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	<title>Kommentare zu: &#8220;Zonen der Barbarei&#8221;</title>
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	<description>Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.</description>
	<lastBuildDate>Wed, 30 May 2012 17:50:55 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Von: Amateure Heimlich Gefilmt &#187; Mutter Fickt Die Nachbarin Bericht Davon</title>
		<link>http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2007/08/23/zonen-der-barbarei/comment-page-1/#comment-21881</link>
		<dc:creator>Amateure Heimlich Gefilmt &#187; Mutter Fickt Die Nachbarin Bericht Davon</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Jan 2008 00:09:45 +0000</pubDate>
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		<description>[...] Hier &gt; Aber das sollte Dorothee Wenner in einem kurz darauf publizierten Bericht nicht davon abhalten, das Prinzenbad als das Sylt von Berlin zu bezeichnen. [...]</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>[...] Hier &gt; Aber das sollte Dorothee Wenner in einem kurz darauf publizierten Bericht nicht davon abhalten, das Prinzenbad als das Sylt von Berlin zu bezeichnen. [...]</p>
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		<title>Von: hausmeisterblog</title>
		<link>http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2007/08/23/zonen-der-barbarei/comment-page-1/#comment-17588</link>
		<dc:creator>hausmeisterblog</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Nov 2007 16:58:19 +0000</pubDate>
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		<description>Hier die Schilderung der Gerichtsverhandlung gegen Markus Mohr - von taz-Autor Christoph Villinger:

Viel zu lachen gab es gestern im Amtsgericht Tiergarten. Eine Staatsanwältin warf dem Autoschlosser und Doktor der Politologie Markus M. (43) schweren Landfriedensbruch vor, weil er am 6. Juli 2002 gemeinsam &quot;mit etwa 20 weiteren Personen&quot; das Prinzenbad in Kreuzberg &quot;ohne zu bezahlen&quot; gestürmt habe. Über 200 Menschen hatten vor dem Bad gegen die Erhöhung der Eintrittspreise protestiert.

Den Vorwürfen von &quot;Gewalt aus einer Menschenmenge heraus&quot;, &quot;Wasserbomben&quot; und einem &quot;Megafon als Waffe&quot; hielt der Angeklagte lange Ausführungen zur Geschichte und sozialen Bedeutung dieses &quot;multikulturellsten Bades der Welt&quot; entgegen. Am Ende stellte Richter Frigge im Einvernehmen mit allen Verfahrensbeteiligten das Verfahren ein. Einzige Auflage: Markus M. muss der Forschungsgesellschaft für Flucht und Migration 600 Euro zahlen. Außerdem verzichtete M. auf Entschädigung für 13 Tage Untersuchungshaft seit Ende April.

Die gestrige Verhandlung war bereits der dritte Anlauf zum Prozess. Der erste Versuch Anfang März scheiterte, weil sich viele Zuschauer ebenfalls angeklagt fühlten und auf die Anklagebank drängten. Richter Frigge ließ den Saal räumen. Damit war allerdings auch der Angeklagte entschwunden.

Um eine Wiederholung zu verhindern, setzte das Landgericht M. Ende April per Haftbefehl in der JVA Moabit fest. Und Richter Frigge hatte beim zweiten Anlauf am Mittwoch letzter Woche die praktische Idee, alle Zuschauerplätze mit einer Schulklasse zu besetzen. M.s Verteidiger Sven Lindemann stellte einen Befangenheitsantrag wegen dieser &quot;gezielte Manipulation der Öffentlichkeit&quot;. Der Angeklagte nutzte eine Sitzungspause, um 22 Neuntklässlern aus Wittenau seine Sicht der Welt zu schildern, während seine ausgesperrten Freunde &quot;1, 2, 3, lasst die Klasse frei&quot; forderten. Richter Frigge verschob den Prozess um eine weitere Woche.

Gestern nun konnte der Angeklagte endlich nach seinen Personalien gefragt werden. Vielleicht heiße er Michael Wildenhain oder Sven Regener, orakelte der Angeklagte und erging sich in langen Ausführungen zur Bedeutung des Prinzenbads in den Romanen der beiden Schriftsteller. Am Ende outete er sich als Markus M., &quot;1962 kurz nach der großen Sturmflut an der Nordseeküste geboren&quot;, Inhaber des &quot;Jugendschwimmers&quot;. &quot;Statt mitzuschwimmen und abzusaufen, gilt es gegen den Strom zu schwimmen und damit sich frei zu schwimmen&quot;, sagte M. und ließ unter Szenenapplaus des Publikums die Geschichte des Prinzenbads seit seiner Eröffnung 1953 Revue passieren. Auch der Richter und die Staatsanwältin konnten oft ein Schmunzeln nicht verbergen. Entschieden wandte sich der absichtlich in seiner blauen Gefängniskluft vor Gericht erschienene Angeklagte gegen die üblichen Ausreden, &quot;nur zufällig vorbeigekommen, reingerissen worden usw.&quot;. Warum solle er sich dafür schämen, umsonst in das Prinzenbad zu wollen. An diesem Tag griffen Leute &quot;mit Wasserbomben und Wasserpistolen&quot; den Kassenbereich an, &quot;völlig egal, ob ich nun als konkrete Person dabei war oder nicht&quot;.

Diese Frage interessierte mehr den Richter und die Staatsanwältin, aber auch in der anschließenden Beweisaufnahme konnte sie nicht geklärt werden. Wirklich gesehen hatte der einzige Belastungszeuge, ein 50-jähriger Badebetriebsleiter, wenig. Zwei ebenfalls als Zeugen geladene Polizisten stellten den &quot;Sturm aufs Prinzenbad&quot; in einem realistischen Rahmen dar. Dagegen hatte der Badebetriebsleiter richtig erkannt, &quot;die wollten alles, BVG, Strom, Freibad, alles umsonst, bloß nicht arbeiten&quot;.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hier die Schilderung der Gerichtsverhandlung gegen Markus Mohr &#8211; von taz-Autor Christoph Villinger:</p>
<p>Viel zu lachen gab es gestern im Amtsgericht Tiergarten. Eine Staatsanwältin warf dem Autoschlosser und Doktor der Politologie Markus M. (43) schweren Landfriedensbruch vor, weil er am 6. Juli 2002 gemeinsam &#8220;mit etwa 20 weiteren Personen&#8221; das Prinzenbad in Kreuzberg &#8220;ohne zu bezahlen&#8221; gestürmt habe. Über 200 Menschen hatten vor dem Bad gegen die Erhöhung der Eintrittspreise protestiert.</p>
<p>Den Vorwürfen von &#8220;Gewalt aus einer Menschenmenge heraus&#8221;, &#8220;Wasserbomben&#8221; und einem &#8220;Megafon als Waffe&#8221; hielt der Angeklagte lange Ausführungen zur Geschichte und sozialen Bedeutung dieses &#8220;multikulturellsten Bades der Welt&#8221; entgegen. Am Ende stellte Richter Frigge im Einvernehmen mit allen Verfahrensbeteiligten das Verfahren ein. Einzige Auflage: Markus M. muss der Forschungsgesellschaft für Flucht und Migration 600 Euro zahlen. Außerdem verzichtete M. auf Entschädigung für 13 Tage Untersuchungshaft seit Ende April.</p>
<p>Die gestrige Verhandlung war bereits der dritte Anlauf zum Prozess. Der erste Versuch Anfang März scheiterte, weil sich viele Zuschauer ebenfalls angeklagt fühlten und auf die Anklagebank drängten. Richter Frigge ließ den Saal räumen. Damit war allerdings auch der Angeklagte entschwunden.</p>
<p>Um eine Wiederholung zu verhindern, setzte das Landgericht M. Ende April per Haftbefehl in der JVA Moabit fest. Und Richter Frigge hatte beim zweiten Anlauf am Mittwoch letzter Woche die praktische Idee, alle Zuschauerplätze mit einer Schulklasse zu besetzen. M.s Verteidiger Sven Lindemann stellte einen Befangenheitsantrag wegen dieser &#8220;gezielte Manipulation der Öffentlichkeit&#8221;. Der Angeklagte nutzte eine Sitzungspause, um 22 Neuntklässlern aus Wittenau seine Sicht der Welt zu schildern, während seine ausgesperrten Freunde &#8220;1, 2, 3, lasst die Klasse frei&#8221; forderten. Richter Frigge verschob den Prozess um eine weitere Woche.</p>
<p>Gestern nun konnte der Angeklagte endlich nach seinen Personalien gefragt werden. Vielleicht heiße er Michael Wildenhain oder Sven Regener, orakelte der Angeklagte und erging sich in langen Ausführungen zur Bedeutung des Prinzenbads in den Romanen der beiden Schriftsteller. Am Ende outete er sich als Markus M., &#8220;1962 kurz nach der großen Sturmflut an der Nordseeküste geboren&#8221;, Inhaber des &#8220;Jugendschwimmers&#8221;. &#8220;Statt mitzuschwimmen und abzusaufen, gilt es gegen den Strom zu schwimmen und damit sich frei zu schwimmen&#8221;, sagte M. und ließ unter Szenenapplaus des Publikums die Geschichte des Prinzenbads seit seiner Eröffnung 1953 Revue passieren. Auch der Richter und die Staatsanwältin konnten oft ein Schmunzeln nicht verbergen. Entschieden wandte sich der absichtlich in seiner blauen Gefängniskluft vor Gericht erschienene Angeklagte gegen die üblichen Ausreden, &#8220;nur zufällig vorbeigekommen, reingerissen worden usw.&#8221;. Warum solle er sich dafür schämen, umsonst in das Prinzenbad zu wollen. An diesem Tag griffen Leute &#8220;mit Wasserbomben und Wasserpistolen&#8221; den Kassenbereich an, &#8220;völlig egal, ob ich nun als konkrete Person dabei war oder nicht&#8221;.</p>
<p>Diese Frage interessierte mehr den Richter und die Staatsanwältin, aber auch in der anschließenden Beweisaufnahme konnte sie nicht geklärt werden. Wirklich gesehen hatte der einzige Belastungszeuge, ein 50-jähriger Badebetriebsleiter, wenig. Zwei ebenfalls als Zeugen geladene Polizisten stellten den &#8220;Sturm aufs Prinzenbad&#8221; in einem realistischen Rahmen dar. Dagegen hatte der Badebetriebsleiter richtig erkannt, &#8220;die wollten alles, BVG, Strom, Freibad, alles umsonst, bloß nicht arbeiten&#8221;.</p>
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		<title>Von: hausmeisterblog</title>
		<link>http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2007/08/23/zonen-der-barbarei/comment-page-1/#comment-13213</link>
		<dc:creator>hausmeisterblog</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Sep 2007 15:51:23 +0000</pubDate>
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		<description>Unser Lieblingsautonomer Markus Mohr, nunmehr leider nicht mehr in Berlin, sondern in Hamburg lehrend, wurde gebeten, ebenfalls etwas über das Kreuzberger Prinzenbad zu schreiben, er wollte aber erst einmal darüber diskutieren - schickte jedoch vorab schon mal seine &quot;Prozeßerklärung&quot;, die er einst vor dem Moabiter Gericht abgab, wo er sich wegen einer Aktion von Prinzenbadbesuchern gegen eine Eintrittsgelderhöhung verantworten mußte.

Hier seine Erklärung:

„Im Prinzenbad spielt die Musik, hier muss man sich blicken lassen.“

Was lehrt uns der derzeitige ganz offenkundig völlig ungerechte und unfreie Lauf der ganzen Welt?

Mitschwimmen? Untergehen? Absaufen? Ach was!
Dagegen schwimmen! Frei schwimmen! Nicht dumm werden! Glücklich sein! 
Ach, lass´ uns baden gehen / In Menschmengen zwängen, / in der Schlange stehen / 
Uns auf engen Hängen drängen / und den Himmel sehen! / Ach was, komm` mit, lass´ uns baden gehen!

Die Strafverhandlung hier vor dem Amtsgericht soll nun herausfinden, ob es sich bei mir – d.h. den Delinquenten – um einen gewieften, heimtückischen vielleicht sogar zu stumpfer zutiefst menschenverachtender Gewalt fähigen Straftäter handelt. Wohl an: „War er´s denn nun oder nicht?“, lautet hier die alles entscheidende Frage. Ziemlich dumm der oder die, die auch noch bereit sind sich solchen einfallslosen, ja geradezu trostlosen Fragen in Form einer Antwort zu stellen.
 
