31.07.2012 von Helmut Höge

In der Münchner Siemens-Stiftung, ein reaktionärer Thinktank, wo der Siemens-Sprössling Peter von Siemens einst seine abstrusen Gedanken zur Atomenergie vortrug – “Ich bin davon überzeugt – und hiermit kann ich mich als Anthroposoph auch auf wohlgeprüfte Äußerungen Rudolf Steiners stützen – dass wir zu einer kosmisch orientierten, michaelischen Technik erst dann gelangen können, wenn wir die Anfechtungen einer ahnmanischen Technik mit ihren hilfreichen Abbau- und Zerstörungskräften gezähmt haben werden”… in dieser Siemens-Stiftung diskutierte der Philosoph Jürgen Habermas neulich über Religion. Die FAZ schrieb hernach – zwar liebedienerisch verquast, aber doch noch deutlich genug:
“Habermas redet in München kaltblütig. Und doch voller Behutsamkeit. Wie ein guter Chirurg, der nicht mehr weh tun möchte als nötig. Nein, sagte er zunächst noch ohne Chirurgenkittel an Heinrich Meier, den Stiftungs-Philosophen, gewandt – nein, es sei nicht so, wie Meier denke, dass er, Habermas, sich mit der Religion aus purem soziologischem Interesse befasse.… weiter lesen
23.07.2012 von Helmut Höge

Der Wurm in den Tränen von Nilpferden
Der 1922 in Stettin geborene ARD-Tierfilmer Horst Stern (“Sterns Stunde”) kaufte sich einmal zwei Kolkraben. Hinterher – 1973 – gab er selbstkritisch zu bedenken: “Ich konnte dabei nicht wirklich wissenschaftliche Zwecke für mich in Anspruch nehmen, vielmehr nur meine tiernärrische Neugier auf diese sagenhaften klugen Vögel. Wie ich denn überhaupt sagen muß, dass nicht selten passionierte Tierfreunde, insbesondere Tierfotografen, mehr Schaden in der Tierwelt anrichten als dass ihre Beobachtungen und Bilder ihr nützen.”
Manchmal ist es auch umgekehrt: 2006 wurde ein Unterwasserphotograph von einem Stachelrochen getötet. Zuvor hatten Grizzlys einen Bärenfilmer und seine Freundin getötet. Aber es lauern auch noch andere Gefahren auf die Tierfilmer. 1945 kassierten die Engländer das Schiff “Seeteufel” des Unterwasserfilmpioniers Hans Hass, weil dieser an “Kriegsmittelforschung” beteiligt war. 1959 stürzte der Sohn des Frankfurter Zoodirektors beim Tiere filmen und zählen in Afrika mit seinem zebragestreiften Flugzeug… weiter lesen
19.07.2012 von Helmut Höge

US-Echtzeitpoller (im Krieg)

Norw.-Echtzeitpoller (im Frieden)
“Genießt den Krieg, der Friede wird fürchterlich!” (Curzio Malaparte in Neapel 1944)
Wie in fast allen semilinken Geistesprodukten ist auch in dem folgenden Doppel-Beitrag – aus der aktuellen Le Monde Diplomatique (dt.Ausg.) – von der Flasche die Rede, die aus dem Geist ist – hier bei den Norwegischen Rechten:
Alarmismus und Attentismus an dunklen Fjorden
“Mitunter kann es den Menschen auch in einer schweren Zeit gut gehen. Der Schmerz ist gut, und der Ernst im Gemüt ist ebenso blank wie der dunkle Fjord.” (Torborg Nedreaas, “In Verdunklungszeiten”)
…Breiviks im Internet veröffentlichte Positionen sind denen der Fortschrittspartei durchaus ähnlich. So hat 2004 deren damaliger Vorsitzender Car Ivar Hagen erklärt, die Muslime hätten “seit Langem klargemacht, wie es auch Hitler getan hat, dass ihr langfristiger Plan darauf zielt, die Welt zu islamisieren […] Sie sind schon tief nach Afrika… weiter lesen
13.07.2012 von Helmut Höge

Vorbereitung einer Poller-Veranstaltung (hier in der Anarchokaschemme “Rumbalotte”). Photo: Katrin Eissing

Referent Philipp Goll bereitet sich auf die anstehende Poller-Veranstaltung im “Raum für Randgeschichten” vor (Photo: Stefanie Peter):
Im Rahmen der Veranstaltung “Raum für Randgeschichten” einer Projektgruppe mit französischem Akzent der Kunsthochschule Weißensee (Ostberlin) findet am Dienstag, den 17.7. um 20 Uhr in den vorläufigen Kunsträumen Oranienplatz 17 1. OG folgende Veranstaltung statt:
Poller- und Baumscheibenforschung: Ordnung und Widerstand im öffentlichen Raum.
Von und mit Antonia Herrscher, Helmut Höge & Philipp Goll.
Der Poller steht nicht nur blöd im Weg, sondern steckt auch voller Geheimnisse. Nicht nur verbirgt er in sich die Visionen eifriger Stadtplaner. Ebenso ist er der Ort, an dem die Moral – Du darfst hier nicht parken! – an ein Objekt delegiert wird und zum Sachzwang – Du kannst hier nicht parken! – wird. Diese „Inskriptionen“ (Bruno Latour) auf der einen und die… weiter lesen
06.07.2012 von Helmut Höge

Bestrickte Poller-Reihe. Photo: Philipp Goll
Im Neuköllner “Salon Petra” las Ulrich Enzensberger aus seinem Sachbuch “Parasiten”. Das könnte er öfter tun. In den “Kommentaren” hier unten finden sich dazu zwei Rezensionen. Das Buch erschien einige Jahre nach Michel Serres Studie “Der Parasit” (siehe Kommentar), in dem es an einer Stelle heißt:
“Die besten Wirte sind manchmal auch die größten Parasiten.”
Der Bruder des taz-blogwarts Mathias Broeckers hörte in der U8 in Richtung Hermannplatz folgendes Gespräch zwischen zwei Bauarbeitern:
“Ick wähl jetzt die Parasiten!” “Häh! Meinst du die Piratenpartei?” “Ja, genau!”
Der SPD-Politiker Wolfgang Clement schrieb in seinem Vorwort zu einer Broschüre des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit “Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, ‘Abzocke’ und Selbstbedienung im Sozialstaat. Ein Report vom Arbeitsmarkt im Sommer 2005″:
“Bei der umfassenden Reform des Arbeitsmarktes kommen wir mit großen Schritten voran. (…) Beim Kontrollbesuch jammert Ibrahim dem Prüfer… weiter lesen