1984: taz-Frauenredakteurin besucht die Truppe

Die Kontroverse um die jüngsten Bundeswehr-Anzeigen in der taz rief eine taz-Reportage unserer Kollegin Maria Neef-Uthoff in Erinnerung, die sich schon vor 30 Jahren anguckte, was die da beim Bund überhaupt treiben. Von Jan Feddersen

Werbeanzeigen der Bundeswehr ziehen sehr lebendige Reaktionen in unserer LeserInnenschaft, auch unter den Kolleg*innen der taz nach sich. Die Resonanz ist, alles in allem: vielfältig.

Die taz hat sich vor über 37 Jahren gegründet, um einem anderen Journalismus zur Geburt zu verhelfen. Mit bis dahin unterdrückten Nachrichten und mit Reportagen aus Welten und Szenen, die sonst nie den genauen Blick der Öffentlichkeit auf sich gezogen haben.

Sie wusste, als sie die Idee zu dieser Reportage hatte, dass sie Ärger machen wird

Am 29. September 1984 erschien eine zweiseitige Geschichte, die wir hier per Link zur Re-Lektüre unbedingt empfehlen, von unserer 1990 verstorbenen Kollegin Maria Neef-Uthoff. Die Überschrift: Feindberührung untertitelt war die Reportage mit der Bei der Militärübung der Bundeswehr in Bayern

Maria Neef-Uthoff war eine wunderbare Kollegin ohnehin, sie ist außerdem als eine publizistische Legende zu erinnern, schon weil sie einen solch entschiedenen feministischen Blick auf die zu berichtenden Dinge hatte. Naiv war sie, kein Wunder, nicht die Bohne.

Sie wusste, als sie die Idee zu dieser Reportage hatte, dass sie Ärger machen wird. Aber sie wollte es wissen, das steht in jeder Zeile ihrer Reportage: Wie ist es denn wirklich unter Soldaten? Wie reden sie? Und worüber? Was sorgt sie? Wie gehen sie mit Frauen um – zumal einer solchen wie sie, die als taz-Frau ja offen annonciert war.

Der Befund Maria Neef-Uthoffs machte in der taz-Community tatsächlich einen Skandal – inklusive Abokündigungen, Tränen am Telefon, Verratsbezichtungen, Schmähungen als Renegatin und Verräterin am pazifistischen Grundklang der taz.

Dabei war Neef-Uthoff nur die Botin der Atmosphären in der bundeswehrlichen Welt – nicht ihre Propagandistin. Mir selbst erzählte sie, als ich sie schüchtern bei einem taz-Plenum in Berlin fragte, wie man denn mit ihr wirklich als Frau umgegangen sei, dieses: Sie sei erstaunt, eine Institution, wenn auch nur flüchtig, aber immerhin, kennengelernt zu haben, in der Frauen mit soviel Respekt, jedenfalls mit so wenig gewalttätiger Anmutung begegnet würde.

Maria Neef-Uthoff konnte all dies recherchieren, weil sie die erste Tugend einer und eines Journalist*in ernst nahm: wach bleiben, den Gegenstand der Beobachtung ernst nehmen – und nicht mit vorgefertigten Bildern eine Sache abfertigen.

Wie sie über Bundeswehr-Werbeannoncen in der taz dachte, ist nicht überliefert. Sie hätte vielleicht gesagt: Wir sind Journalist*innen, die Anzeigen gehen die Redaktion nichts an – so wie die Anzeigenabteilung und die Geschäftsführung nicht erwarten können, dass die Redaktion auf die Wünsche der Werbetreibenden in irgendeiner Form Rücksicht nimmt.

Die Geschichte Maria Neef-Uthoffs lohnt das Wiederlesen. Irritationen nicht ausgeschlossen!

JAN FEDDERSEN

 

Titelbild: ap

Kommentare (3)

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  1. Sorry, Jan Feddersen,

    ich habe es nicht geschafft, dieses wirklich banale Rührstück zu Ende lesen. Nach dem dritten Absatz (oder war es der vierte) habe ich aufgehört. Trotzdem toll, dass noch mal daran erinnert worden ist. Zum einen hatte ich die taz in meinen Erinnerungen wohl verklärt, und vergessen, dass auch früher nicht alles Gold war, was glänzte. Zum anderen ist mir wieder bewusst geworden, wie sehr ich die taz dafür bewundert habe, dass seinerzeit die SäzzerInnen den größten Blödsinn direkt kommentieren durften. Schade, dass diee Tradition gestorben ist.

  2. also ich hab 1963 18 Monate Wehrdienst abgerissen geblieben ist mir damals ein leerer Geldbeutel und ein Schlafsack, man könnte mit den damaligen erlebnissen ein dickes Buch schreiben, aber es war manchmal auch lustig wnn man sich beim Naachtmarsch im Wald verlaufenn hatt und mit Glück zurückfand ich finde den heutigen entgeht viel vom Lagerfeuer bis zu dem Stuhlgang auf dem 6 zylinder

  3. Lieber Herr Feddersen!

    EINE SEHR GUTE IDEE! Diese Geschichte nochmal hervor zu holen und mit soviel Respekt zu präsentieren. Danke! DAS ist guter taz-Journalismus.

    MfG