Archive for Oktober, 2009

20.10.2009 von Helmut Höge
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Vom Spürhund zum Research Dog

von Helmut Höge

“Das Furchtbare unseres falschen und trügerischen Lebens liegt darin, dass wir das Tier nicht zur Kenntnis nehmen. Wenn es sich reckt und seine Stimme erhebt, tun wir so, als sei es das Kläffen eines launischen Hundes, den wir mit hinausnehmen und belustigt mit einem Stück Zucker abfertigen.” (Leonid Andrejew)


Am Sonntag fand auf der Trabrennbahn in Karlshorst ein Tag für glückliche Hunde statt. Gesponsort vom Hundenahrungshersteller “Happy Dog” bot das von zwei westdeutschen Hundetrainerinnen organisierte “Event” den Berliner Hunden und ihren Besitzern “Quality Time” – auf einer kurzen Rennstrecke und einem “Fun Agility”-Parcours, darüberhinaus konnten sie sich an “Dog-Dancing”, “-Casting” und -Frisbee” beteiligen. Etwa 100-200 Hunde waren erschienen – begleitet zumeist von Frauen, denen die Idee, ihrem Hund zuliebe eine Veranstaltung zu besuchen, anscheinend näher lag als  männlichen Hundebesitzern.

Die Menschen unter den Teilnehmern wurden mit Verkaufsständen und Sonderangeboten gelockt. Darunter waren welche von Hundeporträtisten, Hundefriseuren, “Tier-TV”, Pferdefleisch… weiter lesen

19.10.2009 von Helmut Höge
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Blick zurück im Zorn – auf das Gerätebatteriewerk BELFA (1)

von Helmut Höge

Aus Anlaß des seit nun schon 20 Jahre anhaltenden Fading-Away der DDR sei hier noch einmal an das Batteriewerk BELFA in Berlin-Niederschöneweide erinnert, das damals Widerstand gegen sein Verschwinden leistete.

Das Photo zeigt vorne einen Stern-Journalisten, der die kämpferische Belegschaft, die damals schon stark von der Treuhand ausgedünnt worden war, photographieren will. Die Restbelegschaft hat sich zu diesem propagandistischen Zweck um einen der Ferien-Wohnwagen ihres Betriebs gescharrt. Diesen hatte sie kurz zuvor zu einem fahrbaren Verkaufsstand für ihre Gerätebatterien, die sie unter dem Label BELFA weiterhin produzierte, umgerüstet.

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In einer der Produktionshallen, wo entgegen der Treuhandweisung weiterproduziert wurde, ließ sich der Betriebsratsvorsitzende Hanns-Peter Hartmann von einem französischen Fernsehteam über den Verlauf der “Protestproduktion” seiner Belegschaft, verbunden mit einem kollektiven “Hungerstreik” interviewen.

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Um die ebenfalls von Abwicklung bedrohten Belegschaften der Großbetriebe in Oberschöneweide (TRO, KWO, WF, BAE) zur Solidarität mit den Hungerstreikenden bei BELFA zu bewegen,… weiter lesen

18.10.2009 von Helmut Höge
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Polen berühren

von Helmut Höge

“Polen berühren!” das sagten früher die Busunternehmer, die Butterfahrten z.B. von Friesland zu den Polenmärkten organisierten. So ähnlich wie die Kapitäne in Emden, die mit ihrem Schiff Butterfahrten über den Dollart unternahmen, dazu mußten sie kurz “Holland anticken”, wie das bei ihnen hieß.

Immer mal wieder hat man, in Berlin lebend, in einem der Orte an der nur etwa 80 Kilometer entfernten Oder-Neiße-Grenze zu tun – und kuckt dann auch immer mal kurz rüber nach Polen. Jetzt – nach einer Journalistentour durch drei Wojwodschaften Westpolens und ihre Hauptstädte, wobei es um alkoholhaltige Erfrischungsgetränke ging, konkret: in Stettin um Wodka, in Zielona Gora um Wein und in Poznan um Bier – muß ich erst mal meine bis dahin gesammelten polen-eindrücke hervorkramen, bevor ich mich pflichtgemäß an den Bericht über die Journalistentour, die “fließend Polnisch” hieß, mache…

1. Zunächst besuchten wir alljährlich im Sommer das Filmfest in Lagow in der Wojwodschaft Libuskieweiter lesen

15.10.2009 von Helmut Höge
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Neuer Nomadismus und alter Heimweg

von Helmut Höge

Der Anarcho-Kramer-Verlag in Neukölln hat gerade mal wieder eine produktive Phase: Kürzlich veröffentlichte er ein Buch über die bedrohte Kartoffelsorte “Linda”, dann eins von Hakim Bey über “Piraten” und jetzt eine Aufsatzsammlung über “Heimat, Heimweh und Heimsuchung”, in Vorbereitung ist ferner ein Buch von Bernd Kramer und Clemens de Wroblewsky (Wirt des Raucher-”Café Jenseits”) über bzw. gegen das “Rauchverbot”.