„Herr Vorsitzender, Herr Staatsanwalt: ich bin ganz bestimmt unschuldig, glauben sie mir! Ich war`s nicht, ich hab´ mich am 6. Juli des Jahres 2002 am frühen Nachmittag irgendwie in`s Prinzenbad verlaufen. Ich weiß jetzt auch nicht mehr, wie ich dort hereingekommen bin. Im Eingangsbereich gab es plötzlichen einen riesen Kuddelmudel und da hab´ ich dann auch nicht mehr weiter gewusst und bin stante pede ins bad gelaufen, wobei mir ein Wachtmeister – ich weiß auch nicht warum – hinterhergelaufen ist. Ich wollte dann noch dem festnehmenden Wachtmeister gerne meine Eintrittskarte vorzeigen, als er gerade dabei war, mir auf offener Bühne im Badebereich anlässlich meiner Festnahme fast das Genick zu brechen. Ich weiß heute auch nicht mehr, was damals schief gelaufen ist?“ 

Ach Gott das Leben ist manchmal ziemlich erbärmlich, wohl wahr und dann erzählt man solche traurige Geschichten wie gerade eben. Es gibt aber nicht den geringsten Grund sich darin auch noch intellektuell einzurichten. Hohn und Spott für alle Einfaltspinsel und Piefkes mit ihren dummen Fragen.

Über was reden wir hier denn nun genau? Wir reden über das Prinzenbad, 1953 für die Bevölkerung dieser Stadt geöffnet, also reden wir nicht über Straftaten sondern über die, die da herumhängen, und die aus der ganzen Welt kommen.
Die sich in Menschmengen zwängen, 
in der Schlange stehen
sich auf engen Hängen drängen
und den Himmel sehen!

Reden wir auch am Beispiel des Prinzenbades nicht über Stradadadadaaftaten, sondern einfach über die ganze Welt.
 
Die Berliner Zeitung vom 2.7.1994 vermeldet, das für das Wochenende Traumwetter angekündigt sei. Zitat: „Wie hier unter dem &quot;Wasserpilz&quot; im Kreuzberger Prinzenbad, werden Zehntausende eine Abkühlung suchen. Die mehr als 30 Frei- und Sommerbäder in den Berliner Bezirken sowie Brandenburgs Seen sind auf den Ansturm vorbereitet.“ Hier können wir uns schon gleich mal den instruktiven Begriff „Ansturm“ merken.
Es gibt sogar einen ganzen Kinofilm mit dem Titel Prinzenbad, der allerdings nicht in Kreuzberg, sondern im Gellertbad in Budapest spielt . Glaubt man der Berliner Zeitung, so fängt die Kamera hier einen „schwer zu ertragenden Männerkult zwischen Wasserbecken, Massageräumen und Café ein. Und dazwischen gibt es Geplänkel über Geschäfte, eine kleine Krimi-Einlage und eine Eifersuchtsstory. Und über allem wacht kein geringerer als Bernhard Wikki als Gottvater Bademeister. „Gottvater Bademeister“: Ein instruktive Bezeichnung, die hier in diesem Prozess auch noch eine Rolle spielen wird.
 
Ende Juli 1995 reagierten Berliner Freibadbesucher auch im Prinzenbad „gelassen“ auf eine nicht auszuschließende Krebsgefahr im Badewasser. „Unbeeindruckt von den Meldungen über mögliche Krebsgefahr bei gechlortem Wasser gehen die Berliner ihren Badefreuden nach“ schreibt hier die Berliner Zeitung, nicht ohne den Hinweis zu rapportieren: „Zur Bildung der von Wissenschaftlern als krebserregend eingestuften Trihalogenmethanen komme es, wenn freies Chlor auf Schmutzpartikel wie Hautschuppen, Haare, aber auch Schweiß und Urin treffe. Der Rat der Senatsverwaltung: Badegäste sollen sich vor dem Sprung ins Wasser gründlich reinigen.“ Und mit einem Mal kommt hier jemand ins Spiel, der in diesem Gerichtsverfahren noch an prominenter Stelle auftauchen wird. Die Rede ist vom Bademeister des Prinzenbades Erhard Kratz und der lässt uns mit einem direkten Pressezitat wissen: &quot;Das Gesundheitsamt war hier und hat das Wasser untersucht&quot; (...) Mit 44,5 Mikrogramm liegen wir im Mittelbereich.&quot; 

Worin? Wie bitte? Genau: wahrscheinlich sprach Herr Kraatz über die Trihalogenmethan-Bösewichter. Doch davon ist wenig später in der gleichen Zeitung nicht mehr die Rede, als sechzig Jugendliche aus vier Ländern im Prinzenbad ein als multikulturell bezeichnetes Theaterprojekt aufführen. „Mit Tanz, Akrobatik, Musik und Graffiti wollen sie dem Rassismus auf kreative Art begegnen und ihn bekämpfen. (...) Das Projekt behandelt Intoleranz und Ausgrenzung auf abstrakte, konkrete und symbolische Art. Die Geschichte beruht auf der klassischen Situation von zwei Liebenden, deren Liebe durch ihre unterschiedliche Herkunft unmöglich scheint.“ Wohl an: Intoleranz und Ausgrenzung im Prinzenbad? Darüber kann ich auch etwas erzählen, auch das wird uns ist hier Teil dieses Strafverfahrens.
 
Am 6.Mai 1996 taucht wieder unser Bademeister auf. Anlässlich des Saisonstarts im Prinzenbad, soll es dort „bei zwölf Grad Lufttemperatur (...) im geheizten Becken fast mollig“ gewesen sein. „An diesem Tag sind immer Badegäste da, weiß Betriebsleiter Erhard Kraatz. &quot;Selbst bei Schnee kommen die Leute zur Saisoneröffnung.&quot; Das glaub´ ich nicht, das die Leute so beknackt sind, wie Herr Kraatz sich das so vorstellt.

Am Juni 1996 berichtet dann die Berliner Zeitung von einem Problem das auch ein ganz zentraler Gegenstand dieses Strafprozesses ist: Sie wirft in ihrem Bericht die nicht ganz frei von Rhetorik gestellte Frage auf: „Wie kriegt man Tausende von Badelustigen durch das Nadelöhr Kasse? Beim Prinzenbad in Kreuzberg läuft das so: Der Kassierer sitzt in einem Glaskasten und ist per Mikrofon mit der Außenwelt verbunden. Davor steht ein Mitarbeiter, der die Bestellung der Kunden entgegennimmt und sie dem Kassierer zuruft. &quot;Zwei Erwachsene, ein Kind.&quot; (...) Der Außenposten nennt dem Kunden den Betrag. Der Kassierer nimmt den Geldschein entgegen und gibt Wechselgeld und Eintrittskarten raus. Während der Kunde das Wechselgeld nimmt, krallt sich der Außenposten die Eintrittskarten, um sie sofort an Ort und Stelle zu zerreißen und in einen Papierkorb zu werfen. Der Papierkorb ist schon fast voll. Es gibt übrigens noch einen zweiten Außenposten, der in das Geschehen gar nicht eingreift. Er wirft nur hin und wieder einen kurzen Blick auf Dauerkarten, wenn Besitzer derselben sich an den Wartenden vorbeizwängen. Denn viele Badegäste warten hier in der Schlange. Die andere Kasse ist nämlich zu. Personalmangel.“ 

Der Inhalt dieses Berichts ist nicht ganz frei von Rätseln. Wir ahnen es bereits: Sie sollen später sogar die Ordnungsbehörden beschäftigen.

Die Zeichen der Misere mehren sich. Am 12. September 96 meldet die Berliner Zeitung nicht ohne Hinweis darauf, das in dieser Badesaison im Prinzenbad mit 260.000 Besuchern die meisten Besucherinnen aller Bäder in Berlin gezählt worden seien: „Bäder-Betriebe bleiben ein Krisenfall / Ausgaben trotz Preiserhöhungen und Schließungen nicht gedeckt / Mehr Geld gefordert“ Rund acht Millionen Mark fehlen den BBB nach ersten Schätzungen in den Kassen, die diese ehrenwerte Gesellschaft von Senatens wieder zurück haben wollte. Und das alles, obwohl von 1995 bis in das Jahr 1996 der Preis für eine Saisonkarte für den Besuch in einem Sommer- oder Freibad Ostteil von 50 Mark auf geschlagene 140 Mark, und in West-Berlin der Preis von 65 Mark auf 165 Mark geklettert war. In nur einem Jahr eine glatte Verdreifachung nicht der Arbeitslosen- oder Sozialhilfe. Sondern der Badepreise. Was für ein großer Mist!

 Doch leider hält auch das eine der damals politisch Verantwortlichen Mitte April des Jahres 1997 nicht davon ab, die Freibadsaison im Prinzenbad mit dem traditionellen „Anbaden“ zu eröffnen. Ihr Name ist vielleicht etwas bekannter geworden, als sie sich einmal beim Bratwurstessen verschluckt hat: Es handelt sich um die damalige SPD-Sportsenatorin Ingrid Stahmer.


Ein Vierteljahr später stirbt der gerade vier Jahre alt gewordene Knirps Patricio S., der Sohn einer Peruanerin und eines Polen, im Nichtschwimmerbecken des Prinzenbades. Zwei Stunden lang kämpften Ärzte um das Leben des aus Charlottenburg stammenden Jungen. Vergeblich. Denn selbst Herzdruckmassage, Beatmung und Adrenalinspritzen für die Wiederbelebung halfen nicht. Um 19.25 Uhr gaben die Notärzte auf.“
Derweil warben die Berliner Bäder Betriebe noch in gleichem Jahr mit dem doppeldeutigen Slogan &quot;Da geh`·ich baden&quot; Damit wollten sie deutlich mehr Besucher als vergangenes Jahr in die 33 Frei- und Strandbäder der Stadt locken. Doch erst mal gehen die ehrgeizigen Ziele von Vorstandschef Kube, so der Berliner Zeitung unmissverständlich „baden“. &quot;Wir haben sogar weniger Gäste als 1996&quot;, meint der Kassierer im Prinzenbad. Nur am Wetter kann die Flaute allerdings nicht liegen, hat dem hingegen die Berliner Zeitung recherchiert.

Die Badesaison im Jahre 1998, schreibt Claudia Fuchs Anfang April dieses Jahres, geht normalerweise „erst am 1. Mai (...) überall so richtig los.“ Nicht so aber das Prinzenbad in Kreuzberg, das – so Frau Fuchs in wunderschöner Formulierung - „in jedem Frühjahr (ein) magischer Anziehungspunkt für jene (sei), die unter freiem Himmel gern in wärmerem Wasser schwimmen. Im 50 Meter langen Mehrzweckbecken herrschen wohlige 25 Grad das Bassin wird nämlich beheizt.“ Da geht man doch zum baden gerne hin.

Doch Mitte Juli 1998 ereilt die aufmerksamen Leser der Berliner Zeitung ein Schock: „Prinzenbad: Mitarbeiter wirtschafteten in die eigene Tasche / Mehrere hunderttausend Mark veruntreut / Erstes Geständnis.“ Pardauz! Stories über Sex, Politik, Gewalt Sport und Kriminalität gehen immer! Und so lesen wir in der Berliner, das in dem „bisher größten Betrugsskandal in Berliner Bädern (...) zwölf Angestellte offenbar mehrere hunderttausend Mark in die eigene Tasche gewirtschaftet (haben) (...) Am Dienstag abend hatten Beamte des Landeskriminalamtes die Wohnungen von acht Männern und vier Frauen im Alter von 33 bis 57 Jahren und das Prinzenbad durchsucht. Beweismaterial, darunter eine gefälschte Dauerkarte, wurde sichergestellt.“ Wau! Eine gefälschte Dauerkarte ist und bleibt eine gefälschte Dauerkarte ist und bleibt eine in menschenverachtender Weise gefälschte Dauerkarte, oder etwa nicht? Jedenfalls ermittelte die Polizei, - so steht es in dem Bericht weiter zu lesen –„daß Badegästen nicht entwertete Eintrittskarten von den Kontrolleuren nach dem Verlassen des Bades abgenommen worden waren, und danach wieder verkauft wurden. Es sei auch vorgekommen, daß Besucher keine Tickets bekamen, obwohl sie Eintritt bezahlt hatten. Die Kassierer sollen auch gefälschte Halbjahres- und Jahreskarten verkauft und das Geld eingesteckt haben.“ Wo doch überall auf der Welt die Kriminalität nistet. Da kann es aus der Perspektive der Berliner Bäder-Betriebe nur noch ein Mittel dagegen geben: Die unnachsichtige Verschärfung aller Kontrollen, z.B. durch „Drehkreuze“.


