vonHelmut Höge 17.07.2018

Hier spricht der Aushilfshausmeister!

Helmut Höge, taz-Kolumnist und Aushilfshausmeister, bloggt aus dem Biotop, dem die tägliche taz entspringt.

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Alle Bilder werden verschwinden.

 

Ein Bild: die Frau auf einer Freilichtbühne, die von mehreren Männern in einen Kasten gesperrt und mit Schwertern durchbohrt wurde – sie kam lebend wieder heraus, weil es sich um einen Zaubertrick mit dem Titel ‚Das Martyrium einer Frau‘ handelte.

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Es ging, wie es sich bei Zeitungsjournalisten eingebürgert hat, einen Tag lang teils erheitert teils erbittert um sogenannte Bürohunde, aber nicht viel länger.

Dem ging voran, dass der taz-Geschäftsführer in einer Rudmail gefragt hatte: Hunde, wollt ihr ewig leben – in der taz? Er fragte nicht nur, sondern antwortete auch sogleich: „Im neuen taz-Haus ist das Mitbringen von Hunden nicht mehr erlaubt! Dank für Euer Verständnis.“

Das löste sogleich einen (Mail-)Stream des Protests aus, zuvörderst natürlich von den etwa ein Dutzend Hundebesitzern, aber nach und nach diskutierten auch etwa 40 Nichthundebesitzer das Problem.

Der Geschäftsführer hatte sein Hundeverbot damit begründet, dass „die einschlägigen Rechtskommentare zu diesem Thema sagen, dass es Aufgabe des Arbeitgebers sei, die Mitnahme von Hunden ins Büro zu erlauben oder eben auch nicht“ und die „zunehmenden Beschwerden von KollegInnen, die sich vor Hunden ängstigen oder Hunde am Arbeitsplatz unangenehm finden“ dazu erwähnt.

Ein Redakteur erwiderte ihm: „Vorausgesetzt, das Argument ist nicht erfunden (oder als schwerwiegender in Szene gesetzt, als es das tatsächlich ist): Müsste es dann nicht die allermeisten anderen (ja hochgradig partikularen) Interessen ausstechen? Wieviel Angst oder Unbehagen fände, im Falle einer Abstimmung, eine etwaige Mehrheit und wäre einer Minderheit dann zumutbar?“

Er wollte also eine Plenumsdiskussion mit einer Abstimmung über das Mitbringen von Hunden an den Arbeitsplatz.

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Ein anderes Bild: der Fremde im Bahnhof Termini in Rom, der die Sichtblende seines Erste-Klasse-Abteils ein Stück heruntergezogen hatte, sodass er nur von der Hüfte abwärts sichtbar war und sein Geschlechtsteil rieb, weil er bemerkt hatte, dass im Zug nebenan junge Frauen aus dem Fenster schauten.

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Eine Redakteurin schrieb: „Was hat der Betriebsrat eigentlich für eine Position in Sachen Hundeverbot? Würde mich mal interessieren.“

Ihre Kollegin fand: „Wenn es in einer Gruppe verschiedene Interessen und Befindlichkeiten gibt, ist ein Kompromiss im Gegensatz zu einer Durchsetzung von Einzelinteressen immer die bessere Idee.“

Einem anderen Mitarbeiter stellte sich das Problem so: „Nur mal so – was wäre, wenn ich Angst oder Unbehagen in Gegenwart von Frauen, Schwulen, Geschäftsführern, Ossis, Wessis, Barfüßigen,Dunkelhäutigen, Transleuten, Matetrinkern, Fußballfans, Fußballhassern, Menschen, Hühnerfleischessern, usw., empfände? Dürften die oder ich dann nicht hier sein? Oder müsste ich das einfach mal aushalten?“

Ihm entgegnete ein Kollege: „Ich finde Hühnerfleischesser muss man nicht aushalten. Sollte man unbedingt in eine „Betriebsvereinbarung Hunde in der taz“ aufnehmen.“

Eine Kollegin entgegnete ihm: „Solange die alle auf der taz-Gehaltsliste stehen, musst du die wohl in der taz aushalten. Außerhalb der taz steht es dir frei, dich unauffällig zu entfernen. Für Hunde sollten die gleichen Regeln gelten.“

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Wieder ein anderes Bild: der Mann in der Kinoreklame für ‚Paic‘-Spülmittel, der fröhlich seine schmutzigen Teller zerschmetterte. Eine Stimme aus dem Off sagte streng: ‚Das ist doch keine Lösung!‘, und der Mann blickte in die Kamera und fragte verzweifelt: ‚Was ist denn dann die Lösung?‘

Auch werden sich auf einen Schlag alle Wörter auflösen, mit denen man Dinge, Gesichter, Handlungen und Gefühle benannte, mit denen man Ordnung in die Welt gebracht hat, die das Herz höher schlagen und die Scheide feucht werden ließen/ die Slogans, Graffiti an Häuser- und Klowänden, Gedichte und schmutzige Witze, Titel

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Die Erwachsenen wurden nicht müde, vom Hungerwinter 42 zu erzählen, von der Kälte und den Steckrüben, den Lebensmittelengpässen und Tabakmarken, von den Bomben. Vor einem gemeinsamen Hintergrund von Hunger und Todesangst begannen alle Sätze mit ‚wir‘ oder ‚man‘.

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Ein Mitarbeiter meinte: „Klar: Wer keine Hunde um sich haben kann, und das bezeichnet ja die Sache mit der Angst, der muss sich mit Sexisten oder Schlimmerem vergleichen lassen. Kleiner buzzword-Tipp für den noch etwas dramatischeren Auftritt: Speziesismus!“

Ein anderer wollte wissen: „Zahlt die taz eigentlich Hundegeld für Hundebesitzer? Und kriegen taz-Paare mit Hund das Hundegeld einfach oder doppelt ausbezahlt?“

Eine Mitarbeiterin forderte kurz und schmerzlos: „Bleiberecht für Hunde – Jetzt!“

„Ist das eine „taz-Sache?“ kam daraufhin die Frage.

Ein Redakteur suchte und fand als Kompromiß einen Hundebereich „Warum nicht transitzonen? fiktion des nichtbetretens der taz und trotzdem nicht allein zu haus.“

Der Betriebsrat stellte klar: „Das Thema “Hunde in den Büros der taz” ist kein neues. Die Geschäftsleitung kann das Mitbringen von Hunden in den Betrieb generell untersagen. Das ist eine einseitige Maßnahme, die die Interessen der Hundebesitzer*innen nicht berücksichtigt. Wir würden deshalb vorschlagen festzulegen, zu welchen Bedingungen Hunde ins neue Verlagsgebäude mitgebracht werden können. Dazu bedarf es einer allseitigen Interessenabwägung. Wir werden uns morgen mit dem Redaktionsrat treffen, um uns abzusprechen.“

Ihm entgegnete ein Redakteur: „Ah, ich bin schon sehr gespannt auf die „Betriebsvereinbarung über die eingeschränkte Gestattung der Mitführung von Hunden in den Räumen der taz-Gruppe durch festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie Honorarkräfte (ausgenommen Reinigungspersonal und Gastronomie)“, kurz HundBV.“

Ein anderer antwortete auf das Betriebsrats-Statement: „Für ne auskunftsunwillige Senatspressestelle wäre das ein ganz okayes Kommunikationsverhalten. Vom Betriebsrat als Vertretung aller Mitarbeitenden würde ich mir aber etwas Zugewandteres als solche pseudoamtlichen, inhaltsleeren und bürokratischen Sprechblasen wünschen.“

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Lebensende mit drei Buchstaben: Ehe. Wo waren Sie am 11. September 2001? Obwohl es in den Geschichten um Tod, Gewalt und Zerstörung ging, wurden sie in Hochstimmung vorgetragen, einer Hochstimmung, die widerlegt werden sollte, indem sie hin und wieder den Satz ’so was darf nie wieder passieren‘ einwarfen, mit ernster Stimme, gefolgt von kurzem ‚Schweigen, so als wollten sie das Böse bannen oder hätten wegen der Begeisterung ein schlechtes Gewissen. Die Krematorien und die Atombombe gehören nicht in dieselbe Zeit wie die Schwarzmarktbutter, der Fliegeralarm und das Ausharren im Keller. Die Kinder entwickelten eine hartnäckige Sehnsucht nach einer Zeit, die sie knapp verpasst hatten. Die Erinnerungen der Erwachsenen weckten eine heimliche Nostalgie für die Kriegsjahre und die Hoffnung, eines Tages selbst einmal etwas Ähnliches zu erleben.

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Ein Redakteur, auf das vor einiger Zeit bereits verhängte Rauchverbot im Haus anspielend, meinte: „Ist doch eigentlich ganz einfach. Die Raucher passen draußen auf die Hunde auf. Beim Rauchengehen außerhalb des Gebäudes ist also ein Hund mitzuführen. Die Hunde werden gestellt, die EDV richtet ein entsprechendes Hundebuchungssystem ein.“

Ein Kollege von ihm wollte erst einmal wissen: „Soll das Verbot eigentlich auch für das Café und den taz shop gelten? Bisher sieht es ja anders aus.“

Ihm antwortete eine Café-Mitarbeiterin: „Ja, soll!“

Ein Redakteur suchte nach einer anderen Lösung: „Ich wette, einen für alle Seiten akzeptablen Vorschlag kann hier auch irgendjemand innerhalb von 15 Minuten aufschreiben, der berücksichtigt:

– Manche Leute wollen ihre Hunde mitbringen

– Manche Leute können es sich nicht leisten, ihre Hunde nicht mitzubringen

– Manche Leute können in einem Raum nicht arbeiten, in dem sich ein Hund regelmäßig und dauerhaft aufhält

– Manche Leute haben Angst, einem Hund zu begegnen

Falls da noch was fehlt, kann die Liste der Bedürfnisse ja noch ergänzt werden. Der bisherige Alternativvorschlag zum Verbot war:

Leinenpflicht für Hunde im Treppenhaus und aktives Einverständnis der

unmittelbar im Raum arbeitenden KollegInnen einholen.

