Bewegungsmeldung (2)
von Helmut HögeHinter Königs-Wusterhausen haben sich zwei Bürgerinitiativen gebildet, die gegen den geplanten Verlauf einer Gas-Pipeline kämpfen, die mitten durch ihre Dörfer gehen soll, was Enteignungen erzingt. “Opal – So nicht!” lautet ihre Parole. Auf ihrer Webpage erklären die Aktivisten:
1. zu Opal:
OPAL, der schöne Name, ist die für die Unternehmung “Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung” etablierte Kurzform, im Volksmund auch “Schröder-Putin-Pipeline” genannt.
Von Wyborg bis Greifswald/Lubmin werden von Nord Stream AG zwei Leitungsstränge mit einer Länge von je 1.200 km durch die Ostsee verlegt. Von Greifswald/Lubmin wird eine Leitung – die OPAL – in Richtung Süd bis Olbernhau/Erzgebirge mit einer Gesamtlänge von 480 km durch WINGAS Transport und eine zweite Leitung – die NEL – in Richtung West mit einer Gesamtlänge von 370 km durch E.ON Ruhrgas zur Anbindung an das deutsche und europäische Netz errichtet.
Beteiligte Konzerne und Konsortien sind Nord Stream AG, GAZPROM-GERMANIA, Wintershall/BASF AG und E.ON Ruhrgas AG / E.ON AG. Für den Trassenbau der OPAL tritt die WINGAS als Antragsteller auf. Die WINGAS ist ein gemeinsames Unternehmen der Konzerne Wintershall/BASF AG und GAZPROM-GERMANIA.
Im Auftrag der WINGAS wiederum arbeiten für die Planung und den Bau der Trassen verschiedene Ingenieurs- und Planungsbüros, wie zB. die Fa. Pyöry Infra GmbH aus Hannover.
Derzeit läuft das Raumordnungsverfahren (ROV), in dem die Gemeinsame Landesplanungsbehörde für Berlin und Brandenburg über die Anträge des Antragstellers WINGAS bis ca. Jahresende 2007 zu entscheiden haben wird, wo die beantragten Trassen, Leitungen und Werksstandorte (Verdichterstationen, Absperrstationen) gebaut werden können.
2. zu So nicht:
Dies ist die von Bürgerinitiativen in Groß Köris gegründete Seite deutscher Bürgerinitiativen gegen einzelne unzumutbare Vorgangsweisen, Trassenverläufe, Werksstandorte der im Zuge des Unternehmens Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung (OPAL) laufenden Projekte tätiger Großunternehmen wie WINGAS und GASPROM-GERMANIA.
Gegründet wurde die Seite von den beiden gemeinsam auftretenden und wirkenden Groß Köriser Bürgerinitiativen “Für die GK1 – die ortsverträgliche Westumfahrung des Ortes Groß Köris auf bereits bestehenden Trassen” und “Keine Erdgasverdichterstation an den bislang geplanten Standorten in Groß Köris”. Im weiteren Verlauf der Verfahren sollen hier Informationen zur Arbeit dieser und ggf. weiterer, auch an anderen Streckenabschnitten gegründeten Bürgerinitiativen gesammelt und veröffentlicht werden.
3. zum Problem:
Beflissen wurde die Parole ausgegeben “2010 kommt das Gas in Greifswald an!”. Und seither muss alles sehr schnell gehen. Es klingt inzwischen wie eine Drohung. Mächtige wirtschaftliche und politische Interessen schieben einen Ausführungsapparat vor sich her, der keinen Widerspruch brauchen kann.
Seit dem 16.August 2007 läuft im Amt Schenkenländchen die öffentliche Auslegung im Raumordnungsverfahren (ROV) OPAL.