Ende November 1998 geht dann der in diesem Zusammenhang fristlos gekündigte 49 jährige Kassierer Herbert S., der sieben lange Jahre lang damit beschäftigt war im Prinzenbad die Eintrittskarten abzureißen, - man kann sich wirklich eine schönere  Tätigkeit vorstellen - vor das Arbeitsgericht. Und siehe da: „Für Herbert S. endete der gestrige Termin mit einem Vergleich. Er wird von den Bäderbetrieben bis Ende Juli 1998 bezahlt und bekommt einmalig 3 500 Mark Überbrückungsgeld. Anlass für den Vergleich waren Bedenken der Richterin. &quot;Es fehlte für eine fristlose Kündigung an einem ausreichenden Tatverdacht&quot;, sagte sie. Was für eine tolle Richterin, doch leider habe ich ihren Namen für diese Verhandlung nicht mehr herausbekommen. Denn auch möchte hier nicht fristlos von den herrschenden Verhältnissen gekündigt werden und darüber hinaus gibt es doch auch gegen mich nicht den geringsten Tatverdacht, oder täusche ich mich da?

Ende Juli 1999 lesen wir dann einen Hintergrundbericht von einer als prominent beschriebenen Fernsehmoderatorin mit Namen Mo Asumang. Ich kannte die vorher zwar auch nicht, aber sie sollen allen Ernstes in Kreuzberg leben. Daran gefalle ihr einerseits, das die Leute hier immer so „offen über Sex&quot; reden. weswegen sie auch nicht wegziehen wolle. Auf der anderen Seite beklagte sich jedoch die das Pro 7-Erotikmagazin &quot;Liebe Sünde&quot; moderierende Frau Moderatorin, dass sie aber nicht mehr bereit sei, „ins Prinzenbad“ zu gehen: Denn so Frau Asumang: „Da werde ich ständig angegafft.&quot;

Am 4. Juli 1999 hatte die Berliner für einen Bericht in dem hier zur Verhandlung stehenden Zusammenhang zwei wesentliche Fakten recherchiert: Erstens das am Sonntag Lufttemperaturen bis zu 32 Grad in Berlin geherrscht haben sollen, und Zweitens: Das die, die sich ins Prinzenbad aufgemacht hatten, doch glatt „mindestens 30 Minuten vor der Kasse anstehen“ mussten. Nun, das kann ich von unserer Aktion am 6. Juli 2002 beim Prinzenbad nicht sagen. Frei nach der Parole von Dario Fo: Bezahlt wird nicht! sind wir alle da viel schneller hereingekommen.

Ende April 2000 reagieren die Berliner Bäder-Betriebe „flexibel auf die sommerlichen Temperaturen und eröffnen die Saison nun in mehreren Bädern früher als geplant.“ Planmäßig soll das Prinzenbad am Freitag öffnen. Und wer springt als erster mittenmang hinein? Man glaubt es kaum, aber es ist ein alter Wehrmachtssoldat, der in jungen Jahren in Russland die Russen bekämpfte, was ihn in diesem Land wohl auch für den Job eines leibhaftigen Bundespräsidenten qualifizierte: Richard von Weizsäcker sein Name, der sein Badeverhalten damit begründete das er sagte: &quot;Im Beruf habe ich viel gesessen - da braucht man einen Ausgleich.&quot;

Schön und wahr dann, das sich daraufhin Frau Christa Cupp, aus Berlin als direkte Reaktion auf diesen Artikel in einem kleinen aber feinen Leserbrief zu Wort meldete. Sie schreibt: „Als 1953 das Prinzenbad eröffnet wurde, war ich mit elf Jahren eines der ersten Kinder, die da reinsprangen und habe über die Jahre gute Erinnerungen daran. Wenn ich Berlin im Sommer besuchte, ging ich hin und als ich mit meinem kleinen Sohn nach Berlin flog, nahm ich ihn immer mit. Gute Erinnerungen, besonders in den 50er-Jahren! Mann, bin ich alt!“ Schön, das es so etwas noch gibt.

Mitte Juni des Jahres 2000 meldetet sich wieder die eifrige Journalistin Claudia Fuchs von der Berliner Zeitung zu Wort und rapportiert über die Errichtung eines „Zaunes und Wachschutz für die Nackten“. 1998 sei der errichtet worden und – so heißt es wörtlich in dem Bericht - „seither haben die Nudisten im Prinzenbad einen Platz für sich - (fast) unbehelligt von lästigen Spannern. &quot;So ist es viel angenehmer&quot;, sagt eine Frau, die mit ihrem Kind im FKK-Bereich spielt. Früher sei das Geglotze ganz extrem gewesen. &quot;Manche haben sich sogar angezogen zwischen die Nackten gelegt und dann gestarrt.&quot; Da soll doch glatt der von den Berliner Bäder Betrieben aufgestellte Zaun „dankbar angenommen worden“ und sogar der Wachschutz spielt zumindest in diesem Pressebericht eine ungewöhnlich positive Rolle, denn auch der „schaut hin und wieder (...) vorbei.“

Das es aber noch ganz andere Probleme auf der Welt gibt die auf ihre Weise im Prinzenbad ihren Platz finden, als die der Nudisten von Angezogenen angestarrt zu werden, zeigt ein Bericht Anfang August über die türkischstämmige Familie Özbek aus dem brandenburgischen Mahlow. Anstatt zu dem nahegelegen See (...) schwimmen zu gehen, geht diese Familie mit ihren vier Kindern viel lieber ins (...) Prinzenbad. Denn in der Gemeinde Mahlow „gehören rassistische Beleidigungen zum Alltag der Familie. (...) Beschimpfungen wie &quot;Dönerfresser&quot;, &quot;Kanake&quot;, &quot;Memme&quot; müssen die Özbeks sich anhören, wenn Angehörige der Mahlower rechten Szene sich vor der S-Bahn-Station versammeln.“ Ganz ausgezeichnet, das sich Familie Özbek so einen widerwärtigen Dreck zumindest im Prinzenbad nicht anhören muss – es sei denn sie fällt nicht dem amtierenden Bademeister Erhard Kraatz in die Hände.
 
Ungefähr ein Jahr später, im Juni 2001 formuliert Susanne Lenz in einem Artikel eine lange Hymne auf das Prinzenbad: Es sei „das multikulturellste Bad“ das es gäbe. „So wie hier müsste es überall sein auf der Welt&quot; steht dort zu lesen. Schon am U-Bahn-Ausgang rieche man das Chlor, eine Menschenschlange winde sich vom Gehweg hoch zur Kasse. „Bepackte Großfamilien, bleiche Studentinnen, schwule Paare, aufgeregte Jungscliquen und alte Frauen mit herausgewachsener Dauerwelle. Alle, die sonst getrennt voneinander in Szenekneipen, türkischen Männercafés, Müttertreffs oder Rentnerwohnungen ihre Zeit verbringen, vereinen sich im Prinzenbad. (...) Das Prinzenbad ist der melting pot Kreuzbergs. Seine Besucher geben preis, was unter ihren Kleidern verborgen liegt und sie tun manches, was ihnen draußen nicht in den Sinn käme. Im Prinzenbad schämt sich niemand.“ Wohlan: Dieser Beschreibung kann ich juchzend und vollen Herzens zustimmen: Warum soll ich mich hier vor den Schranken des Amtsgerichtes Tiergarten dafür schämen, das ich zusammen mit einem Batzen Leute umsonst zu diesen tollen Leuten ins Prinzenbad wollte? Dafür gibt es doch wirklich nicht den geringsten Grund!

Es spricht für die Qualität des Berichtes von Frau Lenz das sie sich nicht davor scheut, auch die Gefahren anzudeuten, die einem bei zu unkontrollierten Bewegungen wie Begegnungen im Prinzenbad drohen. Und die sind ganz präzise – so das Zitat – bei dem „Mann oben auf dem Schwimmmeisterturm“ zu verorten, der als Bademeister vorgestellt wird. Der habe zwar einerseits „fast drei Jahre gelernt für seinen Beruf, der eigentlich &quot;Fachangestellter für Bäderbetriebe&quot; heißt: Anatomie, Durchströmungsrechnen, Wasseraufbereitung, Reanimation. Aber im Prinzenbad brauche er an erster Stelle etwas Anderes: Durchsetzungsvermögen. Und dann lautet das für unseren Zusammenhang alles entscheidende Zitat: &quot;Wenn man die Ordnung nicht aufrechterhält, würde hier das Chaos regieren.&quot; Was für Quatsch auch. Seit wann bricht den an vielfrequentierten Badeseen gleich das Chaos aus, und an vielen Orten wo Chaos herrscht, kratzt es keinen. So gilt: Mindestens an einem Ende einer schlechten repressiven Ordnung auf der Welt steht doch immer der Beginn eines anderen, eines glücklichen Lebens. Warum ist dieser schlichte Gedanke heute nur so schwer auszusprechen?

Doch wechseln wieder das Thema. Mitte August 2001 bedroht dann doch allen Ernstes der amtierende Berliner Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes die Leser der Berliner Zeitung damit, dass er für sein Anliegen „in den Betrieben (...) über die Zukunft der Stadt“ diskutieren zu wollen, notfalls sogar dazu bereit sei, „vom Turm im (...) Prinzenbad“ zu springen. Und der machte diese Zusage, ohne sich vorher darüber zu vergewissern, ob da überhaupt Wasser drin ist. Wenn man nicht davon ausgehen mag, dass der Berliner DGB-Chef damit seinen Selbstmord öffentlich ankündigen wollte, dann ist das Beste was man ihm noch bescheinigen kann, das er nicht weiß was er sagt und er demzufolge ein ahnungsloser Geselle ist.

Mitte April des Jahres 2002 kündigt sich dann im Zusammenhang mit dem Prinzenbad ein anderes Kreuzberger Großereignis mit weltweiter Bedeutung an: Die Polizei sucht ihrem gesetzlichen Auftrag nachzukommen, die alljährliche revolutionäre 1. Mai-Demonstration – wie auch immer - aus der Welt zu schaffen. Dafür erteilte der Berliner Zeitung dem 39 Jahre alten Polizeihauptkommissar Andreas Hanel aus der Direktion 5 in Neukölln direkt das Wort. Und der scheint seine Aufgabe darin gesehen zu haben, unschuldige Jugendliche in Schulen mit Gedanken wie diesen zu bequatschen: O-Ton Polizeihauptkommissar Andreas Hanel. &quot;Wisst ihr, ihr könnt von mir aus gegen die politischen Verhältnisse in Nepal demonstrieren, gegen Sparmaßnahmen an Schulen oder den Schweinestaat schlechthin, aber ihr müsst wissen, dass ihr dabei bestimmte Regeln einhalten müsst.&quot; Die gebe das Grundgesetz nun einmal vor.“ Zitat Ende. Mit Verlaub: Was redet der mitteilungssüchtige Polizeihauptkommissar denn da? Will dieser uniformierte Staatsbeamte möglicherweise unser schönes demokratisches Gemeinwesen als einen „Schweinestaat“ diffamieren, den man mit bestimmten Regeln aus dem Grundgesetz bekämpfen soll? Wie soll das denn gehen? Das finde ich überhaupt nicht richtig! Das lehne ich vollkommen ab. Diese Empörung über so einen gefährlichen Schwachsinn – mit dem Grundgesetz gegen den „Schweinestaat“ – wo kommen wir denn dahin ? - war für mich schließlich ein Grund dafür, mich am revolutionären 1. Mai des Jahres 2002 gerade nicht im Prinzenbad ab 10 Uhr zum &quot;Anbaden mit der Polizei&quot;, sondern gleich zu der Demonstration zu begeben.

