“I love desaster and I love what comes after,” singt Tom Verlaine – leise im Hintergrund. Wir sitzen wie jeden Sonntag im Kreuzberger Kettenrauchercafé “Jenseits” am Heinrichplatz – und sind guter Dinge. Es ist der 23. November 2008 – und die weltweite Finanzkrise frißt sich immer tiefer in die “Realwirtschaft”. Konkurse und Massenentlassungen werden in den Medien schon nicht mehr erwähnt, wenn es unter 1000 Beschäftigte betrifft. In unserem Stadtteil ist bald jeder zweite “überschuldet”.Aber mit jeder “Hiobsbotschaft” bessert sich unsere Laune – steigt unsere Lebensfreude. Man möchte den hektisch herumwirbelnden Wirtschafts- und Weltlenkern wie weiland der Marquis de Sade den Franzosen glatt zurufen: Noch eine Anstrengung, Motherfuckers! – Und wir sind das Wertgesetz endgültig los, d.h. die ganze verdammte Warenproduktion. Und damit auch den Idiotismus, den wir bis jetzt (abstrakte) “Arbeit” nennen – im Unterschied u.a. zur “Freizeit”. Dann auch den ganzen “Darwinismus”: der nur eine verblödende Projektion des… weiter lesen
Archive for Dezember, 2008
Was sich der taz-hausmeister bei diesem schwarzen Metallpoller gedacht hat, ist mir ein Rätsel. Er wurde im vierten Stock aufgestellt, die weiße Tür dahinter führt ins sogenannte Büro, d.h. dorthin, wo das Gehalt bzw. das Honorar und die Spesen ausbezahlt werden, wo aber auch die Geschäftsführer sitzen. Die Glastür links führt in das Büro der Assistentin der Chefredakteurin. Der schwarze Poller steht mithin im Winkel der Führungskader. Vielleicht ist er ein Wink – die Zeiten und mithin die jungen Mitarbeiter werden ja immer autoritärer und angestrengter. Ich weiß es aber nicht, der Hausmeister geht in Urlaub und ich vertrete ihn mal wieder. Isabel aus der Photoredaktion, die mir dieses Bild, das ich geknipst hatte, hochschickte, fand es glaube ich ziemlich schlecht und Poller sowieso langweilig. Ich find sie dagegen weitaus interessanter als die ganzen Politikerfressen, die die taz täglich wegdruckt, muß allerdings zugeben, dass ich schon bessere Pollerphotos als… weiter lesen
Der praktische Solipsismus im Rausch der Geschwindigkeit und im Licht der Erkenntnis – Alfred Sohn-Rethels
Als Student in Heidelberg (1920/21) beschäftigte sich Alfred Sohn- Rethel “solide eineinhalb Jahre” mit der Marxschen Warenanalyse, “um sie auf Herz und Nieren zu prüfen”. Dann versuchte er eine “kritische Abweichung” zu formulieren.
Und damit ist er heute immer noch beschäftigt. Marx, so sagt er, habe sein eigenes Präzept der 1. Feuerbachthese nicht befolgt (“Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus ist, dass der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit nur unter der Form des Objekts und der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als menschliche sinnliche Tätigkeit, Praxis, nicht subjektiv…”) Statt also nur auf die Eigenschaften Gebrauchswert und Tauschwert zu achten, müsse man auf die Tätigkeiten Gebrauchen und Tauschen zurückgreifen, dann werde einem vieles klar, was Marx verhültt geblieben sei, sagt Sohn-Rethel: “Ohne Befolgung der Feuerbachthese hätte ich nicht von der Warenanalyse zur materialistischen Erkenntnistheorie vorstoßen können”.
Als ich… weiter lesen
Liebe Tazler,
in Anbetracht der sich mehrenden Kinderkriegpausen und Erziehungsurlaube
gebe ich einen kleinen Text dazu (zu bedenken), den der
Wissenschaftsredakteur, der nach eigener Einschätzung ein geharnischter
“Darwinist” ist und nicht einmal eine Rezension eines Symbiose-Buches
wegdrucken wollte, ganz bestimmt nicht akzeptiert hätte. Weswegen ich
ihn hier sozusagen kostenlos ins Intranet stelle:
Die ZDF-Sendung “Aspekte” und die Bild-Zeitung
vermelden immer wieder gerne kommunistische Schandtaten. Zur Not auch
welche aus der Frühzeit der Bewegung. So berichteten sie z.B., dass
Stalin “Untermenschen” bzw. “Arbeitssklaven” züchten wollte. Wie das?
1927 hatten der spätere “Held der Sowjetunion” Otto Julewitsch Schmidt
und sein Institutsleiter Ilja Iwanowitsch Iwanow auf der
Affenforschungsstation in Suchumi/Abchasien versucht,, Menschen mit
Affen zu kreuzen. Damit wollten sie anti-kreationistisch gestimmt die
nahe Verwandtschaft von Menschenaffen und Menschen beweisen. Der Versuch
mißlang: Zwar gab es etliche experimentierfreudige Frauen, aber… weiter lesen
