfragen müssen, ob ein anderes Ressort interessiert ist. Wir haben der Autorin jedoch zunächst angeboten, dass sie den Text überarbeiten kann, damit er auf diesem “Debatte”-Format für die Meinungsseite erscheinen kann. Sie lehnte ab und wollte den Text dann lieber anderswo veröffentlichen. Wir stimmten zu und dachten, die Sache sei somit einvernehmlich zu Ende gegangen. Bestellte Texte werden regelmäßig von uns geändert, an den Autor zurückgegeben oder auch schon mal gar nicht gedruckt. Ich hätte bisher vermutet, dass das auch bei “Emma” so üblich ist. Die Vorwürfe, es handele sich dabei um “Zensur”, haben mich sehr überrascht. Ich würde dafür eher den Begriff “Alltag” verwenden. Unseren Gastautoren ist nach meiner Erfahrung auch bekannt, dass sie keinen Anspruch darauf haben, dass jeder Text von ihnen ungeachtet von Form und Inhalt bei uns abgedruckt wird. Dennoch ist unser Ziel natürlich, uns mit den Autoren auf eine Fassung zu einigen, mit denen wir beide einverstanden sind.

      • Und warum die taz gerade beim Thema sexuelle Gewalt “nicht aus dem Rahmen” fallen kann, wo sie nu häufig genug aus dem Rahmen fällt, Sarrazin lässt grüsen, das war wirklich unter aller Sau, na also bitte. Der Text hat mehr als verdeutlicht, dass es nicht um eine abgehobene Politdebatte geht, sondern dass es da betroffene Menschen gibt, die durch den Text Stimme in der Debatte bekamen! Nochmals, wenn die taz sich das nicht leisten kann, nicht aushält und sich in dieser Weise auf Formalismen berufen muss, stimmt was grundsätzlich nicht in der hausinternen Kultur dieses Projekts. Der Text war ein hervorragender Debattenbeitrag und er war eine gute Antwort auf den Text von Dona Carmen. Und interessant wäre es gewesen, die hierzu die Erwiderung zu lesen. Die Argumentation der taz überzeugt mich auch in diesem Zusammenhang nicht. Wie bitte schön, sollte den eine Street-Workerin, die sich mit dem Problem vor Ort alltäglich auseinandersetzt antworten? Im gehobenen Beamten- und Politikerdeutsch?

        • In unserer hausinternen Kultur gibt es tatsächlich eine Besonderheit: Die weitgehende Unabhängigkeit der einzelnen Ressorts. Wenn die Meinungsredaktion einen Kommentar für die Meinungsseite bestellt und dann aber ein Text erhält, der dem Format “Kommentar” nicht entspricht, dann kann die Meinungsredaktion nicht entscheiden, dass der Text nun auf einer anderen Seite erscheint. Denn die Meinungsredaktion ist nur für die Meinungsseiten zuständig und für andere Seiten sind andere Ressorts zuständig.

           

          Wenn Sie die Meinungsseite der taz regelmäßig lesen, können Sie hoffentlich mit mir übereinstimmen, dass die Texte dort nicht im gehobenen Beamten- oder Politikerdeutsch verfasst sein müssen. Es muss sich allerdings von der Textgattung her um Kommentare handeln.

           

          Nur weil die taz in der Vergangenheit Artikel veröffentlicht hat, die unter aller Sau waren, heißt das noch nicht, dass wir jetzt in Zukunft jeden Text abdrucken müssten und keine handwerklichen und inhaltlichen Kritierien mehr anlegen dürften.

           

          Die Vermutung, dass die taz es nicht aushält, wenn Betroffene ihre Lage schildern, stimmt nicht. So schrieben wir über den Menschenhandel mit Sinti und Roma: “Wenn Luludja ihr Rosensträußchen über die Tische der südfranzösischen Brasserie hält, Tisch für Tisch, Abend für Abend, dann tut sie das für ihre Familie. Kassieren aber wird vor allem ein Mann in ihrer Heimat, Hunderte Kilometer entfernt. Luludja bemüht sich um ein schüchternes Lächeln. Ihre Lippen hat sie knallrot geschminkt. An diesem Abend winken die meisten Gäste ab, ohne die Romni mit dem glitzernden grünen Lidschatten anzugucken. Erst nach zwei Stunden und einigen weiteren Cafés und Restaurants verkauft Luludja eine Rose für 3 Euro und ihren Körper für 35 Euro an einen jungen Mann mit Hornbrille. ‘Das war ein ganz durchschnittlicher Abend’, erzählt sie am nächsten Morgen. Sie geht in Fréjus an der Mittelmeerküste Frankreichs anschaffen. Der Ferienort ist nicht weit von Saint-Tropez entfernt, wo Reiche mit ihren Yachten Urlaub machen. Wenn im Sommer Touristen zu Hunderttausenden in den Badeort kommen, prostituieren sich Dutzende Roma aus Bulgarien auf den Einfallstraßen der Stadt. (…) Luludja geht anschaffen, [ihr Mann] Daniel versucht es als Springer auf Baustellen. Alle paar Tage kommt ein Kollege des Chauffeurs vorbei, der sie hergebracht hat, sagt Luludjas Mann. Er kennt auch ihre Brüder, Schwestern, Nichten, Neffen und Tanten. Auch deshalb wollen die Roma ihre Nachnamen nicht nennen. ‘Wir verlieren unsere Ehre, wenn unserer Familie in Bulgarien etwas passiert’, sagt Daniel. Sie haben Angst, dass es sich rächt, wenn sie nicht bezahlen. Luludja habe ihre minderjährigen Töchter auf den Strich schicken wollen, um ihre Schulden zu begleichen, erzählt ein Caritas-Mitarbeiter aus Fréjus. (…) Gut zwanzig Autostunden entfernt, mitten im Ruhrgebiet, floriert das Geschäft für die Zuhälter mit den osteuropäischen Frauen. Eine Teestube in Duisburg-Hochfeld, einem Arbeiterstadtteil mit heruntergekommenen Häuserfassaden. Aus den Lautsprechern dringt orientalischer Gesang. ‘Ich kann Ihnen eine beliebige Romni aus Bulgarien oder Rumänien für 1.000 bis 2.000 Euro bestellen’, sagt der Mann mit den ausgemergelten Wangen. Die Frauen würden über seine Kontaktleute nach Westeuropa gebracht, um hier zu arbeiten. ‘Die Roma’, sagt er, könne er auch in die benachbarten Städte Krefeld und Essen ‘liefern’, später würden sie nach Holland oder Belgien weitergereicht. ‘Ein sauberes Geschäft’ nennt er das. ‘Willst du auch eine Frau kaufen?’, fragt er und schüttet mehr Zucker in den Tee. ‘Die Frau kommt auch mit nach Hause für ein paar Tage, kein Problem.’ Für 600 Euro könne der Reporter mit der Frau über das Wochenende machen, was er wolle. Dann lacht der Zuhälter und zeigt seine goldenen Zähne.”

           

          In einem anderen Artikel kommt Uta Ludwig zu Wort, Leiterin von “Bella Donna”, der Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel in Frankfurt (Oder): “Eine junge Frau aus Litauen kam zu uns. An ihrem Geburtstag zu Hause, da hat sie eine Freundin gefragt, wollen wir nicht an irgendeinen See fahren und feiern? Die Freundin hatte einen türkischen Freund. Sie fuhren zu dritt zu einem See, um zu feiern. Aufgewacht ist sie erst wieder, da war sie bereits in Deutschland. Sie sieht, wie ihre Freundin von dem Türken Geld kriegt. Man hatte ihr K.o.-Tropfen verabreicht. Dann wurde sie in ein Eros-Center gebracht, sie war vollkommen unter Schock. Der Pass wurde ihr abgenommen, man schloss ihre Tür ab. Und als sie sich gerade auf Bett gelegt hat, um etwas zur Ruhe zu kommen, da wird die Tür aufgeschlossen und einer kam rein und hat sie vergewaltigt. Das ist die übliche Methode, um die Frauen durch Terror gefügig zu machen. Dort musste sie dann arbeiten, hatte viele Kunden zu bedienen, zehn bis fünfzehn pro Tag. Sie klagt heute noch über Unterleibsschmerzen, ist hoch traumatisiert und kriegt immer so einen Tick, wenn sie davon erzählt. Ganz schlimm! Also sie konnte durch Zufall entkommen und kam zu uns, hat auch umfangreich ausgesagt, das Verfahren lief so etwa zwei Jahre, der Türke wurde verurteilt, dem Mädchen wurde zu Hause der Prozess gemacht, der Menschenhändlerin. Übrigens, fünfzehn bis zwanzig Prozent der am Menschenhandel beteiligten Personen sind Frauen dieser Art. Na ja, das zog sich hin, sie brauchte auch therapeutische Hilfe, und wir haben sehr um einen Aufenthaltsstatus gekämpft. Plötzlich teilte sie uns mit, dass sie zurückwill nach Litauen. Wir haben sehr abgeraten, aber sie hatte Heimweh. Wir sprachen alles mit der Staatsanwaltschaft ab, mit der Ausländerbehörde, dann fuhr sie weg. Wenig später bekamen wir einen herzzerreißenden Anruf aus einem Krankenhaus in Litauen. Man hatte sie erneut entführt, sie sollte in Spanien oder Griechenland als Prostituiert arbeiten. Als sie sich weigerte, hat man mit einer Kalaschnikow aufs Bett geschossen und dabei wurde sie verletzt, am Oberschenkel. Sie hatte dann versucht, sich das Leben zu nehmen, ist aber gefunden worden. Wir haben sie zurückgeholt und gleich der Gerichtsmedizin vorgestellt, denn nur ein gerichtsmedizinisches Gutachten zu den Verletzungen zählt. Sie ist immer noch da, es geht ihr nach wie vor psychisch schlecht, wir machen ,Nachsorge’. Sie hat ein Kind von einem deutschen Mann, lebt mit einem deutschen Mann, und kriegt jetzt ein zweites Kind von einem türkischen Mann. Sie sucht immer nach einer Entschuldigung irgendwie, ist aber natürlich unfähig zu einer wie immer gearteten Partnerschaft.”