Das kann sicher noch ein wenig verbessert werden.“

Ihm entgegnete eine Kollegin: „Da in der Diskussion angesprochen wurde, dass es selten Menschen mit Hundehaarallergie gibt. Ohne die Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen zu wollen, möchte ich einwerfen, dass ich zum Beispiel zu diesen Menschen mit Allergien gehöre. Das betrifft auch zum Teil Hunde, ist aber nicht bei jedem Tier gleich stark ausgeprägt. Daher finde ich deine Ergänzung zum Alternativvorschlag gut. Im Zweifel kann man das ja ausprobieren.“

Eine Redakteurin schrieb: „Also ich wage es mal, was gegen Hundeliebe zu sagen. Ich habe als Kind zugeschaut, wie ein Hund meinen Bruder in den Kopf biss. Danach bin ich jahrelang rückwärts, sobald ich einen Hund nur bellen hörte. Meine Hundeangst hat sich mittlerweile einigermaßen gelegt, aber ich fasse keinen Hund an – und wenn doch, wasche ich mir danach sofort die Hände. nennt es Waschzwang. dummerweise nämlich lieben die Hunde meine Hundeignoranz und wollen gern von mir gestreichelt werden. Und natürlich weiß ich, dass Hundebesitzer*-Innen es lieben, wenn man ihre Hunde bewundert. Deshalb bewundere ich, um mir Sympathiepunkte bei allen HundebesitzerInnen zu holen, alle Hunde, die in die taz migebracht werden, bis auf den einen taz-Hund, der mich mal biss, weil er, was ich nicht wusste, unter einem Tisch unten im Café lag und ich auf seinen Schwanz getreten bin, was mir die Hundebesitzerin, glaube ich, übel nahm. Immerhin nutzte meine Hausärztin die Hundebiss-Chance und spritzte mir alle möglichen Schutzimpfungen, was ich bis dato versäumt hatte. (Es ist mir durchaus klar, dass das fürs Hunde-mitbringen und Sich-beißen-lassen spricht.) Zusammenfassend möchte ich sagen: ich habe nie verstanden, dass man einfach so Hunde in die taz mitbringen kann und ich habe nichts dagegen, wenn dem nicht mehr so ist.“

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Dazu äußerte eine Kollegin: „Mir geht es ähnlich. Allerdings war es kein fremder Hund,sondern unser Familienhund, ein belgischer Schäferhund, der eine meiner Freundinnen in den Kopf biss, während ich daneben stand. Da war ich 17. Seitdem traue ich keinem Hund mehr und versuche, Begegnungen zu vermeiden. Es macht mich sauer, wenn fremde Hunde mir nachlaufen oder mich anspringen und die Besitzer, wenn ich sie bitte, die Hunde weg oder an die Leine zu nehmen, nur diesen bescheuerten Satz wiederholen, von dem man meinen würde, dass ihn keiner mehr sagt: Der ist ganz lieb und macht nichts. Mit den taz-Hunden komme ich bisher trotzdem gut klar, weil viele KollegInnen wissen, dass ich Hunde nicht mag und sie entsprechend bei sich behalten oder anleinen. Ich war auch fasziniert zu sehen, dass es in der Charlotte eine Art Spezialbüro mit Hundetür gibt, durch die verhindert wird, dass die Hunde im anderen Teil des Stockwerks herumlaufen. Ich fände es unfair, wenn MitarbeiterInnen, die sich darauf verlassen haben, dass in der taz Hunde erlaubt sind, jetzt ein Betreuungsproblem bekommen. Da sollte unbedingt eine Lösung gefunden werden, denn es gibt auch so etwas wie ein Gewohnheitsrecht.“

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Erinnerten an Dinge, auf die man stolz war: die Streiks von 36, die Volksfront, ‚vorher war man als Arbeiter einen Dreck wert‘. / Außer den Erzählungen wurden uns noch andere Dinge überliefert, wie man sich bewegt, sich hinsetzt, lacht, wie man auf der Straße jemandem etwas zuruft, wie man isst, wie man nach etwas greift. / Kein Brot wegwerfen. / Überall waren Jungen und Mädchen getrennt. / Auf dem Schwarz-Weiß-Foto eine Frau und ein Junge in Nahaufnahme, sie sitzen nebeneinander auf einem mit Kissen zu einem Sofa umfunktionierten Bett, am Fenster hängen weiße Gardinen, an der Wand eine afrikanische Maske. Auf der Rückseite: Winter 67.

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Der konstruktive Kollege faßte noch einmal  die Problemlage im Haus zusammen:

„Bedürfnisse:

– Manche Leute wollen ihre Hunde mitbringen

– Manche Leute können es sich nicht leisten, ihre Hunde nicht mitzubringen

– Manche Leute können in einem Raum nicht arbeiten, in dem sich ein Hund regelmäßig und dauerhaft aufhält

– Manche Leute haben Angst, einem Hund zu begegnen

– Es muss ausgeschlossen sein, dass Menschen von mitgebrachten Hunden gebissen werden

(- Manche Leute würden gerne mal einen Beschluss der Geschäftsführung verändern, wenn auch nur um zu zeigen, dass das geht)

Bester Alternativvorschlag bisher:

– Leinenpflicht für Hunde im Treppenhaus und aktives Einverständnis der unmittelbar im Raum arbeitenden KollegInnen einholen“ und Gedicht ‚Ode an eine tierische Freundin‘

Andere Vorschläge:

– Individuelle Lösungen für HundebesitzerInnen finden

– Verbot zurücknehmen, vorheriger Status Quo, dass Hunde mitgebracht

werden können, ohne explizite Regelung

– Hunde in den (nicht vorhandenen) Raucherraum

– Raucher werden gezwungen auf die Hunde aufzupassen

Status Quo:

– Hunde sind im neuen taz-Gebäude verboten.“

Eine Mitarbeiterin erinnerte daran: „Bevor ich meine neue Hündin (das erste und bisher fast einzige Mal) mit in die Redaktion brachte, habe ich eine lange Mail an alle geschrieben, habe von der spontanen Rettung zweier halb verhungerter Welpen am Straßenrand in Griechenland erzählt und darum gebeten, dass man sich bei Problemen/Ängsten etc. in Zusammenhang mit Hunden bei mir meldet – das ist nie geschehen, stattdessen gab es Lob für die Aktion und Freude, als ich sie mitbrachte.
Zugegeben, ich bin noch nicht lange hier bzw. auch nicht dauernd, also habe ich womöglich die ein oder andere Hundediskussion verpasst. Aber dass jetzt Hunde einfach so von oben herab verboten werden sollen, schockt mich ziemlich. Immerhin ist die taz doch in so vielen anderen Dingen demokratisch und offen für Kompromisse. Ich habe übrigens selbst eine Hundeallergie. Laut meinem Arzt ist sie sogar recht stark, gespürt habe ich sie bisher aber erst bei wenigen bestimmten Rassen. Kommt also immer auf den Hund an. Was die Angst vor Hunden angeht, so verstehe ich nicht, warum sich in solchen Fällen nicht Kompromisse finden lassen sollten (HundehalterInnen sitzen woanders, Hunde sind in den Gängen angeleint und dürfen nicht jeden begrüßen, der vorbei geht etc.). Dass es auf keinen Fall passieren darf, dass ein Hund jemanden beißt, ist natürlich klar!
Was spricht dagegen, in jeder Abteilung (je nach Krankheits- und Angstlage der KollegInnen) selbst eine Regelung zu suchen, statt ein allgemeines Verbot auszusprechen? Ich fände es sehr schade, wenn man sich zum Thema Hund nicht demokratisch einigen könnte. Zum Glück lebe ich in einer tierlieben WG, die sich oft und gerne kümmert, aber für viele gibt es eben keine andere Möglichkeit, als die Hunde zur Arbeit mitzunehmen.“

Dazu schlug eine Kollegin vor: „Es sollten sich hier mal die KollegInnen melden, die in der taz von Bürohunden gebissen wurden. Ich allein weiß von zweien.“

Eine andere Mitarbeiterin wandte dagegen ein: „Wenn du das schon forderst, dann sollen sich bitte die Kolleg*innen melden, die von Hunden gebissen wurden, die aktuell in die taz mitgebracht werden. Ich wurde auch als Kind von einem Hund gebissen. Weil mir vorher gesagt worden ist, dass ich mich ihm nicht nähern soll, habe ich es als meine eigene Schuld empfunden und deshalb niemandem davon erzählt. Meine Hundeliebe war danach weiterhin ungebrochen, keine Ahnung, woher sie rührt. Letztendlich haben die Hunde in meinem privaten Umfeld jedoch so viel zu meinem körperlichen, seelischen und geistigen Wohl beigetragen, dass der eine Biss völlig von positiven Erlebnissen überdeckt worden ist.“

Dazu schickte eine Kollegin ein link zu einem Clip von Loriot herum, in dem ein sprechender Hund seine Meinung äußert.