Am “Heimsuchungs”-Reader mußte ich mich mit einem Text beteiligen. Karsten Krampitz hatte über mich vermittelt zwei Texte für die taz geschrieben, die jedoch von den Holz-Redakteuren nicht weggedruckt wurden, daraufhin war ich quasi in seiner Schuld. Er schrieb mir:

Lieber Helmut,

hab ich dir eigentlich erzählt, wie meine Freunde mich nennen? DBK – Daumenbrecherkarsten. Womit wir beim Thema wären: Du wolltest die erste Rate deiner Schuld begleichen, für unsere Anthologie “Heimat, Heimweh, Heimsuchung”, die ich die Freude und große Ehre habe, gemeinsam mit Heiko Werning im Karin Kramer Verlag herauszugeben.

Wann… weiter lesen

15.10.2009 von Helmut Höge
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Im Lokal sitzen und global denken

von Helmut Höge

So könnte man vielleicht meine derzeitige Herbstbefindlichkeit beschreiben. Eigentlich hätte ich viel zu tun, stattdessen hänge ich sozusagen am taz-blog ab – und dabei fallen mir immer neue Eintragungen ein. Obwohl der blogwart meint, zwei am Tag sei schwachsinnig und ich müsse vor allem mehr verlinken. Das eine hat allerdings mit dem anderen nichts zu tun.

Eben rief jemand an und wollte Näheres zum Eintrag über Dr.Dirlewanger wissen – da rächte sich mal wieder meine Schlampigkeit im Umgang mit den Quellen: Ich konnte ihm erst mal nicht weiterhelfen.

Dann erfuhr ich, dass Antonia Herrscher jetzt einen eigenen blog hat “wieneulich”, hoffentlich kann ich ihre Pollerphotos in Zukunft von dort mir kopieren.

Im Café Jenseits am Heinrichplatz erzählte man mir die Geschichte einer gerade erfolgten Straßenumbenennung, da sollte ich was drüber schreiben, riet man mir. Das schaffte ich dann grad noch:

“Alle umzubenennen ist unbezahlbar!” (Helmut Kohl)

Nun nimmt auch… weiter lesen

15.10.2009 von Helmut Höge
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Elinor OstRom!

von Helmut Höge

Der Träger des alternativen Friedensnobelpreises Johan Galtung erklärte uns einmal: "Die ‘Gegenseitige Hilfe’ ist, wie ich das sehe, das Normale. Das ist so normal, dass man es manchmal nicht sieht. Kropotkin hat das Offenbare und Normale gesagt, und Darwin hat einige Einzelfälle herausgeholt und daraus das ‘Typische’ gemacht".  Dies läßt sich auch auf die berühmte 1968 in "Science" veröffentlichte Studie von Garrett Hardin "The Tragedy of Allmende" münzen.

Nach Hardin geht jede Genossenschaft bzw. auf Gemeinschaftseigentum basierende Wirtschaftsweise früher oder später "im Egoismus ihrer Teilnehmer" zugrunde. Im Neodarwinismus gipfelte diese Ansicht dann 1976 in dem Pamphlet "Das egoistische Gen" des englischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins, das tausende von Gentechniker und Gehirnforscher "inspirierte". Auf Hardin bezogen sich aber in der Folgezeit auch mindestens ebensoviele Kritiker des Genossenschafts- und Gemeinschaftseigentums – wenn sie stattdessen für Privatisierung bzw. Privatbesitz votierten.

Anhand vieler Beispiele hat die US-Wirtschaftswissenschaftlerin Elinor Ostrom noch einmal die teilweise jahrhundertelange Stabilität… weiter lesen

14.10.2009 von Helmut Höge
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Neuer und alter Nomadismus

von Helmut Höge

Der Mensch – Nichts gegen Poller, schreibt der Photograph Peter Grosse zu diesem Bild

Zude, der zuletzt Politologie in Berlin und Stuttgart studierte, schrieb mir aus der mongolischen Hauptstadt, wo er u.a. zusammen mit Batjargal an der Herausgabe der nächsten Ausgabe unserer deutsch-mongolischen Zeitschrift “Supernomad” arbeitet (bei der ich aus vor allem finanziellen Gründen nicht mehr Redakteur, sondern nur noch Autor bin): “Gibt es was Neues zum Thema bei dir?”