           

          In dem Artikel “Einmal Elend und zurück” kam Ngozi aus Nigeria zu Wort: “Mit anderen jungen Frauen saß sie schließlich in einem kleinen Boot, stand Todesängste aus und kam in Europa an. Am Flughafen von Madrid wurde sie weiter verkauft und mit dem Flugzeug nach Mailand gebracht. Wer genau ihre Papiere gefälscht hat, weiß sie nicht. Nur noch, dass die neue Madame in Italien diese gleich wieder einkassiert hat. ‘Sie ist dann mit mir zu einem Markt gegangen, um neue Kleidung zu kaufen. BHs, Tangas. Alles small, small, small’, sagt Ngozi, der plötzlich klar wurde, dass diese knappen Stoffstückchen nur für eins gut sind: um auf dem Straßenstrich von Mailand die 5.000 Dollar zu verdienen, die die Madame von ihr forderte. So viel hätte schließlich ihre Reise gekostet. Zusätzlich stellte sie ihr jeden Monat 550 Dollar für Unterkunft und Verpflegung in Rechnung. ‘Wenn ich manchmal abends nach Hause gekommen bin und ihr gesagt habe, ich hätte keinen Freier gehabt, dann hat sie mir nicht geglaubt.’ Dass eine junge Nigerianerin, die kaum Italienisch gesprochen hat, in den Straßen von Mailand ihren Körper verkauft hat, verwunderte ihre Freier offenbar nicht. ‘Einer hat mich mal gefragt, woher ich komme. Er bot mir seine Hilfe an. Ich habe ihn nie wieder gesehen.’”

           

          In einem Interview sagt Bernd Mikeleit, der eine Imbissbude an einem Straßenstrich in Berlin betreibt, über die Prostituierten: “Manchmal kommen sie morgens an und haben gar nichts. Nicht mal einen Euro für ‘nen Kaffee. Da wollen sie anschreiben. Ich frage sie dann: ‘Warum machst du denn das?’ Die eine sagt, sie müsse noch sechs Jahre machen, dann hätten die Eltern in Bulgarien einen Kredit abbezahlt. Die Frauen werden dazu gezwungen. Ich sage dann: ‘Steig doch einfach aus!’ Dann heißt es: ‘Nee, geht nicht, wegen der Familie.’ Vor ein paar Monaten hab ich mich mit einer Frau unterhalten, die hochschwanger war. Sie hat erzählt, das Kind werde verkauft.”

          • Herr Heiser. Zuerst mal einen Dank für die Mühe. Einen gewissen Erklärungsnotstand scheint’s zu geben. Ich antworte mal nicht inhaltlich, sondern mit einem Wunsch, dass Frau Pohl sich nun auch im Kontext Ihres Beitrags äussert, natürlich auch andere. Das wäre nun nach Ihren Antworten angesagt, da ergeben sich Fragestellungen, auch für Ines Pohl, auch für Heide Ostreich. Einiges geht da argumentativ nicht so richtig zusammen, soweit die einzige inhaltliche Vorabbemerkung meinerseits.

          • Ulrich Hake: Der antwortet hier immer so ausführlich, egal auf welche Vorwürfe…

    • Frau Pohl begründet doch in ihrem Text gerade, warum sie es für falsch hält, wenn sie die handwerklichen Mängel des Textes öffentlich aufführt und dass sie das nur in der Redaktion machen möchte. Dass Frau Pohl sich dann in der Folge hier in den öffentlich einsehbaren Kommentaren nicht an der Disksussion beteiligt, zeigt also keinesfalls, dass sie nicht verstanden hätte “dass ein Blog auch und gerade die Bereitschaft der Bloggerin voraussetzt, sich auf die Niederungen der Auseinandersetzung aka Debatte einzulassen”. Es zeigt vielmehr, dass sie konsequent ihrer Ankündigung treu bleibt.

      • Genau. Und weitergehend kann man sogar noch sagen, dass sie den fraglichen Artikel schon gar nicht inhaltlich öffentlich im nachhinein diskutieren wird, wie hier und andernorts (faz) gefordert, denn das wäre einfach nur inkonsequent.

  22. Pingback: Die taz als Parteizeitung der Grünen? | taz Hausblog

  23. Blog-Chefredakteur Stefan Niggemeier verhindert kritische Kommentare über Christian Füller und Thea Vogel.

    Füller behauptet in “Befreites Menschenmaterial” u.a., es gehöre zur Geschichte Cohn-Bendits “wie ihm Eltern einen Freibrief ausstellen – und dieser Persilschein in seinem Büro nachbearbeitet wird”.

    Bereits die Ausdrücke “Freibrief” und “Persilschein” sind fragwürdig, insbesondere Angesichts von Füllers bisherigem Vorgehen.

    Am 19. April 2013 erzeugte Füller in der Faz den Eindruck, Thea Vogel, eine Mitunterzeichnerin des Briefes habe zuerst behauptet, ihr Sohn habe die Universitäts-Kita besucht, und später “korrigiert”. Tatsächlich hat Vogel dies nie behauptet oder korrigiert.

    Nachdem Vogel ihm diese Behauptung per Gegendarstellung vom 24. April 2013 untersagt hat, probiert Füller etwas anders und behauptet jetzt, Cohn-Bendits Büro habe den Brief “nachbearbeitet”. Eine Nachbearbeitung würde den Brief nicht ungültig machen. Von inhaltlichen Verfälschungen ist nichts bekannt und kein Unterzeichner hat sich von dem Brief in seiner veröffentlichten Form distanziert. Der Brief ist nicht vom “Büro Cohn-Bendit” unterzeichnet.

    Es ist kein Brief nur von “Eltern” wie Füller schreibt, sondern von “Eltern und Kinder aus verschiedenen Kinderläden in denen Daniel Cohn-Bendit Dany gearbeitet hat und von ehemaligen Mitbewohnern”. Vogel wurde von der Faz in mehrfacher Hinsicht betrogen. Füller stellte sich als Autor der Taz vor. Das Gespräch wurde entgegen Vogels Autorisierung von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung nicht vollständig wiedergegeben. Vogel hat niemals der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Interview gegeben, sondern wurde im Glauben belassen, es würde in der Taz veröffentlicht. Vogel sieht sich als angebliche “Pseudoentlasterin” diffamiert. Sie weist darauf hin, daß sie sich ein Bild über Cohn-Bendit als Bezugperson und seinen Umgang mit Kindern machen konnte, da er in der Krabbelstube der Freien Schule als Bezugsperson arbeitete, in der ihr Sohn gewesen sei. Ferner betont Vogel, aus dem Brief hervorgeht, daß der Brief auch von Eltern mitverfasst und mitunterzeichnet war, die ihre Kinder in der Uni-Kita hatten, als Cohn-Bendit dort arbeitete.

    Vogel hat in ihrer Gegendarstellung “eine Information des Presserates über diesen unglaublichen Vorgang eines unter falschen Angaben erschlichenen und veröffentlichten Interviews” angekündigt und sich rechtliche Schritte vorbehalten.

    Kein einziger Hinweis auf die Art von Füllers Kampagne gegen die Daniel Cohn-Bendit unterstützende Gruppe sind auf http://www.stefan niggemeier.de nicht zu lesen. Vermutlich soll der Blog systematisch davon freigehalten werden, weil bestimmte Fakten die von Herrn Niggemeier beabsichtigte Richtung der Diskussion stören würden, wonach Füller bedauerliches Opfer der angeblich von den Grünen bevormundeten Taz geworden sei.

