Hausmeisterkunst (75)
von Helmut HögeDer Schatten ist von mir, der ich da gerade einen besonders absurden Hausmeisterpoller photographiere – auf einem Neuköllner Kleingewerbe-Hinterhof in der Nähe der berühmten Rütli-Schule. Diese einstige Reformschule hat einen Hausmeister, der dort schon seit über 20 Jahren arbeitet, sich also gut mit dem pädagogischen Wandel in dieser Zeit auskennt – da das sozialarbeiterische langsam das pädagogische Engagement ablöste und die Lehrer plötzlich aus Faulheit und Altersschwäche für den faschistischen Amimist Genetik empfänglich werden. Dieser Hausmeister also meint, dass an dem ganzen Rütli-Skandal bloß die verfluchte Presse dran schuld sei, dass also irgendwelche Schweinejournalisten einigen Schülern Geld gegeben hätten, damit sie Stühle aus dem Fenster schmeißen – und so deren Neukölln-Horrorstories mit einer authentischen Randale hinterfüttern. Bis hin zu dem Lackaffen Wowereit hat dieser Fake dann funktioniert.
Als ich noch an der PH Berlin studierte, war es im übrigen noch das Ziel jedes auch nur einigermaßen aufrechten Lehrers, die Schülerschaft an seiner Schule, mindestens in seinen Klassen, zur Revolte oder Randale zu bringen. Erinnern kann ich mich noch an den maoistischen Lehrer Kurt, der in einem Seminar über “Schulkämpfe” erzählte, wie er die Schüler an seinem Steglitzer Gymnasium agitierte. Und wie enttäuscht er war, als sie einmal alle Lehrer im Lehrerzimmer einschlossen – und ihn mit. D.h. dass sie ihn als Agitator nicht von der Aktion gegen die reaktionären Lehrer ausgenommen und also auch nicht vorgewarnt hatten. Wir diskutierten im Seminar dann darüber, auf welcher Seite er sich in diesem Schülerkampf objektiv befand – um seine subjektiv empfundene Kränkung durch die revoltierenden Schüler zu relativieren. Im übrigen waren wir uns sicher, wenn sich die Schülerrevolten, die damals auch an anderen Schulen statfanden, über die Schule hinaus sozusagen in wahre Leben ausdehnen würden (wovon wir ausgingen), dass dieser Lehrer und seine Schüler sich dann auf der selben Seite der Barikade wiederfinden würden: Der Lehrer-Schüler-Kampf wurde von uns damals noch als “nicht-antagonistischer Widerspruch” begriffen.
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