Archive for Juni, 2009

26.06.2009 von Helmut Höge
blogavatar

Aus unserem Brigadetagebuch (16)

von Helmut Höge

Die Jungrinder warten darauf, gefüttert zu werden – und werden langsam unruhig.

In der kleinen Schweinemastanlage nebenan ist man schon bei der Arbeit. Dort muß noch alles per Hand erledigt werden.

Auch Vogel und Aushilfsrinderpfleger Kapielski haben bereits mit dem Ausmisten angefangen. Letzterer erzählt gerade von seinem Dialog mit einem der Jungrinder im alten Gutshofstall. In einem seiner Bücher hat er diese Geschichte später noch etwas ausgebaut.

Beim Ausmeisten und Neueinstreuen des Chrustschowschen Offenstalls sind einige Rinder beim Umtreiben ausgerissen.

26.06.2009 von Helmut Höge
blogavatar

Aus unserem Brigadetagebuch (15)

von Helmut Höge

Wegen diverser auch privater Aktivitäten (Weihnachtseinkäufe in Steglitz z.B.) wurden wir immer mal wieder gebeten, noch weitere Hilfskräfte anzuheuern: Hier links im Bild
ist es die inzwischen verstorbene taz-Medienredakteurin Ulrike Kowalski, die einige Tage auf der Vormastanlage aushalf.

Arbeitsbesprechung auf dem Fahrzeughof in Saarmund.

Egon holt schon mal den rumänischen Trecker um langsam mit dem Ausmisten anzufangen.

Ein anderer holt Stroh aus einem nahen Schuppen. Etwas weiter weg gibt es noch einen größeren Strohschuppen (im Vordergrund sieht man ein Bord mit Löschwerkzeugen für den Fall, dass das Stroh in Brand gerät):

26.06.2009 von Helmut Höge
blogavatar

Aus unserem Brigadetagebuch (14)

von Helmut Höge

Am 20.3. hörte ich mit der 13. Eintragung “Aus unserem Brigadetagebuch” auf. Gemeint war damit unsere DDR-Recherche vom 1.Dezember 1989 bis nach den Märzwahlen 1990, für die wir, Sabine Vogel und ich, uns als Rinderpfleger auf der LPG “Florian Geyer” in Saarmund bei Babelsberg verdingt hatten. Inzwischen hat sich eine Autorengruppe gemeldet, die die im blog bisher abgedruckten Photos für ein Buch verwenden möchte. Dazu fragten sie, ob es eventuell noch mehr gäbe. Hier sind sie nun:

So fing es an: Wir hatten aus Solidarität mit den zwei entlassenen taz-redakteurinnen sabine vogel und regine walther-lehmann unsere Mitarbeit bei der taz eingestellt, woraufhin uns das Künstlerhaus Bethanien ein Atelier zur Verfügung stellte, das vom taz-hausmeister Jens mit alten taz-möbeln eingerichtet wurde. Eigentlich brauchten wir kein Atelier. Wir waren auch keine Arbeitsgruppe, sondern ein kleiner Haufen von der taz Enttäuschter – die nun im Atelier auf den taz-drehstühlen… weiter lesen

23.06.2009 von Helmut Höge
blogavatar

“Das Soziale” Herstellen

von Helmut Höge

“Poller schaffen Distanz,” merkte der Überbringer Peter Grosse zu diesem Photo an.

——————————————————————–

Ausgehend von der Lektüre der Texte zur “Akteur-Netzwerk-Theorie” (ANT) von Bruno Latour u.a. ist mein Interesse an Bürgerinitiativen neu entfacht. Es geht bei der ANT um eine “Politische Ökologie”, die auf der Höhe der Praxis ist. Bei den BIs geht es mir um die Herstellung und Ausweitung des Sozialen in einer bestimmten Auseinandersetzung, in einem Konflikt (z.B. zwischen Natur(schutz) und Kultur(erhalt). Peter Berz und ich planen eine Veranstaltung dazu in der Galerie “Morgenvogel Real Estate”, am 7.7. findet bereits eine mit Martin Reuter in Kassel statt.