Ein weiterer Kollege schickte eine Meinung von einem ständigen taz-Gast herum: „Christian Specht erklärt, dass er ein Hundeverbot unmöglich findet. Besonders die Hunde, die er schon kennt, findet er OK. Fremde Hunde die beißen, möchte er aber nicht. Er kündigt Widerstand gegen das Verbot an und schlägt die Gründung einer Hundepartei vor. Danke für die Aufmerksamkeit.“

Ein Redakteur griff die Idee auf und schrieb: „Ein passendes Schlusswort für unseren Liveticker auf dem Hausblog. Jetzt können wir nach Hause gehen und morgen weitertickern.“

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Es war ein Frühling wie jeder andere./ Plötzlich waren die Familiengeschichten über die Streiks von 1936 ganz nah./ Man sah und hörte Dinge, die man noch nie gehört oder gesehen hatte – und die man schon gar nicht für möglich gehalten hätte./ Es würde einen heißen Herbst werden, gefolgt von einem heißen Frühling (bis man irgendwann nicht mehr daran dachte und beim Anblick einer alten Jeans sagen würde: ‚Die habe ich 1968 getragen‘)./ Nichts auf der Welt durfte uns fremd sein, weder das Schicksal der Ozeane noch der Mädchenmord in Bruay-en-Artois, man mußte zu allem eine Meinung haben, zu Allende in Chile, zu Kuba, Vietnam und zur Tschechoslowakei. Man verglich die Systeme und suchte nach Vorbildern. / Charles Piaget, der Arbeiter in der LIP-Uhrenfabrik, war bekannter als der Psychologe mit demselben Namen, mit dem man uns im Philosophieunterricht getriezt hatte (niemand ahnte, dass man bei dem Namen eines Tages nur noch an den Schweizer Luxusjuwelier denken würde, der Anzeigen in den Zeitschriften schaltete, die beim Friseur auslagen)./ Man suchte nach Vorbildern in Zeit und Raum, in Indien und in den Cevennen, in der Exotik und im Landleben. Man strebte nach Reinheit./ Man kam aus dem Hinterfragen nicht mehr heraus. 1968 war das erste Jahr einer neuen Zeitrechnung./ Man sprach über nichts anderes. Man sollte beim Lesen, Schreiben, Baden, und beim Entleeren des Darms Lust empfinden. Der Orgasmus war das Ziel allen menschlichen Tuns./ Man gab Abtreibungsadressen in London und Amsterdam weiter./ Man durfte auf keinen Fall dumm sterben./Als glühender Anhänger einer Rückkehr zur Natur verschmähte man den Strandurlaub., bei dem man nur ‚wie die Sardinen‘ in der Sonne lag./ Zwischen dem bäuerlichen Leben der vergangenen Jahrhunderte, dessen Kräuterduft die laue Nachtluft zu uns herüber zu tragen schien, und diesem Abend im August 1973 war nichts passiert./ Die Gesellschaft bekam einen neuen Namen, sie hieß jetzt ‚Konsumgesellschaft‘./ Der Konsum löste die Ideale von 1968 ab./ Man selbst würde nie alt werden.

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Ein anderer Redakteur blogte jedoch weiter: einen link zu einem youtube-clip, in dem es um eine französische Firma geht, in der Hunde explizit erlaubt, wenn nicht gar erwünscht sind.

Eine EDV-Mitarbeiterin verschickte daraufhin einen link zu einem langen „Zeit“-Artikel mit dem Titel „Hunde im Büro senken den Stresslevel“. Darin hieß es „Ein Verein will mehr Hunde ins Büro bringen. Haustiere am Arbeitsplatz machen die Mitarbeiter zufriedener, sagt der Chef des Bürohunde-Verbands, Markus Baeyer.“

Der Bundesverband Bürohund e.V. mit Sitz in Berlin hat den Slogan: ″Wir glauben daran, dass Hunde im Büro gut für Menschen, Unternehmen und Hunde sind.“ Auf ihrer Internetseite sind alle hundefreundlichen Firmen auf einer Deutschlandkarte markiert, es sind sehr viele, dazu gehört anscheinend auch die taz-Bremen.

Eine Kollegin wollte wissen: „Wer hat hier im Haus eine Allergie gegen Hundehaare? Wer hat eine generelle Angst vor Hunden? Ich glaube, wir sprechen hier von einer kleinen Minderheit. Die sollte natürlich unbedingt berücksichtigt werden. Aber dafür ein generelles Verbot für Hunde aussprechen? Es gäbe doch Alternativen, mit denen alle leben könnten, z.B. Hundezonen, die man auch in einem Großraumbüro einrichten könnte. Man muss das nur wollen. Die größere Mehrheit der MitarbeiterInnen dürfte entweder neutral sein oder die Anwesenheit von Hunden zu schätzen wissen, siehe den „Zeit“-Artikel. Gleichzeitig sollten die HundebesitzerInnen darauf achten, dass nie mehr als x Hunde gleichzeitig da sind, um störende Unruhe zu vermeiden. Die diesbezüglichen Absprachen werden hier in unserer benachbarten Abteilung mit vielen Hunden schon seit langem getroffen. Man kann doch alles irgendwie regeln, oder? Ich selbst habe übrigens keinen Hund, möchte aber mittlerweile auf ‚unsere‘ Bürohunde nicht mehr verzichten. Ich bitte darum, dass diese Entscheidung doch noch mal überdacht wird.“

Eine andere Kollegin schrieb: „Ich habe meinen (von menschen) misshandelten (angst)hund aus rumänien nur nach deutschland geholt, weil ich wusste, dass er mit mir ins büro kann. unter anderen umständen hätte ich mir das tier erst gar nicht angeschafft. Ein*e hundesitter*in verdient leider mehr als ich. Vielleicht werde ich einfach hundesitterin? Aber eigentlich will ich bei der taz bleiben. wie soll das dann gehen?“

Ein Redakteur schlug vor: „Die Hunde können ja dann in den Raucherraum…Nein, im Ernst: Mir persönlich ist das Thema ziemlich egal, weder hab ich Angst vor Hunden noch bin ich Hundeliebhaber, in meinem Ressort gibt es keine Bürohunde, und meine Katzen bleiben zuhause. Aber ich finde nicht, dass es irgendeinen Grund gibt, in diesem Fall nicht nach für alle (v)erträglichen Regelungen zu suchen, sondern stattdessen mit einem Verbot doch recht vielen Leuten das (Arbeits-)leben deutlich zu erschweren.

Ich fände es auch wirklich angebracht, nach Raucherraum (Petition, Versammlung, Mehrheit, GF entscheidet einseitig dagegen), Fassadengestaltung (Farce-Sitzung) und etlichen anderen sehr seltsamen Vorgängen rund ums neue Haus auch in der Ausgestaltung unseres neuen Arbeitsplatzes endlich mal wieder die taz-interne Demokratie einziehen zu lassen, auf die wir nach außen doch immer so stolz sind.“

Ein anderer Redakteur schrieb: „Beim Ausformulieren verschiedener Bedürfnisse sind wir schon mal weiter als der einfache Ruf nach einer (Mehrheits)abstimmung. Besser wäre, wir hätten ein Verfahren, mit dem wir daraus auch wirklich einen Beschluss hinbekommen, der von allen mitgetragen werden würde, weil er alle Bedürfnisse berücksichtigt – nicht nur ‚Hunde/Rauchen/Kunstwerk? Dafür oder dagegen?‘ Ein solcher Beschluss hätte eine bessere Chance auch gegenüber der Geschäftsführung mitgetragen, eingefordert und alternativ zum Verbot durchgesetzt zu werden. Das wäre auch eine Form von hausinterner Demokratie, auf die man wirklich stolz sein könnte. Das haben wir aber nicht, deswegen spielen uns hausinterne Hierarchen auch immer ganz leicht aus.“

Eine Mitarbeiterin schickte einen link zu einem Artikel, in dem der Chef des Springer-Konzerns in einem Interview sagte, dass er sich schon immer für Hunde im Büro eingesetzt habe – mit der Begründung: „Wie Eltern, die ihr Kind in einem guten Kindergarten wissen, ist man als Besitzer besser drauf, wenn man weiß, dass man den geliebten Hund in der Nähe hat.“

Dazu äußerte die Mitarbeitern: „Es gibt 50 Hunde bei Springer, scheint gut zu funktionieren. Das taz-Café soll auch hundefreier Ort werden, was ich in einer Stadt wie Berlin unsäglich finde. Ich fände es auch auf dem Dorf falsch, aber in einer Metropole, in der es über 100.000 Hunde gibt (und das sind ja nur die angemeldeten …), ist das eine Einschränkung für potentielle Gäste, wir sortieren das Klientel vorher schon aus.“

Eine externe Mitarbeiterin schrieb: „‘Es gibt 50 Hunde bei Springer, scheint gut zu funktionieren‘. Ja, warum nicht an Springer orientieren? Das funktioniert ja auch in anderer Hinsicht gut. ‚Das taz Café soll auch hundefreier Ort werden, was ich in einer Stadt wie Berlin unsäglich finde‘. Hier würde ich gerne die Meinung der KellnerInnen hören, deren Arbeit durch Hunde mit Sicherheit erschwert ist. Beim Kellnern hat man schließlich nicht ständig die eigenen Füße im Blickfeld, sondern eher die Gäste, Teller und Tabletts.“

Dies bewog eine andere Mitarbeiterin zu der Äußerung: „Das war irgendwie klar, dass dieses Argument kommt. Was haben Hunde im Büro jetzt nochmal genau damit zu tun, was in der Zeitung steht?“ Außerdem meinte sie: „Bei mir ist das ähnlich: Ich hätte mich gar nicht erst für die Anschaffung meiner Hündin entschieden, wenn da schon klar gewesen wäre, dass Hunde im neuen Haus verboten sind. Vor meinem Wechsel von taz.de zur taz am wochenende hatte ich sogar ausdrücklich zur Bedingung gemacht, dass ich sie mit in die Redaktion bringen kann – was bisher übrigens supergut und stressfrei klappt. Wenn man keinen Partner oder eine WG o.ä. hat, die die tägliche Betreuung übernehmen können, bleibt nur der Hundesitter. Und, da hat meine Kollegin völlig recht: Das ist mit dem taz-Gehalt nicht machbar. Es muss doch möglich sein, statt einem generellen Verbot Regeln zu vereinbaren, mit denen alle leben können, etwa Leinenpflicht im Treppenhaus – oder wasauchimmer.“