  24. Ich bin froh, dass Ines Pohl, die Veröffentlichung des Artikels von Füller nicht zuließ. Füller macht Wahlkampf gegen die Grünen und hat in der FAZ einen klaren Bündnispartner gefunden. Was er in der TAZ nicht veröffentlichen kann, nimmt die FAZ gerne auf. Die denunziatorische Art, wie Dany Cohn-Bendit mittlerweile in die pädokriminelle Ecke von Füller geschoben wird, ist einfach widerlich. Cohn-Bendit hat zu seinen Äußerungen u.a. in einem umfangreichen Spiegel-Interview längst selbstkritisch Stellung bezogen. Ungeachtet dessen wiederholt Füller wiederholt seine Anschuldigungen weiter wie ein Getriebener. Die Grünen, die Pädophile in ihren Reihen hatten, aber sich längst von diesen eindeutig distanziert haben, werden von Füller gleichgesetzt mit dem Missbrauchsskandal der katholischen Kirche. Das ist doch einfach absurd. Meiner Meinung hat das Ganze nur einen Zweck und das ist Wahlkampf und zwar auf der unseriösesten Ebene. Bei der FAZ ist das bei jeder anstehenden Wahl Usus. Von der TAZ habe ich das nicht erwartet. Und bin froh, dass meine Erwartungen durch Ines Pohls Entscheidung nicht enttäuscht wurden. Ich habe mich schon über den ersten Artikel von Füller zu diesem Thema in der TAZ sehr geärgert, vor allem als seine Art der Recherche deutlich wurde. Ich möchte in der TAZ keine Artikel von Füller weiterhin lesen müssen.

    • So, so. Der Danny hat sich also umfassend geäußert. Zum Beispiel mit der unhaltbaren Aussage, es habe sich kein Opfer gemeldet, also gebe es auch keins. Und das wollen Sie ihm so durchgehen lassen? Kleine Kinder damals, die sich vielleicht gar nicht erinnern, was der nette Onkel so gemacht hat.

  25. Die Nebelkerze “nicht journalistischen Standards genügend” erweist sich als formidabler Rohrkrepierer. Dumm gelaufen, Frau Pohl! – Ich an Ihrer Stelle wäre stolz auf Herrn Füllers Recherche, Schreibe und Position.

  26. “der betroffene Text und die redaktionsinterne Diskussion sind durch Illoyaliäten an die Öffentlichkeit gelangt.”

    Ines Pohl
    taz-Chefredakteurin 22.08.2013

    Meinen Sie Illoyaliät gegenüber den Grünen Frau Pohl ?

  27. Das glauben Sie doch selbst nicht. Das ist doch alles hochgradig verlogen, Frau Pohl:

    Whistleblower in den USA wie Manning finden Sie gut http://taz.de/Assange-zu-Manning-Verurteilung/!122288/ , “Illoyalität” in den eigenen Reihen hingegen gar nicht? Wirklich? Transparenz bei kontroversen Entscheidungen und Vorgehensweisen ist immer nur bei anderen zu wünschen? Aufklären müssen wohl generell immer nur die anderen Institutionen (wie z.B. die böse Kirche http://taz.de/Abschlussbericht-zu-Kindesmissbrauch/!71263/ oder http://taz.de/Kommentar-Kindesmissbrauch/!106910/ ), aber die Partei der Wahl hat das auch bei sehr verwandten Problemen nicht nötig? Ok, zumindest letzteres haben Sie so nicht gesagt, aber Sie stellen sich vor die Grünen während Füller genau die mangelnde Aufklärung und diesbezügliche Bereitschaft durch die Spitzen der Grünen kritisiert. Wobei die Grünen mE scheinbar tatsächlich viel besser (und mitunter auch völlig zu Recht) empört sind und Aufklärung fordern als selbst welche zu leisten. Aber wie war das mit der Transparenz, pardon Loyalität? Es ist eben immer eine Sache der jeweiligen Perspektive und der persönlichen Relevanz, nicht wahr?

    Wollten Sie den Artikel jetzt eigentlich wirklich nur überarbeiten lassen oder komplett kassieren wie überall sonst zu lesen? http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/gruene-und-paedophile-taz-chefin-in-erklaerungsnot-12544077.html (P.S.: Die diesbezüglichen Kommentare auf FAZ-Online über Heuchelei und Doppelmoral der Grünen und Ihre peinliche Rolle in der Sache sind teilweise wirklich genial, kann ich Ihnen nur empfehlen. Ist aber andererseits vielleicht wie ein Blick in den Spiegel.)

    Fragen über Fragen. Die FAZ hat es im Titel des oben verlinkten Artikels treffend beschrieben: „taz“-Chefin in Erklärungsnot. Ich bin gespannt darauf ob überhaupt noch eine wirkliche Erklärung kommt. Vielleicht wäre es aber auch das kleinere Übel gewesen, den Artikel einfach zu bringen…

    • Ihre Unterstellung, der Text sei aus der Zeitung genommen worden, weil darin die “mangelnde Aufklärung und diesbezügliche Bereitschaft durch die Spitzen der Grünen kritisiert” werde, entbehrt jeder Grundlage. Am 27. Mai erschien auf Seite 1 der taz ein Kommentar von Ulrich Schulte mit genau diesem Inhalt unter der Überschrift “Aufklärer wider Willen”:

       

      “Endlich. Endlich haben sich die Grünen dafür entschieden, ein schmutziges Kapitel ihrer Geschichte wissenschaftlich aufklären zu lassen. Ein prominenter Politologe der Göttinger Universität wird jetzt untersuchen, wie weit der Einfluss pädophiler Gruppen in der Partei in den 80er Jahren reichte. Dieser Schritt ist nicht nur richtig, er war überfällig. Nur eine unabhängige Instanz kann diese unselige Verstrickung ein für alle Mal klären, nur sie besitzt die dafür nötige Glaubwürdigkeit. (…)

       

      Und hier kommt die aktuelle Führung der Grünen ins Spiel. Sie muss sich vorwerfen lassen, viel zu spät zu handeln. Und das Thema in der Vergangenheit dramatisch unterschätzt zu haben. Es gab seit den 80ern wahrlich genug Anlässe, die Pädophilie-Verstrickung mit einer umfassenden, neutralen Studie aufzuarbeiten. Doch auf diesen Gedanken sind die Grünen, die anderen gerne Intransparenz vorwerfen, nie gekommen. Nun bleibt ein unschöner Eindruck: Die Grünen mutieren nur deshalb zu engagierten Aufklärern, weil sie Schaden im Wahljahr fürchten.”

       

      Weitere Beispiele für taz-Artikel, in denen die Grünen in Sachen Pädophilie kritisiert werden: http://blogs.taz.de/hausblog/2013/08/24/die-taz-als-parteizeitung-der-gruenen/

      • Mag sein, dass die TAZ auch schon kritisch berichtet hat. Das befreit nicht von dem Verdacht, kurz vor der Wahl keine entsprechenden Artikel bringen zu wollen. Der Verdacht ist erst dann völlig entkräftet wenn der Artikel (jetzt wo die alte Fassung zugänglich ist, meinetwegen gerne in einer überarbeiten Form oder aber mit einer entsprechenden kritischen Gegenposition) abgedruckt wurde. So lange die TAZ das nicht leisten will oder kann, bleibe ich sehr skeptisch.

        Übrigens bin ich selbst kein expliziter Gegner der Grünen. In vielen Fragen stimme ich ihnen zu und habe sie auch schon einmal gewählt. Aber in vielen Bereichen sehe ich auch eine erschreckende Doppelmoral sowie eine unsympathische Kombination aus Verbissenheit, Rechthaberei und Selbsterhöhung. Da passt die aktuelle Debatte gut ins Bild. Schade: Wenn die Grünen etwas ehrlicher, selbstkritischer und auch lockerer wären, hätten sie wieder Chancen auf meine Stimme gehabt. So sehe ich zwar einige gute Thesen und zumindest keine großen Nachteile aber eben auch keinen wirklichen Vorteil zu anderen etablierten Parteien (die dafür wiederum zumindest scheinbar etwas mehr Bodenhaftung haben).