Die revolutionäre 1. Mai – Demonstration hat sicher viele sehr verschiedene Ziele und wendet sich gegen alle möglichen Ungerechtigkeiten auf der ganzen Welt. Hätte man unter ihren TeilnehmerInnen eine diesbezügliche Umfrage unternommen – ich bin mir sicher – auch sie hätten mit großen Unwillen auf eine Meldung der Berliner Zeitung reagiert, die davon berichtete, das die Geschäftsleitung der Berliner Bäder Betriebe zum Saisonstart 2002 eine heillose „Verwirrung um (die) Eintrittspreise“ stifteten. Denn mit einem Male stellte sich mit der Euro-Einführung, die zu einer Tarifänderung führten heraus – das „vorher gekaufte Eintrittskarten nur vier Monate gültig“ waren, und danach ohne Entschädigung verfielen. Und diese heimtückische Praxis wurde zurecht von vielen Badegästen heftig kritisiert: &quot;Ich sehe das gar nicht ein&quot;, sagt Uwe Bauer aus Friedrichshain. Als er seine Zehnerkarte im Dezember für 50 Mark gekauft habe, sei ihm erklärt worden, dass es keine Probleme geben würde. Nun aber seien die acht verbleibenden Eintrittskarten schon verfallen. Sein Angebot, die Differenz zu den neuen Eintrittspreisen zu entrichten, hätten die Berliner Bäder Betriebe abgelehnt. &quot;Ich finde das ungerecht&quot;, sagt Bauer. &quot;Das ist kein Service.&quot; Von Kulanz könne keine Rede sein.“ 

Angesichts dieser Situation von „Beschwerden ohne Ende“ wusste der Sprecher der BBB Radermacher zunächst „Verständnis für den Unmut“ zu bekunden, um anderseits genau diese Abzockpraxis von Berliner Badegästen zu rechtfertigen. „Was für ein verschlagener Hund!“, kann man da auch heute nur noch kopfschüttelnd feststellen.
Aber das sollte Dorothee Wenner in einem kurz darauf publizierten Bericht nicht davon abhalten, das Prinzenbad als „das Sylt von Berlin“ zu bezeichnen. Nun ja, ich komme ja aus Schleswig-Holstein und kenne mich dort ein weg aus, so ganz kann ich diesen Eindruck dann doch nicht bestätigen. Denn bei Sylt tummeln sich doch immer die Schweinswale, nette Zausel, die ich im Prinzenbad leider noch nie gesehen habe. Anyway. Aber gefallen hat mir ihr geradezu enthusiastischer Ton in dem die Autorin herausstellt, das „wenn es Luftbildaufnahmen gäbe, auf denen sich die Berliner Kreativitätskonzentration in einer Art Infrarot-Verfahren verschiedenfarbig darstellen ließe: das Kreuzberger Prinzenbad (dann) die blutrote Höchststufe“ beanspruchen könnte. 

Gerade hier sei ein „Ort der kreativen Reproduktion - und Produktion“, wo man beweisen könne, dass man , so schreibt sie in ihrem Bericht „keine Angst vor extremen Erfahrungen“ habe. Und schließlich findet sich darin eine Aussage die gewissermaßen als eine Art fulminantes programmatisches Bekenntnis auch der heutigen Veranstaltung verstanden werden kann: „Im Prinzenbad spielt die Musik, hier muss man sich blicken lassen.“ Voilà: So etwas lässt man sich doch nicht zweimal sagen. Diese Einladung haben wir mit unserer Demonstration am 6. Juli des Jahres 2002 außerordentlich gerne angenommen, denn da „wo die Musik spielt“; da wollen ich und alle meine Freunde gerne sein. Umso größer muss dann die Enttäuschung sein, wenn einem die Aussicht auf die schöne Musik im Prinzenbad durch ein neues schweinisches Tarifsystem verhagelt zu werden droht. 

Vielleicht dachte auch der Leserbriefschreiber Paul Bisping, aus Berlin-Kreuzberg in einem ähnlichen Sinne als er Ende Mai beklagte, das es sich „für viele Schwimmerinnen und Schwimmer“ mit Saisonbeginn ausgeschwommen habe. Denn, so der Leserbriefschreiber weiter: „Mit der Einführung des neuen Tarifsystems können sich viele begeisterte Schwimmer diesen Volkssport weder als Ausgleich, Freizeit, Spaß, oder Vergnügen noch als gesundheitspräventives und -förderndes Element in ihrem Leben leisten.“ Für ihn habe ein Aushang in Kreuzberg mit der Überschrift: &quot;Im Prinzenbad ist es leer geworden! Oder?&quot; auf die fatale Lage Vieler aufmerksam gemacht, die nun auf den Sommerbad-Besuch verzichten werden. Und dafür führte er auch gleich ein Beispiel zu der von ihm als „Tarifgeschehen“ bezeichneten Lage an: „Die Einzelkarte wird von 3 auf 4 Euro pro Besuch teurer.“ Für Herrn Bispinck waren das nicht nur „Ohrfeigen in die Gesichter aller betroffenen Besucher“ sondern darüber hinaus auch für alle – man glaubt seinen Augen kaum, aber es steht wirklich so in diesem Leserbrief - „ernst zu nehmenden Gesundheitsreformer“. Und diesen überraschenden Gedanken fügte dieser eifrige Leserbriefguerillero noch die umständliche Formulierung hinzu, in der er die – so die lange Begriffsbildung - „sträfliche Verletzung von Prinzipien der Förderung und Vorsorge im Gesundheitswesen“ beklagte. Buff, buff , auf solche Gedanken und vor allem Formulierungen muss man wirklich erst einmal kommen.

 Egal: Ob nun mit oder ohne „Verletzung von Prinzipien der Förderung und Vorsorge im Gesundheitswesen“, Ende Juni protestierten dann allein im Prinzenbad mehrere Tausend Badegäste mit ihrer Unterschrift gegen die Tariferhöhungen in Höhe von rabiaten 25 und 33 Prozent. Und davon waren besonders stark jene betroffen, die bislang Saisonkarten nutzten, von denen die Drei- und Sechs-Monats-Karten ersatzlos gestrichen wurden. Ein wahrlich grober Klotz der Berliner Bäder Betriebe, der allemal den groben Keil des energischen Widerspruches verdient hat.

 Und wer weiß, das er mit seinen Argumenten über so einen starken Rückhalt in der Bevölkerung verfügt, der fängt an, sich bei weiteren Protestaktivitäten über seine Bewaffnung Gedanken zu machen. Und der rüstet sich aus, und der greift auch an. Mit Wasserbomben und Wasserpistolen. Gegen die ungeschützten Polizisten. Und das alles kann man nachlesen. In der Berliner Zeitung vom 8. Juli 2002. Und da steht dann auch, das das Sommerbad etwa eine Stunden lang für Besucher gesperrt war, und um 16.20 Uhr die Demonstration für beendet erklärt worden war. „Gegen einen friedlichen Protest habe er nichts einzuwenden“, erklärte danach der Vorstandschef der Berliner Bäder Betriebe Klaus Lipinsky um sich dann auch noch mit der Bemerkung: &quot;Aber sobald Gewalt mit ins Spiel kommt, habe ich dafür kein Verständnis mehr“ direkt zitieren zulassen. Was wollte Lipinsky damit wohl zum Ausdruck bringen? Ob er wohl damit auf die bei meiner auf offener Bühne im Badebereich exekutierte Festnahme durch den Polizeibeamten Rottmeier anspielen wollte, der darauf und dran war, mir auch dann noch das Genick brechen zu wollen, als er mich bereits auf den Boden geschleudert hatte und ich auf dem Bauch lag? 

Ich glaube nicht, das Herr Lipinsky auf diese für einen kurzen traumatischen Moment folterähnliche Form von Polizeigewalt anspielen wollte. Bei der unnachsichtigen Verteidigung dessen was nicht als ein öffentliches Gut, sondern dreisterweise als Privateigentum verstanden wird, ist die herrschende Ordnung überraschend schnell mit der ihr zur Verfügung stehenden Polizeigewalt dazu bereit, auf Leben und Tod zu kämpfen. Wahrlich: Das ist eine Binse. So ist der Charaktermaske Lipinsky wohl im besten Fall nur zu unterstellen, das sie wahrscheinlich nur das sagt, was sie weiß, ohne eigentlich zu wissen, was sie da sagt: Denn natürlich wollte sie mit ihrem verlogenen Geblubber doch nur zum Ausdruck bringen, daß ihr Proteste nur dann am Arsch vorbei gehen, so lange sie wirkungslos bleiben. Das ist doch die schlichte Logik der herrschenden ungerechten Verhältnisse, die sich ihrerseits nun wirklich einen feuchten Kehricht um „Friedlichkeit“ scheren.
 
Ach, bevor es vergessen wird zu erwähnen: Die ganz famosen Protestanten und ProtestantInnen des Prinzenbades standen an jenem gloriosen 6. Juli 2002 nicht allein auf verlorenen Posten, denn ist es auch heute noch in der Berliner Zeitung nachzulesen:„Proteste gegen das Vorgehen der Bäder-Betriebe gab es am Sonnabend auch in Tiergarten. Der Verein &quot;Billige Prachtstraße - Lehrter Straße&quot; hatte zu einem Marsch vom Tiergartener Poststadion zum Kinderbad Monbijou in Mitte aufgerufen. Motto der Wanderung: &quot;Gemeinsames Baden in kuscheliger Enge&quot;. (...) Die Marschierer erklärten sich mit dem Protest in Kreuzberg solidarisch und forderten eine Sanierung ihres Sommerbades.“ Sehr sympathisch, sehr sympathisch.

Trotz der Hohen Preise verzeichneten die Berliner Bäderbetriebe (BBB) im darauffolgenden Jahr 2003 „einen Ansturm auf die Frei- und Sommerbäder. Verglichen mit Juli 2002 stieg die Zahl der Besucher um etwa 25 Prozent auf 710 000“ Besonders gut besucht war wieder mal das Prinzenbad und das Strandbad Wannsee. Doch wie es die Verhältnisse so mit sich bringen, besorgen auch die vielen Besucher keine Kostendeckung des Unternehmens. „Mehr Besucher hätten auch höhere Ausgaben zur Folge, sagt (da der Chef der Berliner Bäder Betriebe) Lipinsky. Pro Badegast müssten am Tag 50 Liter Chlorwasser ausgetauscht werden, hinzu kämen erhöhte Kosten für das Duschen und für den Sicherheitsdienst. 

&quot;Die Security ist nötig&quot;, sagt Lipinsky. &quot;Sind die Bäder voll, nimmt bei einigen Besuchern auch die Aggression zu.&quot; Mit diesen Bemerkungen hat der Chef der Berliner Bäder Betriebe vielleicht sogar in einem Sinne Recht, den er aber leider ganz und gar unfähig ist selbst zu denken. Denn natürlich ist es völlig richtig, ziemlich aggressiv auf die aberwitzig hohen Preise der Berliner Bäder Betriebe zu reagieren, und darüber hinaus auch auf das strohdumme Gesabbel eines hochbezahlten Betriebsmanagers aggressiv dann zu reagieren, wenn er die Öffentlichkeit glaubt mit seinen Kontrollobsessionen von Menschenmengen belästigen zu müssen.
 
Das die Dummheit in diesem Falle endemisch ist, zeigt sich auch in dem nächsten Bericht der Berliner Zeitung im Oktober des Jahres 2003, in dem die Einführung eines sogenannten „flexiblen Preissystems“ unter der neoliberalen Idiotenslogan „Wer schneller schwimmt, zahlt künftig weniger“ annonciert wird.
Für die Badesaison 2004 kostete schließlich eine Saisonskarte im Prinzenbad ab 1. Mai schlappe 220 Euro, ermäßigt 137,50. Auf den entgeisterten Einwurf von Frau Fuchs von der Berliner Zeitung, das doch ziemlich teuer sei, antwortete Meister Lippinsky wie in einer schlechten Yankee-Kriminalserie trocken: „Es wird ja niemand gezwungen, eine Saisonkarte zu kaufen.“

Die letzte Meldung, die man noch in der Berliner Zeitung zum Prinzenbad findet, ist die einfühlsam geschriebene Story über die „Letzte Reise“ des als Korrektor in der Druckerei des Senats von Berlin arbeitenden Neuköllners Günther Neumann. Der fuhr Ende des Jahres 2004 nach Khao Lak in Thailand. Und das bringt den Reporter der Berliner Zeitung dazu dessen ganzes langweiliges Leben zu rekapitulieren: „Neumann (...) heiratete am 25. Mai 1964. Zwei Jahre später wurde die Ehe geschieden. Seine Frau wollte Kinder, er wollte reisen. Danach kamen neue Frauen, aber sie gingen auch bald wieder. Er war zu unruhig, und zu dickköpfig, zu stur. Es war schwierig mit ihm zu leben, wenn man nicht so leben wollte wie er. Seit den sechziger Jahren wohnte er in einem Mietshaus in Neukölln. Er zog nur einmal um, in eine Einzimmer-Wohnung im selben Haus, er brauchte nicht viel Platz. Neumann machte nie einen Führerschein und besaß nie ein Auto. Er hatte eine Dauerkarte im Kreuzberger Prinzenbad, er ging sechs Mal in der Woche schwimmen, er fuhr mit dem Rad und mit der Bahn. Er kaufte sich irgendwann ein Motorboot, und verkaufte es bald wieder, weil er es langweilig fand, stundenlang auf einem See zu sitzen. (...) Er redete schnell und laut, er diskutierte gern.“ Und so weiter und so fort. Am 26. Dezember 2004 soll nun Günther Neuman trotz seiner Dauerkarte im Prinzenbad im pazifischen Ozean in Thailand ertrunken sein. Das muss uns allen – so finde ich - zu denken geben. 