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Ein nachhakdender Redakteur wollte wissen: „‘Mit den Freundinnen und Freunden des Bürohundes in der taz haben wir dieses Thema schon seit langem besprochen und unsere Absicht kundgetan,dass wir im taz-Neubau das Mitbringen von Hunden nicht mehr erlauben…‘ Stimmt das denn?“

Ein anderer Redakteur schrieb: „Auch bei mir ist das entsprechend. Ich bringe meinen Hund nur sporadisch in die taz mit, aber auch bei der Entscheidung für den Hund war vorab Voraussetzung, dass der Hund mich zur Arbeit begleiten kann, wenn notwendig. Die Antwort von vielen Kolleginnen war: Yippie, ein Bürohund. Wenn man im Haus auf allen Etagen, wenigstens in der Rudi-Dutschke-Straße mit den Worten: ‚Wo hast Du denn heute deinen Hund gelassen?‘ empfangen wird, empfinde ich es als sehr befremdlich, dass zwei Menschen da einfach so einen Schlusstrich ziehen wollen. Und mir scheint, dass es da auch kein wirkliches Bild mehr über das Betriebsklima gibt, das im Redaktionshaus inzwischen herrscht. Deswegen gut, dass wir zusammenziehen. In ein Haus, dessen Entwurf, wenn ich mich richtig erinnere, den Zuschlag bekommen hat, weil es so offen ist, dass die taz-Mitarbeiterinnen sich ihr Arbeitsumfeld GEMEINSAM gestalten können. Was mich nervt, ist die Haltung, die auch zuweilen hier in der Diskussion aufscheint, dass man als Hundehalter irgendeinen Selbstverwirklichungs-Spleen verfolgen würde auf Kosten seiner Mitmenschen oder -kollegen (Stichwort: Ekelfleischesser). Dafür sorgt schon, dass einen Hund zu halten eine vergnügungssteuerpflichtige Tätigkeit ist. Das ist aus meiner Sicht der einzige Vergleich, den man zum Rauchen ziehen kann. Einen Hund zu halten, ist für sich und das Umfeld in aller Regel gesund. Ich halte die Kolleginnen mit Hund für extrem achtsam und verantwortungsvoll, dass sie die Anwesenheit ihrer Hunde am Arbeitsplatz für alle mehr als verträglich gestalten – vor allem im Vergleich zu vielen anderen Haltern und ihren Tieren, denen man sonst auf der Straße begegnet. Deswegen würde es mich freuen, wenn sich viele hier beteiligen würde, eine Lösung zu finden, vor allem für Kolleginnen, die mit Hund in die taz eingetreten sind und für die ein ausschlaggebender Grund war, einen hundefreundlichen Arbeitgeber zu haben, der nichts gegen Tiere im Haus hat. Inzwischen muss man vermuten, dass das nicht ehrlich war, gerade wenn ich lese, dass das Hundeverbot auch im taz-cafe gelten soll. Das ist wirklich Realitätsverkennung angesichts einer Hauptstadtgastronomie, in der man mit Hundefreundlichkeit (vulgo Edelstahlnäpfen, die ungefragt unter den Tisch gestellt werden) überschüttet wird. Man möchte als Mensch mal so bedient werden.“

Der konstruktive Redakteur faßte abermals zusammen:

„Bedürfnisse:

– Manche Leute wollen ihre Hunde mitbringen

– Manche Leute wollen ihre Hunde ins Cafe nehmen

– Manche Leute können es sich nicht leisten, ihre Hunde nicht mitzubringen

– Manche Leute können in einem Raum nicht arbeiten, in dem sich ein Hund regelmäßig und dauerhaft aufhält

– Manche Leute haben Angst, einem Hund zu begegnen

– Manche Leute wollen nicht in Anwesenheit von Hunden essen

– Es muss ausgeschlossen sein, dass sich Hunde Leuten nähern, die das nicht wollen

– Es muss ausgeschlossen sein, dass Menschen von mitgebrachten Hunden gebissen werden

– Manche Leute haben Angst vor mehreren Hunden in einem Raum

(- Manche Leute würden gerne mal einen Beschluss der Geschäftsführung verändern, wenn auch nur um zu zeigen, dass das geht)

Alternativvorschläge bisher (auch kombinierbar):

– Leinenpflicht für Hunde in Gemeinschaftsräumen

– aktives Einverständnis der unmittelbar im Raum arbeitenden KollegInnen einholen

– Bestimmte Gebäudeteile werden mit Hundetüren abgetrennt und hundefrei gehalten

– Abteilungen/Ressorts finden eigenen Umgang mit Hunden

– Individuelle Lösungen für HundebesitzerInnen finden

– Hunde in den (nicht vorhandenen) Raucherraum

– Raucher werden gezwungen auf die Hunde aufzupassen

– Verbot zurücknehmen, vorheriger Status Quo, dass Hunde mitgebracht werden können, ohne explizite Regelung

Status Quo:

– Hunde sind im neuen taz-Gebäude verboten, auch im Cafe.“

 

Eine Redakteurin schrieb: „Ich habe noch ein paar Vorschläge:

– Leinenpflicht im ganzen Haus

– Zwingerzwang (es gibt so Boxen, in die man Hunde im Büro stecken kann) oder „Körbchenzwang“

– Maulkorbpflicht für Listenhunde

– taz-Hundekalender auf dem Server, damit nicht mehr als x Hunde pro Stockwerk/Abteilung pro Tag mitgebracht werden.

Des Weiteren fände ich es schön, wenn sich nur Kolleg*innen an der Diskussion beteiligen, die physisch in der taz arbeiten. Aus dem Homeoffice Stimmung machen, bringt momentan ziemlich wenig.“

Dazu kam wenig später noch eine Zusammenfassung:

„Bedürfnisse:

– Manche Leute wollen ihre Hunde mitbringen

– Manche Leute wollen ihre Hunde ins Cafe nehmen

– Manche Leute können es sich nicht leisten, ihre Hunde nicht mitzubringen

– Manche Leute können in einem Raum nicht arbeiten, in dem sich ein Hund regelmäßig und dauerhaft aufhält

– Manche Leute haben Angst, einem Hund zu begegnen

– Manche Leute wollen nicht in Anwesenheit von Hunden essen

– Es muss ausgeschlossen sein, dass sich Hunde Leuten nähern, die das nicht wollen

– Es muss ausgeschlossen sein, dass Menschen von mitgebrachten Hunden gebissen werden

– Manche Leute haben Angst vor mehreren Hunden in einem Raum

– Manche Leute wollen eine Lösung, die von allen im Haus gemeinsam erarbeitet wurde

– Manche Leute würden gerne mal einen Beschluss der Geschäftsführung verändern, wenn auch nur um zu zeigen, dass das geht

Alternativvorschläge bisher (auch kombinierbar):

– Leinenpflicht für Hunde in Gemeinschaftsräumen

– Leinenpflicht im ganzen Haus

– aktives Einverständnis der unmittelbar im Raum arbeitenden KollegInnen einholen

– Bestimmte Gebäudeteile werden mit „Hundetüren“ abgetrennt und hundefrei gehalten

– Abteilungen/Ressorts finden eigenen Umgang mit Hunden

– Individuelle Lösungen für HundebesitzerInnen finden

– Zwingerzwang (es gibt Boxen, in die man Hunde im Büro stecken kann) oder „Körbchenzwang“

– Maulkorbpflicht für Listenhunde

– taz-Hundekalender auf dem Server, damit nicht mehr als x Hunde pro Stockwerk/Abteilung pro Tag mitgebracht werden

– Hunde in den (nicht vorhandenen) Raucherraum

– Raucher werden gezwungen, auf die Hunde aufzupassen

– Verbot zurücknehmen und den vorherigen Status Quo, dass Hunde mitgebracht werden können, ohne explizite Regelung, wiederherstellen

Vorgehensvorschläge:

– Betriebsrat will sich beraten

– Redaktionsrat will sich beraten.“

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Mittlerweile sieht sie ihr Studium als die Zeit ihrer intellektuellen Verbürgerlichung, als Bruch mit ihrer Herkunft. Ihr Gedächtnis ist nicht mehr romantisch, sondern kritisch./ Zu den unerträglichen Erinnerungen gehören das Bild ihres sterbenden Vaters und das seiner Leiche im Anzug, den er nur ein einziges Mal angehabt hatte, zu ihrer Hochzeit nämlich./ Es hieß, es werde ein heißer Frühling, dann sagte man dasselbe über den Herbst. Aber nichts geschah. Schüleraktionskomitees, Separatisten, Umweltschützer, Atomkraftgegner, Kriegsdienstverweigerer, Feministinnen, Schwule, jeder kämpfte für eine gerechte Sache, aber man tat sich nicht zusammen./ Als Lehrerin beschränkten sich die Zukunftspläne darauf, dass man gleich nach dem Sommer alle Ferientage des neuen Schuljahrs in den Kalender eintrug./ Mehr denn je zuvor sehnten sich die Leute nach einem Leben auf dem Land./ Also zog man um. In eine neue Stadt, vierzig Kilometer außerhalb der Pariser Ringautobahn./ Kaufrausch, als würde die Anschaffung eines elektrischen Waffeleisens oder einer japanischen Lampe uns zu einem neuen Menschen machen./ Roland Barthes starb viel zu früh./ Die Verbindung zur Vergangenheit war geschwächt. Man gab nur noch die Gegenwart weiter. /Die Zeit der Kinder löste die Zeit der Toten ab./ Auf eigenen Wunsch und auf den des Staates, in Form von Banken und Bausparverträgen, verwirklichte man sich den ‚Traum vom Eigenheim‘./ Bevor man sich zur Trennung durchrang, vergingen Monate voller Streits und halbherziger Versöhnungen, Gespräche mit Freundinnen und vorsichtigen Andeutungen über Eheprobleme gegenüber den Eltern, die vor der Hochzeit warnend gesagt hatten: ‚Bei uns gibt es keine Scheidung‘./ Die Inventur [der Anschaffungen] war das Todesurteil der Beziehung./ Man war bereit, sich mit halb so viel Geld zu begnügen, bereit zu allem, Hauptsache, man bekam wieder Lust auf die Zukunft./ Auf der touristischen Route nimmt sie wahr, dass die Esel aus dem Stadtbild verschwunden sind, stellt fest, dass sich Spanien seit Francos Tod verändert hat./ In diesem Jahr versteht sie zum ersten Mal den Sinn des grausamen Satzes; ‚Ich habe nur ein Leben‘.

