13.10.2008 von Helmut Höge
“In neoliberalen Managementkonzepten steht Autonomie für eine möglichst effektive Arbeitsorganisation, in der flache Hierarchien, Teamwork und Selbstkontrolle die Überwachung durch die Vorgesetzten abgelöst haben.”
Das könnte auch das Konzept der taz-Geschäftsführung sein, die sich einst aus der Autonomen- und Alternativbewegung herauspersonalisierte. Der Autor des Zitats, Arndt Neumann, will auch tatsächlich in seinem soeben veröffentlichten Nautilus-Buch “Kleine geile Firmen” darauf hinaus, dass sich der Neoliberalismus in Westdeutschland aus der 68er- und Alternativ-Bewegung erklären läßt. “Gleichzeitig warfen Hippies in den USA ihre Uhren weg, um ihrem Bruch mit der kapitalistischen Zeit Ausdruck zu verleihen,” schreibt er und erinnert dabei an einige Graffitis gegen das Wertgesetz aus dem Pariser Mai 68.
In der Folgezeit entstand eine ganze “Bandbreite alternativer Projekte”. Genannt werden “Teestuben, Kneipen, Naturkostläden, Theatergruppen und Kinos, sowie Autowerkstätten, Schreinerbetriebe, Entrümpelungskollektive, freie Schulen, Jugendzentren und Beratungsstellen bis hin zu Druckereien, Buchläden und alternativen Medien”. Gemeinsam war ihnen, dass sie mit ihrer selbstbestimmten… weiter lesen
10.10.2008 von Helmut Höge
Auf der 14. internationalen Genossenschaftswissenschaftlichen Tagung in Köln referierte der griechische Experte für Agrarkooperativen Constantine Iliopoulos über das “Risiko”. Dazu hatte er nahezu systematisch den Norden der USA abgeklappert und dort Agrarkooperativen interviewt. Sein Fazit lautete in etwa so:
Während früher die Bauern, Handwerker und Kleinstunternehmer sich zu Genossenschaften zusammenschlossen, um durch gemeinsames Handeln ihre Risiken zu minimieren, ist es bei den “neuen Genossenschaften” eher umgekehrt: Es sind Zusammenschlüsse, um ein neues Risiko einzugehen. Man versucht beispielsweise andere Anbaumethoden oder Züchtungen auszuprobieren, oder investiert in Verarbeitungstechnik oder wagt sich auf neue Märkte bzw. baut sich eigene Vermarktungsorganisationen auf.
Genossenschaften existieren oft lange informell, bevor sie juristisch als eine solche fixiert werden. Erwähnt seien hierzu die autonomen Kollektivkneipen in Ostberlin, die erst einmal schwarz loslegen – und von der Steuerfahndung auch erst einmal in Ruhe gelassen werden, damit sie Zeit haben, sich zu “stabilisieren”, bevor der Staat anfängt, sie abzuschöpfen. Ähnlich… weiter lesen
10.10.2008 von Helmut Höge

Diesen fetten Poller, nahezu ohne Funktion, mauerte der Hilfskellner und Hausmeister des Restaurants “U Napoleona” in Naklerov im Ost-Erzgebirge. Photo: Alena Stolpe
09.10.2008 von Helmut Höge
Auf der 14. Internationalen Genossenschaftswissenschaftlichen Tagung in Köln standen die betriebswirtschaftlichen Genossenschaftsprobleme, die sich von Problemen anderer Unternehmen meist nicht groß unterscheiden, im Vordergrund. Sie wurden mit Hilfe der Spieltheorie und Modell-Analysen angegangen.
Um Probleme von Konsumgenossenschaften ging es nur am Rande. Dabei hielt Mathias Fielder vom Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften in Hamburg in diesem Workshop einen der anregendsten Vorträge. Er sprach über Dorfläden, die gerade eine Wiederbelebung erfahren – auf genossenschaftlicher Basis diesmal. In gewisser Weise gehört auch das Neuköllner “Le Grand Magasin” dazu – und deswegen fragte man uns auch, warum wir noch nicht Mitglied im ZdK seien, zumal auch die taz dort Mitglied sei.
Ich möchte hier deswegen noch einmal in mehreren Anläufen auf den Dorf-”Laden” von Erwin Strittmatter zu sprechen kommen – als Beispiel für eine Verkaufsstelle auf dem Dorf. Die Geschichte beginnt jedoch mit einem Räsonnement nicht über das Ende der Dorfläden, sondern über das Elende… weiter lesen
01.10.2008 von Helmut Höge
Ausgerechnet die immer schlimmer werdende “Die Zeit” belehrt uns darüber, wie schlimm es ist, dass fast alle vergessen haben, dass und wie schlimm die “Diktatur” in der DDR war und dass es sich dabei heute um ein “Land ohne Gedächtnis” handelt. Ein ganzes “Dossier” voll war den neoliberalen Herausgebern diese Belehrung wert. Fürwahr ein deutscher Einheiz-Tag.
Hier ein etwas kürzerer JW-Text über “Die Ossis” – basierend auf den Ergebnissen der letzten Umfrage auf dem Territorium der nun endlich diktaturfreien DDR:
»Egal, welche politischen Formen angeboten werden«, meinen zwei Drittel (65 Prozent) der befragten Ostdeutschen: »Letztlich bestimmt die Wirtschaft, was politisch getan wird.« Weitere 28 Prozent sind der Meinung, kapitalistische Interessengruppen hätten zumindest »teilweise« das letzte Wort. Dies ist nur eines von vielen bemerkenswerten Beispielen des politischen Alltagsverstands in den »neuen Bundesländern«, die man in der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie »Leben in den neuen Bundesländern 2008« finden kann.… weiter lesen