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von 09.03.2014

taz Hausblog

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Manfred_Stolpeim Jahr 2005 habe ich dieses Foto von Manfred Stolpe gemacht. Damals studierte ich noch, das Bild machte ich als Zuschauer einer öffentlichen Podiumsdiskussion und anschließend lud ich es bei Wikipedia hoch. Das heißt: Jeder darf dieses Bild kostenlos verwenden, der bereit ist, zwei Bedingungen einzuhalten: Der Urheber muss genannt werden und man muss dazuschreiben, dass das Bild unter einer Freien Lizenz steht.

Ihr, liebe Raubkopierer bei der SPD, habt euch an diese Bedingungen nicht gehalten. Ihr habt das Foto einfach geklaut und es auf www.netzwerkberlin.de und www.manfred-stolpe.de veröffentlicht. Das Netzwerk Berlin ist ein Zusammenschluss von derzeit 50 SPD-Bundestagsabgeordneten, darunter Sigmar Gabriel, Hubertus Heil und Thomas Oppermann; Manfred Stolpe war Bundesverkehrsminister und Ministerpräsident Brandenburgs.

Normalerweise stört es mich nicht, wenn andere Leute meine Texte oder Bilder weiterverbreiten. Falls es mich doch mal stört, schreibe ich eine freundliche E-Mail oder greife zum Telefon (außer bei Kai Diekmann). Aber in diesem Fall dachte ich mir: Warum sollen unter dem kaputten Urheberrecht immer nur die Leute leiden, die damit täglich arbeiten müssen? Und nicht auch mal die, die dafür verantworlich sind?

Also habe ich mir einen Anwalt genommen und der hat euch dann Abmahnungen geschickt mit dem ganzen Programm, das euer Urheberrecht vorsieht:

– Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung
– Aufforderung zur Auskunft über die Dauer der Urheberrechtsverletzung
– Schadensersatz in Höhe der Lizenzgebühr, die gemäß dem Tarif der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing für das Foto angefallen wäre
– doppelter Schadensersatz, weil ihr mich nicht als Urheber genannt habt
– Anwaltskosten

Nun begann ein Schriftwechsel. Liebe Sozialdemokraten, ich glaube euch ja, dass ihr stets den Willen habt, die Gesetze einzuhalten. Dass ihr diesen Willen aber ausgerechnet in dem Augenblick als Argument vorbringt, in dem ihr beim Gesetzesbruch erwischt wurdet, zeugt dann doch von Chuzpe:

spd-raubkopierer620e

Nach einigem Hin und Her habt ihr wegen der beiden Bilder auf den beiden Webseiten dann doch 1.800 Euro an mich überwiesen. Und jetzt schaut mal, was daraus geworden ist und wer von eurem tollen Urheberrecht profitiert:

Mein Anwalt: 1.103,93 Euro
Ich als Urheber: 696,07 Euro

Da sind übrigens die Kosten für eure Anwälte noch nicht drin. Ich nehme mal an, dass eure Anwälte die gleichen Gebühren berechnen wie mein Anwalt. Eure Gesamtausgaben lagen also bei gut 2.900 Euro. Davon habe ich als Urheber 24 Prozent bekommen.

Liebe SPD, könnt ihr das bitte reparieren? Als Mindestkriterien für ein neues Urheberrecht schlage ich vor

– dass ihr es versteht
– dass es so faire Regeln hat, dass ihr euch auch selbst dran haltet
– dass die Urheber mehr bekommen als die Anwälte

Danke,
Sebastian Heiser

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https://blogs.taz.de/hausblog/2014/03/09/liebe-raubkopierer-bei-der-spd/

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kommentare

  • Ich war mal am „Schädiger“-Ende des Abmahnrechts, als ich fahrlässig einen 32 Jahre alten Liedtext veröffentlichte, den ich für gemeinfrei hielt. Ich kenne daher aus jenem Fall alle drei Teile, den Urheber und beide Anwaltsrechnungen: Der Urheber erhielt sogar nur 19% der Gesamtkosten.

