Archive for Juli, 2006
“Man kann sich noch erinnern, dass China und die Tische zu tanzen anfingen, als die ganze übrige Welt stille stand…” (Karl Marx)
Da der ehemalige Vorsitzende der maoistischen KPD, Christian Semler, es nicht für nötig hält, sich noch einmal mit der chinesischen Kulturrevolution in der taz auseinander zu setzen, mache ich – Antimaoist – es hier. Der Grund dafür ist, dass schon wieder ein Artikel über die Kulturrevolution in der FAZ erschien. Diesmal bezeichnete das konterrevolutionäre Unternehmerorgan als ihren ersten Höhepunkt die Revolte an der Pekinger Mädchenschule, bei der die Vize-Rektorin am 5.8. 1966 erschlagen wurde. Einige Jahre danach drehten übrigens Thomas Kapielski und ein paar Freunde inspiriert von der Kulturrevolution einen Super-8-Film an ihrem Neuköllner Gymnasium, der damit endete, dass der Rektor auf dem Schulhof verbrannt wurde. Inzwischen sind hier jedoch längst wieder alle Autoritäten und Rektoren hochgeduckt! Der FAZ-Artikel endet deswegen auch versöhnlich: Es war nicht alles schlecht!… weiter lesen
“Unterhalb der Schafsart kann man nur noch die Schafe zählen.” (M.Foucault)
“Ich hab kein Bock!” in diese uralte Klage von Schäfern und Schäferinnen stimmte ich heute morgen unwillkürlich ein, als ich in der Kaffeeküche herumwurschtelte, nachdem eine Redakteurin mit dem letzten Schluck Kaffee weggegangen war und dabei gemurmelt hatte: “Jemand müßte mal wieder neuen Kaffee machen!” Nebenan fand gerade die Redaktionskonferenz statt. Von da aus drang plötzlich das Wort “Politisches Pastorat” an mein Ohr. Ich wurde sofort hellhörig. Hatte nicht neulich gerade ein Symposium über eine “Philosophische Zoologie” in Weimar stattgefunden, auf der Professor Macho über “Politische Pastorate” gesprochen hatte? Ich rief in der Weimarer Uni an, um mehr darüber zu erfahren, man vertröstete mich auf den Herbst – da würden alle Referate als Buch vorliegen.
Als ich genauer in die taz-Redaktionskonferenz reinhörte, stellte sich schnell heraus, dass da bloß von einem “Politischen Mandat” die Rede gewesen war. Thomas Macho… weiter lesen

Hausmeisterprosa ist – noch – kein Genre der Literatur und auch keines der Graffiti-Kunst, doch die zahlreichen Exponate dieser Gattung, die im taz-Verlagshaus aushängen, beschäftigen bereits die Kulturwissenschaft. In loser Folge werden sie heir vorgestellt.
Als Aushilfshausmeister gehöre ich im Sommer und zwischendurch zum Büro, als Paketepacker in der Vorweihnachtszeit zum taz-shop, das seit Oktober zudem noch das taz-café betreibt. Man kann dort auch belegte Brötchen kaufen. Früher hatte Nancy in der Kaffeeküche immer Bio-Schwarzbrotscheiben mit diversen Aufschnitten verkauft, die Brötchen nun sind mit Käse oder Wurst, auf jeden Fall aber mit viel Grünzeug, Tomaten, Gurken, Sojakeimlinge, Salatblätter etc. belegt. Überhaupt arbeitet diese neue Küche viel mit Grünzeug. Dagegen wäre an sich nichts zu sagen, wenn das ganze spanische oder holländische Gemüse nicht so schlecht schmecken würde, obendrein ist es auch noch giftig. Ähnliches gilt auch für das ganze Obst: Die Verbraucherschutzorganisationen warnen laufend vor den hohen Pestizid- und Herbizid-Rückständen in Kirschen, Äpfeln, Nektarinen usw.. Man darf dieses Zeug also höchstens in homöopathischen Dosen konsumieren. Die Kellner und Köche sind ratlos.