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Eine Mitarbeiterin schrieb: „Zwingerzwang finde ich sehr hart. Kein Knast für Hunde! Übrigens möchte ich gerne Christians Hundepartei beitreten. Gibt es da schon Mitgliedsformulare?“

Sodann meldete sich eine weitere Hundekritikerin: „Ich persönlich finde Hunde im Büro unangenehm und hätte große Probleme, mit ihnen in einem Raum zu sein. Mich stören auch Hunde im Café sehr. Aber ich halte sie aus. Nur möchte ich nicht beim Essen neben ihnen sitzen und warte dann eben, bis woanders ein Platz frei wird. Oder gehe auswärts essen. Definitiv Angst habe ich davor, in einen Raum zu gehen, in dem mehrere Hunde sind. Seitdem es das hier gibt, habe ich den Raum nicht mehr betreten. Ich war deshalb noch nie bei der Geschäftsführung und es war mir auch nie wichtig genug, darüber mit HundehalterInnen zu diskutieren. Aber ja: es gibt solche Menschen, die vierbeinige Haustiere nicht so mögen. Auch in der taz. Andererseits verstehe ich sehr gut, dass KollegInnen, die sich einen Hund nur deshalb zugelegt haben, weil sie wussten, er darf mit in die taz, jetzt nicht vor einem massiven Problem stehen sollten. Insofern: ja zur taz-internen Demokratie,ja zum Hunde-Konsens und zur ‚HundBV‘.“

Ein Redakteur versprach: „Wir werden die Hundefrage auch im Redaktionsrat besprechen und melden uns dann.“Woraufhin eine Kollegin schrieb: „Super. man kann doch alles in Ruhe besprechen und sicher vernünftige individuelle Lösungen finden.

Ein anderer Redakteur verschickte ein Gedicht:

„O Püppi, o Püppi,

es ist alles schnüppi!

Du darfst nicht mehr wedeln,

die Arbeit veredeln.

Im Spiel mit dem Ball

warst du flugs überall.

Doch wirst du zur Last

nun im neuen Palast.

Darfst keinen beschnuppern,

das Fell nicht mehr schubbern

an uns, deinen Freunden,

die um dich her streunten,

O Püppi, o Püppi,

es ist alles schnüppi!“

Eine taz-Hundehalterin fühlte sich persönlich damit angesprochen: „Ich bin ganz gerührt! ich wollte ja auch noch meinen Protest schreiben, trotdem Püppy ja selten hier ist. Habe aber leider sehr wenig Zeit heute. Trotzdem schnell ein paar Worte. Hier in der Abteilung, fragen mich (Nicht ALLE) aber die meisten Kollegen, plus sehr viele aus der Redaktion!!!, wann ich dann endlich mal wieder Püppy mitbringe. Ich finde, das sollte in der Abteilung geklärt werden und nicht von oben bestimmt.Ein paar Regeln dazu aufstellen (anleinen im Treppenaufgang usw.) und die Hundehalter sollten sich daran halten.“

Aus der taz-Bremen kam ein link zu Bürohunde-Käfigen mit der Bemerkung: „Ikea hat sowas, siehe Anhang. Sieht nur so mittelknastig aus. Viele Grüße aus der vom Tierschutzbund als „hundefreundlicher Betrieb“ zertifizierten Bremen-Redaktion.“

Vom blogwart kamen Zitate von Goethe und Schopenhauer über Hunde: „‘Wundern kann es mich nicht, daß Menschen die Hunde so lieben: Denn ein erbärmlicher Schuft ist, wie der Mensch, so der Hund.‘ Das ‚Venezianische Epigramm, Nr.73‘ schrieb der vom ständigen Gebell und Gekläffe genervte Goethe auf seiner Italienereise. Was den glühenden Goetheverehrer und begeisterten Hundehalter Arthur Schopenhauer derart in Rage brachte, dass er dem Dichterfürsten zurück schrieb: „Wundern darf es mich nicht, daß manche die Hunde verleumden: Denn es beschämet zu oft leider den Menschen der Hund.‘ (Schopenhauer: ‚Antistrophe zum 73. Venezianischen Epigramme‘)

Während es die Geschäftsführung mit Goethe zu halten scheint, tendieren Belegschaft und Betriebsrat eher zu Schopenhauer. Der tadelte seinen Pudel ‚Butz‘, wenn er sich nicht benahm als ‚Mensch!‘, war er besonders brav nannte er ihn ‚Atman‘. Unter Weltseele machte es der Buddhist Schopenhauer nicht…‘ Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken‘, geht ganz in diese Richtung.“

Im übrigen erinnerte der blogwart daran: „Eine taz-interne Kita haben wir anno 82 ja nur ein paar Tage hingekriegt, nach dem Fieber der jetzigen Debatte zu urteilen könnte es mit einer Huta aber klappen… ne größere Hütte auf’m Hof, wo sich Raucher und Nichtraucher die taz-Tölen für ne Runde abholen können, sollte doch machbar sein. Oder ist so ein exteritorialer Streichelzoo für gestreßte tazlerInnen schon zu viel Seehofer? Wie auch immer, diese lustige taz-Tierwelt schreit nach ernster Erforschung.“

Ein taz-Leser schrieb in einem Brief: „Mir kam zu Ohren, daß Hunde von MitarbeiterInnen nicht mehr zur Arbeit ins neue taz-Haus kommen dürfen. Folglich werden Behinderte mit Assistenzbegleithunden auch nicht eingestellt werden. Hoffe dass dies mit Hilfe des Gleichstellungsgesetzes und ähnlicher Verordnungen nicht möglich sein wird!“

Dann meldete sich der Betriebsrat erneut: „wie angekündigt haben wir uns heute mit dem Redaktionsrat getroffen. Wir sind der Meinung, dass das Vorgehen der Geschäftsleitung in Sachen Bürohunde unangemessen ist. Grundsätzlich müssen hier verschiedene Rechtsgüter und Interessen gegeneinander abgewogen werden – sowohl die der Hundehalter*innen als auch die der Arbeitgeberin und der übrigen Mitarbeiter*innen, neben grundsätzlichen Erwägungen mit Blick auf eher hundekritisch eingestellte Mitarbeiter*innen, das Hygiene- oder Tierschutzrecht. Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht und ist darum zwingend bei der Regelung zu beteiligen. Insgesamt ist Transparenz wichtig. Alle Beteiligten sollten vor einer Entscheidung angehört werden. Durch das einseitige Vorgehen der Geschäftsleitung konnte der Betriebsrat sein Mitbestimmungsrecht nicht ausüben. Er wird deshalb die Geschäftsleitung auffordern, eine Vereinbarung über Bürohunde im neuen Verlagsgebäude abzuschließen. Falls die Geschäftsleitung dazu nicht bereit ist, werden wir eine Vereinbarung in der Einigungsstelle abschließen. In jedem Fall werden wir im Vorfeld dieser Vereinbarung eine Betriebsversammlung einberufen, um Lösungsvorschläge mit euch abzustimmen. Der Redaktionsrat unterstützt uns bei dieser Vorgehensweise.“

Ein Redakteur interpretierte das Schreiben des Betriebsrats so: „Status quo: Verboten im neuen taz-Cafe, aber nicht in der neuen taz, da das Café keine eigentliche Arbeitsstätte ist. Denn wenn das Mitbestimmungsrecht verletzt ist, sehe ich gar keinen Grund, warum mit den Hunden nicht weiter verfahren wird, wie es inzwischen lange Gewohnheit ist. Sonst verhungern wir Hundebesitzer auf dem Status quo, bis Mitarbeiterversammlung, Einigungsstelle befasst wurden und es eine Betriebsvereinbarung gibt. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Wir sehen ja, wie lange es jetzt schon dauert, eine Betriebsvereinbarung zu schließen, damit an den neuen Arbeitsplätzen die Lärmbelastung die gesetzlichen Grenzwerte einhält. Da kann man im neuen Haus wenigstens wie bisher zu Selbsthilfe greifen (Ohrstöpsel, Papierstapel oder Pflanzen als Akustikbarrieren bspw.). Ich weiß aber nicht, wie das die Hundebesitzerinnen tun sollen. Herzlichen Dank, lieber Betriebsrat und Redaktionsrat, für die schnelle Befassung mit dem Thema.“