  • Bedenkt man jedoch, wie oft Menschen die es besser wissen sollten, die kryptischen CC Klauseln falsch anwenden, ist die als eine konventionelle Kennzeichnung. Will man etwas vereinfachen oder klarer machen, sollte die Anwendung nicht Expertenwissen voraussetzen, sondern Laienverständlichkeit. Zweifelsohne war die Falschnutzung des Fotos durch den abgemahnten Personenkreis eine Folge der unverständlichen, kryptischen Rechtefreigabe, und nicht ein vorsätzliches Ignorieren von Nutzungsrechten. Mal echt, so einen Pups haben die bestimmt nicht nötig, es hätte ja noch nicht einmal Geld gekostet. Sich daran zu ölen, dass dies falsch angewendet wurde, und daraus eine Kausalität für einen Reformbedarf zu konstruieren, naja. GGf. benutzt der Anutor zukünftig Kennungsfloskeln, die sich seit 100 Jahren bewährt habe, und verständlich sind, falls er sich tatsächlich für eine rechtssichere Nutzung einsetzen will.

    • Bitte machen Sie doch die Vereinsmitglieder nicht lächerlich. Das sind Großteils gestandene Juristen, denen kann man schon ein gewisses Textverständnis abverlangen, zumal die CC-Lizenzen nicht allzu kryptisch formuliert sind.

    • Wer die Lizenz nicht versteht, darf das lizenzpflichtige Produkt nicht einsetzen. Auch die rotgefärbte Union nicht. Punkt.

    • Liebe/r ADA,
      ich glaub du hast da was flasch verstanden. Die Lizenzbedingungen sind so lang weil alte Männer die dahinter stehenden Urheberrecht gebastelt haben – ein 100 Jahre altes „Naja, schreib halt dran von wems ist“ reicht eben NICHT dafür aus, rechtssicher zu sein. Außerdem hat CC noch zusätzlich Piktogramme um die einzelnen Lizenzbestandteile zu kennzeichnen, so dass selbst Berliner SPDler fähig sein sollten, diese richtig anzuwenden. Es ergibt sich also in der Tat eine Kausalität. tl;dr Nicht labern, wenn man keine Ahnung hat.

  • Geile, extrem berechtigte Aktion!!!

    Nerve die SPD auf Berlin und Bund-Ebene, die prominentesten Vertreter dieses Vereins, mit der Bitte um eine Stellungnahme. (Und veröffentliche ggf. den Reigen der Nicht-Stellungnahmen).

    Und ob sie was dagegen haben, wenn Du den erfolgten Schriftwechsel veröffentlichen darfst (dagegen spricht eigentlich nur das #Zensurheberrecht)…

  • Aus Ihren Angaben lässt sich nicht schließen, dass die Vergütungsstruktur der Anwälte ungerecht ist. Was für Gebühren genau hat Ihr Anwalt abgerechnet?

    Im Regelfall rechnen Anwälte nach dem Gegenstandswert ab. Daraus ergeben sich im vollen Erfolgsfall oft Gebühren von 20-30 % der insgesamt erhaltenen Summe. Haben Sie also vielleicht zuviel gefordert?

    Oder haben Sie mit Ihrem Anwalt eine Honorarvereinbarung abgeschlossen, ihn also nach Arbeitsstunden bezahlt? Das lohnt sich oft erst bei größeren Forderungen.

    Oder hat die SPD vielleicht 700 EUR Schadensersatz gezahlt und darüber hinaus noch Ihre Anwaltskosten übernommen? Dann hätten Sie ohne Anwalt ja auch nur 700 EUR bekommen.

    Ich will damit nicht unterstellen, dass Ihre Beschwerde unberechtigt ist, aber um Ihnen zustimmen zu können, fehlen wichtige Informationen.

  • Es ist nicht der Sinn von Wikipedia und creative commons Bilder ins Internet zu stellen und dann zu warten, dass jemand diese falsch zititert, um dann anwaltlich dagegen vorzugehen. Das offenbart einen ähnlichen Ansatz wie bei den viel geschmähten Abmahnanwälte.

