Archive for August, 2008

20.08.2008 von Helmut Höge
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Die schleichende Trennung von Hand- und Kopfarbeit

von Helmut Höge

Heute bekam ich als Aushilfshausmeister einen Autorenauftrag: Ich soll von der 2. Berliner Hausmeisterkonferenz berichten, die am 16.September stattfindet. Ihr Motto lautet: “Zwischen Umwelt und Umfeld – Der Hausmeister als Schnittstelle.”

Das erzählte ich vorhin Ralph von der Telefonzentrale, er war früher Rinderpfleger auf Schiffen, die von Marseille nach Ägypten fuhren. Ralph meinte, mit den Schnittstellen sei das so eine Sache. Als Beispiel erwähnte er die zwei Kaffeemaschinen neben dem Konferenzsaal, für die er zuständig ist. Das war mal ganz anders geregelt, nämlich so, dass jeder taz-mitarbeiter Kaffee gekocht hat, wenn die vier Kannen fast leer waren. Ralph konnte sich noch daran erinnern. Als er das erst Mal in der taz war und sich einen Kaffee einschenken wollte, sagte die Leserbriefredakteurin laut zu den um die Kaffeemaschinen stehenden: “Könnt ihr nicht mal Kaffee machen?!” Ralph fand das völlig in Ordnung. Aber dann wurde er in der Telefonzentrale der Abo-Abteilung zugeordnet… weiter lesen

20.08.2008 von Helmut Höge
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Landarbeiter/Erntehelfer – gestern, heute, morgen

von Helmut Höge

Ich beschränke mich auf einige Landarbeiter-Erfahrungen in der Eifel:

In der DDR gab es dieses Genre “Landarbeiter-Prosa” noch, quasi eine Unterabteilung der “Dorf-Literatur”, wie sie aus Russland über Ostelbien gekommen war nach 45. Einer der bekanntesten DDR-Dorfliteraten war Erwin Strittmatter. Der gelernte Bäcker hatte als Landarbeiter, Tierpfleger, Fabrikarbeiter, Gärtner und Soldat gearbeitet, bevor er Schriftsteller wurde. In der BRD war die Landarbeiter-Prosa eher selten. Aber auch der Landarbeiter selbst starb nach dem Krieg langsam aus. Es gab hier mal eine Landarbeiter-Gewerkschaft. Sie ging vor einigen Jahren in der Industriegewerkschaft BAU – Bauen Agrar Umwelt – auf. Als nach der Wende das Heer der Landarbeiter wieder anstieg, es geht inzwischen schon fast in die Millionen, gab die IB BAU neben ihrem altehrwürdigen Mitgliederjournal “Säemann” auch noch – online – ein Infoblatt namens “L@andworker” heraus. Einer der ersten Leitartikel dort beschäftigte sich mit dem Wandel der “Erntehilfe” in der BRD:

“Die landwirtschaftliche… weiter lesen

20.08.2008 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (277)

von Helmut Höge

Dies ist die Einfahrt zur Electrodomesticos-Fabrik “Fagor Garagarza” der baskischen Produktivgenossenschaft Mondragon. Der Hausmeister (im Pförtnerhaus) hat drei rote Pilonen: einer ist ganz rot, der zweite hat einen schmalen weißen Streifen und der dritte einen großen weißen Streifen. Jeden Mittag stellt er sie auf dem gelb umrandeten Feld auf – in einer bestimmten Anordnung: Je nachdem, welche Vorgesetzten sich gerade im Verwaltungsgebäude aufhalten. Näheres über dieses betriebsinterne Informationssystem haben wir leider nicht in Erfahrung bringen können. Ja, es muß noch viel getan werden, um alle baskischen Rätsel zu lösen. Die meisten deutschen Autoren sprechen in diesem Zusammenhang übrigens von einem “baskischen Labyrinth”, aber das hilft auch nicht weiter.

20.08.2008 von Helmut Höge
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Genossenschaften/Symbiosen (16)

von Helmut Höge

2009 wird das “Darwinjahr” abgefeiert. Sein Gedankengebäude – in Form des Neodarwinismus – hat sich inzwischen zu einer Leitwissenschaft ausgewachsen. Charles Darwin hat die Natur isoliert, d.h. die Art individualisiert. Seine Aussagen darüber hatten jedoch stets statistischen Charakter. Dergestalt fundierte er bereits Mitte des 19. Jahrhunderts Margret Thatchers neoliberales Bekenntnis: “Ich kenne keine Gesellschaft, nur Individuen”.

