Archive for Juli, 2010

09.07.2010 von Helmut Höge
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Regionalkrimis (3): Euterpflege

von Helmut Höge


Denkmal in Leeuwarden, der Hauptstadt von Westfriesland: ûs mem (unsere Mutter), Statue von Gerhardus Jan Adema, 1954


“Tod eines Milchbauern”, so heißt der letzte Krimi des Biobauern Thomas B. Morgenstern. Er spielt im Kehdinger Land an der Elbmündung bei Stade und dort hat der Autor auch seinen Demeterbetrieb: “Hofgemeinschaft Aschhorn”. Man erfährt in seinem neuen Roman viel über den Milchbauern-Alltag”, während sein Ermittler, der Milchkontrolleur Allmers, die Spuren des Mörders verfolgt. Morgensterns erster Krimi hieß schlicht: “Der Milchkontrolleur”.

“Alle meine Erzählungen spielen im näheren oder weiteren Umfeld des bäuerlichen Lebens. Da fühle ich mich am sichersten, wenn ich Alltägliches beschreiben will. Ich könnte schwerlich einen Roman verfassen, der im Milieu von Krankenhausärzten oder Piloten spielt,” sagte Morgenstern in einem Interview, das auf seiner Hof-Webpage zu finden ist.

Das Gebiet zwischen Elbemündung und Oste heißt Kehdinger Land, es bewirbt sich selbst als “Krimiland”, nicht weil dort so… weiter lesen

08.07.2010 von Helmut Höge
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Regionalkrimis (2): “Nicht wirklich!”

von Helmut Höge

Photo: eifelstern.com


Bei den meisten  Krimiautoren, die sich um authentische Atmos und Dialoge bemühen, kommt mindestens einmal der Ausdruck “nicht wirklich” vor. Er bezeichnete einmal etwas Irreales, nicht Existierendes, jetzt ist es ein Geschmacksurteil bzw. eine -verrirung- z.B. auf die Frage: war der Film, das Buch gut?: “nicht wirklich” Dem gegenüber stehen dann “wirklich gute Filme/Bücher”. “War es Ute Lemper oder Désirée Nosbusch – eine unserer heimatvertriebenen Broadway-Heroinen jedenfalls muss dieses neudeutsch-amerikanische ‘Nicht wirklich’ in unsere Talkshows eingeschleppt haben”, meint “Die Zeit” und vermutet: “Nicht wirklich könnte die lakonische Formel für ein verbreitetes Lebensgefühl sein in einer virtuellen Welt. Für cooles Einverständnis mit einem System verkaufsfördernder Täuschungen und Selbsttäuschungen.”
Zu diesem ganzen US-Komplex erschien soeben ein neuer Roman – von Jacques Berndorf: in seiner Reihe “Eifel-Krimis”. Der dort lebende Journalist gehört zu den erfolgreichsten deutschen “Regionalkrimi”-Autoren. Ein in den Achtzigerjahren aufgekommenes Genre, das inzwischen Anschluß an… weiter lesen

07.07.2010 von Helmut Höge
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Regionalkrimis (1): “True Crime Stories”

von Helmut Höge

Die Staatspoller des “Sozialismus in einem Block” zerbröseln langsam und werden überwuchert. André Meier hat gerade wegen eines solchen maroden sozialistischen Betonpfeilers sein altes Pferd verloren: Der Wallach hatte sich am Rand seiner Weide immer wieder daran gescheuert, als plötzlich der DDR-Poller brach und er sich dabei so schwer verletzte, dass er getötet werden mußte. André Meier fand es bemerkenswert, dass die für die Ewigkeit gegossenen DDR-Poller die DDR nur um Weniges überleben. Das Photo hier  ist ein Still, also ein Standfoto aus einer Videoinstallation von Margita Haberland mit dem Titel “Verlandlandschaften”, die in der Ausstellung “Endmoräne”"zu sehen ist. Die Gemeinschaftsausstellung findet in der Villa Thyssen, Berliner Str. 19, 15378 Rüdersdorf bei Berlin, Ortsteil Hennickendorf, statt, die F i n i s s a g e “Gel(i)ebtes Leben” ist am 11. Juli von 11 bis 19 Uhr.

Vorweg: Der russische Realismus

Die Folgen der nachgeholten – bolschewistischen –… weiter lesen

06.07.2010 von Helmut Höge
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Gespür für nationalen Donner und soziales Gewitter

von Helmut Höge

Nationaler Donner


Deutschlandfahnen-Demo (1). Photo: indymedia

Gleich nach der Wende ersann der Elektriker Peer Wagner aus Leipzig angesichts wachsender Fastfood-Konkurrenz und immer seltener erteilter Imbißstand-Genehmigungen eine mobile “Variante”, wie man in Sachsen sagt: einen “Bratwurstbauchladen” – für den man keine “Standgenehmigung” braucht. Er besteht aus vier Campingkühlakkus, Gasflasche, Grill, Sonnenschirm und Tragegurte. Einschließlich der Ware – achtzig Würstchen, Senf, Ketchup und Brötchen – wiegt das Ganze etwa 30 Kilogramm. Und nichts davon darf während des Verkaufsvorgangs den Boden berühren: “Das ist der Knackpunkt!” Nötig ist also ein tragfähiger Verkäufer. Interessierte Kunden fragten Wagner immer wieder: “Ist das nicht zu schwer auf die Dauer?” – worauf er antwortete: “Mit jeder Wurst wird’s leichter!” Für seine Konstruktion erwarb er bald ein Euro-Patent und ein US-Patent, dann ließ er diese “ambulante Verkaufseinrichtung”  in Serie herstellen und bot sie kräftigen Arbeitslosen an – inklusive eines “Lizenzvertrags” mit “Gebietsschutz”, auf  Wunsch auch… weiter lesen

02.07.2010 von Helmut Höge
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“Winnetou” – ein deutsch-deutsches Indianerschicksal

von Helmut Höge

Drei Dresdnerinnen inkognito im Garten des Karl-May-Museums in Radebeul (“Zwei Welten – ein Erlebnis”). Photo: Peter Grosse

Jörg Schröder ließ sich, noch als März-Verleger, in der taz einmal über Karl May, Arno Schmidt und Fußball aus – und darüber, wie er diese drei Dinge in den Sechzigerjahren hassen lernte. “Maggi Pur” hieß seine 1983 veröffentlichte Suada: “Und Karl May war endlich auch durchschaut: was für ein widerlicher, blöder, verkappter protofaschistischer deutscher Autor er ist. Und prompt kommt dieser Arno Schmidt in den frühen Sechzigern mit seinem ekelhaften Blick und den grässslichen Augen in dem schrecklichen Gesicht – und seiner Karl-May-Analyse angewackelt und erklärt mir, daß  die Appalachen eigentlich Arschfalten sind. Na, das brauchte der mir doch nicht auszudeuten, das haben wir gelebt als Kinder, was die Karl-May-Werke für Wichsvorlagen sind. Glücklich davon entwöhnt und ebenso von den rennenden Menschen auf den Fußballfeldern, ruckt jetzt  alles wieder hoch.”  Und wie!… weiter lesen