    • Zum Sinn der hier verwendeten Creative Commons-Lizenz (Namensnennung+Weitergabe unter gleichen Bedingungen) empfehle ich diesen Hintergrund-Text:

      http://www.gnu.org/philosophy/free-sw

      Da geht es um Software, aber Creative Commons-Lizenzen sind gerade eine Übertragung dieses Prinzips in den kulturellen Bereich.

      Das ganze kurzgefasst

      “If you want your work to give freedom an advantage, use the leverage available to you — copyleft your code” — @rms → http://gcc.gnu.org/ml/gcc/2014-01/msg00247.html

      Wenn Sie, Jakob, also ein Bild unter Creative Commons “Weitergabe unter gleichen Bedingungen” nicht sauber referenzieren, beschädigen sie das politische Ziel dieser Lizenz: Auf dem Weg der Lizensierung im Falschen Leben des heutigen Urheberrechts eine Umgebung zu schaffen, in der gutes kulturelles Leben möglich ist: Freie Kultur.

      Noch etwas mehr Hintergrund, diesmal explizit zu freier Kultur: http://freedomdefined.org

    • Der Sinn von creative commons ist u.A. Quellen zur Verfügung stellen zu können und gleichzeitig eine Würdigung des Schaffensprozess zu erhalten.

      Herr Heiser hat ausdrücklich angesprochen, dass er mit seinem Beispiel klarmachen wollte wie schlecht die Sache mit dem Urheberrecht gegenwärtig funktioniert.

      bitte noch einmal lesen.

      • „Die Sache mit dem Urheberrecht“ funktioniert nur deswegen schlecht, weil es Deppen wie die betreffenden SPD-Raubkopierer gibt, die offenbar selbst simple Konzepte nicht verstehen können – oder aufs Recht pfeifen.

  • Ich wollte auch mal ein Bild unter der „creative commons“ in meiner Website verwenden. Nachdem ich den langen Text der Möglichkeiten und Bedingungen gelesen hatte, entschloss ich mich: Nee. Es ist einfacher, den Urheber zu fragen und die paar Euro dafür zu bezahlen, als den komplizierten Bedingungen der CC akkurat zu folgen.
    .
    Aus meiner Zitatensammlung,
    …und es beweist sich immer wieder:
    „Alles was englisch betitelt ist, ist sowieso ein Schmarrn“

    • Einmal hatte ich den Fall auch schon. Da habe ich mich für ein anderes Bild entschieden. In der Regel ist das aber einfach. Entweder, der Urheber gibt direkt den ganzen Text an, oder man nimmt die erforderliche, meist auch dort stehende CC-Lizenz und den Namen des Urhebers. Schwer ist das nicht.

  • Das Feixen, nämlich der Politik mal eine schallende Ohrfeige verpasst zu haben, halte ich für unangemessen. Wenn Ihr Triumphgeheul etwas unterstreicht, dann wohl den Umstand, dass Freie Lizenzen oftmals unübersichtlich sind. Gerade im Bereich der Medien sollte man bei „Bilderklau“ den Ball flach halten, weil viele Medien – zB beim Fernsehen (Stichwort: Quelle „Fremdmaterial“) – oft genug unsauber arbeiten. Ein Bild bei Wikipedia(!) hochzuladen und dann Abmahnungen zu verschicken, das erinnert mehr an Abzocke als an eine Lektion für die SPD.

    • Freie Lizenzen und gerade die Creativecommons-Lizenzen sind so übersichtlich wie eine Lizenz nur sein kann: Klare Ansagen was du darfst und musst.

      Wenn die Medien unsauber arbeiten, ist das ein Problem, denn ich als Privatperson muss *sofort* mit einer Abmahnung rechnen.

      Antwort darauf: Wenn nichtmal die Medien das Urheberrecht ausreichend verstehen, um sich dran zu halten (und das sind immerhin die Vollzeit-Urheberrechts-Nutzer), dann ist das Urheberrecht mit hundertprozentiger Sicherheit kaputt.