4. zur Verantwortung:
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15746 Groß KörisTel: +49 – (0) 33769 – 20 6 55e-mail: opalsonicht@freenet.de
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Demnächst erscheint ein von Stefanie Peter bei Suhrkamp herausgegebener Band “Alphabet der polnischen Wunder”, in diesem findet sich zum obigen Trassen-Verlaufsproblem folgender Text – unter dem Stichwort “Gasleitung”:
Die geplante Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland hat Polen nachhaltig verstimmt. Nicht zuletzt, weil die Modernisierung seiner Energieversorgung dadurch konzeptionslos wurde. Bis jetzt erfolgt sie zu 58% durch Steinkohle, 13% Braunkohle, 10% Erdgas, 7% Öl und zu 2% durch andere Energieträger (Wasserkraft z.B.). Der Ölmarkt wurde dereguliert und entstaatlicht, in anderen Bereichen hat man die Privatisierung jedoch erst mal gestoppt, es sind inzwischen sogar Wiederverstaatlichungen möglich.
Zunächst schlug Polen statt der 5 Milliarden Euro teuren Unterwasser-Gastrasse durch die Ostsee eine weitaus billigere “Amber-Pipeline” von Russland durch Lettland, Litauen und Polen nach Deutschland vor, die zudem das “politisch unsichere” Weissrussland umgehen würde. Als das abgelehnt wurde (aus russischer Sicht ist Polen politisch viel “unsicherer” als Weissrussland), kamen Pläne auf, sich am Bau eines baltischen Atomkraftwerks zu beteiligen sowie ein weiteres AKW in Westpommern zu bauen. Um norwegisches Flüssiggas zu beziehen, soll ferner eine neue Hafenanlage an der Ostsee errichtet werden – für 400 Mio Dollar. Gleichzeitig will sich das Monopolunternehmen “Polnische Öl und Gas Gesellschaft” (PGNiG) am Bau einer neuen Pipeline von Norwegen nach Schweden beteiligen, die dann bis nach Polen verlängert werden soll. Und zuletzt versprach Premierminister Kaczinsky, seine Einwilligung zur Stationierung von US-Atomraketen gegen “Schurkenstaaten” auf polnischen Boden davon abhängig zu machen, dass sein Land an die so genannte Baku-Tbilissi-Ceyhan-Gaspipeline zwischen dem Kaspischen Meer und der Türkei angeschlossen wird. Der Projektierung dieser Trasse wurde zwar bereits 2002 begonnen, sie wird aber wohl nicht gebaut werden.
Die Ostsee-Pipeline wird die dritte sein, mit der Russland Westeuropa beliefert. Die erste wurde 1982 mit Hilfe der sozialistischen “Bruderländer” von der Yamal-Halbinsel über den Ural durch die Ukraine bis in die Tschechoslowakei verlegt, wo sie sich verzweigte – in die DDR und in die BRD. Die zweite Pipeline wurde nach der Wende mit westlichen Krediten gebaut – sie führt ebenfalls von der Yamal-Halbinsel über den Ural, aber dann durch Weissrussland und Polen nach Deutschland, wo der russische Monopolkonzern Gazprom inzwischen mit der BASF eine Versorgungsfirma und zwei Handelshäuser gründete. Die Transitländer verlangen für die Durchleitung Gebühren. Russland hat Polen immer wieder vorgeworfen, dass sie zu hoch seien. Da Polen jedoch gleichzeitig sein Gas hauptsächlich aus Russland bezieht, gab das deutsche Wirtschaftsministerium im Zusammenhang der polnischen Proteste gegen den Bau der Ostsee-Pipeline zu bedenken: “Polen befürchtet, es könne ohne die Rolle eines Transitlandes erpressbar werden. Der russische Lieferant könnte so Westeuropa direkt beliefern und die durch Polen laufenden Pipelines schließen, bis etwa höhere Preise gezahlt würden.” Weil einige polnische Politiker den Vertrag zwischen Gazprom (51%), BASF und Eon (je 20%) sowie der holländischen Gasunie (9%) zum Bau der Ostsee-Pipeline unter dem Aufsichtsratsvorsitz von Gerhard Schröder als neuen “Hitler-Stalin-Pakt” bezeichneten, bemühte sich zuletzt auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel um wenigstens verbale Beschwichtigung der polnischen Befürchtungen. Dazu teilte sie der zum deutschen Springerkonzern gehörenden polnischen Zeitung “Fakt” mit: “Es geht bei diesem Projekt nicht nur um deutsche und russische Interessen; auch andere Länder in Europa – insbesondere auch Polen – sollen von der Ostsee-Pipeline profitieren können.”