Ihnen sei ein Fleischküchen-Monolog aus Frankfurt ans Herz gelegt:
Bis ins 19. Jahrhundert hinein… weiter lesen
Nachdem ich das erste Mal den Job als Aushilfshausmeister übernommen und mich zugegebenermaßen noch etwas blöd dabei angestellt hatte, riet man mir, erst mal einen Kursus zu besuchen – in der “Berliner Schule”, dort würde ich, so sagte man, die für den Job notwendige Routine lernen können – in der Ruhe liegt die Kraft oder so. Ich dachte, es würde sich dabei um so etwas wie eine private – berufsbegleitende – Weiterbildungsanstalt für Facility Manager handeln, eine Art “Hertie School of Housekeeping” oder so. Gemeint waren jedoch die Schulen in Berlin ganz allgemein, denn dort gab es gerade eine heftige Debatte – bis hoch zum Schulsenator Böger. Ich war unsicher: Sollte ich mich da einklinken? Die einen sagten dies, die anderen das, aber stets ging es dabei um den Hausmeister (schlechthin), wobei idiotischerweise kein einziges Mal ein Hausmeister selbst zu Wort kam. Stattdessen hieß es meistens:
” Möglicherweise zeichnet sich… weiter lesen
Links sein heißt nach oben treten und nach unten ducken – Rechts sein ist das Gegenteil davon. Etwas anders hat es Walter Benjamin ausgedrückt: “Immer radikal – niemals konsequent!” In der taz gibt es stellenweise eine starke Ignoranz der Kopfarbeiter (“Diskursverwalter”) gegenüber den Handarbeitern (die z.B. das Geld reinholen und das Produkt vermarkten). Das hängt u.a. damit zusammen, dass sich erstere nicht selten als überqualifiziert und unterbezahlt begreifen (eine Lebenslüge natürlich – in doppelter Hinsicht beinahe), dass sie ferner die Abwesenheit von Gängelung (außer den Produktionszeiten und den im Kleinkollektiv selbst gestellten Aufgaben) nicht (mehr) richtig zu schätzen wissen – weil es ihnen z.T. an Vergleichsmöglichkeiten fehlt. Hinzu kommt natürlich partiell auch eine schlechte Erziehung, verstärkt gelegentlich durch schlechte Laune, sowie auch durch das alternative Projekt-Image, das dies nicht nur durchgehen läßt, sondern angeblich sogar verlangt.
Besonders zu klagen haben die Bediensteten im neuen taz-Café, wo täglich zur Halbzeit die… weiter lesen
Schon Ende 1989 griff ein wahres Start-Up-Fieber um sich. In der Fahlhorster Rindermastbrigade der Saarmunder LPG “Florian Geyer” war es unser Kollege Egon, der in den Pausen im Sozialraum als erster anfing, alle möglichen Existenzgründungs-Ideen zur Diskussion zu stellen. Das reichte von einem Imbißstand am nahen Badesee bis zum Getränke- und Eisverkauf von seinem Wohnzimmerfenster aus. Egon wohnte im schlechtesten Haus der LPG, gleich neben der Schweinemast an der Dorfstraße, auf der so gut wie nie jemand vorbeikam. Immerhin besaß er ein großes Grundstück, auf dem er Blumen und Gemüse anbauen wollte, es glich jedoch noch einem Schrottplatz. Schon vor der Wende hatte Egon sich in diversen Nebenerwerben versucht gehabt: Autos repariert, Einwegfeuerzeuge wiederaufgefüllt und auf den Westmüll-Kippen des Kreises Betten und Kissen gesammelt, deren Feder-Inhalt er reinigte und weiterverkaufte. Bevor er wegen seiner angegriffenen Gesundheit zur LPG kam, hatte der gelernte Streckenarbeiter lange Jahre in Bahnhofsrestaurants gekellnert.
Nachdem all… weiter lesen
Zu den morgendlichen Pflichten des (Hilfs-)Hausmeisters gehört das Anstellen der Fernsprechanlage in der Telefonzentrale, damit im ganzen Haus wieder anständig telefoniert werden kann. Darüberhinaus wird immer mehr mit Handys gearbeitet. Ich bekam die ersten zwei noch aufgedrängt – auf Baustellen-Einweihungsparties: als “In-Kontakt-Bleibe-Geschenk” der Investoren. Als ich sie an die Lokalredaktion weiterreichen wollte, winkte der CvD entsetzt ab: “Nein, das ist viel zu teuer!” Daraufhin bekam sie der Ex-Holzjournalist Christian Specht geschenkt. Heute strebt er eine Karriere als Politiker an – bei der WASG glaube ich, zuvor war er bei der PDS und den GRÜNEN aktiv. Letztere schenkten ihm mal ein Fahrrad und beschäftigten ihn überdies als Postverteiler. Die Handys verlor Christian schon nach kurzer Zeit, das Fahrrad besaß er noch eine ganze Weile. Er hat auch noch einen “Arbeitsplatz” in der taz, den er auch regelmäßig nutzt. Meistens, damit ihm mal wieder jemand ein Flugblatt gestaltet. Das Telefonieren gehört nicht… weiter lesen
