31.10.2011 von Helmut Höge
Krebs: Kampf-Kritik-Umgestaltung
Kann der Kairo-Virus heilen?
“Die Tiefenpsychologie (hier Adler) spricht in dem Fall vom ‘Krankheitsgewinn’ einer affizierten Person.” (Frank Schulz in: “Morbus fonticuli”)

Virus. Photo: fantom-xp.com
Besonders in der Boulevardpresse ist oft und gerne von der “Menschheitsgeisel Krebs” die Rede, vor allem, wenn diese wieder mal einen Prominenten erwischt hat, der dann auch prompt der Presse erzählt, wie er den “Kampf gegen den Krebs” gewann (mithilfe von radioaktiver Bestrahlung, Chemie, Chirurgie etc.) bzw. er läßt seiner Frau der Presse posthum mitteilen, wie er den “Kampf gegen seinen Krebs verlor”. Es gibt inzwischen auch schon etliche Autoren, die Bücher über ihre Krebserkrankung veröffentlichten: Den Anfang machte Fritz Zorn mit seinem Roman “Mars” (1977). Im Wikipedia-Eintrag über ihn heißt es:
“Fritz Zorn beschreibt im autobiografischen Buch Mars sein (zu) spätes, krankheitsausgelöstes Erschrecken über ein dreissigjähriges “nicht gelebtes” eigenes Leben. Seine Krankheit sucht er in einem psychosomatischen Sinne… weiter lesen
25.10.2011 von Helmut Höge

If I would fill my pen with my heartblood, would it satisfy you? Photo: garyrocks.wordpress.com
Die himmelblauen und anthrazitfarbenen taz-Kugelschreiber
Wie eine Auswertung der Bestelllisten kürzlich ergab, ist der Verbrauch der anthrazitfarbenen und himmelblauen Kugelschreiber in der taz von Beginn an kontinuierlich gestiegen. Die Schreibgeräte werden den Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie befinden sich seit dem Umzug in die Kochstraße in der Telefonzentrale und werden dort von den Diensthabenden, zusammen mit anderem für die taz-Mitarbeiter ebenfalls kostenlosen Büro-Materialien, sowie Batterien, Tonbänder, Tampoons, Verbandsmaterial und Kopfschmerztabletten, bei Bedarf nachbestellt.
1979 bis 1989 waren es durchschnittlich 2400 Kugelschreiber jährlich. Mit der Wende (und der Gründung der Zweittaz im Osten, wo Kugelschreiber bis dahin Bückware waren) stieg der Verbrauch der taz-Kugelschreiber um rund 200 jährlich, mit einem leichten Einbruch in den Jahren 2001 bis 2007, da die taz wieder Anschluß an eine soziale Bewegung fand, wenn es auch nur eine touristisch… weiter lesen
23.10.2011 von Helmut Höge

Photo: amnesty-stuttgart.de
Erst lobhudelten die Kapital- und Staats-Medien die sich ausbreitende “Occupy Wall Street” (War Street) – Bewegung hoch wie blöd, nun springen auch die Rechten auf diesen Zug – der weltweiten Protestbewegung gegen die Macht des Kapitals: Vorneweg die unermüdliche Zapp-La-Rouche-Sekte, unter dem Label “Büso”, aber auch NPD, “Zeitgeist” und ähnliche Konsorten. In der taz berichtet darüber heute Martin Kaul:
“Die Spaltungsgeschichte der Linken ist sicher kein Ruhmesblatt. Oft und gern stellten dogmatische Besserwisser Differenzen in den Bewegungen vor Verbindendes. Doch am Beispiel der Occupy-Bewegung zeigt sich in diesen Tagen: Von den oft beschimpften Spaltern lässt sich auch etwas lernen.
Am Wochenende wurde deutlich, was auf die vordemokratische Parole folgte, “99 Prozent” der Menschen repräsentieren zu wollen: In Frankfurt mobilisierten auch Rechtspopulisten zum Protest, Mitglieder einer sektenähnlichen Organisation versuchten, die Deutungshoheit über die Bewegung zu gewinnen – und im Internet wirbt die rechtsextreme NPD mit der Parole “Okkupiert… weiter lesen
19.10.2011 von Helmut Höge