1. Bei der BI-Triade in Groß Göris “opalsonicht” – gegen die Trassenplanung der Ostsee-Pipeline “Opal” mitten durch die Vorgärten des Dorfes bei Berlin ging und geht es im Zusammenhang der ANT z.B. darum, immer mehr Akteure/Aktanten in das Kollektiv bzw. die Betroffenen-Assoziation mit einzubeziehen – auch nicht-menschliche Wesen und Dinge,… weiter lesen

19.06.2009 von Helmut Höge
blogavatar

Der Tagesspitzel – ein Berliner Intelligenzblatt

von Helmut Höge

Eben kam ich auf dem Alexanderplatz an einem Werbestand der Scientologen vorbei, nein: der La -Rouche-Sekte “Europäische Arbeiterpartei” – jetzt “BÜSO” genannt: “Bürgerrechtsbewegung Solidarität”. “Hallo, mein Herr!” sprach mich eine kleine Blondine an. Ich schüttelte den Kopf und ging an ihr vorbei. “Wir haben eine Krise zu bewältigen!” rief sie mir nach.

Nach “Ein neues Bretton Woods” und einen “Eurasischen Transrapid” fordern diese Amiirren jetzt erst mal nichts mehr, sondern behaupten auf allen ihren Plakaten: “Die Zukunft liegt in Afrika!”

Schon während des EU-Wahlkampfs waren mir in Frankfurt ihre diesbezüglichen Wahlplakate aufgefallen: “Hessens Zukunft liegt in Afrika!” hieß ihre Parole dort. Und zwar deswegen, weil dieser Kontingent jede Menge Atomkraftwerke braucht, um aus dem Knick zu kommen – z.B. um damit Meerwasserentsalzungsanlagen zu betreiben.

Beim Umsteigen in Stadtmitte ging ich an zwei Punkern vorbei – und bekam mit, wie der eine den anderen fragte: “Weißt du, dass an der Schweinegrippe… weiter lesen

17.06.2009 von Helmut Höge
blogavatar

Friedrichshain – Plan und Realisierung

von Helmut Höge

Dieses Photo zeigt den Berliner Bezirk Friedrichshain von der Spree aus gesehen – wie er nach der Wende von Investoren aus dem Westen geplant war: Links das per Bürgerentscheid versenkte Projekt “Media-Spree” und die neue “Oberbaum-City” mit dem ehemaligen Osram/Narva-”Lichtturm”, in den erst “Pixelpark” einzog und dann “BASF”, davor eines der geplanten, aber nie realisierten “Wassertaxis” – die zwischen Friedrichshain und Mitte verkehren sollten. Rechts sieht man die “Skyline” des ehemaligen EAW Treptow, aus dem der Investor Roland Ernst erst die “Treptowers”, in die dann die “Allianz Versicherung” einzog, und drumherum eine weitere vibrierende “City” zaubern wollte.

Und so sieht es dort heute “in Wirklichkeit” aus – vom Poller der Spreeschute “Nixe 2″ aus gesehen. “Immerhin haben wir heute sehr viel mehr Grün im Bezirk als früher,” meinte dazu der immer noch optimistische Friedrichshainer Bezirksbürgermeister. Photos: Peter Grosse

Die Furie des Verschwindens

Es ist wie überall: Was sich… weiter lesen

14.06.2009 von Helmut Höge
blogavatar

Autonome Freiräume/Baumscheibenbesetzer

von Helmut Höge

Neulich stritten wir uns an der Theke von “Tante Horst” über “Freiräume”. Petra hielt noch immer die Parole vom letzten Jahr hoch -”Mehr Freiräume”, während wir anderen eher für weniger “Freiräume” waren, weil sie den Amüsierpöbel aus halb Europa anziehen. Zuerst verdienen diese ganzen “Freiraum”-Betreiber – in Kreuzberg und Friedrichshain – noch an ihnen, aber darüber werden sie erst Thekenschlampen und dann ergraute Zapfer, während der ununterbrochene Strom der Gäste gleich jung und dumm bleibt. Auf diese Weise entstehen aus einem “Netz” von Freiräumen ganze Kneipenviertel (wie schon in der Schlesischen-, der Bergmann- und der Oranien-Straße. So traditionsreich wie hier der einstige Freiraum “S.O.36″ auch ist – er wurde einst als “Kunst” von Kippenberger eingerichtet oder vielmehr ausgerichtet, war zwischenzeitlich sogar mal eine Art ABM-Projekt, als die KPD-RZ dort noch ihre Parteitage stattfinden ließ und pflegt immerhin noch Ipeks “Gayhane”-Nächte…seit geraumer Zeit zieht diese Einrichtung jedoch vor allem die “Partypeople”… weiter lesen