Was sind nun die zentralen Begriffe, die uns auf unserer kleinen Revue quer durch die Texte der Berliner Zeitung zu dem Prinzenbad begegnet sind?
Tanz, Akrobatik, Musik und Graffiti, Glaskasten und Wechselgeld, auf dem Trockenen sitzen, Polizei, 1. Mai, Tod und Betrugsskandal, Chlor, Thailand, Sex, flexibles Preissystem, magischer Anziehungspunkt, sträfliche Verletzung von Prinzipien der Förderung und Vorsorge im Gesundheitswesen, Sylt von Berlin, Durchsetzungsvermögen, Dönerfesser, Bundespräsident, Kanake Ordnung, Chaos, Security, Gottvater Bademeister, Ansturm, Traumwetter, gefälschte Dauerkarten, Sozialsenatorin, Türkei, Nackte, melting pot, Arbeitsgericht, Urin, Hautschuppen, Schweinestaat. Landeskriminalamt und Trihalogenmethane. Kurz: Wer über das Prinzenbad redet, der muss über die ganze Welt reden: Und wer über die ganze Welt redetet, der kommt nun mal auch um die Autonomen nicht herum. Und die landen zuweilen auch mal in einem Gerichtssaal und müssen dort unter den obwaltenden Umständen im Zweifel immer auf der Anklagebank und nicht auf dem Richterstuhl sitzen. „Da wollen wir doch mal ganz klar sehen“, um hier keine Geringere als Barbara Agnoli zu zitieren.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Unser Lieblingsautonomer Markus Mohr, nunmehr leider nicht mehr in Berlin, sondern in Hamburg lehrend, wurde gebeten, ebenfalls etwas über das Kreuzberger Prinzenbad zu schreiben, er wollte aber erst einmal darüber diskutieren &#8211; schickte jedoch vorab schon mal seine &#8220;Prozeßerklärung&#8221;, die er einst vor dem Moabiter Gericht abgab, wo er sich wegen einer Aktion von Prinzenbadbesuchern gegen eine Eintrittsgelderhöhung verantworten mußte.</p>
<p>Hier seine Erklärung:</p>
<p>„Im Prinzenbad spielt die Musik, hier muss man sich blicken lassen.“</p>
<p>Was lehrt uns der derzeitige ganz offenkundig völlig ungerechte und unfreie Lauf der ganzen Welt?</p>
<p>Mitschwimmen? Untergehen? Absaufen? Ach was!<br />
Dagegen schwimmen! Frei schwimmen! Nicht dumm werden! Glücklich sein!<br />
Ach, lass´ uns baden gehen / In Menschmengen zwängen, / in der Schlange stehen /<br />
Uns auf engen Hängen drängen / und den Himmel sehen! / Ach was, komm` mit, lass´ uns baden gehen!</p>
<p>Die Strafverhandlung hier vor dem Amtsgericht soll nun herausfinden, ob es sich bei mir – d.h. den Delinquenten – um einen gewieften, heimtückischen vielleicht sogar zu stumpfer zutiefst menschenverachtender Gewalt fähigen Straftäter handelt. Wohl an: „War er´s denn nun oder nicht?“, lautet hier die alles entscheidende Frage. Ziemlich dumm der oder die, die auch noch bereit sind sich solchen einfallslosen, ja geradezu trostlosen Fragen in Form einer Antwort zu stellen.</p>
<p>„Herr Vorsitzender, Herr Staatsanwalt: ich bin ganz bestimmt unschuldig, glauben sie mir! Ich war`s nicht, ich hab´ mich am 6. Juli des Jahres 2002 am frühen Nachmittag irgendwie in`s Prinzenbad verlaufen. Ich weiß jetzt auch nicht mehr, wie ich dort hereingekommen bin. Im Eingangsbereich gab es plötzlichen einen riesen Kuddelmudel und da hab´ ich dann auch nicht mehr weiter gewusst und bin stante pede ins bad gelaufen, wobei mir ein Wachtmeister – ich weiß auch nicht warum – hinterhergelaufen ist. Ich wollte dann noch dem festnehmenden Wachtmeister gerne meine Eintrittskarte vorzeigen, als er gerade dabei war, mir auf offener Bühne im Badebereich anlässlich meiner Festnahme fast das Genick zu brechen. Ich weiß heute auch nicht mehr, was damals schief gelaufen ist?“ </p>
<p>Ach Gott das Leben ist manchmal ziemlich erbärmlich, wohl wahr und dann erzählt man solche traurige Geschichten wie gerade eben. Es gibt aber nicht den geringsten Grund sich darin auch noch intellektuell einzurichten. Hohn und Spott für alle Einfaltspinsel und Piefkes mit ihren dummen Fragen.</p>
<p>Über was reden wir hier denn nun genau? Wir reden über das Prinzenbad, 1953 für die Bevölkerung dieser Stadt geöffnet, also reden wir nicht über Straftaten sondern über die, die da herumhängen, und die aus der ganzen Welt kommen.<br />
Die sich in Menschmengen zwängen,<br />
in der Schlange stehen<br />
sich auf engen Hängen drängen<br />
und den Himmel sehen!</p>
<p>Reden wir auch am Beispiel des Prinzenbades nicht über Stradadadadaaftaten, sondern einfach über die ganze Welt.</p>
<p>Die Berliner Zeitung vom 2.7.1994 vermeldet, das für das Wochenende Traumwetter angekündigt sei. Zitat: „Wie hier unter dem &#8220;Wasserpilz&#8221; im Kreuzberger Prinzenbad, werden Zehntausende eine Abkühlung suchen. Die mehr als 30 Frei- und Sommerbäder in den Berliner Bezirken sowie Brandenburgs Seen sind auf den Ansturm vorbereitet.“ Hier können wir uns schon gleich mal den instruktiven Begriff „Ansturm“ merken.<br />
Es gibt sogar einen ganzen Kinofilm mit dem Titel Prinzenbad, der allerdings nicht in Kreuzberg, sondern im Gellertbad in Budapest spielt . Glaubt man der Berliner Zeitung, so fängt die Kamera hier einen „schwer zu ertragenden Männerkult zwischen Wasserbecken, Massageräumen und Café ein. Und dazwischen gibt es Geplänkel über Geschäfte, eine kleine Krimi-Einlage und eine Eifersuchtsstory. Und über allem wacht kein geringerer als Bernhard Wikki als Gottvater Bademeister. „Gottvater Bademeister“: Ein instruktive Bezeichnung, die hier in diesem Prozess auch noch eine Rolle spielen wird.</p>
<p>Ende Juli 1995 reagierten Berliner Freibadbesucher auch im Prinzenbad „gelassen“ auf eine nicht auszuschließende Krebsgefahr im Badewasser. „Unbeeindruckt von den Meldungen über mögliche Krebsgefahr bei gechlortem Wasser gehen die Berliner ihren Badefreuden nach“ schreibt hier die Berliner Zeitung, nicht ohne den Hinweis zu rapportieren: „Zur Bildung der von Wissenschaftlern als krebserregend eingestuften Trihalogenmethanen komme es, wenn freies Chlor auf Schmutzpartikel wie Hautschuppen, Haare, aber auch Schweiß und Urin treffe. Der Rat der Senatsverwaltung: Badegäste sollen sich vor dem Sprung ins Wasser gründlich reinigen.“ Und mit einem Mal kommt hier jemand ins Spiel, der in diesem Gerichtsverfahren noch an prominenter Stelle auftauchen wird. Die Rede ist vom Bademeister des Prinzenbades Erhard Kratz und der lässt uns mit einem direkten Pressezitat wissen: &#8220;Das Gesundheitsamt war hier und hat das Wasser untersucht&#8221; (&#8230;) Mit 44,5 Mikrogramm liegen wir im Mittelbereich.&#8221; </p>
<p>Worin? Wie bitte? Genau: wahrscheinlich sprach Herr Kraatz über die Trihalogenmethan-Bösewichter. Doch davon ist wenig später in der gleichen Zeitung nicht mehr die Rede, als sechzig Jugendliche aus vier Ländern im Prinzenbad ein als multikulturell bezeichnetes Theaterprojekt aufführen. „Mit Tanz, Akrobatik, Musik und Graffiti wollen sie dem Rassismus auf kreative Art begegnen und ihn bekämpfen. (&#8230;) Das Projekt behandelt Intoleranz und Ausgrenzung auf abstrakte, konkrete und symbolische Art. Die Geschichte beruht auf der klassischen Situation von zwei Liebenden, deren Liebe durch ihre unterschiedliche Herkunft unmöglich scheint.“ Wohl an: Intoleranz und Ausgrenzung im Prinzenbad? Darüber kann ich auch etwas erzählen, auch das wird uns ist hier Teil dieses Strafverfahrens.</p>
<p>Am 6.Mai 1996 taucht wieder unser Bademeister auf. Anlässlich des Saisonstarts im Prinzenbad, soll es dort „bei zwölf Grad Lufttemperatur (&#8230;) im geheizten Becken fast mollig“ gewesen sein. „An diesem Tag sind immer Badegäste da, weiß Betriebsleiter Erhard Kraatz. &#8220;Selbst bei Schnee kommen die Leute zur Saisoneröffnung.&#8221; Das glaub´ ich nicht, das die Leute so beknackt sind, wie Herr Kraatz sich das so vorstellt.</p>
<p>Am Juni 1996 berichtet dann die Berliner Zeitung von einem Problem das auch ein ganz zentraler Gegenstand dieses Strafprozesses ist: Sie wirft in ihrem Bericht die nicht ganz frei von Rhetorik gestellte Frage auf: „Wie kriegt man Tausende von Badelustigen durch das Nadelöhr Kasse? Beim Prinzenbad in Kreuzberg läuft das so: Der Kassierer sitzt in einem Glaskasten und ist per Mikrofon mit der Außenwelt verbunden. Davor steht ein Mitarbeiter, der die Bestellung der Kunden entgegennimmt und sie dem Kassierer zuruft. &#8220;Zwei Erwachsene, ein Kind.&#8221; (&#8230;) Der Außenposten nennt dem Kunden den Betrag. Der Kassierer nimmt den Geldschein entgegen und gibt Wechselgeld und Eintrittskarten raus. Während der Kunde das Wechselgeld nimmt, krallt sich der Außenposten die Eintrittskarten, um sie sofort an Ort und Stelle zu zerreißen und in einen Papierkorb zu werfen. Der Papierkorb ist schon fast voll. Es gibt übrigens noch einen zweiten Außenposten, der in das Geschehen gar nicht eingreift. Er wirft nur hin und wieder einen kurzen Blick auf Dauerkarten, wenn Besitzer derselben sich an den Wartenden vorbeizwängen. Denn viele Badegäste warten hier in der Schlange. Die andere Kasse ist nämlich zu. Personalmangel.“ </p>
<p>Der Inhalt dieses Berichts ist nicht ganz frei von Rätseln. Wir ahnen es bereits: Sie sollen später sogar die Ordnungsbehörden beschäftigen.</p>
<p>Die Zeichen der Misere mehren sich. Am 12. September 96 meldet die Berliner Zeitung nicht ohne Hinweis darauf, das in dieser Badesaison im Prinzenbad mit 260.000 Besuchern die meisten Besucherinnen aller Bäder in Berlin gezählt worden seien: „Bäder-Betriebe bleiben ein Krisenfall / Ausgaben trotz Preiserhöhungen und Schließungen nicht gedeckt / Mehr Geld gefordert“ Rund acht Millionen Mark fehlen den BBB nach ersten Schätzungen in den Kassen, die diese ehrenwerte Gesellschaft von Senatens wieder zurück haben wollte. Und das alles, obwohl von 1995 bis in das Jahr 1996 der Preis für eine Saisonkarte für den Besuch in einem Sommer- oder Freibad Ostteil von 50 Mark auf geschlagene 140 Mark, und in West-Berlin der Preis von 65 Mark auf 165 Mark geklettert war. In nur einem Jahr eine glatte Verdreifachung nicht der Arbeitslosen- oder Sozialhilfe. Sondern der Badepreise. Was für ein großer Mist!</p>
<p> Doch leider hält auch das eine der damals politisch Verantwortlichen Mitte April des Jahres 1997 nicht davon ab, die Freibadsaison im Prinzenbad mit dem traditionellen „Anbaden“ zu eröffnen. Ihr Name ist vielleicht etwas bekannter geworden, als sie sich einmal beim Bratwurstessen verschluckt hat: Es handelt sich um die damalige SPD-Sportsenatorin Ingrid Stahmer.</p>
<p>Ein Vierteljahr später stirbt der gerade vier Jahre alt gewordene Knirps Patricio S., der Sohn einer Peruanerin und eines Polen, im Nichtschwimmerbecken des Prinzenbades. Zwei Stunden lang kämpften Ärzte um das Leben des aus Charlottenburg stammenden Jungen. Vergeblich. Denn selbst Herzdruckmassage, Beatmung und Adrenalinspritzen für die Wiederbelebung halfen nicht. Um 19.25 Uhr gaben die Notärzte auf.“<br />
Derweil warben die Berliner Bäder Betriebe noch in gleichem Jahr mit dem doppeldeutigen Slogan &#8220;Da geh`·ich baden&#8221; Damit wollten sie deutlich mehr Besucher als vergangenes Jahr in die 33 Frei- und Strandbäder der Stadt locken. Doch erst mal gehen die ehrgeizigen Ziele von Vorstandschef Kube, so der Berliner Zeitung unmissverständlich „baden“. &#8220;Wir haben sogar weniger Gäste als 1996&#8243;, meint der Kassierer im Prinzenbad. Nur am Wetter kann die Flaute allerdings nicht liegen, hat dem hingegen die Berliner Zeitung recherchiert.</p>
<p>Die Badesaison im Jahre 1998, schreibt Claudia Fuchs Anfang April dieses Jahres, geht normalerweise „erst am 1. Mai (&#8230;) überall so richtig los.“ Nicht so aber das Prinzenbad in Kreuzberg, das – so Frau Fuchs in wunderschöner Formulierung &#8211; „in jedem Frühjahr (ein) magischer Anziehungspunkt für jene (sei), die unter freiem Himmel gern in wärmerem Wasser schwimmen. Im 50 Meter langen Mehrzweckbecken herrschen wohlige 25 Grad das Bassin wird nämlich beheizt.“ Da geht man doch zum baden gerne hin.</p>