New York. Photo: echte-demokratie-jetzt.de
In scheinbarem Widerspruch zur weltweiten Ausbreitung des Kairo-Virus steht der blog-clicks-Zähler, wenn er anzeigt, dass seit mindestens einem Monat die fortlaufenden Eintragungen zum “Kairo-Virus” nur noch einen “visitor” täglich haben.
Statt “Wir sind das Volk” heißt es nun von New York ausgehend:”Wir sind 99%”, hier und da wird verlangt, die für die ganze Scheiße auf der Welt “Verantwortlichen” (Banker) vor Gericht zu stellen, vor allem in den USA.
Die “Guy Fawkes”-Maske, auch “Vendetta-Maske” genannt – hinter der sich nicht wenige Protestierer verbergen, entbirgt gleichzeitig die Spanne der Forderungen: von der Statistik – und der Wahrscheinlichkeit – bis hin zum konkreten Individuum (mit seiner ganzen “Schuld” und “Sühne”). Da hallt noch der gute alte Humanismus nach – bevor er im Digitalen verrauscht.
Die Sprecher der “Occupy Wall-Street-Crowds” (-Mengen, per Facebook zusammengetrommelt) könnten aus dem taz-Ausbildungsprogramm stammen, und tatsächlich gibt es in Frankfurt/Main, dem Zentrum… weiter lesen
12.10.2011 von Helmut Höge

“Film Socialism” von Jean-Luc Godard. Photo: cinemadrome.yuku.com

“Film Socialism” von Jean-Luc Godard. Photo: meinkino.ch
Selbstaufklärung und -medikamentierung via Facebook und Twitter
“Mit den randomisierten kontrollierten Studien finden wir nicht zwangsläufig das Richtige für unsere individuellen Patienten, wir mitteln damit nur ihre individuellen Differenzen,” mit diesem Satz des “weltweit führenden” Krebsforschers Volker Diehl, den dieser in seinem Referat auf dem Europäischen Kongreß für integrative Medizin äußerte, charakterisierte die FAZ in ihrem heutigen Kongreßbericht “Tugendhafte Medizin” die schon fast gelungene Synthese (Vereinnahmung) von alternativer Medizin und Schulmedizin. In der Tat scheuen sich immer weniger Ärzte, den einen oder anderen ihrer Patienten auch schon mal zu einer Hexe oder einem Heiler bzw. Homöopathen zu schicken. Im übrigen haben sich die Patienten selbst angewöhnt, nicht nur einer Diagnose zu vertrauen. Kontrolle ist besser als Vertrauen – der Glaube an den Arzt weicht dem Wissen über das, was man im weitesten Sinne sein… weiter lesen
10.10.2011 von Helmut Höge







Geölte Demokratien
Ende September fand in der Akademie der Künste eine Diskussion über den “Arabischen Aufbruch” statt. U.a. berichteten dort Stephanie Doetzer Journalistin, bis 2011 bei Al-Dschasira, Sarah Rifky, eine Kuratorin und Bloggerin aus Kairo und die in Kairo und Hamburg lebende Regisseurin / Filmwissenschaftlerin Viola Shafik. Sie waren sich einig, dass das “Öl ein Hindernis für die Demokratie” ist. Der Staat lebt in den Öl-Ländern nicht von den Bürgern – über Steuern, sondern “schwebt quasi oben drüber” – die Bürger leben eher umgekehrt vom Staat, und “die wichtigen Entscheidungen fallen woanders”. Man dachte dabei sowohl an die Emirate und an Saudi-Arabien wie an den Irak und Libyen, dies trifft aber auch für die neuen Länder Zentralasiens zu, wovon die Mongolei gerade wegen ihrer “reichen aber unausgeschöpften Öl- und Gasvorkommen”, wie die Presse meint, von Bundeskanzlerin Merkel mit einem Besuch “beehrt” wird. Die… weiter lesen
07.10.2011 von Helmut Höge

Photo: morassat.de
Der Kairoer taz-Korrespondent Karim El-Gawhary hat seit Anfang des Jahres ganz wunderbar aus Ägypten, Libyen und anderen arabischen Ländern berichtet. Nun hat er daraus bereits ein Buch gemacht: “Tagebuch der arabischen Revolution” – und das stellt er am 17. Oktober um 19 Uhr im tazcafé, Rudi-Dutschke-Str. 23-25, vor.
Derweil bereitet sich in Kairo die nächste Aufstandswelle vor. Diesmal richtet sie sich gegen das Militär. Es gab schon wieder Tote.
Die Nachrichtenagentur dpa meldet heute:
“Mehrere hundert Menschen haben am Freitag auf dem Tahrir-Platz in Kairo gegen den herrschenden Militärrat demonstriert. Unter dem Motto “Rückkehr in die Kasernen” forderten die Teilnehmer der Kundgebung eine rasche Übergabe der Macht an zivile Gremien sowie die Aufhebung des erst jüngst verlängerten Ausnahmezustands. Eine weitere Forderung lautete, dass die Militärprozesse gegen Zivilisten eingestellt werden.
Zu der Demonstration hatten Bürgerrechtsgruppen sowie die Vereinigung für den Wandel von Friedensnobelpreisträger Mohammed… weiter lesen