    • Abgesehen davon, dass einige freie Lizenzen tatsächlich unübersichtlich sind, ist die hier betroffene, die wohl übersichtlichste Lizenz, die Einschränkungen zulässt.
      http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/

      Dass Abmahnungen für angeblich „freie“ Bilder verschickt werden ist leider Alltag in Deutschland und wird von der Abmahnindustrie regelmäßig durchgezogen.
      Wenn nach Ihren Angaben sogar große Medienhäuser unsauber arbeiten, dann haben wir wohl eher ein Problem mit dem Urheberrecht. Und dann ist es genau richtig, den Verantwortlichen mal ein Praxisbeispiel zu zeigen. Mich als Ottonormalverbraucher schützt nämlich ein „ich wollte doch gar nichts böses“ auch nicht vor den Anwaltskosten.

    • Und der Verstoß war ja noch nichtmal irgendwas kompliziertes wie “wann ist etwas ein abgeleitetes Werk?”. Der Verstoß war es, den Urheber nicht zu nennen. Und das ist nun wirklich einfach zu verstehen: Schreib meinen Namen dazu oder lass die Finger von dem Bild.

      Und ehrlich gesagt fühle ich als Privatmensch mich verarscht, wenn ich mir auf meinen privaten Seiten immer die Mühe mache, sauber zu referenzieren und dann sehe, dass die Leute, die das Urheberrecht verbockt haben sich nichtmal selbst dran halten (bzw. sich die heutzutage notwendige Prüfung der rechtlichen Hintergründe ihrer eigenen Seite sparen, die sie allen Privatleuten mit ihren Gesetzen aufzwingen – das kostet zig Stunden Arbeit, und wenn die Seite von bezahlten Sachbearbeitern erstellt wird, kostet das halt auch messbares Geld, nicht nur meine Freizeit).

      Es wäre ja nicht so schwer, eine Urheberrechtsausnahme für private Seiten zu schaffen. Oder eine Regelung, dass Urheberrechtsverstöße nicht sofort per Abmahnung geregelt werden dürfen. Oder besser noch: Eine echte Kulturflatrate. Die Leute bei der SPD, die gerade getroffen wurden, sind genau an den Schaltstellen, mit denen das gemacht werden könnte.

      Ja, das Urheberrecht ist zu kompliziert. Wer hat das verbockt?

      Übrigens steht alles auf der Wikipedia unter Lizenzen, die mit cc by-sa kompatibel sind. Wer sich also bei Wikipedia bedient, muss nur cc by-sa verstehen: Eine Lizenz verstehen für eine riesige Quelle.

      Nur wer cc by-sa nicht einhalten will oder kann (den Fall habe ich: Sie ist noch nicht GPL-kompatibel, deswegen muss ich immer nach cc by schauen), muss sich die einzelnen Lizenzen durchlesen. Hinweis: Die cc by-sa besteht aus nur 4 Punkten:

      http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

      Erlaubt: Teilen und Bearbeiten.
      Notwendig: Namensnennung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen.

    • Sie verteidigen allen Ernstes eine Verfehlung gestandener Politiker und deren Mitarbeiter, weil eine paarzeilige Lizenz zu schwer zu verstehen wäre, um sich daran zu halten?
      Unter dieser Prämisse müsste sich unsere komplette Gesetzgebung ebenfalls dieser Kritik unterziehen.

    • @Christoph
      Was ist an Freien Lizenzen denn unübersichtlich? Insbesondere an der CC-Lizenz die Wikipedia nutzt, und die deswegen nur 1x für ZIg-Millionen Werke verstanden werden muss?

      Wie glaubwürdig soll das sein, dass die Verwender die Lizenz geprüft haben, und nicht verstanden haben abwr dachten sie dürften das Fundstück einfach so nutzen?

      Bei Schulkindern die was bei FB hochladen würde ich das ja noch glauben, aber die wer professionell was ins Netz läd, der sollte sich schon ein bißchen auskennen.

