Hier kommt eine Volks-Tanz- und -Musik-Gruppe plötzlich an einem staatlichen Poller vorbei, eine Akkordeonspielerin schaut ihn entsetzt an. Es ist die Tochter eines österreichischen Hausmeisters, wie uns ihr Vater, Jakob Lerch aus Linz, im Anhang versichert.
Archive for Mai, 2007
Während die Genetiker immer heillosere Versprechen machen, was die Heilung von bisher unheilbar Kranken betrifft, und längst auch noch unsere verschwiegendsten Lebensregungen als genetisch verankert begreifen (es gibt mittlerweile politische Gene – links-rechts, das Neid-Gen, das Erfolgs-Gen, das Eifersuchts-Gen usw.), sind die in den letzten Jahren zunehmend von Abwicklung ihrer Institute bedrohten Verhaltensforscher aber auch nicht ganz untätig geblieben.
So fanden Biologen um Hanne Lovlie an der Stockholmer Universität heraus, dass sich Hennen in von Hähnen dominierten Gruppen frühmorgens paaren. “So hätten sie einen entspannten Abend, ohne von ihren männlichen Artgenossen bedrängt zu werden” - Abends seien sie zudem am fruchtbarsten (laut Berliner Zeitung).
Ein Team von Wissenschaftlern der Universität Hamburg und der Freien Universität fand derweil in Versuchen mit Drosophila melanogaster und anhand von Computermodellen zur Simulierung ihrer Flüge heraus, dass “sogar einfache Fruchtfliegen” – wieder laut Berliner Zeitung – “einen freien Willen haben und spontan Entscheidungen treffen.” Die… weiter lesen
Der Hausmeister des Hauses rechts, in dem sich ein Schwulenclub befindet, der lose mit dem “Stahlrohr” (“Darker than dark!”) im Prenzlauer Berg assoziiert ist, hat die beiden von ihm sehr professionell gebauten Mobilpoller rosa gestrichen undanschließend mit schwarzen Querstreifen versehen. Bei den zwei mit Band rangehängten Pappschildern wissen wir wieder nicht was es heißt: “Aru Erkezik”
Unter diesem Motto mobilisierten einige Leute aus dem Wrangel-Kiez eine Diskussions- und Protestveranstaltung im Altersheim Falckensteinerstraße gegen den Bau eines Mc Donald’s Drive-In an der Ecke Saklitzerstraße/Wrangelstraße. Es kamen über 100 Leute – und sie versprachen, mehr zu werden, außerdem eine breite und scharfe Anti-Mc Donald’s-Kampagne in S.O.36 (der autonome Teil Kreuzbergs – im Gegensatz zu 61, dem alternativen Teil Kreuzbergs, den man auch als die Futonficker vom Südstern bezeichnet). Der grüne Kreuzberger MdB Christian Ströbele sagte seine Unterstützung des Widerstands zu. Dafür mußte er sich heute im Tagesspiegel von einem Praktikanten, der zum ersten Mal ein fetziges Feuilleton und das auch noch auf Seite 1 schreiben durfte, ganz böse anti-alternative Worte gefallen lassen. Aber er brachte immerhin einige Leser darauf, auch noch die ganzen Döner-Anbieter in Kreuzberg zu agitieren.
Hier die Presseerklärung der Initiatoren der Kreuzberger Anti-Mc Donald’s-Kampagne:
Liebe aktive MitstreiterInnen, sorry, dass die Mail so spät kommt....
Hier ist noch mal ein hausmeisterlicher “Mentök”-Poller, nur diesmal ohne Kettenhaken. Ich glaube, das waren dann auch schon fast alle “Budapester”, die uns gewissermaßen ins Auge gefallen sind.
Auf dem Markt lernt man die Verstellung, die Lüge – deswegen brauchte es das Theater, den Roman und die Wahrscheinlichkeitstheorie, um diesem ganzen Scheiß gewachsen zu sein.
