08.04.2009 von Helmut Höge

Für den französischen Wissenssoziologen Bruno Latour sind die “Speed-Breaker” und “Poller” – wie im blog-eintrag vom 18.3.09 bereits erwähnt – gelungene Beispiele zur Illustrierung seiner “Akteur-Netzwerk-Theorie”, mit der er die alte (moderne) Wissens-Dichotomie von Subjekt und Objekt, Natur und Gesellschaft, überwinden will.
Latour möchte in gewisser Weise noch einmal wieder von vorne anfangen – beim “wilden Denken” der sogenannten Primitiven, dazu hier ein Zitat von Claude Lévi-Strauss:
“Ein exotischer Beobachter würde fraglos meinen, der Autoverkehr im Zentrum einer großen Stadt oder auf einer Autobahn überschreite die menschlichen Fähigkeiten; und er überschreitet sie tatsächlich, insofern er nicht Menschen und Naturgesetze einander genau gegenüberstellt, sondern Systeme von Naturkräften, die durch die Absicht der Fahrer humanisiert sind, und Menschen, die durch die physikalische Energie, zu deren Mittler sie sich machen, in Naturkräfte verwandelt sind. Es handelt sich nicht mehr um die Wirkung eines Agens auf einen leblosen Gegenstand noch um die Rückwirkung… weiter lesen
04.04.2009 von Helmut Höge
Zu Deutsch: Facility Management Science. Doch doch das gibt es!
Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, eine Ost-West-Zwangsfusion, die erst in Karlshorst und nun in Oberschweineöde – in den leeren Fabrikgebäuden des Kabelwerks Oberspree (KWO) – angesiedelt wurde, diese FHTW bietet als erste deutsche Hochschule einen Studiengang “Facility Management” an, FM von den Professoren liebevoll genannt, wie mir neulich ein junger Araber, der das studiert, in der U6 in Richtung Neukölln verriet.
Natürlich gab es auch schon früher solche Studienangebote, an den reformfreudigen Universitäten Bremen und Oldenburg beispielsweise. Ich habe selber dort mehrere FM-Seminare besucht und an der Uni Oldenburg dann ein Jahr als Tutor für den FM-Bereich gearbeitet, als solcher war man damals noch im Gründungsausschuß der Uni angesiedelt, denn sie war erst im Aufbau und “meine” Studenten, das waren alles Oldenburger Hausfrauen mit Kindern, die aus dem Haus waren, wie man so sagt, und deren Mütter nun über… weiter lesen
02.04.2009 von Helmut Höge

Hier haben wir schon fast eine Synthese aus Kunst und Poller bzw. Pilon vor uns. Wenn man genau hinkuckt sieht man, dass das an sich schon mobile “Ding” (B.Latour) auf ein Brett mit Rädern gestellt wurde, damit es noch mobiler ist? “Diese Amis habns einfach drauf,” meint der amiphile blogwart.

Der Meinung scheint auch der Photograph Peter Grosse zu sein, der zu diesem Photo anmerkt: “Eine Poller-Plantage in North-Caroline – Dort sind sie schon weiter.”

Aber auch in Österreich: Hier, schreibt Peter Grosse, sehen wir eine niederösterreichische Poller- und Pilonenschule.

Und dort trägt diese Ausbildung auch bereits Früchte: Die Leute pollern sich selbst ab, wie Peter Grosse zu diesem Bild anmerkt.
01.04.2009 von Helmut Höge
1. Aktuell:
Die Pflicht zur Widernatürlichkeit
In der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften hielt vorgestern der Leiter des Harvard-”Center for European Studies” David Blackbourn die “Besondere Vorlesung” – über “Landschaft und Umwelt in der deutschen Geschichte”. Organisiert wurde die Veranstaltung von der interdisziplinären Arbeitsgruppe der Akademie “Globaler Wandel – Regionale Entwicklung” und ihrer acatech-Arbeitsgruppe “Georessource Wasser” – im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2009 “Forschungsexpedition Deutschland”. Sie hatten Blackbourn als Autor eines Buches über deutsche Umweltgeschichte – “Die Eroberung der Natur” – eingeladen, das hierzulande auf großes Interesse gestoßen war. So beschäftigte die taz sich gleich mehrmals mit dem Buch und in ihrer Beilage “Le Monde Diplomatique” veröffentlichte Neal Ascherson einen zweiseitigen Text dazu: “Herren der Landschaft” betitelt. Er gipfelte – ganz im Sinne von Blackbourn – in einer Kritik des deutschen “grüne Denkens”, das eine “totale Verantwortung des Menschen” für seine Umwelt reklamiere: Ein Anthropozentrismus, der “die realitätsferne Vorstellung eines ‘Gleichgewichts der… weiter lesen