Ich schrieb ihm “Nein” zurück. Schickte ihm dafür aber einige aktuelle “Nachrichten” dazu:

1. Die Nobelpreisträgerin Herta Müller wurde gerade auch noch als
“Botschafterin der Nomaden” ausgezeichnet. Damit sind die
Flüchtlinge/Vertriebenen/Umsiedler/Hin- und Hergeschobenen des Zweiten
Weltkriegs gemeint, letztere gibt es ja noch heute – Palästinenser u.a..

Diese “Migranten” bewegen sich quasi zwischen den alten und den neuen
Nomaden – die alten, das sind die wegen ihrer Viehzucht nomadisierenden
Völker, deren Territorien (Spielräume) immer kleiner… weiter lesen

13.10.2009 von Helmut Höge
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Vertracktheiten der Vertragsgestaltung

von Helmut Höge

Diese Pylonen-Treppe dachte sich der Hausmeister der Gesamtschule Dülmen aus.

“Unser ganzer  Erkenntnis-Apparat ist ein Abstraktions- und Simplifikations-Apparat – nicht auf Erkenntnis gerichtet, sondern auf Bemächtigung der Dinge …” (F.Nietzsche)

Der Bremer Vulgärmarxist Gunnar Heinsohn sprach unlängst von einer  “Eigentumswirtschaft”: In anderen Systemen, wie Stammesgemeinschaften und Adelsherrschaften, werde zwar auch produziert und konsumiert, aber nicht “gewirtschaftet”. Bildlich könne man sich den Besitz als Acker vorstellen und das Eigentum als den Zaun drum herum: “Allen Wirtschaftssystemen gemeinsam ist, dass in die Erde eingesät und abgeerntet, sprich: produziert wird. Gewirtschaftet aber wird allein mit dem Zaun, dessen Belastung und Verpfändung für Verschuldungszwecke einen späteren Verkauf der Ernte auf dem Markt erst ermöglicht beziehungsweise in den im Falle des Scheiterns vollstreckt wird.”

Ähnlich wie Heinsohn argumentierte dann auch der Fernsehphilosoph Peter Sloterdijk – beginnend mit einem J.J.Rousseau-Zitat: “Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu… weiter lesen

12.10.2009 von Helmut Höge
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Schwäne

von Helmut Höge

Der schwarze Schwan “Petra”. Photo: WN, Matthias Ahlke

Schwanforschung

Fünf Biologen machen Picknick an einem See. Plötzlich erhebt sich vor ihnen ein Schwan und fliegt laut Flügel schlagend übers Wasser davon. Er beschreibt eine Kurve und landet daraufhin wieder in der Mitte des Sees. Die Männer fangen an zu diskutieren, wie der Schwan das gemacht hat und warum. Der Erste, ein Physiologe, beschreibt die starken Flügelmuskeln, ihre besondere Verankerung am Skelett und das Nervensystem des Schwans. Er flog auf, weil Impulse von der Retina ins Gehirn und von dort weiter über die motorischen Nerven an die Flügelmuskeln geleitet wurden. Der Zweite, ein Biochemiker, verweist darauf, dass die Muskeln des Schwans u.a. aus den Proteinen Aktin und Myosin bestehen. Der Schwan kann aufgrund der Beschaffenheit dieser Faserproteine fliegen, die unter Verbrauch von Energie (aus ATP – Adenosintriphosphat, der universellen Form verfügbarer Energie in den Zellen) eine Gleitbewegung… weiter lesen

12.10.2009 von Helmut Höge
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Chinesische Wissensproduktion

von Helmut Höge

Während wir uns bemühen, herauszubekommen, ob die chinesischen Glühbirnen nunmehr auf Druck des 1989 angeblich aufgelösten Elektrokartells IEA auch nur noch 1000 Stunden brennen – und nicht mehr 5000 wie früher, bekam der einst wegen seines professionellen Maoismus aus der Gewerkschaft Druck und Papier geflogene SDSler Christian Semler den mit 10.000 Euro dotierten Otto-Brenner-Preis der IG Metall für engagierten taz-Journalismus. Auch das ist natürlich eine gewerkschaftliche Double-Bind-Situation, aber wegen der langen Zeit, die zwischen diesen beiden Funktionärs-”Aktivitäten” liegt, doch eine, die man gut aushalten kann.  Bei der Meinungsbildung über “Die Linke” kam es heute nebenbeibemerkt zu einem kurzen Schlagabtausch zwischen ihm und dem Euro-Grünen Daniel Cohn-Bendit, der der taz unbedingt die derzeit anstehenden Aufgaben weisen wollte, und dazu von der Redaktion eingeladen worden war.

Des weiteren ist zu berichten, dass die taz-Serie über “Experten” von Gabriele Goettle, die dann als Buch in Enzensbergers “Andere Bibliothek” erschien, von einem chinesischen Staatsverlag… weiter lesen