10.05.2010 von Helmut Höge

Poller mit Aufruf zur Stadtteilversammlung im Neuköllner “Schillerkiez”: “Zu viel Ärger – zu wenig Wut”.
Photo: Antonia Herrscher
Wut ist eine Art affektive Störung, meinte der Referent Aaron Ben-Ze’ev auf der Tagung über Wut im Haus der Kulturen am Arsch der Welt. Dem wollte der Historiker Paolo Santangelo nicht widersprechen, aber er legte Wert auf die Feststellung, dass sie in unterschiedlichen Kulturen auch auf unterschiedliched Arten geäußert werden. In Joseph Vogls Vortrag wurde es dann politisch: “Komplexe Gesellschaften seien Gefahrenkulturen und in diesem Sinne betrachtete der Kulturwissenschaftler Vogel die Phänomene der Wut als Verständigungen über die eigene Gefährdung. Zorn ist ein auflösender Affekt, so Vogl. Er ist außerdem ein kriegerischer Affekt, der mit markanten Souveränitätsattributen ausgestattet ist. Durch seine Unberechenbarkeit trägt Zorn dazu bei, Macht zu sichern. Aber Zorn ist sowohl eine Eskalation ins Göttliche als auch in Tierische,” so faßte heute FR-Redakteur Harry Nutt den Vortrag von Vogl… weiter lesen
07.05.2010 von Helmut Höge
Stalking – ein unheimlich mediales Phänomen

Denkmal für den unbekannten Minnsesänger – einem frühen Stalker/Photo: Peter Grosse
Mit der Einführung einer neuen Strafbarkeit 2007 – dem Paragraphen (§ 238 StGB “Nachstellung”) – stiegen erwartungsgemäß diese “Straftaten gegen die persönliche Freiheit”: “Stalking” genannt. Die Kriminalstatistik der Berliner Polizei verzeichnet zwischen 2007 und 2009 jährlich rund 16.500 Fälle, von denen jährlich rund 13.500 aufgeklärt werden. Bei diesen Fällen handelt es sich durchweg um “Stalker von unten” (rund 30% sind “nicht-deutsche”)
Manchmal vergessen sich aber auch welche aus der “High Society” (Hochgesellschaft). So wie jetzt gerade die “Wetten, dass…”-Ko-Moderatorin Michelle Hunziker (33), deren ganzes Leben sich anscheinend um “Stalken und gestalkt Werden” dreht: 2007 gründete sie in Italien die Organisation “Doppia Difesa” – für “Stalking-Opfer”, deren Hilfe sie sodann gleich mehrmals in Anspruch nahm, indem sie laut BZ, die sie als “Stalking-Expertin” bezeichnet, alle allzu “penetranten Verehrer” anzeigte.… weiter lesen
04.05.2010 von Helmut Höge

Das abgebaute Firmenzeichen einer rotchinesischen Produktivgenossenschaft – nach der Privatisierung des Betriebs. Der PhotographPeter Grosse bezeichnet es als chinesischen Poller – “die machen da sowieso die besten”.
LE GRAND MAGASIN, SYMPOSIUM
im Collegium Hungaricum Berlin
am 8. Mai 2010
LE GRAND MAGASIN hat sich der Untersuchung kollektiver Produktion verschrieben. Die Initiative ermöglichte nicht nur eine Zusammenarbeit zwischen Künstlern und europäischen Genossenschaften, sondern etablierte auch über ein Jahr lang ein Modellkaufhaus für Waren aus genossenschaftlicher Produktion in Berlin. Zum Abschluss stellen die Künstler und Kuratoren nun Resultate des zweijährigen Prozesses vor und diskutieren mit geladenen Gästen über die Neudefinition des Arbeitsbegriffs und künstlerisches Unternehmertum.
12:00
*Begrüßung | Welcome *
Dr. Vera Baksa-Soós Leiterin der |
chief-curator of the Moholy-Nagy
Galerie, Collegium Hungaricum Berlin
*Einführung | Introduction *
Dr. Dorothea Kolland Leiterin des |
director of the Kulturamt Neukölln,
Berlin
12:30
*Genossenschaften in Europa* –
Reisebericht mit Diashow | *Cooperatives
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03.05.2010 von Helmut Höge

Einem Erntehelfer wurde, so viel wir wissen, noch nie ein Denkmal gesetzt, wohl aber dem Pollererfinder (Wilhelm Wachsmuth) – in Weimar.
Erntehelfer – das hört sich so an, als wären es Freiwilligenbrigaden, die den überforderten Bauern helfen, im Herbst das Brot für die Völker einzuholen – bevor das Korn auf den Feldern vergammelt. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt: Die mit der Auflösung des Sozialismus arbeitslos gewordenen Massen östlich der Elbe bis nach Kirgistan machen im Westen den Anbau von immer mehr überflüssigen Nutzpflanzen (wie geschmacklose Erdbeeren, bittere Gurken, matschige Zucchinis und schlappe Nelken) lukrativ.
Nun könnte man sagen, der von ihnen erwirtschaftete Profit wird z.T. als Steuern von den Staaten im Westen abgeschöpft – und in neue Poller investiert, die die Sicherheit ihrer Bevölkerung immer weiter erhöhen sollen – höher und höher. Aber das ist zu weit hergeholt…

Hier wurde gerade ein Poller frisch einbetoniert
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01.05.2010 von Helmut Höge

Giftige und ungiftige Poller (Weissrussisches Plakat)
“Der Super-Präsident” so nennt der “stern” den Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker, weil die Redaktion annimmt: “Er gilt immer noch als der beste Bundespräsident, den Deutschland je hatte”. Der “Spiegel” kann diesen Eindruck nur verstärken: “Richard von Weizsäcker galt als idealer Bundespräsident”
Zur Erinnerung:
Die taz schrieb am 17.1. 1994:
Am 22. Dezember 1993 wurde Hellmut Becker in Zehlendorf beerdigt, er hatte nach der Befreiung im berühmten Wilhelmstraßenprozeß Staatssekretär Ernst von Weizsäcker verteidigt. Dessen Sohn, Richard, der damals Hellmut Becker bei der PR-Kampagne der Verteidigung geholfen hatte, erschien nun mit seinen bundespräsidialen Bodyguards auf dem Waldfriedhof, wo auch Wolfgang Neuss ruht. Die Rede hielt eine Pastorin. Die quasi offizielle Würdigung Beckers erledigten die Feuilletonisten, die natürlich – feige – kein einziges Wort über seine und Richard von Weizsäckers üble Verteidigung in Nürnberg verloren!
Das holen wir hier deswegen nach: Der Hauptankläger im Nürnberger… weiter lesen