Archive for August, 2006

23.08.2006 von Helmut Höge
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Brecht im Blog

von Helmut Höge

DIE ERZIEHUNG DER HIRSE

So heißt ein Gedicht von Bertold Brecht – nach einem Bericht von Gennadi Fisch: “Der Mann, der das Unmögliche wahrgemacht hat”. Fischs Reportage erschien 1949 in dem Band “Die Volksakademie” im Verlag für fremdsprachige Literatur Moskau. Brechts Gedicht wurde zuerst 1950 im “Neuen Deutschland” und in der Zeitschrift “Sinn und Form” veröffentlicht, dann von Paul Dessau vertont und im Oktober 1954 in Halle als “Poem” uraufgeführt – mit einem Sprecher, einer Singstimme, gemischtem Chor, Jugendchor und großem Orchester”. Das “politische Agitationsstück” bezeichneten Kritiker später als ein “Kantaten-Ungetüm”.

Im Jahr zuvor, 1953, war auf Deutsch das Buch “Die Welt soll blühen” des sowjetischen Biologiehistorikers Wadim Safonow erschienen. Dort heißt es – im Zusammenhang der Hirse-Ertragssteigerung: “Der Beschluß der Partei und der Regierung ‘Über Maßnahmen zur Sicherung stabiler Hirseerträge in den Dürrebezirken des Südostens der UDSSR’ wurde am 26. Oktober 1938 angenommen. Danach sollte im Jahr 1939 ein… weiter lesen

22.08.2006 von Helmut Höge
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Steine in der Gobi

von Helmut Höge

Langsam aber sicher bürgert es sich ein, dass man in den Printmedien nur noch “Abstracts” veröffentlicht, in ihren Online-Versionen dagegen den vollständigen Text. Dadurch wird endlich die irrige Annahme korrigiert, bei der Zeitung ginge es um Zeit – in Wahrheit geht es darin um den Platz, weswegen die Zeitung eigentlich Raumung heißen müßte, im Gegensatz zum Rundfunk, bei dem es um die Zeit geht. Alle Radiobeiträge müssen fast auf die Sekunde genau aufgenommen werden, während die Zeitungsbeiträge auf die Zeile genau abgefaßt sein müssen. Das eine wie das andere ist natürlich großer Schwachsinn. Einen Ausweg bietet nun aber das Internet, das keine Raum- und Zeitbegrenzung mehr kennt. Die isländische Sängerin Björk meinte bereits: “Home is where my laptop is”. Hier nun die vollständige Version eines taz-Artikels über die Wüste Gobi:

“Geht weiter!” (Buddhas letzte Worte an seine Schüler – und Motto des ersten GTZ-Projekts “Schutz und nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen”… weiter lesen

21.08.2006 von Helmut Höge
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Hummeln auf Island und Drumrum

von Helmut Höge

Was uns als erstes in Reykjavik auffiel, waren die Hummeln (Bumblebees): die Heckenrosen und andere blühende Sträucher waren voll von Hummeln. Wir sahen weder Bienen noch Wespen noch Schmetterlinge noch irgendwelche Fliegen – nur Hummeln in rauhen Mengen. Es gibt sie hier erst seit den Siebzigerjahren, wurde uns gesagt, eine Blitzrecherche im Internetcafé ergab jedoch: Es gibt drei Arten von Hummeln auf Island, eine – Bombus jonellus – bereits seit den Anfängen der Besiedlung der Insel (durch die Wikinger Anfang des 9. Jhds.). Die anderen beiden Arten – Bombus lucorum und Bombus hortornum – gelangten erst später mit Frachtschiffen nach Island. “Es genügt ja bereits eine einzige Hummel, um eine Population zu begründen,” erklärte uns dazu der Berliner Biologe Cord Riechelmann telefonisch. Unser einheimischer Informant hatte die Hummel-Besiedlungsgeschichte wahrscheinlich mit der der Wespen verwechselt, deren Vorkommen aus Island in der Tat erst seit den Siebzigerjahren nachgewiesen ist. Von ihnen leben… weiter lesen

21.08.2006 von Helmut Höge
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Hausmeisterprosa (22)

von Helmut Höge

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16.08.2006 von Helmut Höge
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Ein kurzer Pausenblog

von Helmut Höge

“Schreib Dir dein Paßwort auf, dann kannst du von da aus ein paar Texte schicken,” meinte Blogwart Broeckers zu mir, als ich ihm heute mittag sagte, ich fahr morgen nach Island, denn als Aushilfshausmeister stehen mir nun zwei Tage Urlaub zu. Wladimir Kaminer hatte mich eingeladen, ihn zu einer Lesung in Reykjawik zu begleiten. Sein isländischer Verlag hatte sich anläßlich der Veröffentlichung seines zweiten Romans auf Isländisch mit dem dortigen Goethe-Zentrum zusammengetan und eine Veranstaltung organisiert.

Bis zur Wende gab es dort ein gut ausgestattetes Goethe-Institut, nachdem die Bundesregierung jedoch überall im plötzlich offenen Ostblock Dependancen eröffnet hatte, war sie gezwungen, aus Einsparungsgründen einige im Westen zu schließen. Weil die Isländer die letzten Germanen (Wikinger) sind und überhaupt relativ deutschfreundlich, dachte man, sie würden auch ohne Goethe auskommen. Die Schließung wurde dort jedoch als ein äußerst unfreundlicher Akt wahrgenommen – und aus Protest sogar eine Goethebüste ins Meer versenkt.