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Der konstruktive Redakteur faßte ein letztes Mal zusammen:

„Vorgehensvorschläge:

– Das Hundeverbot im neuen Haus wird als ungültig betrachtet, bis die Geschäftsführung eine Vereinbarung abschließt

– Betriebsrat beruft Betriebsversammlung ein und fordert danach Geschäftsführung zu einer Vereinbarung auf

– Beste Alternative, wenn es keine Einigung gibt: Eine Vereinbarung in der Einigungsstelle

– Redaktionsrat will sich beraten

Status Quo:

– Hunde sind im neuen taz-Gebäude verboten, auch im Cafe (Gültigkeit umstritten)

– Hunde können mitgebracht werden, es gibt keine explizite Regelung (Gültigkeit umstritten).“

 

Ein Mitarbeiter unkte: „Wahrscheinlich steht in dieser mit dem taz Café so eng verbundenen Frage doch bald wieder das Lieblingsgericht etlicher taz-MitarbeiterInnen auf dem Plan: das Arbeitsgericht.“

Ein anderer Redakteur gab bekannt: „Ich habe schon die erste Anfrage aus dem Ausland, ob man sich auf eine Stelle als Bürohund bewerben darf.“

Ein Mitarbeiter schrieb zu den Vorschlägen ‚taz-Hundekalender auf dem Server, damit nicht mehr als x Hunde pro Stockwerk/Abteilung pro Tag mitgebracht werden‘ und ‚Hunde in den (nicht vorhandenen) Raucherraum‘: „In der EDV haben wir das mal kurz angedacht und sind zu dem Schluss gekommen, dass sich Raumbuchungssystem nicht auf Hunde anwenden lassen, da zwar Hunde als geteilte Ressourcen angesehen werden koennen, die belegt werden koennen, aber dies auch auf Raucher zutrifft und immer mindestens ein Raucher verfuegbar sein muss. (Raeume koennen auch mal leer sein).“

Dazu äußerte ein Redakteur: „Echt, Raucher sind auch geteilte Ressourcen, die belegt werden können? Super. Dann will ich als Ressortleiter eine Gutschrift für die Raucher in meinem Ressort, da diese mit anderen Ressorts oder Abteilungen geteilt werden (jedenfalls beim Rauchen). Sehr interessante Idee. Falls jetzt jemand vorschlägt, Raucher und Hunde zu verrechnen: Im Ausland haben wir keine Hunde, nur Raucher. Ist das jetzt ein Vorteil oder ein Nachteil?“

Der Irland-Korrespondent schickte einen link zu „tourism ireland“, in dem Angebote für „Kulinarische Reisen mit Hund durch Irland“ angeboten werden.

Am 5.Juli veröffentlichte ein Redakteur von „taz.eins“ einen launigen Artikel über den Hundestreit in der taz – unter der Überschrift „Rrrrr, wauwau, harrrr, wuffwuff:

Während die Welt über wichtige Themen debattiert – also Katzen im Internet –, ist die taz auf den Hund gekommen. Und das alles nur wegen des Neubaus. „Im neuen taz-Haus ist das Mitbringen von Hunden nicht erlaubt!“, verkündet die Geschäftsführung am späten Mittwoch per rundgemailtem Erlass. Seitdem geht es rund im Intranet der kleinen taz.

Den einen passt schon die Art und Weise der Mail nicht. Warum nicht abgestimmt würde? Andere zweifeln, ob es ausreichend Hundehaarallergiker gebe, die eine so weitreichende Ausgrenzung notwendig machen. Auch bei den Vor-Hunde-AngsthaberInnen handele es sich doch „um eine kleine Minderheit“. Gerade zum Schutze dieser, bellen andere zurück, sei eine Abstimmung kein probates Mittel.

Zwei Kolleginnen argumentieren, sie hätten ihren Hund nur geholt, weil sie wussten, dass er mit ins Büro kann. Und ein Hundesitter sei vom taz-Gehalt nicht finanzierbar. Ob es denn keinen Kompromiss gebe, etwa Leinenpflicht im Treppenhaus?

Der Redaktionsrat kündigt eine Besprechung der Hundefrage an. Auch der Betriebsrat schaltet sich ein. Ein Kollege fragt sich, ob die Tiere ihre stundenlange Anwesenheit in stickigen Büroräumen zu schätzen wüssten? Ein anderer schlägt vor: „Die Raucher passen draußen auf die Hunde auf. Beim Rauchengehen außerhalb des Gebäudes ist also ein Hund mitzuführen. Die Hunde werden gestellt, die EDV richtet ein entsprechendes Hundebuchungssystem ein.“ Und nun? Der Autor dieser Zeilen mag eh lieber Katzen.“

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Die Stimmung schlug um, man predigte wieder Strenge und Enthaltsamkeit –  ‚Austerität‘ und ‚Sparpolitik‘ waren die Wörter der Stunde-, ganz so, als hätten wir kürzere Arbeitszeiten, höhere Löhne und mehr Rechte nicht verdient./ Die Unternehmen waren das Naturgesetz./ Die Supermärkte vergrößerten ihre Verkaufsfläche, und auch die Einkaufswagen wurden voluminöser./ Die Jugendlichen waren vernünftig, die meisten dachten wie wir./ Wir ließen ihnen so viel Freiheit wie wir selbst gerne gehabt hätten, überwachten aber gleichzeitig unauffällig, was sie trieben und was sie verschwiegen./ Die ‚Erinnerungskultur‘ wurde zur Bürgerpflicht, sie war der Beweis für ein neues Unrechtsbewußtsein und einen neuen Patriotismus./ Draußen in der Welt verschleierten sich Frauen von Kopf bis Fuß./ Die Hoffnung verlagerte sich von den Dingen, die man besitzen wollte, auf die Instandhaltung des Körpers und das Streben nach ewiger Jugend./ Zu diesem Zeitpunkt ist sie geschieden, lebt allein mit ihren beiden Söhnen und hat einen Geliebten./ Sie hat Angst vor dem Älterwerden./ In Gedanken ist sie kaum mit ihren Söhnen beschäftigt, genauso wenig, wie sie als Kind und Jugendliche über ihre Eltern nachgedacht hat, sie gehören ganz einfach zu ihr./Mit dem Wechsel auf die Oberschule sind die Jungen mit einem Mal groß, und sie ahnt, dass sie nicht viel von ihnen weiß./ Der Tod Michel Foucaults./ Die Stahlarbeiter verbrannten auf den Schienen Autoreifen, während sie in dem TGV, der auf freier Strecke gehalten hatte, ‚Die Ordnung der Dinge‘ las./ Früher hatte man Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft gehabt, jetzt davor, sich mit dem HIV-Virus zu infizieren. Auf jeden Fall waren wir, anders als 81, nicht mit dem Herzen dabei./ Die Wohnungslosen gehörten zum Stadtbild./ Überall auf der Welt herrschten weiterhin Kriege./ Die Leute wünschten sich den Krieg regelrecht herbei, es war, als hätten sie schon lange nichts Aufregendes mehr erlebt, als wären sie neidisch auf das, was sie im Fernsehen sahen. Sie sehnten sich nach einer antiken Tragödie./ Eine moralisch legitimierte Kriegslust wehte durchs Land. Man wollte ‚Saddam eins auf die Mütze‘ geben. Die Libération sprach sogar von einem ‚zivilisierten Krieg‘./ Die Kinder, vor allem die Jungs, taten sich schwer damit, von zu Hause auszuziehen, den vollen Kühlschrank aufzugeben, die gewaschene Wäsche, die Geräusche der Kindheit. Ohne sich etwas dabei zu denken hatten sie im Nebenzimmer Sex. Sie richteten sich in einer langen Jugend ein, die Welt draußen wartete nicht auf sie.

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Am 6.Juli folgte ein zweiter taz-Hundeartikel: „Rrrrr, wauwau, harrrr, wuff (2):

Die taz-interne Debatte um taz-interne Hunde im taz-Neubau (siehe taz -sachen von gestern) geht weiter. Ein Kollege faßte den Diskussionsstand nach gut 60 Mails wie folgt zusammen: Status: Hunde sind (von der Geschäftsführung) im neuen taz-Gebäude verboten. Bedürfnisse: Manche wollen ihre Hunde mitbringen. Manche können es sich nicht leisten, ihre Hunde nicht mitzubringen Manche können in einem Raum nicht arbeiten, in dem sich ein Hund regelmäßig und dauerhaft aufhält. Manche haben Angst, einem Hund zu begegnen. Es muss ausgeschlossen sein, dass sich Hunde Leuten nähern, die das nicht wollen, und dass Menschen gebissen werden. Manche haben Angst vor mehreren Hunden in einem Raum. Manche wollen eine Lösung, die von allen gemeinsam erarbeitet wurde. Manche würden gerne mal einen Beschluss der Geschäftsführung verändern, wenn auch nur um zu zeigen, dass das geht. Alternativvorschläge: Leinenpflicht in Gemeinschaftsräumen. Oder im ganzen Haus. Aktives Einverständnis der unmittelbar im Raum arbeitenden KollegInnen einholen. Gebäudeteile werden hundefrei gehalten. Abteilungen/Ressorts finden eigenen Umgang mit Hunden. Zwingerzwang, „Körbchenzwang“, Maulkorbpflicht für Listenhunde. taz-Hundekalender auf dem Server, damit nicht mehr als x Hunde pro Stockwerk/Abteilung pro Tag mitgebracht werden. Hunde in den (nicht vorhandenen) Raucherraum. Raucher werden gezwungen, auf die Hunde aufzupassen. Verbot zurücknehmen. Aussichten: Es bleibt kompliziert.“