13.06.2009 von Helmut Höge
blogavatar

Sozialer Witz

von Helmut Höge

In diese Kategorie gehört die Hochstapelei, der Hochstapler. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der Memoiren erster Teil ist der Titel eines Romans von Thomas Mann, der in den Jahren 1909 bis 1911 entstand. Thomas Mann plante den Roman seit 1905. Angeregt hatten ihn die Memoiren des Hochstaplers und Betrügers Manolescu. Sie wurden 1929 unter dem Titel “Manolescu – der König der Hochstapler” verfilmt – und waren ein Bestseller.  Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten Manolescu zuvor allerdings den Ehrentitel  “Hochstapler”, der in der  Verbrecherhierarchie hoch angesehen war,  verweigert – und ihn als schnöden Dieb verurteilt.  Berliner Gerichtsgutachter hatten ihm “manischen Entartungswahnsinn” attestiert.

Mich regte nun die “Die New Economy und ihre formbildenden Kräfte” zu einer
Beschäftigung mit Hochstaplern an. Vor etwa einem Jahr ergab sich die Gelegenheit, darüber für eine Kunstzeitschrift zu schreiben, die die “Hochstapelei” zu ihrem Schwerpunktthema gewählt hatte. Ich weiß gar nicht, ob mein Text darin jemals… weiter lesen

13.06.2009 von Helmut Höge
blogavatar

Europa-Hausmeister

von Helmut Höge

So sah sich Deutschland lange Zeit – als Europa-Hausmeister. Thomas Mann verdammte seine  “Heimat” deswegen – von seinem kalifornischen Exil aus. Nach dem Krieg galt der Lübecker aus diesem Grund hier als “Jude” und “Vaterlandsverräter”. Die Kritik an dem Nobelpreisträger nahm noch zu, als Thomas Mann sich 1947 zurück nach Deutschland wagte. In der Berliner Zeitung hat Harald Jähner darüber heute einen langen Text veröffentlicht.

Der Schriftsteller Otto Flake (1) verteidigte Thomas Mann gegenüber sogar die Kriegsverbrechen als Opfergänge: “Der Deutsche war töricht genug,” schrieb er, “der modernen Welt die Gefahr vorzuleben, die ihr tatsächlich droht, die Maßlosigkeit nämlich, die auftritt, sobald man die Bindungen zerstört.” Die westlichen Nationen hätten den bloß “allzu beflissen” Deutschen “den Kloakendienst” überlassen, während sie selbst, “die Hände in den Hosentaschen, verächtlich zuschauten.”

Mit dem hausmeisterlichen “Kloakendienst” meinte Otto Flake die Vernichtung der Bolschewisten und Juden, die für die meisten Deutschen identisch waren. Flake nahm… weiter lesen

12.06.2009 von Helmut Höge
blogavatar

Hausmeister-Witz

von Helmut Höge

Neben den UPS-Boten, die in kackbraune Uniformen gesteckt wurden – von ihren amerikanischen Bossen, ziehen sich auch immer mehr Hausmeister braune Phantasieuniformen an, wie ich letztens in Hamburg sehen konnte. Das ist nicht witzig!

Braun ist eine sogenannte “gebrochene Farbe” – im Gegensatz beispielsweise zu rot oder grün. Das sollte uns zu denken geben. Farbmetrisch wird eine Farbe als Braun angesehen, wenn sie durch Abmischen einer warmen Farbe (Gelb, Orange, Rot) mit Schwarz entstanden ist. Wikipedia unterscheidet fünf Brauntöne: “Schwarzbraun” (- “ist die Haselnuß”, wie es in dem berühmten Schlager von Heino heißt), “Rotbraun” (so nannte man die Nationalbolschewisten), “Gelbbraun” (war kurzzeitig eine beliebte Tapetenfarbe), und “Ockerbraun” sowie “Orangebraun”. Wenn man alle Farben zusammenmischt entsteht fast immer Braun. “Die natürliche Farbe Braun assoziiert” laut Wikipedia “Sonnenbraun (Bräunung der Haut) und gilt in westlichen Kulturen als positiv. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts aber galt gebräunte Haut als bäuerlich, das Schönheitsideal… weiter lesen