Kampf der Glühbirnen-Prohibition

Dr. Sabine Vogel – schraubt eine verbotene Glühbirne ein:

 

 

Der erste Wirtschaftswissenschaftler Adam Smith war sich bereits sicher: “Geschäftsleute des gleichen Gewerbes kommen selten zusammen, ohne dass das Gespräch in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit endet…” Diese Verschwörung, so sich sich organisiert, nennt man “Kartell” – ein Wort aus dem Duellwesen.

1924 gründete eine Handvoll  Elektrokonzerne ein internationales Kartell namens “Phoebus”, in dem sie u.a. ihre Preise absprachen, mit einer “Kriegskasse” die Konkurrenz bekämpften, die  Weltmärkte unter sich aufteilten, und die Brenndauer von Glühbirnen auf 1000 Stunden reduzierten. Kartellmitglieder, die  langlebigere produzierten, mußten Strafgebühren zahlen. Im Hinblick auf die Werbung fasste das Kartell 1929 folgenden Beschluss: “Die Propaganda soll dahin gehen, dass der Eindruck entsteht, es gäbe eine Konkurrenz zwischen den Lampen-Fabriken.” Und “Die Wahl der Mittel bleibt jedem Mitglied vorbehalten, da es wünschenswert erscheint, dass keine Einheitlichkeit nach außen besteht.”

Noch vor der Gründung des Elektrokartells war dies ein Streitpunkt gewesen, an dem die 1919 von Rathenau und Siemens gemeinsam gegründete Aktiengesellschaft Osram erst einmal scheiterte. Emil Rathenau hatte 1883 das Glühbirnenpatent von Thomas Alva Edison erworben, sein Sohn Walther Rathenau wollte dann auf amerikanische Art mit Werbung das “Bedürfnis” nach der neuen elektrischen Beleuchtung wecken Dazu illuminierte er z.B. eine Theateraufführung in München und das Café Bauer Unter den Linden in Berlin. Der “Geheime Regierungsrat” Werner von Siemens wollte hingegen die Elektrifizierung eher von oben durchsetzen -  durch Einflussnahme auf den Staat, mit dem sich sein Konzern von Beginn an korruptiv verband, später noch mit so manchen anderen Staaten, auch mit Diktaturen wie Burma und sozialistischen Ländern – gegen einen gehörigen Aufpreis.

So bestellte z.B. das DDR-Elektrokombinat Narva bei Osram für 6 Millionen DM eine Energiesparlampen-Fertigungsstrecke. Als sie endlich geliefert wurde, kostete sie 21 Millionen, denn es handelte sich dabei um ein Embargo-Gut, dessen Erwerb Agenten – im Osten (die KoKo-Firma F.C.Gerlach), wie im Westen (Heinz Pietsch) – erforderte. Ähnlich horrend überteuert lieferte Siemens in den Neunzigerjahren Medizingeräte nach Moskau, wobei der Konzern dazwischen mehrere Agenten, u.a. vom russischen Geheimdienst, “vermitteln” ließ. In Deutschland konnte man bis in die Siebzigerjahre Bestechungsgelder von der Steuer absetzen und das Wirtschaftsamt lieferte Exporteuren sogar Informationen, mit wieviel Schmiergeldern sie in welchem Land rechnen sollten.

Das Glühbirnenkartell Phoebus S.A., das sich später umbenannte in International Electrical Association (IEA) und sich in Pully bei Lausanne niedergelassen hatte, teilte mir 1992 schriftlich mit, dass sich das Kartell im Herbst 1989 aufgelöst habe. “Wer’s glaubt, wird selig”, meinte dazu der brasilianische Kartellforscher Rudolf Mirow. Er besuchte damals gerade  das Kartellamt in Berlin und schimpfte anschließend “Das sind keine Kartellverhinderer, sondern Kartellhüter.” Der Siemens-Konzern hatte bis dahin bereits an die 100 DDR-Betriebe “zu “Schnäppchenpreisen übernommen” – und über seine von der Treuhand übernommenen Manager die für den Konzern unwichtigen “abwickeln” lassen. Mirow schrieb der Treuhandpräsidentin Birgit Breuel: “Es besteht der Verdacht, daß dieses Kartell sich jetzt den Markt der Neuen Deutschen Bundesländer aufgeteilt hat…und daß Mitglieder der IEA erneut mit ‘combat-’ auch ‘fighting proceedings’ genannt, gegen sogenannte ‘non- members’ vorgehen…Es wäre bedauerlich, wenn auf Grund der Unkenntnis der Organisationsformen der Elektroindustrie jetzt möglicherweise veraltete, aber doch sanierungsfähige Betriebe geschlossen würden, die Mitgliedern der IEA einmal Paroli und Wettbewerb bieten könnten. Da alle Untersuchungen zeigen, daß es in der Elektroindustrie nie eine Marktwirtschaft gegeben hat, werden sich die Probleme der ostdeutschen Unternehmen, und also auch die von Narva, vorerst nicht mit reinen marktwirtschaftlichen Instrumenten lösen lassen.” Sein Brief  nützte nichts: Narva wurde abgewickelt.  Als wenig später General Electric das DDR-Renommierwer “Elektroprojekt” (Elpro AG) von der Treuhand erwerben wollte, trafen sich einen Tag vor Vertragsunterzeichnung einige Siemens-Manager mit GE-Managern in Belgien: Sie einigten sich, GE trat von seiner Kaufabsicht zurück, dafür half Siemens GE im Iran wieder ins Geschäft zu kommen. Die Elpro AG wurde daraufhin abgewickelt. Ähnliches geschah beim DDR-Kühlschrankhersteller Foron (dkk Scharfenstein). Als Samsung den Betrieb zu übernehmen beabsichtigte, schrieb Siemens dem koreanischen Konzern, dass es diese Übernahme als einen unfreundlichen Akt ansehen würde. Samsung trat daraufhin vom Kauf zurück

