Hausmeisterkunst (195)
von Helmut HögeDiesen Poller entdeckte und photographierte Peter Oeltze von Lobenthal (Povl) in Kassel. Dazu schrieb er uns: “anbei noch ein Poller, diesmal von der Documenta – aufgenommen vor dem Friedericianeum. Die Dinger stehen vor jedem Ausstellungsort, aber halten eigentlich keinen Verkehr auf. Der Poller ist damit also in der offiziösen Kunst angekommen” – mithin echte “Hausmeisterkunst” – als Genre – geworden. Das bekomme auch ich als blogger zu spüren, denn immer mehr Künstler schicken mir Photos von Pollern, meist industriell gefertigte und vom Staat aufgestellte, die sie bemalt oder sonstwie verkunstet haben.
Diesen Poller photographierte Povl in Doha, der Hauptstadt von Katarr. Die dort lebenden Araber mögen keine Poller, deswegen fahren sie sie gerne um. Aufgabe der dortigen Hausmeister ist es dann, sie mit Zement oder einem Schweißgerät oder sonstwie wieder aufzustellen. Bei dem umgefallenen Poller auf dem Bild ist das noch nicht geschehen. Deswegen sollte man in diesem Fall vielleicht besser von einem Noch-Nicht-Hausmeisterpoller sprechen.
Zu diesem innenbeleuchteten Poller schrieb der Photograph, Povl:
Der erleuchtete Poller aus Doha , der Hauptstadt von Katarr, den ich Dir geschickt habe, ist von Ranjid, dem Sohn des Hausmeisters Ganesh Patel, vor der Einkaufsanlage in einem Vorort aufgestellt worden. Ranjid muss sich dringend nützlich machen, denn trotz hoher Qualifikation als Elektroingenieur, bangt er um seine Aufenthaltsberechtigung in Katar, weil er arbeitslos ist. So half er seinem Vater, das dortige Parkchaos zu beseitigen und gleichzeitig eine pollertechnische Sensation zu realisieren, die ihm rundrum große Anerkennung verschafft hat. Ob er damit auch seine Visumsprobleme lösen konnte, weiß ich nicht.
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