vonhausblog 01.08.2016

taz Hausblog

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Der Umzug zweier neuer Bienenvölker aufs gleichermaßen windige wie sonnige taz-Dach ist geglückt. Zeit für eine erste Bestandsaufnahme in Sachen Honig.

Unterschiedlicher könnten sie nicht sein, die beiden Bienenvölker, die seit einigen Wochen auf dem taz-Dach stehen. Das eine ist eher gemütlich, entwickelt sich ganz gut, aber gemächlich. Die Königin legt Eier, Bienchen schlüpfen, krabbeln rege durch den Stock, bauen Waben, füttern die Brut, fliegen ein und aus und produzieren leckeren Honig. Alles bestens, aber ohne Stress eben.

Das andere Volk will es richtig wissen. Effizienz pur. Die Königin sorgt für Nachwuchs ohne Ende und dieser für randvolle Honigwaben. Da wir den Honig von beiden Völkern gemeinsam schleudern wollten, haben wir gewartet, bis das gemütliche von beiden einen Honigraum voll hat. Dieser steht ganz oben auf dem Bienenvolk; darunter in den beiden Holzkisten sind die Brutwaben.

Bis es so weit war, haben wir den Honiggroßproduzenten der beiden einfach immer mehr Honigräume gegeben und siehe da: Als wir kürzlich ernteten, waren es dann schon drei. Ein wahrer Honigwabenturm ist so entstanden, den wir dann Stück für Stück abgetragen haben.

Als er dann in der Schleuderküche ankam, war die Spannung groß. Wie wird der Honig schmecken? Noch mild von Kastaniennektar und Robinie? Oder schon nach den kräftigen Hauptstadtlinden? Denn die Linden, von denen es in Berlin besonders viele und mehrere Sorten gibt und die sich in der Blütezeit aneinanderreihen, standen zuletzt in voller Pracht.

Ergebnis nach dem ersten Entdeckeln der Waben und dem ersten Schleudergang: Fruchtig-mild tropfte der erste Honig vom taz-Dach des Jahres 2016 aus dem Hahn der Schleuder. Von Linde ist noch nichts zu schmecken. Er ist lieblich klar, sanft auf der Zunge und lässt viel Robinie durchschmecken. So bleibt er wohl auch lange Zeit flüssig.

JANA TASHINA WÖRRLE

Jana Tashina Wörrle ist freie Journalistin und Imkerin der Kiezimkerei in Berlin Charlottenburg. Sie betreut die Bienenvölker auf dem taz-Dach und berichtet darüber an dieser Stelle in loser Folge.

Titelbild: Aufstocken für mehr Honig – die Bienenstöcke auf dem taz-Dach; Foto: Kiezimker.de

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http://blogs.taz.de/hausblog/2016/08/01/auf-dem-taz-dach-honig-lieblich-klar-und-sanft/

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kommentare

  • Hallo zusammen,

    amüsant, dass sich die beiden Bienenvölker derart voneinander unterscheiden…
    Letztendlich musste der Honig ja doch nicht lange auf sich warten lassen und zudem schmeckt er auch noch lecker. Das Aufstocken für mehr Honig hat sich somit gelohnt.

    Liebe Grüße!

  • Hm, eigentlich tut man der Bienenwelt keinen Gefallen mit den Zuchtbienen, denn sie stellen erstens eine Nahrungskonkurrenz für die ohnehin bedrohten Wildbienen dar und sie übertragen als die quasi Hybrid-Legehennen der Bienen Krankheiten auf die ums Überleben kämpfenden Wildbienen.
    Gut gemeint ist halt nicht immer gut gemacht.
    http://www.wildbienen.de/wbf-honb.htm
    „Zusammenfassend läßt sich also sagen: Eine Gefährdung von Wildbienen durch Honigbienen hängt ab vom Standort (d. h. der Vegetation bzw. Blütentracht), von der Menge der Honigbienen bzw. ihrer Stöcke und von der jeweiligen Wildbienenart:

    Auf wenige Blütenpflanzen spezialisierte (sog. oligolektische) Solitärbienenarten sind mehr gefährdet als Generalisten (sog. polylektische Bienenarten) – es sei denn, ihre Blüten sind für Honigbienen nicht nutzbar.
    Innerhalb großer Monokulturen (Rapsfelder etc.), wo domestizierte Honigbienen zeitlich begrenzt und in notwendig großen Mengen zur Bestäubung eingesetzt werden, findet eine Verdrängung von Wildbienen kaum noch statt, da deren wilde Nahrungspflanzen bereits durch die Monokulturen vernichtet wurden; Wildbienen, die von der Massentracht angezogen werden, vernachlässigen allerdings möglicherweise die Wildpflanzen der Umgebung.
    In naturnahen Räumen und erst recht Naturschutzgebieten (NSGs) hingegen können die individuenstarken Völker der domestizierten Honigbiene Wildbienen gefährden: Polylektische Solitärbienen können eine Verringerung ihrer Populationsdichte (Individuenzahl) erleiden, oligolektische (also von bestimmten Blütenpflanzen abhängige) Solitärbienen können sogar lokal aussterben. Domestizierte Honigbienen infizieren zudem Wildbienen mit ihren Krankheiten.
    In Schutzgebieten darf es daher keine domestizierten Honigbienen geben; was für andere Haus- & Nutztiere gilt, muß auch für die Nutztiere des Imkers gelten. Damit sie nicht von außen in Schutzgebiete einfliegen, sollten Bienenstöcke einen Abstand von mindestens 3 km zu NSGen, Biosphärenreservaten etc. einhalten.
    Grundsätzlich gehört die Honigbiene natürlich zu unserer Insektenfauna – allerdings nur die heimische Dunkle Honigbiene (Apis mellifera mellifera), und selbst von dieser sollte es außerhalb der Monokulturen nur so viele geben, wie dort auch ohne Zutun des Menschen leben würden; folglich sollten Hobbyimker, die domestizierte Rassen bevorzugen, weniger ihrer unnatürlich großen Völker halten, als es von wilden Honigbienen dort einst gab bzw. geben würde. Die naturverträgliche Anzahl der Völker ist ausschließlich von kundigen Entomologen ohne Eigeninteresse und im staatlichen Auftrag zu beurteilen.
    Geeignet für NSGe, die diese Bezeichnung verdinenen, sind natürlich nur die kleineren Völker der an unser Klima angepaßten heimischen Dunklen Honigbiene (Apis mellifera mellifera), die ursprünglich in Mitteleuropa heimisch war und in den Randgebieten Europas immer noch (mit Solitärbienen ko-) existiert. Wünschenswert ist langfristig eine koordinierte Wiedereinführung dieser Unterart auf Kosten der süd- und südosteuropäischen Zuchtrassen.
    Der Gesetzgeber schützt nicht nur Bienenarten, sondern jede einzelne Biene und jede ihrer Niststätten. Schutzmaßnahmen für Nester bzw. Nestaggregationen und Nahrungspflanzen dürfen folglich nicht unterbleiben mit der Begründung, vor Ort sei noch keine Bienenart gefährdet.“

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