<p>Doch Mitte Juli 1998 ereilt die aufmerksamen Leser der Berliner Zeitung ein Schock: „Prinzenbad: Mitarbeiter wirtschafteten in die eigene Tasche / Mehrere hunderttausend Mark veruntreut / Erstes Geständnis.“ Pardauz! Stories über Sex, Politik, Gewalt Sport und Kriminalität gehen immer! Und so lesen wir in der Berliner, das in dem „bisher größten Betrugsskandal in Berliner Bädern (&#8230;) zwölf Angestellte offenbar mehrere hunderttausend Mark in die eigene Tasche gewirtschaftet (haben) (&#8230;) Am Dienstag abend hatten Beamte des Landeskriminalamtes die Wohnungen von acht Männern und vier Frauen im Alter von 33 bis 57 Jahren und das Prinzenbad durchsucht. Beweismaterial, darunter eine gefälschte Dauerkarte, wurde sichergestellt.“ Wau! Eine gefälschte Dauerkarte ist und bleibt eine gefälschte Dauerkarte ist und bleibt eine in menschenverachtender Weise gefälschte Dauerkarte, oder etwa nicht? Jedenfalls ermittelte die Polizei, &#8211; so steht es in dem Bericht weiter zu lesen –„daß Badegästen nicht entwertete Eintrittskarten von den Kontrolleuren nach dem Verlassen des Bades abgenommen worden waren, und danach wieder verkauft wurden. Es sei auch vorgekommen, daß Besucher keine Tickets bekamen, obwohl sie Eintritt bezahlt hatten. Die Kassierer sollen auch gefälschte Halbjahres- und Jahreskarten verkauft und das Geld eingesteckt haben.“ Wo doch überall auf der Welt die Kriminalität nistet. Da kann es aus der Perspektive der Berliner Bäder-Betriebe nur noch ein Mittel dagegen geben: Die unnachsichtige Verschärfung aller Kontrollen, z.B. durch „Drehkreuze“.</p>
<p>Ende November 1998 geht dann der in diesem Zusammenhang fristlos gekündigte 49 jährige Kassierer Herbert S., der sieben lange Jahre lang damit beschäftigt war im Prinzenbad die Eintrittskarten abzureißen, &#8211; man kann sich wirklich eine schönere  Tätigkeit vorstellen &#8211; vor das Arbeitsgericht. Und siehe da: „Für Herbert S. endete der gestrige Termin mit einem Vergleich. Er wird von den Bäderbetrieben bis Ende Juli 1998 bezahlt und bekommt einmalig 3 500 Mark Überbrückungsgeld. Anlass für den Vergleich waren Bedenken der Richterin. &#8220;Es fehlte für eine fristlose Kündigung an einem ausreichenden Tatverdacht&#8221;, sagte sie. Was für eine tolle Richterin, doch leider habe ich ihren Namen für diese Verhandlung nicht mehr herausbekommen. Denn auch möchte hier nicht fristlos von den herrschenden Verhältnissen gekündigt werden und darüber hinaus gibt es doch auch gegen mich nicht den geringsten Tatverdacht, oder täusche ich mich da?</p>
<p>Ende Juli 1999 lesen wir dann einen Hintergrundbericht von einer als prominent beschriebenen Fernsehmoderatorin mit Namen Mo Asumang. Ich kannte die vorher zwar auch nicht, aber sie sollen allen Ernstes in Kreuzberg leben. Daran gefalle ihr einerseits, das die Leute hier immer so „offen über Sex&#8221; reden. weswegen sie auch nicht wegziehen wolle. Auf der anderen Seite beklagte sich jedoch die das Pro 7-Erotikmagazin &#8220;Liebe Sünde&#8221; moderierende Frau Moderatorin, dass sie aber nicht mehr bereit sei, „ins Prinzenbad“ zu gehen: Denn so Frau Asumang: „Da werde ich ständig angegafft.&#8221;</p>
<p>Am 4. Juli 1999 hatte die Berliner für einen Bericht in dem hier zur Verhandlung stehenden Zusammenhang zwei wesentliche Fakten recherchiert: Erstens das am Sonntag Lufttemperaturen bis zu 32 Grad in Berlin geherrscht haben sollen, und Zweitens: Das die, die sich ins Prinzenbad aufgemacht hatten, doch glatt „mindestens 30 Minuten vor der Kasse anstehen“ mussten. Nun, das kann ich von unserer Aktion am 6. Juli 2002 beim Prinzenbad nicht sagen. Frei nach der Parole von Dario Fo: Bezahlt wird nicht! sind wir alle da viel schneller hereingekommen.</p>
<p>Ende April 2000 reagieren die Berliner Bäder-Betriebe „flexibel auf die sommerlichen Temperaturen und eröffnen die Saison nun in mehreren Bädern früher als geplant.“ Planmäßig soll das Prinzenbad am Freitag öffnen. Und wer springt als erster mittenmang hinein? Man glaubt es kaum, aber es ist ein alter Wehrmachtssoldat, der in jungen Jahren in Russland die Russen bekämpfte, was ihn in diesem Land wohl auch für den Job eines leibhaftigen Bundespräsidenten qualifizierte: Richard von Weizsäcker sein Name, der sein Badeverhalten damit begründete das er sagte: &#8220;Im Beruf habe ich viel gesessen &#8211; da braucht man einen Ausgleich.&#8221;</p>
<p>Schön und wahr dann, das sich daraufhin Frau Christa Cupp, aus Berlin als direkte Reaktion auf diesen Artikel in einem kleinen aber feinen Leserbrief zu Wort meldete. Sie schreibt: „Als 1953 das Prinzenbad eröffnet wurde, war ich mit elf Jahren eines der ersten Kinder, die da reinsprangen und habe über die Jahre gute Erinnerungen daran. Wenn ich Berlin im Sommer besuchte, ging ich hin und als ich mit meinem kleinen Sohn nach Berlin flog, nahm ich ihn immer mit. Gute Erinnerungen, besonders in den 50er-Jahren! Mann, bin ich alt!“ Schön, das es so etwas noch gibt.</p>
<p>Mitte Juni des Jahres 2000 meldetet sich wieder die eifrige Journalistin Claudia Fuchs von der Berliner Zeitung zu Wort und rapportiert über die Errichtung eines „Zaunes und Wachschutz für die Nackten“. 1998 sei der errichtet worden und – so heißt es wörtlich in dem Bericht &#8211; „seither haben die Nudisten im Prinzenbad einen Platz für sich &#8211; (fast) unbehelligt von lästigen Spannern. &#8220;So ist es viel angenehmer&#8221;, sagt eine Frau, die mit ihrem Kind im FKK-Bereich spielt. Früher sei das Geglotze ganz extrem gewesen. &#8220;Manche haben sich sogar angezogen zwischen die Nackten gelegt und dann gestarrt.&#8221; Da soll doch glatt der von den Berliner Bäder Betrieben aufgestellte Zaun „dankbar angenommen worden“ und sogar der Wachschutz spielt zumindest in diesem Pressebericht eine ungewöhnlich positive Rolle, denn auch der „schaut hin und wieder (&#8230;) vorbei.“</p>
<p>Das es aber noch ganz andere Probleme auf der Welt gibt die auf ihre Weise im Prinzenbad ihren Platz finden, als die der Nudisten von Angezogenen angestarrt zu werden, zeigt ein Bericht Anfang August über die türkischstämmige Familie Özbek aus dem brandenburgischen Mahlow. Anstatt zu dem nahegelegen See (&#8230;) schwimmen zu gehen, geht diese Familie mit ihren vier Kindern viel lieber ins (&#8230;) Prinzenbad. Denn in der Gemeinde Mahlow „gehören rassistische Beleidigungen zum Alltag der Familie. (&#8230;) Beschimpfungen wie &#8220;Dönerfresser&#8221;, &#8220;Kanake&#8221;, &#8220;Memme&#8221; müssen die Özbeks sich anhören, wenn Angehörige der Mahlower rechten Szene sich vor der S-Bahn-Station versammeln.“ Ganz ausgezeichnet, das sich Familie Özbek so einen widerwärtigen Dreck zumindest im Prinzenbad nicht anhören muss – es sei denn sie fällt nicht dem amtierenden Bademeister Erhard Kraatz in die Hände.</p>
<p>Ungefähr ein Jahr später, im Juni 2001 formuliert Susanne Lenz in einem Artikel eine lange Hymne auf das Prinzenbad: Es sei „das multikulturellste Bad“ das es gäbe. „So wie hier müsste es überall sein auf der Welt&#8221; steht dort zu lesen. Schon am U-Bahn-Ausgang rieche man das Chlor, eine Menschenschlange winde sich vom Gehweg hoch zur Kasse. „Bepackte Großfamilien, bleiche Studentinnen, schwule Paare, aufgeregte Jungscliquen und alte Frauen mit herausgewachsener Dauerwelle. Alle, die sonst getrennt voneinander in Szenekneipen, türkischen Männercafés, Müttertreffs oder Rentnerwohnungen ihre Zeit verbringen, vereinen sich im Prinzenbad. (&#8230;) Das Prinzenbad ist der melting pot Kreuzbergs. Seine Besucher geben preis, was unter ihren Kleidern verborgen liegt und sie tun manches, was ihnen draußen nicht in den Sinn käme. Im Prinzenbad schämt sich niemand.“ Wohlan: Dieser Beschreibung kann ich juchzend und vollen Herzens zustimmen: Warum soll ich mich hier vor den Schranken des Amtsgerichtes Tiergarten dafür schämen, das ich zusammen mit einem Batzen Leute umsonst zu diesen tollen Leuten ins Prinzenbad wollte? Dafür gibt es doch wirklich nicht den geringsten Grund!</p>
<p>Es spricht für die Qualität des Berichtes von Frau Lenz das sie sich nicht davor scheut, auch die Gefahren anzudeuten, die einem bei zu unkontrollierten Bewegungen wie Begegnungen im Prinzenbad drohen. Und die sind ganz präzise – so das Zitat – bei dem „Mann oben auf dem Schwimmmeisterturm“ zu verorten, der als Bademeister vorgestellt wird. Der habe zwar einerseits „fast drei Jahre gelernt für seinen Beruf, der eigentlich &#8220;Fachangestellter für Bäderbetriebe&#8221; heißt: Anatomie, Durchströmungsrechnen, Wasseraufbereitung, Reanimation. Aber im Prinzenbad brauche er an erster Stelle etwas Anderes: Durchsetzungsvermögen. Und dann lautet das für unseren Zusammenhang alles entscheidende Zitat: &#8220;Wenn man die Ordnung nicht aufrechterhält, würde hier das Chaos regieren.&#8221; Was für Quatsch auch. Seit wann bricht den an vielfrequentierten Badeseen gleich das Chaos aus, und an vielen Orten wo Chaos herrscht, kratzt es keinen. So gilt: Mindestens an einem Ende einer schlechten repressiven Ordnung auf der Welt steht doch immer der Beginn eines anderen, eines glücklichen Lebens. Warum ist dieser schlichte Gedanke heute nur so schwer auszusprechen?</p>
<p>Doch wechseln wieder das Thema. Mitte August 2001 bedroht dann doch allen Ernstes der amtierende Berliner Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes die Leser der Berliner Zeitung damit, dass er für sein Anliegen „in den Betrieben (&#8230;) über die Zukunft der Stadt“ diskutieren zu wollen, notfalls sogar dazu bereit sei, „vom Turm im (&#8230;) Prinzenbad“ zu springen. Und der machte diese Zusage, ohne sich vorher darüber zu vergewissern, ob da überhaupt Wasser drin ist. Wenn man nicht davon ausgehen mag, dass der Berliner DGB-Chef damit seinen Selbstmord öffentlich ankündigen wollte, dann ist das Beste was man ihm noch bescheinigen kann, das er nicht weiß was er sagt und er demzufolge ein ahnungsloser Geselle ist.</p>
<p>Mitte April des Jahres 2002 kündigt sich dann im Zusammenhang mit dem Prinzenbad ein anderes Kreuzberger Großereignis mit weltweiter Bedeutung an: Die Polizei sucht ihrem gesetzlichen Auftrag nachzukommen, die alljährliche revolutionäre 1. Mai-Demonstration – wie auch immer &#8211; aus der Welt zu schaffen. Dafür erteilte der Berliner Zeitung dem 39 Jahre alten Polizeihauptkommissar Andreas Hanel aus der Direktion 5 in Neukölln direkt das Wort. Und der scheint seine Aufgabe darin gesehen zu haben, unschuldige Jugendliche in Schulen mit Gedanken wie diesen zu bequatschen: O-Ton Polizeihauptkommissar Andreas Hanel. &#8220;Wisst ihr, ihr könnt von mir aus gegen die politischen Verhältnisse in Nepal demonstrieren, gegen Sparmaßnahmen an Schulen oder den Schweinestaat schlechthin, aber ihr müsst wissen, dass ihr dabei bestimmte Regeln einhalten müsst.&#8221; Die gebe das Grundgesetz nun einmal vor.“ Zitat Ende. Mit Verlaub: Was redet der mitteilungssüchtige Polizeihauptkommissar denn da? Will dieser uniformierte Staatsbeamte möglicherweise unser schönes demokratisches Gemeinwesen als einen „Schweinestaat“ diffamieren, den man mit bestimmten Regeln aus dem Grundgesetz bekämpfen soll? Wie soll das denn gehen? Das finde ich überhaupt nicht richtig! Das lehne ich vollkommen ab. Diese Empörung über so einen gefährlichen Schwachsinn – mit dem Grundgesetz gegen den „Schweinestaat“ – wo kommen wir denn dahin ? &#8211; war für mich schließlich ein Grund dafür, mich am revolutionären 1. Mai des Jahres 2002 gerade nicht im Prinzenbad ab 10 Uhr zum &#8220;Anbaden mit der Polizei&#8221;, sondern gleich zu der Demonstration zu begeben.</p>
<p>Die revolutionäre 1. Mai – Demonstration hat sicher viele sehr verschiedene Ziele und wendet sich gegen alle möglichen Ungerechtigkeiten auf der ganzen Welt. Hätte man unter ihren TeilnehmerInnen eine diesbezügliche Umfrage unternommen – ich bin mir sicher – auch sie hätten mit großen Unwillen auf eine Meldung der Berliner Zeitung reagiert, die davon berichtete, das die Geschäftsleitung der Berliner Bäder Betriebe zum Saisonstart 2002 eine heillose „Verwirrung um (die) Eintrittspreise“ stifteten. Denn mit einem Male stellte sich mit der Euro-Einführung, die zu einer Tarifänderung führten heraus – das „vorher gekaufte Eintrittskarten nur vier Monate gültig“ waren, und danach ohne Entschädigung verfielen. Und diese heimtückische Praxis wurde zurecht von vielen Badegästen heftig kritisiert: &#8220;Ich sehe das gar nicht ein&#8221;, sagt Uwe Bauer aus Friedrichshain. Als er seine Zehnerkarte im Dezember für 50 Mark gekauft habe, sei ihm erklärt worden, dass es keine Probleme geben würde. Nun aber seien die acht verbleibenden Eintrittskarten schon verfallen. Sein Angebot, die Differenz zu den neuen Eintrittspreisen zu entrichten, hätten die Berliner Bäder Betriebe abgelehnt. &#8220;Ich finde das ungerecht&#8221;, sagt Bauer. &#8220;Das ist kein Service.&#8221; Von Kulanz könne keine Rede sein.“ </p>
