vonMathias Broeckers 04.05.2018

taz Hausblog

Wie tickt die denn? Der Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

Mehr über diesen Blog

Bundesweit bekannt wurde Ernst Volland schon in den 1970er Jahren mit seiner Parodie auf die „Jägermeister“-Reklame, die in der Zeitschrift „Pardon“ erschien und fortan als Poster in vielen Wohngemeinschaften zum Inventar gehörte. In der Folge produzierte Ernst Volland aber nicht nur satirische Plakate, sondern arbeitete in nahezu allen Genres der bildenden Kunst.

Legendäres Volland-PLakat

Genervt davon, dass das Großfeuilleton über Kunst und Künstler nur schrieb, wenn sie „schön“ und unpolitisch waren, erfand er in den 1980er Jahren die „Frische Malerei“. In seinem Atelier pinselte er in Windeseile einige großformatige Schinken, engagierte einen Schauspieler, der als „Blaise Vincent“ bei der Vernissage auftrat und schon erhielt der junge frische Maler wohlmeinende Rezensionen in den großen Blättern. Die Deutsche Nationalgalerie kaufte prompt ein Werk dieses neu entdeckten Talents.

Nicht nur diese „frische Malerei“ eines Fake-Artisten ist jetzt in dem voluminösen Band zu entdecken, der auf 590 Seiten das ungeheuer vielfältige Werk des Künstlers Ernst Volland präsentiert: Eingebrannte Bilder, Plakate, Cartoons, Buntstiftbilder, Fakes und Dokumente. Hirnkost KG, Berlin 2018. In der jüngsten Ausgabe der ZEIT hat ein großer Volland-Fan das Buch jetzt vorgestellt, der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel:

„Seine Karikaturen fanden genauso stete und weite Verbreitung wie seine Zeichnungen, Cartoons, Aquarelle und Fotomontagen. Dabei überschritt und überwand er immer wieder Grenzen und kehrte zu angestammten Sujets und Stilmitteln zurück. Ein künstlerischer Grenzgänger – bis heute.Der politische Künstler Volland war es auch, den ich als 21-jähriger sozialistisch gesinnter ‚Falke‘ 1980 nach Goslar zu einer Ausstellung seiner Plakate einlud – übrigens mit Erfolg, welchen die Ausstellung in meiner Heimatstadt genauso fand.

Natürlich war die Resonanz vor Ort gehörig, denn Vollands Plakate waren nie leichte Kost, sondern wollten immer anstößig sein. Sein Freund Bernd Hüppauf, Kenner seines Werkes und Kulturhistoriker, befand einmal treffend: ‚Volland setzt das Spiel der Grenzverletzungen mit den Mitteln des 20. Jahrhunderts fort, überschreitet in Fotoexperimenten die Grenzen zwischen den Gattungen, zwischen Komik und Ernst, Satire und Identifikation, Engagement und Distanz, politischer Botschaft und purem Jux.‘ Volland – ein würdiger Nachfahre des großen John Heartfield.“

In der Tat. Und deshalb freut es uns ganz besonders und immer wieder, dass dieser Meister seit nunmehr fast zehn Jahren auf seinem taz-Blog Einblicke in sein großartiges Schaffen gewährt.

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

http://blogs.taz.de/hausblog/2018/05/04/ein-wuerdiger-nachfahre-des-grossen-john-heartfield/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.