  • […] Daraufhin hat Heiser der SPD über seinen Anwalt eine Abmahnung zukommen lassen. Nicht weil es ihm primär darum geht, dass andere seine Fotos nutzen, sondern weil das in diesem Fall welche machen, die mitverantwortlich für das verstaubte Urheberrecht Deutschlands sind. Er wollte denen dann wohl zeigen, welche Konsequenzen das nach sich ziehen kann. […]

  • […] URHEBERRECHT taz-Hausblog: Raubkopierer bei der SPD: Im taz-Hausblog erklärt Sebastian Heiser, wieso das (auch) von der SPD nicht modernisierte Urheberrecht ihn regelrecht dazu zwang, die Genossen für die Verwendung eines seiner Fotos abzumahnen, er aber trotzdem kaum Geld damit verdiente. Zwar vergisst auch Heiser in seinem eigenen Artikel die Angabe seiner eigenen Lizenz unter seinem eigenen Foto, aber nach der schon nicht lukrativen Abmahnung der SPD, wird er sich wohl verschonen. Lesenswertes Kommentar über das kaputte Urheberrecht. […]

  • Sehr geehrter Herr Heiser,

    wenn Sie mitteilen, dass es nun mal die Leute treffen soll, die für das Urheberrecht verantwortlich sein sollen und nicht diejenigen, die täglich damit arbeiten, dann ist ihr Vorhaben gescheitert. Man darf davon ausgehen, dass weder der Parteivorsitzende, noch die jeweiligen Fachpolitiker das Foto hochgeladen haben, sondern auch der angestellte Mitarbeiter oder der freiwillige Helfer. Der ist seinem Arbeitgeber u.U. auch zum Ersatz verpflichtet. Fehler passieren Ihnen offensichtlich nie, da Sie davon ausgehen, dass sich jemand „nicht dran halten will“ oder „klauen“ will. Sie unterstellen einen strafrechtlichen Vorsatz, der gar nicht notwendig, erst recht nicht bewiesen wäre. Als Mindestkriterium für ein Blog wäre ja auch mal nett, dass man das was man anderen in Texten unterstellt, verstünde. Wem oder was, außer ihrem Ertrag war dann die Aktion geschuldet? Seh ich wenig. Daher hab ich auch wenig Probleme damit, dass Anwälte mehr kriegen als Sie. Solche Aktionen muss man nicht noch forcieren.

    • Da versucht wohl jemand die berechtigte Kritik an den Auswüchsen des fehlgeleiteten Urheberrechts und den Grund hinter der absichtlich(!) überzogenen Aktion falsch zu verstehen? Dass du „kein Problem“ damit hast, dass Anwälte mehr kriegen als der Autor eines Werkes, glaube ich dir gerne…. das mag vielleicht ein klein wenig damit zusammenhängen, dass du, mein lieber Vincenzo, von Beruf Rechtsanwalt bist und genau damit dein Geld verdienst. Welch Überraschung! Daran ist grundsätzlich nichts verwerfliches, irgendjemand muss den Drecksjob schließlich auch machen ;-) Aber das Mindeskriterium für einen ehrlichen Blog-Kommentar wäre gewesen, wenigstens offenzulegen, dass man diesen Text als betroffener Anwalt aus Eigennutz verfasst hast.

      • Gute Antwort ☺

        Das Urheberrecht ist so kaputt, dass ich mal *ein Jahr lang* nach den urheberrechtlichen Implikationen der freien Lizensierung eines einzelnen Strips in einem Comic gesucht habe, dabei die verschiedensten Gruppen angefragt habe und am Ende herausbekommen habe, dass das unklar ist.

    • Wenn ich urheberrechtlich geschütztes Material unwissentlich verbreite, weil mir der technische oder rechtliche Horizont fehlöt, diese Handlung entsprechend einzuordnen, kümmert es die Rechteinhaber und deren Anwälte auch nicht im Geringsten.
      Ja, man ist sich sogar nicht zu blöd, eine Oma auf Unterlassung* etc. abzumahnen, die nachweislich nicht mal einen Router in Betrieb hatte oder überhaupt wusste, wie das mit dem Internet, ´tschuldigung, für Sie natürlich Neuland, so funktioniert.

