vonhausblog 30.01.2020

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Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Auf der heutigen Redaktionskonferenz hat Chefredakteur Georg Löwisch mitgeteilt, dass er die taz verlassen wird. Seit September 2015 trug der 45-jährige Journalist mit großem Geschick die Verantwortung für die redaktionelle Entwicklung der taz. Nun wechselt er im Sommer zur „Zeit“, wo er die Redaktion „Christ & Welt“ leiten wird. Sein Amt als taz-Chefredakteur wird er bereits Ende April abgeben.

„Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“, sagte Löwisch zu seinem Entschluss. „Der taz, wo ich Volontär, Reporter, Redakteur und schließlich Chefredakteur war, werde ich immer dankbar bleiben“, fügte er hinzu.

„Die taz ist Georg Löwisch zu großem Dank verpflichtet, als Chefredakteur war er ein Glücksfall für uns“, kommentierte taz-Vorstandsmitglied Isabel Lott den Weggang Löwischs. Mit seinem großen Engagement habe er die taz sehr vorangebracht. „Auch wenn wir seinen Abschied sehr bedauern, wünschen wir Georg selbstverständlich alles erdenklich Gute für seinen weiteren journalistischen Weg.“

Der Vorstand der taz ist nach dem Redaktionsstatut für die Berufung der Chefredaktion zuständig. Dem fünfköpfigen Gremium gehören neben den beiden Geschäftsführern Andreas Bull und Andreas Marggraf der Inlandsredakteur Pascal Beucker, die Fotoredakteurin Isabel Lott und Anja Mierel aus der Werbeabteilung als von den Mitarbeitenden gewählte Mitglieder an. Sie wurden von Löwisch vorab in dieser Woche informiert.

„Wir werden nun mit der gebotenen Sorgfalt über die Nachfolge von Georg Löwisch beraten“, sagte Geschäftsführer Andreas Marggraf. „Zum Glück stehen wir nicht unter Zeitdruck, denn mit Katrin Gottschalk und Barbara Junge haben wir zwei stellvertretende Chefredakteurinnen“, so Marggraf. „Beide stehen mitten im Digitalisierungsprozess und werden diesen mit Kraft und Elan fortsetzen.“

Nach der Redaktionskonferenz verabschiedete sich Georg Lowisch auch schriftlich von der taz und ihren Mitarbeitenden:

Liebe taz,

ich schreibe Euch, um Euch zu sagen, dass ich die Chefredaktion der taz in den nächsten Monaten abgeben werde.

Die Redaktion der taz habe ich von Herzen gern geleitet. Es war mir eine Ehre. Trotzdem ist für mich die Zeit gekommen, einen Wechsel zu wagen. Im Juli übernehme ich die Chefredaktion von Christ & Welt in der ZEIT.

Es war für mich eine wunderbare Zeit, die wir gemeinsam durchlebt haben: Seite-1-Ideen und Recherchen, Begegnungen und Auseinandersetzungen, verrückte Situationen und Momente des Miteinanders.

Es ist – hier, bei uns, mit Euch – eine Menge gewachsen seit 2015. Wenn ich morgens oder abends oder am Wochenende taz-Texte lese, Reportagen, Kommentare und Gespräche und manchmal ganz persönliche Stücke, dann denke ich: Das ist ein hohes Niveau, auf dem die taz arbeitet. Und dann bin ich stolz – und ich hoffe Ihr seid es auch – ein Teil davon zu sein.

Am Ende einer Woche, Freitagabend beim Kochen, zähle ich manchmal im Kopf die Kolleg:innen auf, die mich in den letzten fünf Tagen wieder begeistert haben. Ich denke dann: Wahnsinn, was die tazler:innen aus sich herausholen: Wie klug sie planen, wie leidenschaftlich sie streiten, wie schnell sie reagieren, wie tief sie recherchieren, wie spannend sie schreiben, wie genau sie redigieren, wie umsichtig sie bebildern und gestalten! Dafür gibt es zu Recht auch von außen Anerkennung, auf unsere Autor:innen und Teams regnet es Preise wie nie zuvor.

Die taz ist ein starkes Beispiel dafür, wie Menschen mit Leidenschaft für ihre Perspektive streiten. Wie sie sich auch gegenseitig zuhören können, weil sie neugierig auf das Wort des anderen sind. Nur eine neugierige Zeitung ist eine gute Zeitung. Die taz muss neugierig bleiben – auch auf sich.

Die Leser:innen honorieren unseren Journalismus im wahrsten Sinne des Wortes, denn die wirtschaftliche Basis ist stabil, obwohl es Zeitungshäuser heute eigentlich schwer haben. Transformation ist nicht nur eine journalistische Herausforderung. Sie ist harte Arbeit. Sie nervt. Aber sie ist nötig. Es ist nötig, Gewohnheiten aufzubrechen, um Ungewohntes zu schaffen. Es ist nötig, weiter ins Digitale vorzudringen.

Die großen Schritte, die wir in den vergangenen Jahren gegangen sind, haben wir alle zusammen geschafft. Die Verantwortung für die Zukunft der taz liegt in Euren Händen. Das war so, und daran wird sich auch nichts ändern.

2015, 2016, 2017, 2018, 2019: Meine Aufgabe als Chefredakteur war gut, weil sie so intensiv war. Was für ein Job! Danke!

2020. Jetzt ist es Zeit für mich, etwas Neues zu tun. Die taz ist eine persönliche Sache, einigen Leuten in meiner zukünftigen Redaktion bin ich persönlich sehr verbunden, und der christliche Blick ist auch eine persönliche Sache. Ich mag persönliche Sachen im Beruf.

Was glaubst du? – das ist eine tiefe Frage, und sie zieht mich journalistisch an. Ich freue mich darauf, in diesem Themenfeld grundsätzlich und gründlich etwas entwickeln zu dürfen, mehr als es im tagesaktuellen Journalismus möglich ist.

Ganz so schnell werde ich nicht fort sein. Ich möchte dabei mithelfen, dass der Übergang gut läuft. Deshalb bleibe ich noch bis Ende April. Dann dürfte es warm genug sein für eine paar kühle Getränke auf dem Dachgarten hier in der taz.

Im September habe ich es auf der Generalversammlung der Genossenschaft gesagt: Das ist der Moment der taz. Und ich bin froh, dass ich dabei sein darf. Nun wird bald aus dem „darf“ ein „durfte“. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.

Herzlich

Georg

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