Als ich dieserhalb bei der Antikorruptionsinitiative “Transparency International” des Weltbankmanagers Peter Eigen vorsprach, tat dieser erstaunt: Er hatte vom IEA-Kartell noch nie etwas gehört. Kein Wunder, war  doch der Siemenskonzern sogar “Mitglied” in  seiner TI. Diese Kooperation wurde erst mit dem “Siemens-Skandal” beendet, d.h. als nach und nach herauskam, dass der Elektrokonzern aus seinen “schwarzen Kassen” über formal freie Mitarbeiter (Berater) Schmiergelder an Regierungsmitglieder in zig Staaten gezahlt hatte, um an Aufträge heranzukommen. Als  Transferstelle fungierte u.a. die “Bank der Banken: ‘Clearstream’ in Luxemburg – mindestens bis dieses “Siemens-System” 2006 aufflog.

Ein weiterer  Coup sollte jedoch erst noch kommen: Im Jahr darauf gelang es Siemens/Osram und Philips, bei der EU in deren sogenannten Komitologie-Ausschuß für Beleuchtung am Parlament vorbei (!) ein allgemeines Glühbirnenverbot durchzusetzen – zugunsten ihrer hochgiftigen und umweltschädigenden zudem völlig überteuerten “Energiesparlampen”. Da die beiden Elektrokonzerne in diesem EU-Ausschuß “Greenpeace” auf ihrer Seite hatten, muß man sich fragen, ob und wenn ja was die internationale  Umweltschutzorganisation dafür bekam. Nachdem zwei Dokumentarfilme – “Bulb Fiction” und “The Light Bulb Conspiracy” – sie darüber aufgeklärt hatten, sprachen einige deutsche EU-Parlamentarier von einer “extrem gelungenen Lobbyarbeit”.

 

Inzwischen hat sich via Facebook eine Kampfgruppe zur Aufhebung des Glühbirnenverbots formiert: Die mehrsprachige Incandescent Light Bulb Alliance.

Von dort erfuhr ich heute – von:

‎”EU will Glühbirnen in Comic-Sprechblasen verbieten”
The EU wants to ban cartoon incandescent “idea” bulbs… maybe satire, for the moment!
So etwas – vom FAZ-Karikaturisten Ivan Steiger, der quasi nur Glühbirnen zeichnet, seit Jahrzehnten – will man also auch verbieten:

 

 

Aber nicht nur der FAZ-Glühbirnenkarikaturist Ivan Steiger, auch die freischaffenden bildenden Künstler aller Couleur sind vom drohenden Glühbirnen-Image-Verbot – analog zum Verbot des Hakenkreuzes – betroffen.

Z.B. der Maler Norbert Schwontkowski:

Die taz-Layouterin und Sängerin Francois Cactus:

 

Der Zeichner Wössner:

 

Der Graphiker Jens Beiderwieden:

 

Der Bildhauer Gerhard Thieme:

 

Der Graffitikünstler Gérard X.:

 

Der Performancekünstler Kaethe B.:

 

Die Dadaisten Grosz/Heartfield:

 

Die Jungen Wilden aus Düsseldorf:

 

Der Ideator Marcel Duchamps:

 

 

Der Karikaturist Adam Moulberg:

 

Der Graphiker Phillip Johnson:

 

Der Umschlaggestalter der Zeitschrift “Natur”:

 

Der Art Director der “Wirtschaftswoche”:

 

Die Anti-AKW-Gegner:

 

 

 

 

 

Der “Bravo”-Beilagendesigner:

 

Helmut Salzingers Falk-Heftgestalter:

 

Der Comiczeichner  Gilbert Shelton:

 

Der WDR-Graphiker Klaus Meyer-Buer:

 

 

Der unbekannte “Welt”-Illustrator:

 

 

Der Künstler XYZ:

 

Der Umschlaggestalter Friedrich Haffner:

 

Der F.R.-Karikaturist:

 

 

Die für die Europäische Union arbeitende Werbeagentur:

 

 

Der Karikaturist Rocco:

 

 

Die taz-Photoredaktion:

 

 

Der Schlagzeilen-Redakteur des Berliner Kuriers:

 

 

Der Lexikon-Redakteur und -Layouter:

 

 

Walt Disney’s  Comiczeichner Carl Barks:

 

Der Erfinder einer fast unsterblichen Glühbirne Dieter Binninger (sowieso):

 

 

Der Wirt der Narva-Kneipe in Friedrichshain:

 

 

Der Zeichner des Narva-Helferleins:

 

Die Narva-Reklameabteilung:

 

 

 

 

Die Friedhofsverwaltung von Manila:

 

 

 

Der indische Glühbirnen-Einzelhändler (in Bombay):

 

Der deutsche Einzelhändler (in Charlottenburg)

 

Der deutsche Einzelhändler (in Schöneberg):

 

 

Der deutsche Einzelhändler (in Wilmersdorf):

 

 

Der Illustrator der BZA:

 

 

Die Werbeabteilung der Postbank:

 

Das Bildungswerk der DAG:

 

 

Der Glühbirnen-Großhändler:

 

 

 

 

Die holländische Post:

 

Osram selbst – seine Werbeabteilung:

 

 

 

 

 

Siemens-Nixdorf-Werbung:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Kommentar

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  1. Nicht Gilbert war’s
    der “Natch” einst auf’s Papier gebannt.
    Der Zeichner dieses alten Weisen
    wird heute noch R. Crumb genannt.

    (… und einen € für die Knittelverskasse der Rumbalotte.)