        • Es ist übrigens nicht so, dass den Grünen jede Selbstkritik fehlt. In der Wahlkampf-Parteizeitung der Grünen heißt es: “Unabhängig vom Ergebnis der Studie steht für die Grünen außer Frage, dass Forderungen nach Straff reiheit von Sexualität von Erwachsenen mit Kindern und pädophilen Handlungen falsch und inakzeptabel sind. ‘Wir bedauern, dass es in den Anfangsjahren der Grünen Partei Raum für diese Debatten und Forderungen gab. Das ist ein Fehler, für den unsere Partei ohne Wenn und Aber die Verantwortung trägt’, betonte Lemke.” (http://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Schraegstrich_Juli_2013.pdf)

          • Wenn die Grünen in ihrer Parteizeitung meinen, dass ihre Pädophilen-Forderungen ein Fehler waren, und wenn die TAZ in ihren bisherigen Kommentaren die gleiche Linie vertreten hat, dann spricht das natürlich wieder für die These, dass die taz wie die Parteizeitung der Grünen ist.

          • Die FAZ allerdings auch.

      • Die Enthüllung des pädosexuellen taz-Mitbegründers Dietrich W. erschieb im Januar 2011, ich selbst war der Autor. Niemand anderes aus der taz hatte diese Infos bzw. wollte sie glauben. http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2011/01/22/a0155

    • Sie fragen: “Wollten Sie den Artikel jetzt eigentlich wirklich nur überarbeiten lassen oder komplett kassieren wie überall sonst zu lesen?”

      Ich verstehe die Frage nicht. Ines Pohl hat das doch schon eindeutig beantwortet. Sie schreibt in ihrem Blogpost ausdrücklich von ihrem “Auftrag, einen Text noch einmal überarbeiten zu lassen”. Warum verlangen Sie, dass das nochmal beantwortet wird? Würden Sie Ines Pohl eher glauben, wenn sie das zweimal beantwortet, als wenn sei es nur einmal beantwortet? Warum?

      • Ehrlich gesagt war das eine rein rhetorische Frage, eine direkte Antwort habe ich nicht erwartet. Ich wollte aber zeigen, dass die Aussage von Frau Pohl im Widerspruch zu dem steht was anderswo zu lesen ist.

        Wenn die TAZ jetzt tatsächlich noch eine überarbeitete Version bringen sollte, dann wird Pohls Version der Dinge ja gewissermaßen bewiesen sein. Dann könnte man zudem auch die Überarbeitungsschritte und damit indirekt die Kritikpunkte nachvollziehen (bisher sehe ich ehrlich gesagt wie andere hier keine eklatanten Unterschiede zu anderen TAZ-Artikeln). Das wäre mir genug Transparenz, mehr will ich gar nicht. So lange in die Richtung nichts passiert, bleiben mE Zweifel.

        • Die Fakten sind ja unumstritten: Ines Pohl hat einen kritischen Artikel über die Grünen aus dem Blatt genommen. Umstritten ist ihre innere Motivation dafür. Sie selbst sagt, der Artikel habe handwerkliche Mängel gehabt. Andere Medien behaupten, Ines Pohl habe die Grünen im Wahlkampf vor Kritik schützen wollen. Bei einer solchen Konstellation würde ich nicht als erstes bei Ines Pohl nachfragen, warum ihre Behauptung von dem abweicht, was andere Medien schreiben. Ich würde die anderen Medien fragen, was eigentlich ihre Quellen für die innere Motivlage von Ines Pohl sind. Haben die einen Hellseher beauftragt, um die Gedanken von Ines Pohl zu lesen? Woher sonst wollen die das wissen?

          Falls der Text in einer überarbeiteten Fassung erscheint, ist Ines Pohls Sicht der Dinge bewiesen. Falls ein solcher Text nicht erscheint, könnte es dafür aber mehrere Gründe geben. Es könnte sein, dass der Autor seinen Text zwar im Sinne von Ines Pohl überarbeiten will, diese den Text dann aber immer noch nicht abdrucken will (sie würde damit in Kauf nehmen, dass die Sache erneut an die Öffentlichkeit gerät und sie dann als Lügnerin sowie als Pressesprecherin der Grünen dasteht). Die andere Möglichkeit ist natürlich, dass der Autor den Text nicht im Sinne von Ines Pohl überarbeiten will. Und sie selbst kann das ja nicht gegen seinen Willen machen. Dann könnte die Aussage von Ines Pohl richtig sein und trotzdem kein Text erscheinen.

          • Ganz so einfach ist das eben nicht. Die FAZ unterstellt da ja auch nicht einfach etwas, z.B. aufgrund eines impliziten Persönlichkeitsbildes von Frau Pohl. Es wird eine begründete Kritik an ihrem Vorgehen und den daraus resultierenden Folgen formuliert, um ihre rein persönlichen Motive dafür geht es in dem Artikel hingegen gar nicht.

            Zunächst einmal trifft es ja zu, dass die Begründungen von Frau Pohl tatsächlich immer unkonkreter wurden: Aus “falschen Tatsachenbehauptungen” wurden “falsche Kausalzusammenhänge”, wurden “mangelnde journalistische Standards”. Das kann alles das Gleiche umschreiben, aber es wird immer schwammiger was eigentlich damit gemeint ist. Wenn nun eine überarbeitete Fassung kommt, dann würden alle halbwegs textkritischen Leute natürlich auch nach den beiden zuerst genannten Mängeln suchen: Wo wurde eine Aussage weggelassen oder geändert? Wo ein anderer Kausalzusammenhang herausgearbeitet? Inwiefern ist das inhaltlich wirklich angemessen? Wenn sie also keine guten sachlichen Gründe hatte, könnte das sehr, sehr peinlich werden. Die Beweislast liegt mE aber eindeutig bei ihr.

            Dazu noch ein Zitat aus der FAZ: “Nur ist es in diesem Fall so, dass ein scharfer, argumentierender Beitrag zu einem zeitgeschichtlich bedeutsamen, politisch brisanten Thema gekippt und nicht zur Bearbeitung zurückgegeben wurde. Und so vermittelt die „taz“ – verbunden mit unkritischen Stücken zu diesem Thema zuvor -, den Eindruck einer Parteizeitung der Grünen.”

            Das ist eine Beschreibung verbunden mit einer Bewertung der man folgen kann aber nicht muss.

    • Verlogen? Sie haben da wohl was falsch verstanden. Die taz hat bei der Berichterstattung über Manning nie Transparenz für alle gefordert, sondern immer nur für staatliches Handeln. Was die Bürger und damit auch Zeitungsredakteure angeht, hat die taz sich immer schon ganz offen gegen Transparenz, sprich gegen Überwachung und für den Schutz der Privatsphäre eingesetzt.

      • Da kann ich Ihnen nur klar widersprechen. Transparenz endet für mich eindeutig nicht beim Staat, sondern umfasst auch andere wirtschaftliche und gesellschaftliche Institutionen. Ich hatte doch nicht nach privaten/ intimen Details aus dem Hause Pohl oder ihrer Kollegen gefragt (die mich auch gar nicht interessieren), sondern allein nach den Beweggründen für eine gesellschaftlich relevante Entscheidung (und ich hoffe mal stark, dass die nicht rein privater Natur sind denn das wäre sehr unprofessionell). Dass die meinungsbildenden Medien mitunter sogar informell als vierte Staatsmacht gehandelt werden, dürfte bekannt sein. Aber natürlich ist es reine “Privatsache” warum die Führung einer Zeitung eine Sache nicht bringt und wie sie das begründet, so wie die Entscheidungen einer Ministerin oder eines CEO auch immer nur reine “Privatsache” sind und man bei womöglich kontroversen Entwicklungen und unerfreulichen Folgen auch lieber schnell in den eigenen Reihen Loyalität (i.e. Verschwiegenheit) einfordert.

        Ein Whistleblower in einer Zeitungsredaktion ist für mich kaum etwas anderes als einer bei VW, dem BND, der CDU o.ä. Aber dass die Medien als Wirtschaftsunternehmen in einigen Punkten eine Doppelmoral aufweisen ist mir nichts Neues.

        • Mag sein, Sie persönlich auch Transparenz in Redaktionen für richtig halten. Der Vorwurf war aber aber ursprünglich, dass die taz “verlogen” sei, weil die taz nach ihren eigenen Standards bei solchen Fällen sonst Transparenz fordere. Da bin ich aber mal gespannt, wo Sie das in der taz gelesen haben. Die Chefredakteurin hat den Grund genannt: Handwerkliche Mängel des Autors. Soll sie jetzt wirklich noch mitteilen: In dieser und dieser Zeile hat der Autor den genannten Personen keine Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben, in dieser und dieser Zeile hat der Autor unzulässig verallgemeinert, in dieser und dieser Zeile fehlt ein durch ausreichende Quellen gesicherter Beleg für eine Tatsachenbehauptung?

          Ein Autor muss auch mal einen schlechten Text abliefern dürfen, ohne gleich befürchten zu müssen, dass die Chefredaktion jeden seiner handwerklichen Mängel öffentlich macht. Dafür ist ja gerade eine Redaktion da, damit man dort gemeinsam an Texten feilt.