Darauf kam ein Leserbrief, in dem es hieß:

„Erstaunlich, wie ignorant die taz-Geschäftsleitung sein kann. Wie kann man plötzlich ein generelles Hundeverbot erlassen, dass viele Mitarbeiter*innen vor massive Probleme stellt. Für jeden Tag eine Hundesitter zu organisieren, bedeuten viel Aufwand (Zeit und/oder Geld), und somit eine unbegründete Diskriminierung der Hunde (die vermutlich nur ungern so lange von Herrchen/Frauchen getrennt sind) und Ihrer Besitzer*innen. Die Gründe dafür sind wenig plausibel: Einige möchten keine Hunde im Raum haben und/oder nicht, dass sich Ihnen Hunde nähern. Wenn morgen X sagt, er möchte keine Handys in seiner Nähe, weil er befürchtet, mit abgehört zu werden, Y hat was gegen lange Haare, weil er sie unhygienisch findet, und Z kann den Geruch von Käse nicht ausstehen, werden dann auch Hausverbote für Handy, lange Haare und Käsebrötchen ausgesprochen? Wenn ein Mensch ein irrationale Phobie hat, wäre es seine Aufgabe, diese behandeln zu lassen, und nicht seinen Kollegen damit zur Last zu fallen, indem er diesen Einschränkungen auferlegt. Eine regelmäßige Anwesenheit von Hunden kann übrigens zur Gewöhnung und zur Abbau von einer Phobie beitragen, wenn mensch dazu gewillt ist. Legitim wäre es, in konkreten Einzelfällen ein Verbot auszusprechen, z.B. wenn ein Hund ständig bellt oder auf andere Weise erheblich beim Arbeiten stört. Ein pauschales Hundeverbot aber ist unfair und auch rassistisch, weil es die Diskriminierung des Hundes und des Halters bzw. der Halterin allein an die Zugehörigkeit zur Species Hund koppelt, und nicht an den Eigenschaften und Verhaltensweisen des jeweiligen Individuums.“

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Auf dem Foto strahlt sie eine beherrschte Lässigkeit aus, ’sie erlebt ihre besten Jahre‘, wie es in den Frauenzeitschriften über Frauen zwischen vierzig und fünfundfünfzig heißt. Das Foto wurde im Garten unterhalb des Hauses aufgenommen, in dem sie allein mit der Katze lebt, die zu diesem Zeitpunkt anderthalb ist. Auf der Rückseite steht: Cergy, Februar 92./ Die ständige Sorge um das materielle und emotionale Wohl anderer, die ihr Familien- und Eheleben bestimmt hatte, ist von ihr abgerückt. Sie wurde abgelöst von einem allgemeinen Bedürfnis zu helfen, das sich viel leichter anfühlt./ Manchmal fallen ihr auch Dinge ein, die die Mutter gesagt hatte, als sie schon an Alzheimer erkrankt war./ Man hatte sich daran gewöhnt, dass berühmte Leute einem diktieren wollten, was man zu denken und zu tun hatte./ Wettbewerb, Prekariat, Erwerbsfähigkeit, Flexibilität waren die neuen Kampfbegriffe./ Aber das Wort ‚Kampf‘ wurde als Überbleibsel des Marxismus entsorgt./ Die gesellschaftliche Wirklichkeit war nur noch ein Hintergrundrauschen./ In den Riesensupermärkten konnte man den westlichen Reichtum  und Überfluss in parallel verlaufenden Gängen betrachten und berühren, und wenn man am Anfang des Mittelgangs stand, verlor sich der Blick in der Ferne. Aber man hob ohnehin nur selten den Kopf./  Nichts reichte an das Glück heran, sich abends, nachdem man die Ellbogen ausgefahren und sich als eine der Ersten in den überfüllten Waggons des Vorortzuges gedrängt hatte, endlich zu setzen und die Augen zu schließen – oder ein Kreuzworträtsel zu lösen./ Zur allgemeinen Erleichterung fand sich eine überflüssige Betätigung für die vielen Obdachlosen, nämlich der Verkauf von Obdachlosenzeitschriften./ Wenn man seine mittlerweile erwachsenen Kinder beobachtete und ihnen zuhörte, fragte man sich, was einen eigentlich verband, weder das Blut noch die Gene, nur eine Gegenwart aus Tausenden gemeinsam verbrachten Tagen, aus Worten und Gesten, aus Mahlzeiten, Autofahrten, unzähligen geteilten Erfahrungen, deren man sich nicht bewußt war./ Die Ereignisse verschwanden, bevor sie zu einer Erzählung werden konnten. Die Gleichgültigkeit wurde größer./ Man war nicht mehr stolz auf das, was man getan hatte, sondern auf das, was man war, eine Frau, schwul, Provinzbewohner, Jude, Nordafrikaner etc../ Der Beginn des Schlussverkaufs war ein Ereignis, über das die Medien berichteten. ‚Ein Schnäppchen machen‘ und ’sich ein Angebot nicht entgehen lassen‘, waren unhinterfragbare Prinzipien, eine Pflicht./ Man alterte nicht. Die Dinge, die uns umgaben, hielten nicht lange genug, um ein gewisses Alter zu erreichen, sie wurden vorher ausgetauscht und durch neue ersetzt.

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Ein weiterer Mitarbeiter wollte noch seinen Senf dazu geben:

„Ich habe das intern zwar nicht durchgezählt, vermute jedoch stark, dass die hier diskutierte Hundefrage in Wahrheit eine Frauenfrage ist. (Männer können besser mit toten Tieren umgehen. Was für die Frauen das Yoga ist für die Männer der „Angelsport“, so sagte es „Die Zeit“.) Die feministische Biologin Donna Haraway hat dies in mehreren Büchern bereits durchgespielt – auch praktisch, mit ihrer Hündin Cayenne. In ihrem neuen Buch „Unruhig bleiben“ gipfelt das in der Parole „Macht euch verwandt – und keine Babys!“. Das ist auch und gerade artenübergreifend gemeint. Ohne gleich übergriffig zu werden. Schöner Wunsch. Haraway ist optimistisch, sie lebt und lehrt aber auch in Kalifornien – und macht dort mit Cayenne Hundeyoga – Agility genannt.

Für die Hunde-Single Hauptstadt Westberlin hat Katharina Rutschky eine schöne Studie „Der Stadthund“ veröffentlicht. Es geht darin um die Erfahrungen mit ihrem Cockerspaniel „Kupfer“, dessen „lebenskünstlerischer Minimalismus“ sie erstaunte, und um die Abwehr der „Hundekritik“, die sich gerne „hinter der Maske des Tier- und Naturschützers versteckt“. Als „Anhängerin der antiautoritären Erziehung“ sah sie daneben auch „die Pädagogisierung der Hundehaltung mit Mißtrauen“.

Speziell auf ihren Hund „Kupfer“ gemünzt schreibt sie: „Und wer sagt denn eigentlich, dass der Hund sich in einem Büro langweilt, und nicht vielmehr evolutioniert?“ An anderer Stelle heißt es: „Im eigentlichen Sinne kann nur der Stadthund als bedeutendes Kommunikationsmedium gelten. Hunde auf dem Lande, ja schon solche mit eigenem Haus und großem Garten können wenig am Prozeß der Zivilisation mitwirken, weil sie dort, entgegen ihrer Neigung, als Naturwesen gehalten werden und darüber leicht vertrotteln. Gebildete Stadthunde, wie Kupfer, finden sich überall zurecht, auch in Wald, Feld und Garten. Sie kennen die unterschiedlichsten Leute und Lebenssituationen und vor allem natürlich jede Menge andere Hunde von der Straße und aus dem Büro – wie soll ein Landhund da mithalten.“ Ihre Einschätzung wird von ungarischen Biologen bestätigt, die Stadt- und Landspatzen erforschten.

Es gibt viele Gründe, sich einen Hund anzuschaffen, meint Katharina Rutschky; wer dabei von „Ersatz“ redet, „kann natürlich nie die Frage beantworten, warum auch Leute, die weder verwitwet noch arbeits- oder kinderlos sind, einen Hund haben“. Um das herauszubekommen, bräuchte es eine „Stadthundforschung“, die es hierzulande nicht gäbe, die Autorin gibt jedoch eine vorläufige Antwort: „Die Attraktion von Haushunden heute, die keine Arbeitsaufgaben erfüllen, beruht auf ihrer Fähigkeit, zwischen dem menschlichen und tierischen Leben zu vermitteln.“

Für die hinduistisch-buddhistisch-jainistischen Inder ist jedes Tier in dieser Hinsicht attraktiv, umgekehrt verhalten sich auch die Tiere dort anders gegenüber den Menschen. Und so kommt es, dass an den Rändern der Städte wilde Leoparden leben können, einer sogar in einem Wäldchen auf einem Schulhof. Die „Times of India“ erwähnte bereits 2013: „Die meisten Leute wissen es nicht, aber eine neue Studie zeigt es. dass eine große Zahl von Leoparden unerkannt in von Menschen dominierten Gegenden lebt.“ Das US-Magazin „National Geographic“ machte unter der Überschrift „Mit Leoparden leben“ aus den Raubkatzen ein Vorbild für uns alle: „Wenn die Menschen den überkommenen Lebensraum der Leoparden umgestalten, passen diese sich dem neuen an. Können wir das auch?“ Mit „Wir“ meinte sie natürlich den jüdisch-christlich geprägten Westen.