Der Begriff “Hitler-Stalin-Pakt” mag polemisch überzogen sein, aber eines ist sicher, dass Polen nicht von der neuen Pipeline “profitieren” wird. Denn deswegen wird sie ja extra um das Land herum gebaut – und zwar mit weitem Abstand, so daß Polen nicht einmal gefragt werden muß. Matthias Warnig, der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Nord Stram, erklärte dazu: Ein Mitspracherecht haben beim Bau der Pipeline nur die Länder, deren Außenwirtschaftszone dabei tangiert wird. Das gilt für Finnland, Schweden und Dänemark. “Diese Länder können Auflagen machen, eine Genehmigungspflicht gibt es aber nicht.” Gar kein Mitspracherecht haben die Hauptkritiker der Pipeline: Polen, Litauen, Lettland und Estland. Ihre Außenwirtschaftszone wird nicht berührt. “Diese Staaten können aber Fragen stellen und sie werden informiert.” Die Bundeskanzlerin hat dabei erst einmal mit einer Desinformation angefangen.
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Ganz anders kämpfen nun die Mitarbeiter einer Nordhäuser Fahrrradfabrik…In einer Pressemitteilung heißt es:
Hamburg/Nordhausen, 19. September 2007 – 19 Uhr:
Belegschaft nimmt die Produktion in besetzter Fahrradfabrik
im thüringischen Nordhausen selbstverwaltet wieder auf
Die 135 Kolleginnen und Kollegen der Fahrradfabrik Bike Systems GmbH im
thüringischen Nordhausen, die das Werk seit dem 10. Juli 2007 besetzt
halten, haben beschlossen, die Produktion von Fahrrädern in
Selbstverwaltung wieder aufzunehmen. Dafür müssen bis zum 2. Oktober
verbindlich 1.800 Bestellungen für Fahrräder eingehen. Beim Vertrieb
arbeiten die Kollegen und Kolleginnen mit der anarchosyndikalistischen
Gewerkschaft FAU zusammen (Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union). Für
die Kampagne ist die Homepage http://www.strike-bike.de freigeschaltet.
Seit mehr als zwei Monaten hält die Belegschaft den südharzer Betrieb der
Bike Systems im 3-Schichtbetrieb besetzt. Sie wollen verhindern, dass der
Betrieb endgültig demontiert und verkauft wird. Die beantragte Insolvenz
vom 10. August hat kaum Aussicht auf Erfolg: Die Firma ist
ausgeschlachtet, heruntergewirtschaftet, die Halle ist bis auf die
Lackierstraße leergeräumt. Die Belegschaft erhält Abeitslosengeld und
hofft auf ein neues Konzept mit einem neuen Investor.
Das Strike-Bike – Solidaritäts-Fahrräder aus Nordhausen!
In der Zeit der Besetzung und durch Gespräche während der Besuche von
solidarischen Menschen entwickelten die Kolleginnen und Kollegen des
Werkes die Idee, erst einmal für kurze Zeit die Produktion in
Selbstverwaltung wieder aufzunehmen. Weil es eben nicht nur darum geht,
den Abtransport der letzten Maschinen zu verhindern und auf einen neuen
Investor zu warten, stieß die Idee ein eigenes »Strike-Bike« herzustellen,
auf immer größere Resonanz. Jetzt bietet sich die Chance, allen zu zeigen,
ein eigenes Konzepte zu entwickeln, die Produktion und den Vertrieb
alleine auf die Beine stellen zu können.
Solidarität und Hoffnung!
Wenn es tatsächlich klappen sollte, 1.800 Vorbestellungen für die in
Eigenregie produzierten Fahrräder zu sammeln, verbreiten wir solidarische
Ideen und machen den Kolleginnen und Kollegen in ähnlichen Situationen
Mut, sich nicht einfach „platt-sanieren“ zu lassen. Von wem auch immer!