          Es geht auch um den Schutz von anderen Personen. Stellen Sie sich vor, ein Autor schreibt einen Text, in dem er einer Person Vorwürfe macht. Die Redaktion entscheidet, das nochmal zu überprüfen. Die weitere Recherche ergibt, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Wenn jetzt immer transparent auch der Original-Artikel veröffentlicht würde, dann würden auch die Vorwürfe doch noch an die Öffentlichkeit kommen.

          • Da verstehen Sie mich aber (absichtlich oder nicht?) ziemlich falsch und reden dabei auch nur das nach was Frau Pohl ohnehin schon vorgekaut hat. Wenn Frau Pohls Darstellung der Dinge tatsächlich völlig korrekt ist, dann warte ich weiter auf die logische Konsequenz: Die Veröffentlichung des überarbeiteten Artikels in der TAZ (aber dann bitte recht bald und noch vor der Wahl!).

            Für den Fall, dass Sie mich wirklich falsch verstanden haben: Ich rede übrigens nicht davon, dass Frau Pohl die inhaltlichen oder journalistischen Schwächen des Artikels vor allen Menschen ausbreiten soll. Ich rede von dem Vorwurf der Illoyalität den Pohl erhebt, weil die interne Entscheidung zur Zurückhaltung des Textes a) überhaupt bekannt wurde und b) dabei anders als bei ihr NICHT einfach von einer Überarbeitung, sondern von einem kompletten Kassieren des Artikels (und das kurz vor den Wahlen) die Rede ist. Dieses Vorgehen findet Frau Pohl also illoyal. Ich sehe hingegen keinen Unterschied zu relevanten Entscheidungen anderer Menschen in verantwortlichen Positionen die im stillen Kämmerlein getroffen werden und dann durch einen Whistleblower herauskommen.

            Übrigens hat Frau Pohl doch nach der ganzen Kririk selbst die ursprüngliche Fassung des Artikels in diesem Blog hier verlinkt und dazu schnippisch angeregt, jeder möge doch nun selber sehen was an dem Artikel nicht gut ist (was ich von der Sache her gut und richtig, aber von der Art her ziemlich kindisch finde). So viel zu ihrer Idee, dass es wohl darum ginge, dass falsche Vorwürfe nicht an die Öffentlichkeit kommen dürfen. Wenn solche im Text enthalten wären, dann wären sie nun also doch öffentlich und Frau Pohl gibt nicht mal einen Hinweis darauf, welche Punkte inhaltlich(!) mit Vorsicht zu genießen sind. Falls nicht: Warum konnte man den Text dann nicht gleich veröffentlichen?

            Die beste Option wäre mE also gewesen gleich zu veröffentlichen und zugleich auch eine kritische Reaktion daneben zu setzen. Eine mE deutlich schlechtere dafür aber zumindest konsequente Option wäre gewesen den Artikel tatsächlich überarbeiten und dann kurz darauf(!) überarbeitet veröffentlichen zu lassen. Wenn diese Überarbeitung tatsächlich der Qualität und nicht einer Zensur gedient hätte, wäre ja keinem etwas verloren gegangen (auch wenn der Leser das natürlich wie i.d.R. auch sonst in solchen Fällen nicht hätte prüfen können). Nun hat man hingegen die Kritik am Artikel doch mehr oder weniger explizit mitbekommen UND der ursprüngliche Artikel mit allen seinen vermeintlichen oder tatsächlichen inhaltlichen Schwächen liegt unkommentiert und ohne angeblich so dringende Überarbeitung vor. So muss man sich also doch allein einen Reim draus machen und den Inhalte selbst prüfen! Das ist also weder für den Autor noch für den Leser noch für die angeblich falsch dargestellten Grünen eine gute Situation. In meinen Augen also ein trotziges Vorgehen, das keinem gerecht wird und auch der TAZ tendenziell eher schaden wird.

  28. Ich muss die Redaktion wirklich einmal in Schutz nehmen: Der Text von Herrn Füller ist nicht schlecht, aber m.E. auch nicht notwendig, man kann sogar was gegen ihn sagen, weil er zum Thema nicht wirklich Neues beiträgt.

    Dass die Grünen keine Empathie für ihre Opfer haben, zeichnet sie nicht gegenüber anderen Parteien aus, ist also keine Entdeckung, die man abdrucken muss. Der Rest ist altbekannt und neu formuliert.

    Ich finde es auch gut, dass man dazu was sagt und den Shitstorm aushält.

    Was aber natürlich kommen muss, ist ein anderer Artikel zum Thema. Es gibt genug Leute und Hintermänner, über die man berichten könnte. Ihr habt doch gute Milieukontakte und das hat sich doch nicht alles nur im Darkroom abgespielt. Die links-grüne Szene ist doch gut vernetzt. Da weiss doch jeder, wer was wie treibt. Und nicht vergessen darf man m.E. auch mindestens ebenso verlogene und verschwiegene Milieu der Jens, Dohnanis und wie sie alle heißen. Bringt da mal Licht rein.

  29. Jetzt lügt sie auch noch!

  30. Als langjähriger Leser der Taz muss ich sagen, dass die journalistische “Qualität” dieses Artikels nicht vom Standard der Zeitung abweicht.
    Demzufolge erscheint die Stellungahme oben wie eine Ausrede.
    Eine ehrliche Antwort scheint leider aus politisch-taktischen Gründen nicht möglich. Das ist nicht gut!
    Ich werde die Taz nicht mehr lesen.

  31. Na Frau Pohl, warum so verschlossen?

    Kinderficken war eine der Essenzen der ökofaschistischen Bewegung. Seien Sie doch STOLZ auf die vielen Kinder, die von der schröcklych verspiesserten Jungfräulichkeit, gerne auch in der Gruppe, “befreit” wurden.

    Die Grünen sind die übelste Pest seit Befreiuung vom Arschloch.

  32. Das schlimmste ist: Der Kindesmißbrauch der Grünen & Co geht ungehemmt und durch Kreise wie die taz gefördert, ungehemmt weiter: Gender Mainstreaming, Sexkoffer, Dildos, Homo- und Transexualität in der Grundschule, Adoptionsrecht für Homosexuelle, Zwangsverheiratung Minderjähriger bei Moslems in D…
    Die Gesellschaft ist bereits zerstört, die Familien auch, nun geht es den Kleinsten direkt an die Seele. Marxistisch-satanistische Zersetzungsstrategien, wie aus en Lehrbüchern der großen Schlächter.

  33. Wenn es tatsächlich um Qualitätsstandards ginge, dann dürfte die taz allenfalls mal zu Ostern un Weihnachten erscheinen. Auftragslügen und -journalismus, ungehemmt, frech, über Leichen, wie die großen Kommivorbilder. Der neue Mensch und die neue Gesellschaft müssen verwirklich werden. Tatsachen und Wahrheit stören da nur die Ideologie…

  34. Frau Pohl,

    Ihr Vorgehen ist der taz nicht würdig. Ich, jung genug, mich längst nur noch online zu informieren, habe die Zeitung bislang immer auch gelesen, gekauft, unterstützt, weil ich von ihrem Geist überzeugt war – kritisch zu sein, frech zu sein. Diese Vorgänge müssen jedoch glauben machen, die taz sei für die Grünen, was der Bayernkurier für die CSU ist. Mit solch fadenscheiniger Einflussnahme unter dem Deckmantel abstruser Qualitätskriterien wird man treue Leser los – und glaubt noch an die Zukunft von Zeitungen als Qualitätsmedien… Nur weiter so – und die taz ist bald verschwunden…

  35. Herr Füller, wo bleibt ihr Mitgefühl mit den Opfern der Päderasten? Warum scheren Sie sich nicht um die Gefühle der missbrauchten Kinder?

    Auf taz.de lese ich, dass die taz in den Achtzigern Artikel für die Legalisierung der Pädophilie veröffentlicht hat (http://www.taz.de/Paedo-Aktivisten-im-linken-Mileu/!51494/). Ein taz-Mitarbeiter konnte dort seine Schwärmereien über seine sexuellen Erlebnissen mit Kindern verbreiten: “andy candy […] war ein echtes schlüsselerlebnis für mich. alles war irgendwie zärtlich, auch das bumsen, da gab es keine erogenen zonen mehr bei mir – ich war eine einzige erogene zone.” Nach den Erinnerungen eines Redaktionskollegen sei der Autor mit seinem sehr jungen Liebhaber sogar in der Zeitung aufgetaucht.

    Herr Füller, wie konntet ihr taz-Mitarbeiter derart drastische Missbrauchsschilderungen lesen, ohne euch auf die Seite der Opfer zu stellen?? Wieso wurde offene pädokriminelle Propaganda einfach hingenommen?