      * siehe: http://www.taz.de/!84352/

  • Tolle Aktion – und danke für den Artikel!

    Ich wäre ja persönlich noch an etwas mehr Details über den Schriftwechsel interessiert ☺

    Anmerkung:

    – dass ihr es versteht
    – dass es so faire Regeln hat, dass ihr euch auch selbst dran haltet
    – dass die Urheber mehr bekommen als die Anwälte

    + dass es auch für Normalmenschen verständlich ist. Politiker sind meist schon Juristen.

    • Mehr Details zu dem Schriftwechsel: Die Sozialdemokraten haben den Rechtsverstoß direkt eingeräumt und das Foto gelöscht (sie hätten genausogut auch meinen Namen und die Lizenz hinzufügen können). Es ging dann bei dem Hin und Her eigentlich nur um die Frage, wie viel Geld genau mir zusteht.

  • Hat er doch geschrieben:

    „Normalerweise stört es mich nicht, wenn andere Leute meine Texte oder Bilder weiterverbreiten. Falls es mich doch mal stört, schreibe ich eine freundliche E-Mail oder greife zum Telefon (außer bei Kai Diekmann). Aber in diesem Fall dachte ich mir: Warum sollen unter dem kaputten Urheberrecht immer nur die Leute leiden, die damit täglich arbeiten müssen? Und nicht auch mal die, die dafür verantworlich sind?“

  • Herr Heiser, wer zwingt sie dazu Anwälte zu nutzen, um ihr Honorar einzufordern und den SPD-Verein über ihren Irrtum im Gebrauch von wikicommons aufzuklären? Haben sie versucht eine Regelung ohne Anwälte zu erreichen und zwar die Namensnennung, die ihnne zusteht? Da wäre die Kostenstruktur eine ganz andere. Einfach mal schreiben oder telefonieren, statt die Anwälte Schriften aufsetzen zu lassen.

    • Wenn ich mir anschaue, was Mandanten so an Antworten bekommen, wenn sie die Aufforderungen selber verschicken (was sie oft gewünscht haben): das reicht von bloßem Ignorieren, über Beschimpfungen bis hin zur Androhung körperlicher Gewalt. Meinen Mandanten ist das zu dumm und sie sind inzwischen wieder bei mir und ich darf als Anwalt ran…

    • Und die Musik- und Filmindustrie schickt auch erstmal ein freundliches Schreiben? Oder die Leute von Getty oder Bärbels Kochbuch? Man hätte neben dem Anwalt gleich noch ein deutsches und zusätzlich ein russisches Inkasso-Büro hinterherschicken sollen! Und statt der erlaubten Forderung erstmal zwei Nullen mehr hinten dran. Hups, Komma vergessen und Fehler passieren schießlich und das Geld kann man sich ja denn wieder holen (siehe redtube-Abmahnung).

      @Herr Heiser: Tolle Aktion, aber sie waren viel zu freundlich!

    • Herr Koenitz,

      Sie können ja mal ausprobieren, wie das so außerhalb der SPD-Fanbase gehandhabt wird mit dem Urheberrecht: Eröffnen Sie einen Blog, falls Sie noch keinen haben, dann binden Sie mal eines der 3,5 Millionen Fotos ein, die Getty Images gerade kostenlos freigegeben hat, und dann machen Sie die Copyright-Notiz so, wie Sie meinen, dass es nach Common Sense richtig sein müsste.

      Ich wette, spätestens nach vier Wochen wissen Sie, dass Sebastian Heiser sich genau dieser Mechanismen bedient hat, gegenüber einer Partei, die für genau diese Mechanismen große Mitverantwortung trägt.

      Und was das Thema „Aufklärung“ angeht: Weder wäre eine SPD, die zur Aufklärung fähig wäre, weiterhin unter der Knute des Seeheimer Kreises (was nachhaltig einen Stimmenanteil von > 30% verhindert, nur will das – Stichwort „Aufklärung“ – keiner hören), noch wäre Thilo Sarrazin weiter Parteimitglied.

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