Bei Darwins “struggle for life” geht es um den Kampf der Individuen innerhalb einer Art. Zufällige Mutationen, die dabei vorteilhaft sind, bleiben erhalten – und setzen sich qua Vererbung innerhalb der ganzen Art durch. Der lange Hals der Giraffen z.B., mit denen sie Futter an Bäumen erreichen, wo ihre Nahrungskonkurrenten nicht hingelangen. Dagegen setzte Jean-Baptiste de Lamarck: Diese Verbesserung der Lebenschancen kam nicht gleichsam aus dem Inneren der Giraffen, sondern war eine Reaktion vieler Giraffen auf Einwirkungen der Umwelt (ihres “Mediums”). Es wurden Erfahrungen gemacht, “Eigenschaften erworben” und diese vererbt. In Falle der Giraffen… weiter lesen

15.08.2008 von Helmut Höge
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Genossenschaften/Agro-Kooperativen (15)

von Helmut Höge

Das Schaf als Basis der Kommune

“So lange es Pferche für Schafe gibt, wird es auch welche für Menschen geben!” (Claude Lévy-Strauss)

Noch bis in die Fünfzigerjahre waren fast 80% der Bevölkerung Europas Bauern. Heute sind sie nur noch eine Randgruppe. Für Eric Hobsbawm ist diese Entwicklung das “wichtigste Phänomen im 20. Jahrhundert”. Seit diesem großen Umschwung hat man versucht, den sich entvölkernden ländlichen Raum auf dreierlei Weise zu “revitalisieren”: 1. durch Industrialisierung und Subventionierung der großen Landwirtschaftsbetriebe, 2. durch Attraktivierung der Landschaften zur Naherholung und für den Tourismus und 3. durch Umwandlung der Ländereien in Bauland, militärisches Übungsgelände, Golfplätze, Gewerbeparks etc. sowie zur Nutzung für nachwachsende Rohstoffe bzw. regenerative Energien. Dazwischen taten sich jedoch auch immer wieder Nischen auf, in denen sich neue Kleinlandwirtschaften, Selbstvermarktungsinitiativen, Agrarkollektive, Handwerksbetriebe und Utopisten aller Art ansiedeln konnten, wobei sie teilweise ihre Nähe zu den Städten ausnutzen. Infolge der elektronischen Vernetzung in den… weiter lesen

15.08.2008 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (276)

von Helmut Höge


Der Fotograf Peter Grosse meint zu diesem Bild: Das ist kein Poller. Für mich klingt das so ähnlich wie René Magrittes Betitelung seines Bildes von einer Tabakpfeife: “Dies ist keine Pfeife”. Denn der Husumer Hausmeister (Platzwart) hat sich doch – wie auf Grosses Foto ersichtlich – alle Mühe gegeben, um die Zufahrt zu diesem Teil des Zeltplatzes, der übrigens alle nasenlang unter Wasser steht, abzupollern. Nur eben, dass er nicht wie Magritte des Guten zu wenig, sondern zu viel getan hat: Seine Installation geht weit über Poller hinaus. Das mußte aber in diesem Fall auch so sein, denn es ging hier nicht darum, Autos von bestimmten Plätzen bzw. Äcken fernzuhalten, sondern Fußgänger und Radfahrer vom Campen. Und das zu ihrem eigenen Besten, deswegen darf man sich natürlich hierbei doch fragen, ob es nicht ein einfacher Hausmeisterpoller mit Schild auch getan hätte.

13.08.2008 von Helmut Höge
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Genossenschaften/Mondragon/Goienkaria (14)

von Helmut Höge

Statt ein Interview mit Mikel Lezamiz, Mondragon Corporacion Cooperativa (MCC), Direktor für Diffusion, am 16.Juni 2008, zu führen, bekamen wir einen Power-Point-Vortrag von ihm zu hören. Anschließend Betriebsbesichtigung: die Kühlschrank-, Geschirrspüler-, Waschmaschinen- und Herde-Fertigung von Fagor, danach Phototermin im Schauraum der Fagor-Verwaltung auf der anderen Seite des Flüsschens Oria.