    So offen konnten das nicht die alten Griechen aussprechen, nicht die Wandervögler, nicht die Reformpädagogen Gustav Wyneken oder der Odenwaldmissbraucher Gerold Becker, sondern nur die taz-Mitarbeiter. Die Anfangsjahre der taz sind sozusagen die erste in der Geschichte der Päderastie, in der man über den Sex mit Kindern öffentlich schwärmen konnte.

    Der Missbrauch der Kinder war in der Ideologie der taz angelegt. Selbstbestimmte Sexualität und Kritik an der patriarchalischen Gesellschaft waren doch eure Themen damals, als ihr gegen die verkapselte Post-NS-Gesellschaft gekämpft habt.

    Die taz hat zwar das Glück, dass sie als Zeitung keine Schulen, Kitas oder Internate betrieben hat, Orte also, an denen das Menschenmaterial vorhanden gewesen wäre, um ihre Befreiungsideologie jugendlicher Sexualität auszuleben. Aber es gibt genug Päderasten-Kommunen, die die taz gelesen haben, und bei denen man begutachten kann, wie eine durchgesetzte taz-Ideologie für Kinder und Jugendliche aussieht.

    Herr Füller, schauen Sie nicht länger weg! Richten Sie endlich eine Anlaufstelle für die Opfer der taz ein! Beweisen Sie, dass es Empathie bei Ihnen nicht nur für die Opfer der anderen gibt, sondern auch für Ihre eigenen!

  36. Chefredaktion hat sich schon so überlebt wie sich Zeitung bald überlebt haben wird. Es ist übrigens nicht zwingend Papier zu bedrucken bevor man Fische oder anderes darin einwickelt – ist mir schon lange zu unsauber.

  37. @Silke A.
    Ja, aber warum so ausführlich? Verweisen Sie doch einfach auf einen Artikel von Alexander Wallasch im TheEuropean, der das alles perfekt abgeholt hat und den Sie ggf. sogar gelesen haben:
    http://www.theeuropean.de/alexander-wallasch/7299-ines-pohl-und-die-verantwortung-des-chefredakteurs

    Damit ist doch alles gesagt.

    • Habe ich nicht gelesen.
      Es ist doch vollends ausreichend, wenn Sie darauf verweisen, oder etwa nicht?

    • In dem verlinkten Text heißt eine Zwischenüberschrift: “Ines Pohl hat keine Veto-Funktion”. Darunter wird berichtet, Gespräche mit ungenannten taz-Mitarbeitern “lassen mutmaßen, dass es so etwas wie eine Veto-Funktion für die ‘Taz’-Chefredakteurin praktisch gar nicht gibt”. Diese taz-Mitarbeiter sollten vielleicht mal ihr eigenes Redaktionsstatut lesen. In § 3 heißt es: “In Konfliktfällen liegt die letzte Entscheidung bei der Chefredaktion. Sie verantwortet den redaktionellen Teil der taz.” Und in § 5: “Die Chefredaktion führt die Redaktion. Sie bestimmt maßgeblich den Inhalt der Zeitung, des Online-Auftritts und aller sonstigen redaktionellen Angebote der taz.” Sie ist also ihrer Aufgabe nachgekommen und trägt dafür die Verantwortung. Dass sie ihre Entscheidungen öffentlich zu begründen hat, davon steht da nichts. Es würde auch zu einem vergifteten Klima in einem Unternehmen führen, wenn man sich nicht mehr intern inhaltlich auseinandersetzen könnte, sondern das immer öffentlich austragen müsste. Siehe Piratenpartei.

    • Ich habe beide Beiträge gelesen und kann nicht nachvollziehen, wieso Sie behaupten, hier hätte jemand aus einer anderen Quelle abgeschrieben.

      Der Beitrag von Silke A. lässt Rückschlüsse auf eine gewisse Intelligenz der Autorin zu.
      Ihr Beitrag lässt Rückschlüsse auf eine erschreckende Fähigkeit, Unterstellungen, Bezichtigungen und Beleidigungen in Umlauf zu bringen, zu.
      So was braucht echt kein Mensch. Deshalb ist Ihr Kommentar vor allem eins: Vollkommen wertlos.

  38. Ja was denn? Die gute Frau Pohl hat doch absolut richtig gehandelt!
    Offensichtlich besteht ein großes Bedürfnis seitens der lieben Journalistenkollegen jeglicher Couleur, die Frau mit Dreck zu bewerfen. Eine interessante Frage, die wohl leider niemals beantwortet werden wird.

    Was bei der ganzen Diskussion fehlt, ist der Bezug zur jüngsten Vergangenheit der taz, womit leider auch ein Stück weit diskursive Fairness auf der Strecke bleibt.

    Kürzlich hat die taz eine berechtigte Rüge des Presserats hinnehmen müssen.
    Der als „Juntakumpel“ verunglimpfte Jorge Bergoglio sollte ein Kollaborateur gewesen sein, diese These war keinesfalls belegbar. So etwas bezeichnet man wohl gemeinhin als Vorverurteilung, was m.E. jeglichen journalistischen Anstand vermissen lässt und einer seriösen Tageszeitung (was Eigenanspruch der taz ist) nicht würdig ist.
    Ein Griff ins Klo par excellence.

    Zudem könnte bei Ines Pohls angeblicher „Zensur“ des Füller-Artikels ein zeitlicher Zusammenhang zur Verurteilung der taz zu einer Zahlung von 20.000 Euro an Thilo Sarrazin aufgrund indiskutabler Ausfälligkeiten und Beleidigungen – und das auch noch auf Grundlage unwahrer Behauptungen – bestehen. Auch noch nicht einmal ein Anflug journalistischen Anstands.
    Ein weiterer Griff ins Klo.

    Beide Male hat Ines Pohl die Veröffentlichung nicht verhindert und trägt damit ein gutes Stück Verantwortung für die Schäden, die der taz dadurch entstanden sind.

    Vor dem Hintergrund erscheint es mir folgerichtig, klug und gewissenhaft, einen Beitrag, an dem sie berechtigte Zweifel hat, zu verhindern.
    Mir ist schon in der Vergangenheit mehrfach aufgefallen, dass Füller sich im Strudel seiner eigenen Emotionalität in eigentümliche Thesen verrennt, die sich vielleicht für Füller selbst wahr anfühlen, aber für den Leser nicht nachvollziehbar und belegbar sind und in erster Linie blindwütig aggressiv wirken.

    In letzter Instanz ist Ines Pohl für die journalistische Qualität und die Einhaltung ethisch-moralischer Mindestansprüche der taz verantwortlich.
    Ihr offensichtlicher Wunsch, weiteren Schaden von der taz fernzuhalten, ist für mich nicht nur nachvollziehbar, sondern meinem Verständnis nach zählt genau das zu ihren Pflichten.

    Nun hat sie ausnahmsweise mal den Mut bewiesen, ihrer Aufgabe wirklich gerecht zu werden und prompt wird über sie hergefallen als hätte sie ein Verbrechen begangen.
    Diese Schlacht, die nun geschlagen wird, mutet mir unappetitlich und unsachlich an. Ein normaler, gesunder Vorgang – Chefredakteurin beschließt aus guten Gründen, einen Beitrag nicht zu veröffentlichen – wird zu einer befremdlichen Zensurdebatte aufgebauscht.

    Das scheint mir einigermaßen lächerlich. Wenn intern „zensiert“ wird, ist das aus meiner Sicht keine Zensur, sondern ganz normaler redaktioneller Alltag.

    Ich kann nur hoffen, dass Ines Pohl – auch vor dem Hintergrund der schmerzlichen Illoyalität – weiterhin auf dem Weg bleibt, den sie eingeschlagen hat.
    Der taz wird das gewiss nicht schaden, sondern im Gegenteil. Vielleicht findet die taz mit so einer Chefredakteurin endlich zu einer ernstzunehmenden Form des Journalismus, der nicht wieder und wieder von Beleidigungen, Vorverurteilungen, unangemessenen emotionalen Ausbrüchen und falschen Tatsachenbehauptungen geprägt ist.

  39. Pädophilie zerstört Seelen – das weiss jeder, der Missbrauchsopfer im Laufe ihres späteren Lebens und Leidens näher kennen gelernt hat, oder besser: Facetten dieser Menschen, denn sie werden nie wieder “eins” mit sich. Es ist das Verdienst von Christian Füller, diesen Sachverhalt den taz-Lesern eindringlich vor Augen geführt zu haben, z.B. seine Artikel zur Odenwaldschule: gründlich recherchiert, engagiert geschrieben. Das nenne ich guten Journalismus.

