11.02.2009 von Helmut Höge

Erfurt hat aus irgendeinem tieferen Grund besonders eifrige, um nicht zu sagen aufdringliche Hausmeister. Der Hausmeister, der diesen mobilen Einkaufsstraßen-Poller auf Bitten der Einzelhandelsfirma Goldhelm kreierte, hat sich besonders viel Mühe gegeben. Nicht einmal die Schlitze zum leichteren Wegtragen hat er dabei vergessen. Photo: Peter Grosse
Aber an sich kann einen die Verpollerung der Welt schon wütend machen! Das gilt besonders für die, die aktiv darunter leiden, wie Marlies, eine Freundin von mir, die neulich nachts gegen einen Poller lief oder Dietrich, der mit seinem Fahrrad in der Wienerstraße in Kreuzberg an einem Poller hängenblieb und stürzte. Oder auch der Kapitän zur See, Wieland Frege (36), der einen Opel Vetrac fährt und mit diesem beim Rückwärtsfahren in Hamburg voll gegen einen Hutpoller aus Beton knallte. Das hat ihn richtiggehend traumatisiert. Sein Auto war noch fast neu! Als er neulich nun mit dem Stückgutfrachter “MS Riederstein” in den Hafen von… weiter lesen
11.02.2009 von Helmut Höge
Der Wirt des Café Jenseits am Heinrichplatz gab mir gestern ein Bürgergegehren gegen das Rauchverbot zum Unterschreiben. Das tat ich – und machte mich dann auf in die Mohrenstraße in Mitte, wo im Institut für Europäische Ethnologie der HUB die Ausstellung eines Studienprojekts eröffnet wurde, die “The Last Cigarette” hieß. Den Einführungstext, der sich auch auf dem Plakat findet, hatte Rolf Lindner geschrieben. Es gab Sekt und Salzgebäck. Die Ausstellung bestand aus Photos von zigaretterauchenden Menschen sowie aus ausgewählten Zitaten das Rauchen von Zigaretten betreffend. Mit einigen Ausstellungsmachern führten wir, d.h. die taz-Archivarin und Ethnologin Eva Berger und ich, lange Gespräche über das Kulturgut Kippe.
Als das Rauchverbot begann schrieb ich eine Kolumne über zwei Jugendliche mit Migrationshintergrund, denen ein pensionierter deutscher Studienrat in einem Münchner U-Bahnhof das Rauchen untersagte, woraufhin die ihn verprügelt hatten. In meinem Text versuchte ich ihre Tat zu verteidigen. So viele wütende Leserbriefe habe ich… weiter lesen
06.02.2009 von Helmut Höge

Dies ist das Cover des Katalogs des größten deutschen Poller-Herstellers Wellmann. Neben Tiefbauämtern sind es vor allem die Hausmeister, die diesen Katalog bei dem Frankfurter Unternehmer, der seine Poller in Ungarn herstellen läßt, bestellen. Die im Bild gezeigten drei Poller sind die selben, die auch überall in Kreuzberg eingepflanzt wurden – vom Tiefbauamt. Dort allerdings in der teureren, weil ankerverstärkten Variante. Im Bezirksausschuß nennt man sie laut Walter Momper “Kreuzberger Penisse”. Während der 1.Mai-Randalen werden sie jedesmal zu Dutzenden ausgerissen, um an die begehrten “Kreuzberger Argumente” (handliche Pflastersteine) ranzukommen. Irgendwo befindet sich hier im blog auch ein Photo davon. Die blog-suchfunktion ist längst nicht so gut wie die von google – und damit habe ich gerade rausbekommen, dass das Photo am 28.9.2006 in den entsprechenden blog eingestellt wurde, wie man das Abdrucken glaube ich in der blogosphäre nennt. Das Cover des Wellmann-Katalogs schickte mir Philip Goll aus Siegen, der… weiter lesen
06.02.2009 von Helmut Höge
1.
Im taz-Konferenzsaal haben die Topfpflanzen die Winterruhe offiziell beendet und vorsichtig angefangen, neue Blätter hervorsprießen zu lassen. Der Rhododendron ist erneut vorneweg: mit schon dem dritten Blatt. Insgesamt handelt es sich um sieben Pflanzen – in der Obhut des Aushilfshausmeisters: den e.e. Rhododendron, zwei Birkenfeigen (Ficus benjamini), ein Drachenbaum (Dracaena draco), zwei Yucca-Palmen und ein Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima). Letzteren hielt ich lange für Russischen Wein – bis ich wegen ihrer Artbestimmung eine Wette einging: mit Tine aus der Geno-Abteilung, und zwar um ein Tortenstück. Ich verlor, sie hat mal Biologie studiert. Dafür tröstete ich mich mit Darwin: Er hat mit dem Begriff der “natürlichen Auslese” aus dem Sein (der Arten) ein permanentes Werden gemacht. Und das kommt meiner Namensmerkschwäche entgegen. “Der Ausdruck Art wird dadurch (nämlich) zu einer nutzlosen Abstraktion,” schreibt Philip Sarazin in seinem neuen Buch “Darwin und Foucault”. Über das ich an anderer Stelle ausführlich berichten… weiter lesen