Hilfe erhält die Belegschaft von der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft
Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union. Deren solidarische Mitglieder
werden bundesweit aktiv, um den Kampf der Fahrradwerker in Nordhausen
bekannt zu machen und den Verkauf des »Strike-Bike«s zu unterstützen.
Weitere Informationen erhalten Sie ab sofort unter der Homepage:
http://www.strike-bike.de
zum Hintergrund und Geschichte der Besetzung u.a.:
http://www.labournet.de/branchen/sonstige/fahrzeug/bikesystems.html
Kontakt zu den BesetzerInnen und Bestellungen direkt an:
Bike-Systems GmbH, Freiherr vom Stein -Straße 31, 99734 Nordhausen
Telefon: 03631 – 622131 * Fax: 03631 – 622146
fahrradwerk@gmx.de
Für Rückfragen zur Kampagne des Solidaritätskreises »Strike-Bike« der FAU:
Pressesprecher: Folkert Mohrhof – mobil 0179-4863252 bzw. Montag-Freitag
von 10-15 Uhr unter 040 – 20 90 68 96
Hintergrund-Story
Die bisherige Story – eine offensichtliche Lüge!
Die Geschichte der Ausschlachtung der Nordhausener Fahrradfabrik ist ein
Skandal: Der interessierten Öffentlichkeit wird die texanische
US-Investmentgesellschaft Lone Star (mit Büros in Frankfurt, Brüssel) als
Besitzerin vorgeführt, die dieses Werk genauso „platt-saniert“ habe, wie
auch das andere Biria-Stammwerk im sächsischen Neukirch (im November 2005
wurde die deutsche Biria AG von Lone Star geschluckt, Biria verkaufte
weniger Fahrräder als erwartet). Die Hintermänner der Zerschlagung der
Biria-Gruppe sind aber Lone Star und der Mitkonkurrent MIFA, die
Mitteldeutsche Fahrradwerke AG im sachsen-anhaltinischen Sangerhausen. Die
MIFA kaufte im Dezember 2006 die gatus 233. GmbH in Berlin, die zu dem
einzigen Zweck gegründet wurde, um die Vermögenswerte der Biria-Gruppe –
ihr gehörten die Werke in Neukirch und Nordhausen – zu erwerben. Die
Verschmelzung der Tochtergesellschaft gatus 233. GmbH mit der MIFA soll
demnächst rückwirkend zum 1.1.2007 erfolgen.
Was will die Lone Star?
Geht es um eine Marktbereinigung oder wird die Übernahme der MIFA bereits
organisiert, um sie nur noch als Mantelgesellschaft zu nutzen? Jedenfalls
erhielt die Lone Star als Dank für dieses abgekartete Spiel zwischen
ihnen, der MIFA und der bankrotten Biria-Gruppe ein 25%-Aktienpaket an der
börsennotierten MIFA … Sämtliche Aufträge wanderten so von Neukirch und
Nordhausen nach Sangerhausen. Die Biria-Gruppe muss aktuell 5,2 Millionen
Euro öffentliche Subventionen zurückzahlen, nicht aber die ehemalige
Besitzerin, Lone Star …
Wer hat all dies eingefädelt?
· Ist es der MIFA-Vorstand Peter Wicht – ehemaliger Kombinats-Direktor von
Robotron? Zusammen mit seinem Kompagnon Michael Lehmann gehört ihm auch
ein weiteres Aktienpaket an der Hyrican Informationssysteme AG (Ex-Lehmann
& Partner), Massenproduzent billiger Computer für Kaufhausketten; im
benachbarten Kindelbrück ist er Aufsichtsratsvorsitzender.