    Ich muss Christian Füllers Ansichten (etwa zu den Studiengebühren) nicht immer teilen, aber ich schätze ihn und nehme ihn ernst, weil der Mann sehr genau weiß, was er sagt. In der taz wird viel Mist geschrieben, ihm kann ich das absolut nicht nachsagen. Er ist ein verdammt guter Grund, die tageszeitung nicht leichtfertig abzuschreiben. Dies vorausgeschickt, kann ich ruhig sagen, dass ich seinen Artikel “Befreites Menschenmaterial” so auch nicht hätte verantworten wollen.

    Mein Argument ist der rhetorische Kurzschluss, darin bestehend, dass Die Grünen für eine sehr spezielle (und sehr anrüchige) Strömung ihrer Gründungsphase unter Generalverdacht gestellt werden. Wobei Christian Füller en detail absolut Recht hat: es gab die unsägliche Mühl-Kommune, es gab ja sogar diese verdammten Kinderficker, die mit ihren Schutzbefohlenen bei diversen Festivals auf offener Bühne um Verständnis buhlten…

    Es gab aber auch die Frauenbewegung, die angesichts der dringenden Debatte um Macht und Herrschaft ihre eigene Rolle in der Sexualität und im Leben eingefordert hat – und den selbstverliebten Machos der 68er ordentlich Kontra gab. Ich (und auch die Grünen) mussten da verdammt viel lernen. Ihr haben wir auch die Frauenhäuser zu verdanken: Christian, das ist Ausdruck ähnlicher Verbrechen gegen die Seele wie bei deinem Thema!

    Die Kinderladenbewegung kann sich auf die gleichen Argumente zur Befreiung von “Zucht und Ordnung” berufen, Macht und Herrschaft gehören immer und überall in Frage gestellt. Himmel, erinnert sich denn niemand? Papi hatte immer recht, Mutti hat geheult! Christian Füller weiss, was bei der versuchten Befreiung schief gelaufen ist, und das soll er bitte schreiben. Denn es ist die Geschichte in der Geschichte, der Missbrauch von Ohnmächtigen im Namen der Befreiung…

    Geht nicht, Punkt. Sind wir uns einig? Klar. Die Grünen sind aus einem bunten Haufen teils zweifelhafter Herkunft geboren worden. Auch die heutigen Grünen? OK, Zutreffendes bitte ankreuzen: wir haben zwar keine Wahl, aber die schon. Sonst können wir ja Die Linke wählen, oder Sonstwas. Uneins sind wir, wie wir mit uns umzugehen haben. Stefan Niggemeier ist das Verdienst anzulasten, die taz auf den Inhalt der Auseinandersetzung hinzuweisen: Macht und Herrschaft.

    @Ines Pohl: so sehr ich Ihre Entscheidung im vorliegenden Fall teile, so wenig bin ich mit Ihrem Vorgehen d’accord: Christian Füller hat unbedingt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit seinem Artikel verdient, das Thema ist sogar eminent politisch. Kloppt euch meinetshalben redaktionsintern, aber jammert nicht über “Illoyalitäten”. Macht keinen guten Mitarbeiter kaputt, versucht’s mal mit Argumenten. Ich unterstelle sowohl Ihnen als auch Christian Füller, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln, mit der Empörung der Unterdrückten: Also los, empört euch – aber bitte gemeinsam!

  40. taz-Redakteur Gürtler hat in seinem Blog ein bisschen Textkritik vorgelegt. Die haben Sie dann in etlichen Kommentaren zunichte gemacht. Die lesen sich kein bisschen so, als seien Sie ernsthaft auf Textkritik aus.

    In dem Füller-Artikel geht zum Beispiel durcheinander, wo er über Vergangenheit und wo über Gegenwart schreibt. Er schreibt über die Kommune Dachsberg fast so, als könne man dort jetzt und heute grüne pädophile Umtriebe besichtigen (Füllers Quelle: http://www.welt.de/politik/deutschland/article118234356/Der-alltaegliche-Missbrauch-in-einer-gruenen-Kommune.html), und wer sie dort nicht findet, könne stattdessen nach Friedrichshof fahren, so liest sich das, in eine Kommune, die zwar gar nie grün war, wie Füller selbst schreibt – Präsens und Präteritum gehen den ganzen Abschnitt durcheinander – aber trotzdem passe, weil eine grüne Kommune genau so wäre, hätte es sie denn gegeben. Was ist denn das für ein Argument?

    Die Grünen könnten quasi deshalb so schlecht überführt werden, weil sie – so ihr Glück – “das Menschenmaterial” nicht institutionell zur Verfügung gehabt hätten, um mit den Folgen ihrer ‘Ideologie’ in so großem Rahmen aufzufallen wie die Reformpädagogik, legt Füller doch nahe. Das ist eine Absicherung seiner Thesen für den Fall, dass kaum weitere Opfer auftauchen. Jedes ist dabei natürlich eines zu viel. Aber Füller will auf was ganz großes raus, und da geht z. B. in der Wortwahl einiges durcheinander: das sind einfach sehr weitreichende Thesen, ist mir verständlich, dass man die vor der Veröffentlichung besser abgesichert haben will.

    • Na, was Herr Guertler gemacht hat, ist unfein. Er hatte nicht mal den Text gelesen, nicht mal die Herleitung nachvollziehen können und hat dann auf Grund von zwei Zitaten, Ines Pohl gespielt. Hinterher hat er dann eingestanden, den Text nicht zu kennen und so als hätte das nichts mit zu tun, ein dickes Disclosure draufgepackt, dass er Mitglied der Grünen sei.

      In einem pointierten Meinungsartikel und als solcher war der Artikel angefragt, als Debattenartikel, sind die Thesen von Christian Füller vertretbar. Lächerlich nun gerade diesen Artikel rauszupicken und so zu tun, als erfülle dieser journalistische Standards nicht und sei nicht aktuell. Sauber und korrekt und auch im Sinne eines kollegialen Verhältnisses wär’s gewesen, die Thesen anzugreifen, zu sagen, teilen wir nicht und wollen wir nicht teilen. Aber einen langjährigen Kollegen fehlende Qualität und mangelhafte Zusammenarbeit mit der Redaktion zu unterstellen, natürlich darf man das aufgreifen und auch angreifen.

      Man kann über die Thesen von Christian Füller streiten, genau deshalb, damit’s zu dieser Debatte kommt, wurden sie ja eingekauft, die Debatte aber abzuwürgen und den Autor taz-seitig fertig zu machen, ist menschlich schlechter Stil. Viel interessanter wär’s darüber zu diskutieren, ob’s bei den Grünen eine “ideologische” Anfälligkeit gibt. Ich bejahe, Sie werden wahrscheinlich verneinen und Sie wie ich sind nicht die Einzigen, die hierzu eine “starke” Meinung haben. Insofern sind die Thesen Füller prima, aber genau um diese sollte es gehen und diese Diskussion hat Pohl verhindern wollen, bewusst, um den Grünen damit zumindest einen Gefallen zu tun!

    • Und noch was: Natürlich steht dem grünen Humanismus, der grünen Militanzia “Menschenmaterial” zur Verfügung. Lesen Sie mal den aktuellen Artikel zu einer Schulgründung in Köln. Füller kann da schlecht schreiben, dass ist eine grüne Schule. Ich als Debattenteilnehmer kann das aber und tue es. Beides, Artikel in der taz wie das Projekt vor Ort lesen sich wie eine aktuelle Realsatire zum Thema, leider ist’s keine Realsatire. Die wissen noch nicht mal was sie als Lehrer “lernen” wollen, haben aber schon die Ausgestaltung der stillen Örtchen als Uni-Sex-Toiletten klar, weil da kann, da muss beste Gender-Pädagogik stattfinden. Und ja, auch und gerade die Odenwaldschule war die “grüne” Schule.

      • Der neue große Bazar braucht nur die Kernelemente, der ganze Verdeckungsquatsch, den interessiert doch keiner. Wenn ein Bischoff der grünen Khmer seinen Segen gibt werden sich genug Verblendete finden die jede Menge Neles, Lea-Sophien, Maltes und Lasses anmelden werden.

        Schliesslich ist eine grüne Pädogogik gesichert.

  41. Oder anders gesagt: so wird das zum Internetkitsch: I like Ines Pohl or I don’t like her oder für Sie netter: I like Christian Füller or I don’t like Christian Füller…
    Dass das schon fast immer auf Personen degeneriert, schlecht… fast Qual und Strafe, der man nicht mehr entkommt. Wirklich, schreiben Sie was Vernünftiges zum Warum, vielleicht haben Sie ja wirklich was zu sagen!

    • In der Kernaussage völlig richtig, aber warum so verschwurbelt? Wirkt leider auf eine andere Art ebenso selbstdarstellerisch wie Frau Pohl (die immerhin direkt sagt, daß sie sich für das Universum+ hält).