Der… weiter lesen

16.08.2006 von Helmut Höge
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Betriebsrationalisierungen

von Helmut Höge

1975 beschäftigten wir uns an der Bremer Uni mit der “Maschinisierung der Kopfarbeit”, die uns zunächst ein Problem der “Dienstleister” zu sein schien, weswegen wir zugleich auch mit den davon betroffenen Uni-Angestellten solidarisch waren. Inzwischen gibt es schon wahre Arbeitskämpfe – um einen Platz am Bildschirm. Es gibt nur noch Bildschirmarbeitsplätze – wohin man kuckt. Auch in der taz, was nicht computerisierbar war, wurde outgesourct: die Putzkolonne, die Haushandwerker, Abo-Acquisiteure, eine zeitlang auch die Küche, selbst die Handtücher in den Toiletten wechselt einmal wöchentlich eine Firma… Einige tazler haben sich auch selbst outgesourct – und mit einer eigenen Marketing- oder Journalisten-Firma,  selbstständig gemacht, wobei sie weiterhin auf taz-Aufträge setzen.
Mein erster und letzter Steuerberater Ulrich Wolffram hat mir einmal am eigenen Beispiel die Auswirkungen der Dritten Industriellen Revolution geschildert:
Mein Beruf als Steuerberater ergab sich aus einem typischen Nachkriegsschicksal: Ich wollte eigentlich Ingenieur werden, habe aber dafür nach… weiter lesen

16.08.2006 von Helmut Höge
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Fit for Print

von Helmut Höge

Weil die taz sich anfänglich vor allem als politisches und nicht als
journalistisches “Projekt” verstand, an dem jeder mit Hand und Hirn mitwirken sollte, hat sie bis heute weniger Rationalisierungsprobleme als andere Zeitungen: Köche wurden Redakteure, Architekten Hausmeister und die zwei ehemaligen Setzer Ulli und Georg arbeiten heute in der Produktion bzw. in der Abo-Abteilung. Das regelte sich alles intern – organisch quasi, und ohne die Gewerkschaft. Erst in den letzten Jahren ist mit der Herausbildung von Chefredaktion und Geschäftsführung einerseits und Betriebsrat andererseits das Betriebsverfassungsgesetz ins Spiel gekommen und damit Anwälte auf beiden Seiten sowie auch gelegentlich die  Arbeitsgerichte.
Anders sieht es z.B. im Springer-Verlag aus.

Dort im Hochhaus gibt es eine sozusagen zentrale Fax-Abteilung, in der nur Männer arbeiten – ehemals hochorganisierte Setzer und Drucker mit Arbeitsplatzsicherheitsautomatik, die es irgendwie nicht geschafft haben, sich auf Computer umschulen zu lassen bzw. die dann die deprimierende Erfahrung machten,… weiter lesen

16.08.2006 von Helmut Höge
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Hausmeiserprosa (21)

von Helmut Höge

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15.08.2006 von Helmut Höge
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Schafft zwei, drei, viele Vietnam

von Helmut Höge

Als ich gerade den Keller ausmistete und mich dabei ein Volontär ansprach, der etwas von mir wollte (eine Dienstleistung natürlich), lag es mir auf der Zunge zu sagen “Ich bin gerade im Stress”. Das Wort Stress kam mir jedoch nicht über die Lippen – aus moralischen Gründen. Es ist ein rechtes Scheißwort. Der Volontär half mir aber aus der Patsche, indem er von selbst abwinkte und sagte: “Ich seh schon, du bist gerade im Stress.” Wenn ich nicht irre, haben wir dieses Wort den Vietnam-Vetranen zu verdanken. Kann sich jemand vorstellen, dass ein Vietkong-Veteran, von denen es in Berlin nicht gerade wenige gibt, jemals sagen würde: “Die Amis haben uns gestresst!”?

Als die US-Soldaten nach dem Vietnamkrieg nach Hause kamen, wurden sie von der kriegsmüden und in der Haltung zum Krieg gespaltenen Bevölkerung nicht gerade freudig empfangen. Sie organisierten sich und gründeten u.a. die gewerkschaftsähnliche Organisation der Vietnam-Veterans. Mit ihrer… weiter lesen

14.08.2006 von Helmut Höge
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taz-akademie versus pub

von Helmut Höge

Nicht nur, dass es in Berlin eine ebenso elitäre wie private Hertie-Herrsch-Schule (School of Governance) gibt, daneben macht sich auch noch eine wachsende Zahl von Design-, Tanz-, Theater-, Film- und Journalistik-Ausbildungsstätten hier breit. Die taz, wo einerseits immer mehr Mitarbeiter an Journalistenschulen lehren und andererseits immer mehr Praktikanten arbeiten (die Warteliste dafür wird ständig länger), hat diesen vor einigen Jahren parallel zur täglichen Praxis eine Art Theorieangebot offeriert. Daraus ist inzwischen eine ganze “taz-akademie” geworden, wenn auch eher in Gründung noch, d.h. dass immer mehr Altredakteure sich darüber Gedanken machen, was man den jungen Leuten in der taz sonst noch so ausbildungsmäßig alles bieten könnte. Heute morgen wurde ich beim Tonerwechsel in eine Flurdebatte darüber verwickelt, wobei ich mich gegen eine “taz-akademie” (ta) und für eine “Partisanen-Universität Berlin” (pub) aussprach.

Für beides gibt es bereits Initiativen. Während bei der ta jedoch bloß gute Journalisten bei rauskommen sollen, kann man die… weiter lesen