· Marcus Brüning wurde ab dem 16. April 2007 für seine treuen Dienste in
den MIFA-Vorstand berufen, nachdem er „von 2006 bis 2007 als
Geschäftsführer bei der Biria-Gruppe, Neukirch/Nordhausen“
(MIFA-Halbjahresbilanz 2007) erfolglos tätig gewesen ist. Seine
Kernkompetenzen „Interimsmanagement, Sanierungs- und
Restrukturierungsberatung“ erlernte er u.a. als Prokurist der Dresdner
Bank AG, München; heute ist er nebenbei Gesellschafter bei Günther &
Partner: „Kauf und Verkauf von Unternehmen, Finanzierung und
Restrukturierung“ in München.
· Zwei Aufsichtsratsmitglieder der MIFA sind übrigens gleichzeitig im
selben Gremium der Hyrican AG tätig: Uwe Lichtenhahn, Sparkassendirektor
i.R. aus Mannheim und Hans-Joachim Rust, Leiter Risikomanagement der
MLE-Bank GmbH – Tochter des japanischen Mitsubishi-Konzerns.
Was haben Lone Star und Wicht, Lehmann und Brüning vor?
Wir klagen öffentlich an, dass diese offensichtlichen Zusammenhänge
verschwiegen wurden, vielmehr wurde die global operierende multinationale
Lone Star auserkoren, damit das Geheul von den Arbeitsplatz fressenden
ausländischen „Heuschrecken“ ertönen konnte. Das profitgierige Konsortium
besteht aber neben der Lone Star auch aus einheimischen Kapitalisten wie
Peter Wicht, der Hyrican aus Kindelbrück, der auf einen Streich 355
Arbeitsplätze seiner Konkurrenz vernichtet hat, um seinen Profitrate zu
steigern. Will er nun zusammen mit der Lone Star seine beiden Firmen für
fertigproduzierte Computer und Fahrräder aus Korea (Samsung ist der
Hauptlieferant) sturmreif schießen? Diesem abgekarteten Spiel kann nur
durch internationale Solidarität begegnet werden, die FAU wird ihre
internationalen Schwester-Gewerkschaften in der IAA um Solidarität bitten,
um dem Arbeitsplatz fressenden Durchmarsch der Wicht-Lehmann-Gruppe und
der Lone Star auf dem europäischen Computer- und Fahrrad-Markt Widerstand
entgegen zu setzen.
Kontakt zur Belegschaft und zum Betriebsrat:
Bike-Systems GmbH
Freiherr vom Stein-Straße 31 – 99734 Nordhausen
Telefon: 03631 – 622 131 – Fax: 03631 – 622 146
fahrradwerk@gmx.de
Aus dem taz-intranet:
Liebe tazzler,
wie ihr sicher am wochenende auf dem genossenschaftstreffen mitbekommen
habt, soll demnächst neben der verleihung des taz-panther-preises auch
noch ein panzer-preis verliehen werden – an die sympathischste
guerillagruppe jeweils, und zwar im wittstocker bombodrom, die frage
ist: soll der preis aus einem alten t34 bestehen, aus einem deutschen
leopard oder aus dem brandneuen israelischen panzer (die sollen sehr gut
sein, wußte einer der aufsichtsräte).Hier seien die Gründe für die
Preisverleihung noch einmal wiederholt:
1. damit die wurzeln der taz nicht ganz vergessen werden (erinnert sei
in diesem zusammenhang an die jahrelange “waffen für el
salvador”-spendensammlung, das wurde ja auch schon an magenaus buch
kritisiert, dass es sozusagen aus der sicht der sieger jeweils
geschrieben wurde: d.h.Armin Meyer, Hauke Brenner und Imma Harms, um nur
einige ausgeschiedene radikalinskis zu nennen, hat er nicht interviewt,
um seine bürgerthese alternativlos zu gestalten)
2. um mit dem panzer-preis dem pantherpreis etwas entgegen zu setzen -
in hinsicht auf die ich-orientierung des letzteren: Es kommen dabei
stets bürger ins spiel, die ichstark genug sind, um über die sorge um
sich hinaus sich auch noch gedanken um andere zu machen, ihr engagement
ist damit auch eine art ich-anreicherung. Nun hat aber einem Diktum von
Claude Lévy-Strauss zufolge “das Ich weder Platz zwischen Uns und dem
Nichts”, d.h. es geht bei der Guerilla-Auspreisung um eine entschiedene
Wir-Honorierung. Wie ja überhaupt derzeit fast alle Leute im
praktikantenalter und darüberhinaus nach Gruppen suchen, wo sie
mitmachen können/wollen – und das sind keine “bürgerinitiativen”, die
eher was für Männer und Frauen mit Betonfrisuren und Balkonblumen sind,
sondern kampfstarke bandenähnliche gebilde. Selbst die arbeitsämter
müssen sich sagen lassen, dass ihre ausbildungen und förderungen von
ich-ags idiotisch sind, weil wir-ags viel sinnvoller sind, in denen man
kollektiv das risiko trägt.