  42. Jetzt hier nach ein paar Tagen anzufangen, schlecht. Diskutieren Sie bei Niggemeier. Da antworte ich Ihnen dann gerne übermorgen. Schön wäre es, wenn Sie dann ein wenig eingehendere Textkritik liefern, was an den sicherlich auch zugespitzten Thesen, sollte ja ein pointierte Meinungsartikel sein, nicht zulässige journalistische Provokation sein kann, weil’s nicht sein darf. Liefern Sie mal Butter bei die Fische in Form von analytischer Textkritik, oder anders gesagt: Lehnen Sie sich mal aus dem Fenster, Frau Pohl, machen Sie sich “würdig” angreifbar. Muss ja was geben, was Sie textlich fassen können. Würd mich freuen und wäre Ihres Amtes würdig… So müssen alle Chefredakteur spielen und sind’s doch nicht. Sie sind der Garant… so spekulieren alle, weil ja auch ihr Blog hier nichts hergibt: alle sollen selbst entscheiden, dass Sie richtig entschieden haben: ein bisserl zuviel anything goes…

    Grüsse.
    uh

  43. Der Artikel ist tatsächlich ziemlich schlecht. Von diesem Autor ist aber eventuell nichts anderes zu erwarten gewesen.
    Frau Pohls Reaktion ist nachvollziehbar. Es ist auch die Aufgabe einer Chefredakteurin, für angemessene Qualität zu sorgen. Die TAZ ist keine Schülerzeitung.

  44. Es muss ja nicht “en detail” sein, Frau Pohl, aber so ganz grob wäre es ja doch mal schön zu wissen, warum ein Text, den die zuständigen Redakteure und der Hausjurist offensichtlich nicht beanstandet haben, dann plötzlich nicht mehr ausreichende “handwerkliche Qualität” hatte.

    Fanden Sie den Text sprachlich unsauber? Oder inhaltlich? Welche “journalistischen Standards” wurden da nicht erfüllt? Ihre Erklärung hier ist jedenfalls mindestens so nichtssagend wie ein durchschnittlicher Politiker-O-Ton.

    • Eine Chefredakteurin hat ja auch eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern. Was für eine Demütigung wäre es, wenn Ines Pohl im Detail öffentlich die Faktenfehler, falschen Schlüsse und überzogenen Bewertungen in dem Text auseinandernimmt. Jeder Redakteur darf Fehler machen – und jeder hat Anspruch darauf, dass die Fehler eines Textentwurfes, also eines noch nicht veröffentlichten Textes im richtigen Rahmen besprochen werden, nämlich innerhalb der Redaktion.

    • aber so ganz grob wäre es ja doch mal schön zu wissen
      Warum? Weil Sie das so wünschen? Gibt es irgendeine Instanz, die hierfür Rechtfertigung einzuklagen in der Lage ist? Sitzen Sie in dieser Instanz als Richter? Oder Ankläger?

  45. Verblüffend, wie sich die intellektuellen Spitzen – bekannt aus Funk und Fernsehen – hier an den Haaren ziehen. Das sieht auf allen Seiten nach gekränkter Eitelkeit und Parteiigkeit aus. Kann nicht irgend jemand sachlich mit dem Thema umgehen?

  46. Frau Pohl: Ich erwarte eine unverzügliche Antwort auf Niggemeier!

    • HaWe. Hoppe: Ich weiß nicht, wer Sie sind. Jemand mit kryptischem Namen zum Ernstnehmen? Egal.
      Ich erwarte eine unverzügliche Packung Choco-Crossies an die Rudi-Dutschke-Straße 23 in Berlin!

  47. Also bestenfalls Selbstzensur, etwas grundlegend anderes als wenn Behörden/Anzeigenkunden/Parteien in der Redaktion anrufen und etwas zensieren lassen.

    • Och, die Claudi und der Jürgen und der Cem haben gewiss die Handynummer von der Ines.

      • Aber wie sollen die Claudi, der Jürgen oder der Cem (und warum wird hier eigentlich die Renate vergessen?) denn davon erfahren haben, dass die Veröffentlichung eines solchen Artikels in der taz geplant ist? Irgendwie müsste die Info über den geplanten Artikel ja zu ihnen gekommen sein. Vom Autor wussten sie es wohl nicht, denn der hat die Betroffenen ja nicht um Stellungnahme angefragt (sonst würde er in seinem Artikel wohl diese Stellungnahme erwähnen – oder schreiben, dass er trotz Anfrage keine bekommen hat). Oder meinen Sie, dass es in der taz einen Grünen-Maulwurf gibt, dem vorab alle Artikel vorgelegt werden, damit der dann der Claudi, dem Jürgen oder dem Cem Bescheid sagen kann, damit die dann Ines Pohl anrufen und Druck machen, damit der Artikel nicht erscheint? Erscheint mir unwahrscheinlich.

  48. Klingt für mich wie ein kleines Kind, das was ausgefressen hat und nun flennt, weil es sich dafür verantworten muß.

  49. Pingback: “taz”-Chefredakteurin verhindert kritischen Artikel über Grüne und Pädophilie « Stefan Niggemeier

  50. Ines Pohl bricht nach Tagen ihr Schweigegelübde, sagt aber nicht die Wahrheit. Sie hat den Text keineswegs “noch einmal an die Redaktion” zurückgegeben, um ihn “noch einmal überarbeiten zu lassen”. Sie hat die Veröffentlichung des Artikel schlicht untersagt, unter anderem mit dem Argument, es fehle ein aktueller Zusammenhang.

    Hier über die “Illoyaliäten” (sic) anderer jammern, aber selbst nicht einmal den Vorgang korrekt darstellen — das wirft ein bezeichnendes Licht auf das Vorgehen der Chefredakteurin.

    • Immer her mit den Kommentaren!

      Ist aber haarig mit dem “sagt aber nicht die Wahrheit”. Die Wahrheit in solchen Fällen bestimmt immer der Kommentator, oder?

      Reiner Metzger,
      taz chefredaktion

      • Falsch, die Wahrheit bestimmt die Redaktion.
        Schön an dem Artikel zu sehen der nicht erschienen ist.

        Aber bezeichnend, dass Sie die offensichtliche Lüge von Ines Pohl als Interpretativ sehen.

      • Im Klartext: Sie bestreiten, dass Ines Pohl die Veröffentlichung des Textes ausdrücklich untersagt hat? Und behaupten, er hätte nur noch mal überarbeitet werden sollen?

        Oder wollen Sie nur sagen: Es gibt keine Wahrheit, und falls es sie gibt, kennt sie niemand?

        Ich meine, wir können ja gern diskutieren, ob die Entscheidung von Frau Pohl richtig war, und ich finde, dass es da tatsächlich gute Argumente auf beiden Seiten gibt. Aber sollten wir dabei nicht so wahrhaftig sein, diese Entscheidung als das darzustellen, was sie war: Die Weisung, einen Text nicht zu veröffentlichen. Und nicht “die Entscheidung, eine Fassung eines Textes noch einmal an die Redaktion zurückzugeben”, damit sie ihn “noch einmal” überarbeitet.

    • Es gibt bei dem Thema keinen aktuellen Zusammenhang in einem streng journalistischen Sinn.

      Ich bin ein Leser, der sich mangels Zeit oft fragt, warum er einen bestimmten Artikel in der taz lesen will/muss/sollte. Geschehen kann ich im Rückblick besser verorten, wenn es mit einem Ereignis kommt. Lese ich sehr viel Themen ohne Regeln durcheinander, verwirrt mich das. Das kenne ich vom Dradio, wo ich oft viel auf einmal runterla – ok, anderes Thema.

      Weiter, bei den Grünen gibt es dort irgendwie diese große Kommission, die Pädophilie aufarbeiten soll, schwammig in Erinnerung. Die hat doch noch keine Ergebnisse, oder? Whistleblower? Neue andere Forschungsergebnisse? Tag gegen Missbrauch? Irgendein Ereignis?

      Möglicherweise war eben nur der Enthüllungsjournalist Christian Füller mit seiner Recherche fertig und wollte das Ergebnis veröffentlichen.

      Missbrauch ist latent aktuell. Es passiert immer. Darüber muss berichtet werden. Über vieles anderes Schreckliches muss aber auch berichtet werden. Wann der richtige Zeitpunkt für eine Veröffentlichung ist, ist streitbar. Finde ich.

    • Und diese “Wahrheiten”, Herr Niggemeier, die haben Sie woher?
      Aus Ihrem Blog?

      • Herr Niggemeier wird seine Quelle sicher nicht preisgeben – und das zu Recht. Ich denke aber, es ist nicht unbegründet anzunehmen, dass ein Journalist mit seinem Renommee nicht einfach mal so Behauptungen aufstellt.