vonandreas bull 04.04.2016

taz Hausblog

Wie tickt die denn? Der Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Was haben Pressefreiheit und Hundesport gemeinsam? Nichts. Und das ist ein größeres Problem als man auf den ersten Blick annehmen könnte.

Der Katalog der gemeinnützigen und damit steuerlich begünstigten Zwecke in der Abgabenordnung führt neben vielem anderen die Förderung der Tierzucht, der Kleingärtnerei, des traditionellen Brauchtums einschließlich des Karnevals, des Amateurfunkens, des Modellflugs und des Hundesports unter den gemeinnützigen Zwecken auf. Die Förderung der Pressefreiheit gehört nicht dazu.

Das mag in der Vergangenheit vielleicht nicht notwendig gewesen sein, doch mit dem Versiegen der Finanzierung durch Anzeigenwerbung droht der privatwirtschaftlich organisierte Teil der freien Presse seine Existenzgrundlage zu verlieren.

Die taz ist keine gemeinnützige Einrichtung im Sinne der Abgabenordnung, obwohl viele ihrer LeserInnen und UnterstützerInnen sie per se für gemeinnützig halten. Mit der gemeinwirtschaftlich orientierten Genossenschaft wurde vor 25 Jahren die Idee der Verbindung einer Produktivgenossenschaft, mit den Mitarbeitenden als Produzenten, und einer Konsumgenossenschaft, mit den LeserInnen als Konsumenten, in der taz Genossenschaft umgesetzt. Diese Struktur bietet einen gemeinsamen Rahmen, in dem auch in digitalen Zeiten der unabhängige Journalismus der taz wirtschaftlich bestehen kann.

Weit über die taz hinaus stellt sich jedoch die Frage, welche Zukunft gemeinwirtschaftlich oder gemeinnützig organisierter digitaler Journalismus neben den Öffentlich-Rechtlichen und den privaten Verlagen hat. Der digitale Journalismus wird ein von der Gesellschaft freiwillig finanzierter Journalismus sein unter steuerrechtlich förderlichen Rahmenbedingungen, die sich aus dem Artikel 5 des Grundgesetzes begründen lassen.

Einen Schritt auf diesem Weg geht die taz mit ihrem Modell „taz.zahl ich“. Der Appell, einen freiwilligen, bedingungslosen, regelmäßigen Beitrag zur Förderung des unabhängigen Journalismus im Netz zu leisten, richtet sich an die LeserInnen der taz, aber auch weit darüber hinaus an die demokratische Öffentlichkeit. Die Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (Agof) ermittelt monatlich rund 1,5 Millionen unique User für taz.de.

Mehr als 7.400 der taz-LeserInnen sind mittlerweile unserem Appell gefolgt und haben sich für einen regelmäßigen monatlichen Beitrag zu taz.zahl ich entschieden. Denn diese Beiträge sollen nicht nur von online Lesenden geleistet werden, sondern auch von jenen, die nie im Leben darauf kämen, Presse im Internet zu lesen, aber wollen, dass viele andere das tun können.

Das ist ein sichtbares Resultat des zivilgesellschaftlichen Engagements der LeserInnen und MacherInnen der taz. Entscheiden auch Sie sich jetzt für taz.zahl ich, damit unabhängiger Journalismus mit professioneller Qualität auch künftig unverzichtbare Impulse für die demokratische Auseinandersetzungskultur setzen kann.

Andreas Bull, Karl-Heinz Ruch – Geschäftsführer der taz

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http://blogs.taz.de/hausblog/2016/04/04/bull-analyse-eine-zukunft-fuer-taz-de/

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kommentare

  • Hallo Herr Bull,

    ich lese Ihre Analysen immer mit großem Interesse, gerade weil Sie oft auch die Entwicklung anderer überregionaler Zeitungen mit in Ihrer Analyse berücksichtigen.

    Hat zwar nicht mit Abo-Entwicklungen zu tun, würde mich aber auch interessieren: Es ist ja oft vom „Zeitungssterben“ die Rede: Wie schaffen es die kostenlosen Zeitungen wie z.B. Elbe-Wochenblatt zu überleben? Wir in Harburg werden mit 2 Zeitungen jeweils 2x die Woche „zugemüllt“ (ich bin leider der einzige im Haus mit einem Aufkleber am Briefkasten, um das zu verhindern). Diese Woche ist sogar noch eine 3. Zeitung dazugekommen.

    Nicht unbedingt das Thema der „Bull-Analysen“, aber – wie ich finde – durchaus auch eine Analyse wert. ;-)

    Viele Grüße!

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