26.02.2012 von Helmut Höge

U-Poller. Photo: Peter Loyd Grosse
Im Kino Babylon Mitte wurde der Film einer jungen deutschen Regisseurin über den Kampf der libyschen Rebellen von Benghasi bis Tripoli gezeigt “Win or Die” – im Beisein von etwa 80 Libyern, von denen nicht wenige im Rollstuhl saßen bzw. auf Krücken liefen, was sie als Veteranen des libyschen Volksaufstandes erkennbar machte. Und im Mehringhof fand gerade eine Veranstaltung einer Kölner “Projektgruppe” namens “Horreya” über den ägyptischen Aufstand statt: “Horreya – The Revolution has just begun” (Bericht folgt). Dazu hatte man vier Aktivisten vom Tahrirplatz eingeladen: Drei Ägypter aus verschiedenen sozialen Schichten Kairos und eine Deutsche, die drei Jahre in der Stadt gelebt hatte. Die Diskussionsveranstaltung findet am Dienstag, den 28.2. in Bremen und dann am 1.3. in Köln ihre Fortsetzung. Die Veranstalter, deren Diskussionstour vom Jugendclub Courage Köln unterstützt wird, hoffen damit, “dass Feuer der Revolution auch ein bißchen in dieses Land… weiter lesen
17.02.2012 von Helmut Höge

Tahrirplatz - Januar 2012
Libyen-Veranstaltung
Heute zeigt das Kino Babylon Mitte um 20 Uhr den Film »Win or Die – Voices from the Libyan Revolution«. Im Rahmen dieser Premiere soll auch eine Diskussionsveranstaltung stattfinden, an der unter anderem der 29jährige Muhamed Ben Dala, der als Unfallchirurg in Berlin arbeitet, sowie Miftah Saeid (26), der in Bengasi Wirtschaftswissenschaften studiert, teilnehmen werden. Beide haben am Aufstand gegen Gaddafi teilgenommen.
Die Jungle World sprach mit ihnen über ihre Einschätzung der aktuellen Lage:
Wie lebt es sich in einem Libyen ohne Muammar al-Gaddafi?
Ben Dala: Die Leute protestieren jetzt gegen alle möglichen Dinge. Sie demonstrieren gegen Korruption, für Frauenrechte, gegen die unkontrolliert im Umlauf befindlichen Waffen, gegen den Nationalen Libyschen Übergangsrat. Sie wollen, dass ihre Stimmen gehört werden. Das ist etwas völlig Neues.
Saeid: Früher war es eine Frage von Leben und Tod, Gaddafi zu gehorchen. Tatest du das nicht, konntest du… weiter lesen
15.02.2012 von Helmut Höge
Dichtung und Wahrheit in der neueren deutschen Arbeiterbewegung
“Erst seit der Vereinigung ist wieder Klassenkampf in Deutschland möglich.” (Heiner Müller)
Wenn dieser Dichter so weiter macht, gründe ich noch einen neuen Volker-Braun-Kultklub. Schon sein letztes (Schicht-)Buch “Machwerk” hat mich derart begeistert. Es geht darin um die Arbeitsbeschaffungsmaßahmen (ABM/MAE) für den Havariemeister Flick aus Lauchhammer und seinen arbeitslosen jungen Enkel Ludwig, einem Heavy-Metall-Fan. Trotz der Verarschung durch das Arbeitsamt (Ein-Euro-Jobs) kommen die beiden guten rum: von dem sich vergeblich gegen seine Abbaggerung wehrenden Dorf Horno in der Lausitz über die “glücklichen Arbeitslosen” in der Volksbühne bis zur polnischen Erntebrigade in der Toscana: 48 “Schwänke” insgesamt – bis der alte Havariemeister schlußendlich in die Grube fährt (“mit ihm ist eine Zeit zuendegegangen”) – und ein anderer “Experte ‘ganz ruhig’ die Arbeitsagentur Nord” betritt und den “Tisch der Sachbearbeiterin mit einem 5-Liter-Kanister Spiritus in Brand setzt. Die erleidet daraufhin einen Schock; aber auf… weiter lesen
09.02.2012 von Helmut Höge

Niedrigwasser 1. Alle Photos: Mathias Königschulte
Im vergangenen Jahr ging die taz-Reise nach Friesland, Ostfriesland und Westfriesland. Nun bleibt uns für dieses Jahr noch Nordfriesland.Vom 7. – 11. Juli 2012.
Wir beginnen die Nordfriesland-Reise in Husum, wo wir während der fünf Tage auch übernachten. Mit dem Bus klappern wir dann die “Highlights” der Region ab:
Das Emil-Nolde-Museum an der dänischen Grenze, die Windkraftanlagen-Werke in und um Husum, den Nationalpark schleswig-holsteinisches Wattenmeer, die Tourismus-Entwicklung am Beispiel von St. Peter-Ording, die Erinnerungsorte an die Landvolkbewegung und die Polderlandschaft von Dithmarschen, die Holländersiedlung Friedrichstadt und die musealisierten Reste der 1362 im Sturm untergegangenen Stadt Rungholt im Wattenmeer vor der Halbinsel Nordstrand, eventuell auch noch das “Nordfriisk Instituut” in Bredstedt, auf alle Fälle jedoch das “Nissen-Museum in Husum.
Wiewohl sich alle Friesen, zusammengeschlossen in einer Art Eidgenossenschaft, von den Deutschen zu unterscheiden wissen, sind die Nordfriesen die widerständischsten: Mehrmals schlugen sie alle… weiter lesen
06.02.2012 von Helmut Höge
Ein Virus ist weder etwas Belebtes noch Unbelebtes. Das aber nur am Rand.

Frau geht neben Pilonen in die Luft. Alle Photos: Peter Loyd Grosse
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“And so on and so on,” wie Zizek immer sagt. Ein Jahr Tahrirplatz-Event. Das westdeutsche Intelligenzfeuilleton feiert dieses Jubiläum derart, dass man den Eindruck hat, ohne bezug auf das arabische Aufstandszentrum in Kairo lassen sich bald überhaupt keine staatlichen Fördertopfgeburten auf dem Kultursektor mehr einleiten. Der FAZ-Rezensent des Nachwuchs-Filmfestivals von Saarbrücken will selbst dort ganz deutlich gespürt haben: Alle “Filme künden vom kommenden Aufstand”. Demnächst in diesem Theater quasi. Also hier und heute. Die Gruppe “Tiqqun” gab bereits den Ton vor. “Die Zeit” titelt gerade: “Bitte neu anfangen” und meint damit: “Auch wenn die Krise mal Pause macht – das Gebot bleibt bestehen: Der Kapitalismus kann so nicht bleiben.”
Die stellen also selbst da in Hamburg schon das ganze Gesellschaftssystem in frage.… weiter lesen