Die Kleinstadt Mondragon in der Provinz Guipuzcoa (San Sebastian), heißt eigentlich Arrasate, aber 1260 wurde dem Ort von König Alfons X. von Kastilien der Name Mondragón verliehen. Die vier baskischen Provinzen Vizcaya (mit Bilbao als Zentrum), Guipuzcoa (San Sebastian), Navarra (Pamplona) und Alava (Vitoria) wurden Jahrhunderte lang von der spanischen Krone regiert, “aber erst im 19.Jhd. vollständig in die Staatsstruktur integriert”, wie Chris Harman in seinem Buch über die 68er-”Revolten” u.a. in Spanien schreibt, wo “die Streiks in der ersten Hälfte der 1970er Jahre zunehmend politischer wurden, vor allem im Baskenland”. Im 20. Jahrhundert war dort die Bevölkerungszahl infolge der Industrialisierung… weiter lesen

12.08.2008 von Helmut Höge
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Hausmeisterkunst (275)

von Helmut Höge


Der Finder dieses Fotos, Peter Grosse, schreibt dazu: “Diese Poller gingen nie in Serie,der Hersteller starb verarmt.” Bei dem Hersteller handelt es sich um den rumänischen Künstler Constantin Brancusi, in den Fünfzigerjahren wurde er mit seiner Plastik “Endloser Poller” bekannt, ein Photo davon findet man im Wikipedia-Eintrag über Brancusi.

12.08.2008 von Helmut Höge
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Streng nach Plan

von Helmut Höge

“Die unternehmerische Freiheit ist ein bloßer Irrtum, der auf Informationsmangel beruht!” (Helmut Gröttrup, UDSSR-Raketenbauer und Siemens-Chefinformatiker)

Mich hat es immer gewundert, dass die Bolschewiki dahin tendierten, die Klassenherkunft derart materialistisch abzuleiten, dass sie sie biologisierten. Wenn etwa die Kinder eines Ausbeuters oder Kulaken als eben solche begriffen wurden. Langsam verstehe ich, dass sich dahinter ein anderes (juristisches) Denken verbirgt. Und dunkel erinnere ich mich an die Konzeption eines Bolschewiki für eine neue proletarische Justiz, die 1970 als Raubdruck zirkulierte.

Das Individuum wird darin sozusagen radikal negiert. Es ist völlig vergesellschaftet – allerdings nicht mehr im Sinne einer “Charaktermaske”, sondern als direkter Repräsentant seiner Klasse, seiner Herkunft und Nationalität (n-1). Das berührt sich mit der “Rasse”, diese wird jedoch sogleich durch Rekurs auf die Zahl außer betracht gesetzt, gleichsam überwölbt von “Gleichheit” und “Planerfüllung”. Darin steckt auch ein schöner Gedanke: Dass jeder jeder sein kann. Mit der Betonung auf “könnte”.… weiter lesen

11.08.2008 von Helmut Höge
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Genossenschaften/Leidenschaften (13)

von Helmut Höge

Progressive Serien

Das Birnen-Beispiel

Das Wirtschaftsmagazin “brand eins” hat in seinem Augustheft das Thema “Liebe” aufgegriffen – unter dem Motto “Wirtschaft braucht Leidenschaft”. Sehr löblich, auch dass der erste Text im Heft sich gleich mit “Genossenschaften – Vom Ich zum Wir” – beschäftigt: “Genossenschaften beseitigen Probleme des Kapitalismus mit kapitalistischen Methoden. Und erzeugen dabei Wärme,” heißt es dazu. Im Einzelnen geht es dann in dem Text 1. um das vergenossenschaftliche Schwimmbad von Nörten-Hardenberg (zur Erinnerung: auch in Berlin wollte eine Bürgerinitiative das Oderberger Bad vergenossenschaftlichen, aber dann starb ihr Aktivist Bernd Holtfreter und nun hat der schreckliche Projektemacher Architekt Müller das Bad für 100.000 Euro gekauft); 2. um die LPG in Cobbelsdorf, die sich nach der Wende zu einer Genossenschaft nach Westrecht umwandelte; 3. um Deutschlands größte Energiegenossenschaft Greenpeace Energy; und 4. um die Eichenschule in Scheeßel, die sich von einem überregionalen aber pädagogisch uninteressanten, um nicht zu sagen dummen… weiter lesen