<p>Angesichts dieser Situation von „Beschwerden ohne Ende“ wusste der Sprecher der BBB Radermacher zunächst „Verständnis für den Unmut“ zu bekunden, um anderseits genau diese Abzockpraxis von Berliner Badegästen zu rechtfertigen. „Was für ein verschlagener Hund!“, kann man da auch heute nur noch kopfschüttelnd feststellen.<br />
Aber das sollte Dorothee Wenner in einem kurz darauf publizierten Bericht nicht davon abhalten, das Prinzenbad als „das Sylt von Berlin“ zu bezeichnen. Nun ja, ich komme ja aus Schleswig-Holstein und kenne mich dort ein weg aus, so ganz kann ich diesen Eindruck dann doch nicht bestätigen. Denn bei Sylt tummeln sich doch immer die Schweinswale, nette Zausel, die ich im Prinzenbad leider noch nie gesehen habe. Anyway. Aber gefallen hat mir ihr geradezu enthusiastischer Ton in dem die Autorin herausstellt, das „wenn es Luftbildaufnahmen gäbe, auf denen sich die Berliner Kreativitätskonzentration in einer Art Infrarot-Verfahren verschiedenfarbig darstellen ließe: das Kreuzberger Prinzenbad (dann) die blutrote Höchststufe“ beanspruchen könnte. </p>
<p>Gerade hier sei ein „Ort der kreativen Reproduktion &#8211; und Produktion“, wo man beweisen könne, dass man , so schreibt sie in ihrem Bericht „keine Angst vor extremen Erfahrungen“ habe. Und schließlich findet sich darin eine Aussage die gewissermaßen als eine Art fulminantes programmatisches Bekenntnis auch der heutigen Veranstaltung verstanden werden kann: „Im Prinzenbad spielt die Musik, hier muss man sich blicken lassen.“ Voilà: So etwas lässt man sich doch nicht zweimal sagen. Diese Einladung haben wir mit unserer Demonstration am 6. Juli des Jahres 2002 außerordentlich gerne angenommen, denn da „wo die Musik spielt“; da wollen ich und alle meine Freunde gerne sein. Umso größer muss dann die Enttäuschung sein, wenn einem die Aussicht auf die schöne Musik im Prinzenbad durch ein neues schweinisches Tarifsystem verhagelt zu werden droht. </p>
<p>Vielleicht dachte auch der Leserbriefschreiber Paul Bisping, aus Berlin-Kreuzberg in einem ähnlichen Sinne als er Ende Mai beklagte, das es sich „für viele Schwimmerinnen und Schwimmer“ mit Saisonbeginn ausgeschwommen habe. Denn, so der Leserbriefschreiber weiter: „Mit der Einführung des neuen Tarifsystems können sich viele begeisterte Schwimmer diesen Volkssport weder als Ausgleich, Freizeit, Spaß, oder Vergnügen noch als gesundheitspräventives und -förderndes Element in ihrem Leben leisten.“ Für ihn habe ein Aushang in Kreuzberg mit der Überschrift: &#8220;Im Prinzenbad ist es leer geworden! Oder?&#8221; auf die fatale Lage Vieler aufmerksam gemacht, die nun auf den Sommerbad-Besuch verzichten werden. Und dafür führte er auch gleich ein Beispiel zu der von ihm als „Tarifgeschehen“ bezeichneten Lage an: „Die Einzelkarte wird von 3 auf 4 Euro pro Besuch teurer.“ Für Herrn Bispinck waren das nicht nur „Ohrfeigen in die Gesichter aller betroffenen Besucher“ sondern darüber hinaus auch für alle – man glaubt seinen Augen kaum, aber es steht wirklich so in diesem Leserbrief &#8211; „ernst zu nehmenden Gesundheitsreformer“. Und diesen überraschenden Gedanken fügte dieser eifrige Leserbriefguerillero noch die umständliche Formulierung hinzu, in der er die – so die lange Begriffsbildung &#8211; „sträfliche Verletzung von Prinzipien der Förderung und Vorsorge im Gesundheitswesen“ beklagte. Buff, buff , auf solche Gedanken und vor allem Formulierungen muss man wirklich erst einmal kommen.</p>
<p> Egal: Ob nun mit oder ohne „Verletzung von Prinzipien der Förderung und Vorsorge im Gesundheitswesen“, Ende Juni protestierten dann allein im Prinzenbad mehrere Tausend Badegäste mit ihrer Unterschrift gegen die Tariferhöhungen in Höhe von rabiaten 25 und 33 Prozent. Und davon waren besonders stark jene betroffen, die bislang Saisonkarten nutzten, von denen die Drei- und Sechs-Monats-Karten ersatzlos gestrichen wurden. Ein wahrlich grober Klotz der Berliner Bäder Betriebe, der allemal den groben Keil des energischen Widerspruches verdient hat.</p>
<p> Und wer weiß, das er mit seinen Argumenten über so einen starken Rückhalt in der Bevölkerung verfügt, der fängt an, sich bei weiteren Protestaktivitäten über seine Bewaffnung Gedanken zu machen. Und der rüstet sich aus, und der greift auch an. Mit Wasserbomben und Wasserpistolen. Gegen die ungeschützten Polizisten. Und das alles kann man nachlesen. In der Berliner Zeitung vom 8. Juli 2002. Und da steht dann auch, das das Sommerbad etwa eine Stunden lang für Besucher gesperrt war, und um 16.20 Uhr die Demonstration für beendet erklärt worden war. „Gegen einen friedlichen Protest habe er nichts einzuwenden“, erklärte danach der Vorstandschef der Berliner Bäder Betriebe Klaus Lipinsky um sich dann auch noch mit der Bemerkung: &#8220;Aber sobald Gewalt mit ins Spiel kommt, habe ich dafür kein Verständnis mehr“ direkt zitieren zulassen. Was wollte Lipinsky damit wohl zum Ausdruck bringen? Ob er wohl damit auf die bei meiner auf offener Bühne im Badebereich exekutierte Festnahme durch den Polizeibeamten Rottmeier anspielen wollte, der darauf und dran war, mir auch dann noch das Genick brechen zu wollen, als er mich bereits auf den Boden geschleudert hatte und ich auf dem Bauch lag? </p>
<p>Ich glaube nicht, das Herr Lipinsky auf diese für einen kurzen traumatischen Moment folterähnliche Form von Polizeigewalt anspielen wollte. Bei der unnachsichtigen Verteidigung dessen was nicht als ein öffentliches Gut, sondern dreisterweise als Privateigentum verstanden wird, ist die herrschende Ordnung überraschend schnell mit der ihr zur Verfügung stehenden Polizeigewalt dazu bereit, auf Leben und Tod zu kämpfen. Wahrlich: Das ist eine Binse. So ist der Charaktermaske Lipinsky wohl im besten Fall nur zu unterstellen, das sie wahrscheinlich nur das sagt, was sie weiß, ohne eigentlich zu wissen, was sie da sagt: Denn natürlich wollte sie mit ihrem verlogenen Geblubber doch nur zum Ausdruck bringen, daß ihr Proteste nur dann am Arsch vorbei gehen, so lange sie wirkungslos bleiben. Das ist doch die schlichte Logik der herrschenden ungerechten Verhältnisse, die sich ihrerseits nun wirklich einen feuchten Kehricht um „Friedlichkeit“ scheren.</p>
<p>Ach, bevor es vergessen wird zu erwähnen: Die ganz famosen Protestanten und ProtestantInnen des Prinzenbades standen an jenem gloriosen 6. Juli 2002 nicht allein auf verlorenen Posten, denn ist es auch heute noch in der Berliner Zeitung nachzulesen:„Proteste gegen das Vorgehen der Bäder-Betriebe gab es am Sonnabend auch in Tiergarten. Der Verein &#8220;Billige Prachtstraße &#8211; Lehrter Straße&#8221; hatte zu einem Marsch vom Tiergartener Poststadion zum Kinderbad Monbijou in Mitte aufgerufen. Motto der Wanderung: &#8220;Gemeinsames Baden in kuscheliger Enge&#8221;. (&#8230;) Die Marschierer erklärten sich mit dem Protest in Kreuzberg solidarisch und forderten eine Sanierung ihres Sommerbades.“ Sehr sympathisch, sehr sympathisch.</p>
<p>Trotz der Hohen Preise verzeichneten die Berliner Bäderbetriebe (BBB) im darauffolgenden Jahr 2003 „einen Ansturm auf die Frei- und Sommerbäder. Verglichen mit Juli 2002 stieg die Zahl der Besucher um etwa 25 Prozent auf 710 000“ Besonders gut besucht war wieder mal das Prinzenbad und das Strandbad Wannsee. Doch wie es die Verhältnisse so mit sich bringen, besorgen auch die vielen Besucher keine Kostendeckung des Unternehmens. „Mehr Besucher hätten auch höhere Ausgaben zur Folge, sagt (da der Chef der Berliner Bäder Betriebe) Lipinsky. Pro Badegast müssten am Tag 50 Liter Chlorwasser ausgetauscht werden, hinzu kämen erhöhte Kosten für das Duschen und für den Sicherheitsdienst. </p>
<p>&#8220;Die Security ist nötig&#8221;, sagt Lipinsky. &#8220;Sind die Bäder voll, nimmt bei einigen Besuchern auch die Aggression zu.&#8221; Mit diesen Bemerkungen hat der Chef der Berliner Bäder Betriebe vielleicht sogar in einem Sinne Recht, den er aber leider ganz und gar unfähig ist selbst zu denken. Denn natürlich ist es völlig richtig, ziemlich aggressiv auf die aberwitzig hohen Preise der Berliner Bäder Betriebe zu reagieren, und darüber hinaus auch auf das strohdumme Gesabbel eines hochbezahlten Betriebsmanagers aggressiv dann zu reagieren, wenn er die Öffentlichkeit glaubt mit seinen Kontrollobsessionen von Menschenmengen belästigen zu müssen.</p>
<p>Das die Dummheit in diesem Falle endemisch ist, zeigt sich auch in dem nächsten Bericht der Berliner Zeitung im Oktober des Jahres 2003, in dem die Einführung eines sogenannten „flexiblen Preissystems“ unter der neoliberalen Idiotenslogan „Wer schneller schwimmt, zahlt künftig weniger“ annonciert wird.<br />
Für die Badesaison 2004 kostete schließlich eine Saisonskarte im Prinzenbad ab 1. Mai schlappe 220 Euro, ermäßigt 137,50. Auf den entgeisterten Einwurf von Frau Fuchs von der Berliner Zeitung, das doch ziemlich teuer sei, antwortete Meister Lippinsky wie in einer schlechten Yankee-Kriminalserie trocken: „Es wird ja niemand gezwungen, eine Saisonkarte zu kaufen.“</p>
<p>Die letzte Meldung, die man noch in der Berliner Zeitung zum Prinzenbad findet, ist die einfühlsam geschriebene Story über die „Letzte Reise“ des als Korrektor in der Druckerei des Senats von Berlin arbeitenden Neuköllners Günther Neumann. Der fuhr Ende des Jahres 2004 nach Khao Lak in Thailand. Und das bringt den Reporter der Berliner Zeitung dazu dessen ganzes langweiliges Leben zu rekapitulieren: „Neumann (&#8230;) heiratete am 25. Mai 1964. Zwei Jahre später wurde die Ehe geschieden. Seine Frau wollte Kinder, er wollte reisen. Danach kamen neue Frauen, aber sie gingen auch bald wieder. Er war zu unruhig, und zu dickköpfig, zu stur. Es war schwierig mit ihm zu leben, wenn man nicht so leben wollte wie er. Seit den sechziger Jahren wohnte er in einem Mietshaus in Neukölln. Er zog nur einmal um, in eine Einzimmer-Wohnung im selben Haus, er brauchte nicht viel Platz. Neumann machte nie einen Führerschein und besaß nie ein Auto. Er hatte eine Dauerkarte im Kreuzberger Prinzenbad, er ging sechs Mal in der Woche schwimmen, er fuhr mit dem Rad und mit der Bahn. Er kaufte sich irgendwann ein Motorboot, und verkaufte es bald wieder, weil er es langweilig fand, stundenlang auf einem See zu sitzen. (&#8230;) Er redete schnell und laut, er diskutierte gern.“ Und so weiter und so fort. Am 26. Dezember 2004 soll nun Günther Neuman trotz seiner Dauerkarte im Prinzenbad im pazifischen Ozean in Thailand ertrunken sein. Das muss uns allen – so finde ich &#8211; zu denken geben. </p>
<p>Was sind nun die zentralen Begriffe, die uns auf unserer kleinen Revue quer durch die Texte der Berliner Zeitung zu dem Prinzenbad begegnet sind?<br />
Tanz, Akrobatik, Musik und Graffiti, Glaskasten und Wechselgeld, auf dem Trockenen sitzen, Polizei, 1. Mai, Tod und Betrugsskandal, Chlor, Thailand, Sex, flexibles Preissystem, magischer Anziehungspunkt, sträfliche Verletzung von Prinzipien der Förderung und Vorsorge im Gesundheitswesen, Sylt von Berlin, Durchsetzungsvermögen, Dönerfesser, Bundespräsident, Kanake Ordnung, Chaos, Security, Gottvater Bademeister, Ansturm, Traumwetter, gefälschte Dauerkarten, Sozialsenatorin, Türkei, Nackte, melting pot, Arbeitsgericht, Urin, Hautschuppen, Schweinestaat. Landeskriminalamt und Trihalogenmethane. Kurz: Wer über das Prinzenbad redet, der muss über die ganze Welt reden: Und wer über die ganze Welt redetet, der kommt nun mal auch um die Autonomen nicht herum. Und die landen zuweilen auch mal in einem Gerichtssaal und müssen dort unter den obwaltenden Umständen im Zweifel immer auf der Anklagebank und nicht auf dem Richterstuhl sitzen. „Da wollen wir doch mal ganz klar sehen“, um hier keine Geringere als Barbara Agnoli zu zitieren.</p>
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		<title>Von: Pitti</title>
		<link>http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2007/08/23/zonen-der-barbarei/comment-page-1/#comment-9370</link>
		<dc:creator>Pitti</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Aug 2007 10:05:01 +0000</pubDate>
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		<description>Die Darstellung von &quot;Problembezirken&quot; (nebst BewohnerInnen)sowohl in der Boulevardgazetten wie auch in den sogenannten &quot;seriösen&quot; Blättern - gar nicht zu reden von Freak-Show-artigen TV-Beiträgen ist wirklich unerträglich geworden. Sie strotzt von Borniertheit, Halbwahrheiten und schlichtweg Erlogenem.