3. soll mit dem preis ein zeichen gesetzt werden: “berlin wird hart”,
d.h. man muß sich ggf wehren können – und dabei spielt die
waffengleichheit eine gewisse rolle, wobei natürlich die guerilla ihre
mangelnde technik u.U. mit ortskenntnis und witz ausgleichen kann. Da es
aber nur noch eine Stadtguerilla geben kann (mangels wälder) gab es an
diesem punkt kritik am wir-konzept:
Die Besatzungsmacht besteht heute aus der Totalität der
Lebensverhaltnisse in den “elektronisierten und informatisierten
Riesenstädten”, meinte jemand, der im vereinzelten Konsumenten den
Partisan des Alltagslebens entdeckt hatte. Dieser muß nämlich – um zu
überleben – mit der herrschenden Kulturökonomie so ähnlich wie die
südamerikanischen Indianer mit dem Katholizismus umgehen, d.h. die
zahlreichen und unendlichen Metamorphosen des Gesetzes dieser Ökonomie
in die Ökonomie seiner eigenen Interessen und Regeln ‘umfrisieren’”.
Seine Mittel sind dabei “ortlose Taktiken, Finten, eigensinnige
Lesarten, Listen…” Bereits der Kriegstheoretiker Clausewitz verglich
die List mit dem Witz: “Wie der Witz eine Taschenspielerei mit Ideen und
Vorstellungen ist, so ist die List eine Taschenspielerei mit Handlungen”.
Einig war man sich jedoch am Ende darin, dass mit dem Panzer-Preis
natürlich auch ein gewisser Guerilla-Witz ausgezeichnet werden soll.
mit freundlichen grüssen
der aushilfshausmeister
P.S.: Eine satte Mehrheit unter den tazlern entschied sich nach persönlicher Rücksprache im taz-café für den sowjetischen T34, der schon ihre Eltern und teilweise sogar Großeltern zur Raison (zurück)gebracht hat.
Zu den o.e. “Strike-Bikes” merkt Heike Haarhoff an:
Strike-Bike-Bestellungen sind nach Auskunft des Betriebsrats bei
Vorkasse möglich bis zum 2. Oktober 2007. Es handelt sich um eine
symbolische Aktion der FabrikbesetzerInnen. Das Insolvenzverfahren und
die Besetzung laufen unterdessen weiter. Es wird nicht davon
ausgegangen, dass eine selbst verwaltete Produktion dauerhaft
wirtschaftlich trägt. Grüße
Zu dem o.e. Buch von Jörg Magenau über die “taz als Lebensform” gibt es folgende rezensionen:
http://www.tagesspiegel.de/medien-news/taz;art15532,2365817
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/?em_cnt=1212435
http://www.welt.de/wams_print/article1187543/Lust_als_Prinzip.html
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/feuilleton/687210.html
http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~E45D4662334EE48F3988E7D3BA488F674~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://www.sueddeutsche.de/,ra4l1/kultur/artikel/652/131419/
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/663244/
http://www.j-zeit.de/archiv/artikel.478.html
http://www.berlinerliteraturkritik.de/index.cfm?id=10&mat=15359
http://www.bundespolizeigewerkschaft.de/service/buchbesprechungen/taz.htm