In Osteuropa wurden nach dem Zerfall der Kommunismen viele große Sportstadien sofort zu Marktplätzen umgerüstet. Der “Jarmark Europa” im und am Warschauer Stadion in Praga entwickelte sich sogar zum größten Arbeitgeber Polens. Gleichzeitig bildeten die von der globalisierten neuen Ökonomie überall freigesetzten Arbeitermassen Men-in-Sportswear-Banden, die einen schwunghaften Handel mit illegalen Waren bis hin zu Menschen betreiben. Auch die nun nicht mehr vom Warschauer Pakt bzw. vom Freien Westen gesponsorten Partisanenbewegungen machten sich weltweit auf diese oder ähnliche Weise wirtschaftlich selbständig. Der Berliner Politikforscher Herfried Münkler spricht von “privatisierten Kriegen” – als “Fortsetzung der Ökonomie mit anderen Mitteln”. Wohingegen der Jerusalemer Konfliktforscher Martin van Creveld diese Kriege als Fortsetzung des Sports mit anderen Mitteln begreift. Darauf deutet nicht nur die aus den schwarzen US-Ghettos… weiter lesen
Die beiden Hausmeister-Poller auf diesem Bild wurden bereits an anderer Stelle in diesem blog ordentlich gewürdigt,
jedoch nicht die beiden Passanten dahinter – Olga und Wladimir Kaminer, die skeptisch kucken: weniger auf die Poller als auf die von der anderen Seite die Poller photographierende Photographin und mich. Dahinter steckt wahrscheinlich der vor allem von Olga Kaminer ausgedrückte Gedanke - es war am ersten Tag unseres Budapest-Besuches: Das kann ja heiter werden – bei den vielen Hausmeister-Pollern, die hier überall herumstehen… Am zweiten Tag machten wir uns deswegen ohne die beiden zu Fuß durch die Stadt auf Poller-Suche – sowie proletarische Wohnquartiere, Kneipen und Wochenmärkte. Wladimir Kaminer hatte derweil einen Pressetermin, über den er dann in einer Kolumne mit dem Titel “Grillen in Budapest” berichtete. Sie sei hier wiedergegeben:
Die meisten ausländischen Verlage, die meine Werke veröffentlichen, sind
in Ungarn, dort habe ich inzwischen fünf Verleger. Der erste war früher
Soeben wurde die dritte Nummer unserer deutsch-mongolischen Zeitschrift “SuperNomad” ausgeliefert. Da es dafür noch keinen taz-blog gibt, sei hier ein Beitrag aus der 3.Nummer reingestellt:
Während die DDR vorwiegend mongolische Literatur, von alten aber auch jüngeren Autoren auf Deutsch veröffentlichte, überwiegt hier und jetzt die Literatur über die Mongolei. Es entstehen nicht nur – wegen der vielen Geberländer, die dort heute tätig sind – eine Unmenge Forschungs- und Entwicklungs-Berichte, daneben werden auch immer mehr Reisenotizen publiziert oder alte Reiseberichte ausgegraben und neu ediert. Es gab in Deutschland zwei “Mongolistik-Schulen”: eine – noch aus der Geopolitik des Nationalsozialismus überkommene – an der Bonner Universität und eine neue – solidarisch ausgerichtete – in Ostberlin, nachdem die DDR im Rahmen der internationalen Bruderhilfe besonders enge Beziehungen zur Mongolei aufgenommen hatte.
Zu den wenigen noch lebenden mongolischen Schriftstellern, die erst in der DDR, aber dann auch im Westen bekannt wurden, gehört Galsan Tschinag. Er… weiter lesen
Das ist ehrlich gesagt der ehrlichste Hausmeisterpoller, den wir in Budapest gefunden haben: ein Eisenrohr, das unten mit einem drangeschweißten Dreifuß zum Stehen gebracht wurde und oben ein Schild rangeschraubt bekommt, auf dem groß und deutlich lesbar “Rakodasi Terület” steht, damit es auch der Dümmste versteht. Wir leider – trotz Wörterbuch – nicht, noch nicht. Das Schöne am blog ist ja, das man Fehlendes ergänzen kann.
Das Netzwerk-Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens hat einen massiven Stellenabbau vor allem in Deutschland und Finnland angekündigt. In Deutschland sollen bis 2010 nach den Angaben 2800 bis 2900 der insgesamt 13.000 und in Finnland 1500 bis 1700 von 10.000 Arbeitsplätzen gestrichen werden. Weltweit will Nokia Siemens Networks 9000 von bisher 60.000 Stellen abbauen, wie das Unternehmen in Helsinki mitteilte. Vor allem Deutschland liegt damit deutlich über der vom Unternehmen schon vorab genannten Quote von zehn bis 15 Prozent des Beschäftigtenstandes.
Arbeitnehmervertreter haben schockiert auf den geplanten drastischen Stellenabbau bei Nokia Siemens reagiert. “Wir haben die Abbauzahlen mit Wut und Entsetzen zur Kenntnis genommen”, sagte Michael Leppek von der IG Metall. Die Streichung von 2900 Stellen in Deutschland sei weit mehr als man sich jemals vorgestellt habe. “Wir fühlen uns hinters Licht geführt.”
Die Leser des tsp meinten dazu:
Siemens hat einen Namen
überall wo der drauf steht, gibt es… weiter lesen