Selbst Soziologieprofessor Klaus Schmals (FU Berlin) ist sich nicht zu schade, im Zusammenhang mit seiner jüngsten, in engster Kooperation mit der medial omnipräsenten &quot;ARCHE&quot; in Berlin-Hellersdorf entstandenen Armuts-Langzeitstudie in einem Zeitungsinterview von &quot;menschenunwürdigen Wohnbedingungen&quot; resp. Wohnumfeld zu tönen. War der Mann mit seinen Studenten dort jemals außerhalb der &quot;ARCHE&quot; unterwegs? Leidet er an Tunnelblick? Kriegt er Geld, Gratisflüge o.ä. für seine Statements?

Klar ist es für sehr viele Leute sehr schwierig, heute ohne Arbeit halbwegs über die Runden zu kommen. Klar gibt es Armut in Größenordnungen. Aber die scheinbar unumstößliche, weil in so gut wie allen Medien unisono transportierte Etikettierung von Hartz-IV-Empfängern (dumm, faul, kriminell)und ganzen Stadtteilen (Ghetto, Slum, No-go-Area) führt wozu?  

Zum Beispiel bei vielen zu einer passiv-resignierten &quot;Ich-kann-ja-sowieso-nix-ändern?&quot;-Stimmung. Oder: Weil das Fremdbild zunehmend zum Selbstbild wird, oft auch zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung. Verbunden dann auch - damit man sich überhaupt noch irgendwie identifizieren kann - mit &quot;Ghetto-Stolz&quot;.

Ich habe größtes Verständnis für die Arbeitsbedingungen, unter denen Journalisten heute arbeiten müssen (Verwertungsdruck, Zeitknappheit etc.) Da bleibt wahrscheinlich überhaupt keine Luft für eine tief gehende Recherche. Und dass bad news eigentlich good news sind, davon hat man ja auch schon mal was gehört.

Was mich aber wirklich wütend macht, ist der faschistoide Unterton, der durch derlei Veröffentlichungen und ihren Kontext durchschimmert. Selbstverständlich würden die Schreiber einen solchen Vorwurf empört zurückweisen. Aber die unausgesprochene Forderung nach Arbeitsdienst, diszipliniertem Morgenappell und &quot;ethnischer Sauberkeit&quot; schwingt eben doch mit ...</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Die Darstellung von &#8220;Problembezirken&#8221; (nebst BewohnerInnen)sowohl in der Boulevardgazetten wie auch in den sogenannten &#8220;seriösen&#8221; Blättern &#8211; gar nicht zu reden von Freak-Show-artigen TV-Beiträgen ist wirklich unerträglich geworden. Sie strotzt von Borniertheit, Halbwahrheiten und schlichtweg Erlogenem.</p>
<p>Selbst Soziologieprofessor Klaus Schmals (FU Berlin) ist sich nicht zu schade, im Zusammenhang mit seiner jüngsten, in engster Kooperation mit der medial omnipräsenten &#8220;ARCHE&#8221; in Berlin-Hellersdorf entstandenen Armuts-Langzeitstudie in einem Zeitungsinterview von &#8220;menschenunwürdigen Wohnbedingungen&#8221; resp. Wohnumfeld zu tönen. War der Mann mit seinen Studenten dort jemals außerhalb der &#8220;ARCHE&#8221; unterwegs? Leidet er an Tunnelblick? Kriegt er Geld, Gratisflüge o.ä. für seine Statements?</p>
<p>Klar ist es für sehr viele Leute sehr schwierig, heute ohne Arbeit halbwegs über die Runden zu kommen. Klar gibt es Armut in Größenordnungen. Aber die scheinbar unumstößliche, weil in so gut wie allen Medien unisono transportierte Etikettierung von Hartz-IV-Empfängern (dumm, faul, kriminell)und ganzen Stadtteilen (Ghetto, Slum, No-go-Area) führt wozu?  </p>
<p>Zum Beispiel bei vielen zu einer passiv-resignierten &#8220;Ich-kann-ja-sowieso-nix-ändern?&#8221;-Stimmung. Oder: Weil das Fremdbild zunehmend zum Selbstbild wird, oft auch zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung. Verbunden dann auch &#8211; damit man sich überhaupt noch irgendwie identifizieren kann &#8211; mit &#8220;Ghetto-Stolz&#8221;.</p>
<p>Ich habe größtes Verständnis für die Arbeitsbedingungen, unter denen Journalisten heute arbeiten müssen (Verwertungsdruck, Zeitknappheit etc.) Da bleibt wahrscheinlich überhaupt keine Luft für eine tief gehende Recherche. Und dass bad news eigentlich good news sind, davon hat man ja auch schon mal was gehört.</p>
<p>Was mich aber wirklich wütend macht, ist der faschistoide Unterton, der durch derlei Veröffentlichungen und ihren Kontext durchschimmert. Selbstverständlich würden die Schreiber einen solchen Vorwurf empört zurückweisen. Aber die unausgesprochene Forderung nach Arbeitsdienst, diszipliniertem Morgenappell und &#8220;ethnischer Sauberkeit&#8221; schwingt eben doch mit &#8230;</p>
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		<title>Von: PKK</title>
		<link>http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2007/08/23/zonen-der-barbarei/comment-page-1/#comment-9268</link>
		<dc:creator>PKK</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Aug 2007 23:48:01 +0000</pubDate>
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		<description>Schön alles, aber du scheinst ja alle Ausländer &quot;türkesiert&quot; zu haben. Nicht jeder ist ein Türke, der schwarze Harre hat :).
Mahmut Al Zein und die Kommunisten in Berlin sind alles samt Kurdischer Abstammung.

Ich glaub sogar der Typ bei dem du im Laden arbeitest ist auch Kurde..frag mal bitte nach.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Schön alles, aber du scheinst ja alle Ausländer &#8220;türkesiert&#8221; zu haben. Nicht jeder ist ein Türke, der schwarze Harre hat <img src='http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> .<br />
Mahmut Al Zein und die Kommunisten in Berlin sind alles samt Kurdischer Abstammung.</p>
<p>Ich glaub sogar der Typ bei dem du im Laden arbeitest ist auch Kurde..frag mal bitte nach.</p>
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