Auf „downtoearth.org.in“ wurde unter der Überschrift „Die Leoparden in meinem Hinterhof“ noch einmal hervorgehoben, dass die Leoparden ja nicht aus Interesse an Menschen, sondern aus purer Waldnot an und in den Städten neue Reviere suchen. Im übrigen hätte man deswegen auch einigen Grund zum Stolz, denn Indien sei „das einzige Land weltweit, in dem die Menschen und ihr Vieh in nächster Nähe von Raubtieren leben.“

Zwei junge Amerikaner Rodney Jackson und Darla Hillard fingen im Himalaja in vier Jahren fünf Schneeleoparden mit Fallen, betäubten sie und hängten ihnen „Radio-Halsbänder“ um. In „ihrer Lebensweise ähneln sie den Pumas im Westen der USA“, schrieben sie, aber anders als dort „leben im indischen Ladakh Menschen und Schneeleoparden erstaunlich freundschaftlich zusammen, trotz der starken Neigung der Schneeleoparden, Vieh zu töten.“

Ich will damit auf Folgendes hinaus: Hundekäfige auf dem taz-Hinterhof, das geht gar nicht – schon allein wegen der schlechten Presse, die das einbringt, selbst ein einziger Zwinger wäre da besser. Aber auch damit würden „wir“ genau das ignorieren, um was es bei den „Companion Species“ geht: „Auf ihrer Fähigkeit“ zu vertrauen, „zwischen dem menschlichen und tierischen Leben zu vermitteln.“ Dies erscheint mir für die Ökozeitung taz geradezu lebenswichtig.

Und sollte sich natürlich nicht nur auf Hunde beziehen, sondern wie gestern im Geschäftsführungstrakt in der „Charlotte“ angedroht: mindestens auch auf Hamster und Wellensittiche. Ein paar Fische und Schnecken sowie zwei Bienenvölker auf dem Dach leben bzw. lebten bereits dort und in der „Dutschke“ auf das Dach nutzen – frei lebend: Krähen, Tauben und Spatzen. Im vierten Stock hatten wir auch mal Mäuse. Aber dann hat die Firma „Rentokil“ damit Schluß gemacht. Ich bin übrigens dafür, den Vertrag mit diesem US-Konzern nicht mit in den Neubau zu übernehmen. Man schämt sich schon, bloß den Namen dieser global tätigen Schädlingsvernichter zu nennen, zu schweigen von den Giftnamen, die sie verwenden. Jetzt, wo man nicht mal mehr von „Unkraut“ spricht, sondern von „Beikraut“, das auch nicht mehr „schädlich“ ist – sondern in einem sehr komplizierten und viel größeren Zusammenhang gesehen werden muß. Statt über das Ja und Nein von Bürohunden zu diskutieren sollten wir uns lieber Gedanken darüber machen, welche Blume oder welcher Baum zwischen dem menschlichen und dem pflanzlichen Leben vermitteln könnte. Da arbeiten viele dran, aber es täte der taz gut zu Seite 1 stehen.

Und was die Hunde selbst betrifft: Vielleicht hätten sie ein bißchen mehr für sich werben sollen, in den entscheidenden Fluren oder z.B. bei den Köchen in der taz-Kantine, wenn es dort mal wieder besonders gut roch. Werbung ist heute alles. Könnten sie nicht wenigstens einmal im Jahr zur Panterpreis-Verleihung irgendwas Guthundisches beitragen und damit die besagte Attraktivität steigern? Für mich bräuchten sie das allerdings nicht, mir sind sie auch so lieber als Gutmenschen.“

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Ein Mitarbeiter fragte den Autor daraufhin: „Hast du ein verleih- oder verkaufbares Exemplar von Frau Rutschkys ‚Stadthund‘?“

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Dann kam ein „Kommentar aus einem ganzen „taz-Workshop ‚Darf die taz in ihrem neuen Verlagsgebäude Hunde verbieten?‘“:

„Hund statt Kaffee. Ein liebevoller aufmunternder Blick durch zwei große braune Augen, eine kurze Berührung des samtweichen goldig schimmernden Fells oder eine zirkulierende zehnminütige „Hol den Ball Session“ auf der Dachterrasse als Kontrastprogramm zu literweise Kaffee. Wer wäre bei diesem kleinen Arbeitskollegen nicht direkt motivierter und produktiver?

Nicht, wenn es nach der Geschäftsleitung der TAZ geht. Im Rahmen des Umzugs verkündeten sie nun, Hunde im neuen Gebäude nicht mehr zu dulden. Damit lösten sie sowohl unter Redakteuren als auch unter Lesern eine Welle der Empörung aus und entfachten hitzige Diskussionen über Hunde am Arbeitsplatz im Fahrstuhl, in online Foren oder auf dem Bürgersteig vor dem Gebäude.

Einige haben Angst vor Hunden wieder andere haben sich extra einen treuen Begleiter angeschafft, in der Annahme diesen zum Arbeitsplatz mitnehmen zu dürfen. Sollten sie den jetzt an einer Raststätte aussetzen oder in ein überfülltes Tierheim geben. Kaum zumutbar.

Ein generelles Verbot scheint dabei nicht der richtige Weg zu sein. Vielmehr muss zunächst auf das Wohl des Hundes geachtet werden. Fühlt er sich wirklich wohl stundenlang unterm Schreibtisch zu kauern? Wenn ja, muss intern in den Redaktionen geklärt werden, ob es Kollegen*innen gibt, denen sich schon beim Gedanken an leise sich nähernde Hundepfoten die Nackenhaare aufstellen. Wenn sich keiner in unmittelbarer Arbeitsnähe gestört fühlt und auch das Tierwohl beachtet wird, sollten die treuen Begleitung als Arbeitsbereicherung gesehen werden.

Aber bitte lasst eure kleinen kläffenden Chiuahua oder bissigen Rottweiler lieber Zuhause. Damit der Arbeitsplatz für Hund und Mensch angenehm bleibt.“

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Und noch ein Kommentar aus dem Workshop:

„Who sperrt the dogs out? Who? Who? Who? Das Bleiberecht in der taz. gilt zukünftig nur noch für Zweibeiner. Das ist doch Kacka!

Die taz. zieht in den Neubau. Da kommen Fragen auf: Was darf mit und was muss draußen bleiben? Und wie steht es dabei um die lebendigen Vierbeinern? Dürfen sie umziehen oder werden sie ausgemistet?

Die Geschäftsführung ergreift die Gunst der Stunde: „Im neuen taz-Haus ist das Mitbringen von Hunden nicht erlaubt,“ heißt es in einer Mail. Punkt. Keine Abstimmung, keine Diskussion, keine Kompromisse. Ein fester Beschluss. Von wegen taz-interne Demokratie?

Die Nachricht löst hitzige Diskussionen im taz-Intranet aus: BefürworterInnen. GegnerInnen. Großer Unmut über die Vorgehensweise der Geschäftsführung. Rechtlich kann die Geschäftsführung das Mitbringen von Hunden in den Betrieb „einfach so“ untersagen. Aber es weder fair, noch sinnvoll und schadet dem Betriebsklima.

Da gibt es etwas wie Gewohnheitsrecht. MitarbeiterInnen die seit Jahren ihren Hund ins Büro mitbringen. MitarbeiterInnen, die sich Vierbeiner anschafften, da die Möglichkeit gegeben ist, diese mit auf Arbeit zu bringen. MitarbeiterInnen, die vor allem dies an der taz. als Arbeitsgeber schätzen – Hund und Beruf vereinbaren zu können.

Nicht jeder hat Mitbewohner oder Partner, die sich ohne Probleme um Bello kümmern könnten und Hundesitter sind enorm geldintensiv. Abgesehen davon wird der vierbeinige Kollege aus seinem gewohnten und geliebten Umfeld gerissen. Auf den Rausschmiss der Vierbeiner könnten so auch Kündigungen einiger verdienter zweibeiniger Kollegen folgen. Das strikte, scheinbar endgültige Hundeverbot ist diskriminierend.

Klar, die hundekritische Seite muss auch gehört werden. MitarbeiterInnen mit Abneigung, Angst oder Ekel vor Hunden sind genauso MitarbeiterInnen wie die HundehalterInnen.

Eine transparente Diskussion mit offenem Ausgang wird gebraucht. Es müssen Kompromisse gefunden werden. Betriebsrat und Redaktionsrat sind derselben Meinung, auch sie finden das einseitige Vorgehen der Geschäftsführung in der Bürohundefrage unangemessen.

Der letzte Laut in dieser Frage ist hoffentlich noch nicht gebellt. Ich jeden falls gebe meine beiden tazzen drauf, dass ein Hundeverbot die falsche Entscheidung ist.“

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Einer der Betriebsräte schrieb: „Liebe KollegInnen, ein Redakteur hat für die taz am Wochenende einen interessanten Text verfasst, der die rechtlichen Aspekte von Hunden am Arbeitsplatz beleuchtet. Es geht dabei auch um die Frage der Mitbestimmung durch die Belegschaft in Form des Betriebsrats. Wir empfehlen die Lektüre, im Redaktionssystem oder später auf Papier.“

Eine Kollegin antwortete ihm: „Danke für den Hinweis! Interessanter und sachlicher Input! Warum ist auf der Seite im Pro/Contra eigentlich ‚Ja‘ rot und ‚Nein‘ grün?“

Ihr antwortete ein Redakteur: „Weil: Der Hund sieht in etwa wie ein Mensch mit Rot-Grün-Sehschwäche. https://dogs-magazin.de/wissen/basics/physiologie-das-auge-des-hundes/ Leute! Muss man hier wirklich ALLE Basics erklären? Und das im Jahr 2018?“

Ein Redakteur fragte: „Aber liest er auch, der Hund? Am Ende sieht er lieber fern?“

Ein anderer Redakteur schrieb: „Ich glaube er spricht. https://www.youtube.com/watch?v=iNcI9HVVxgs

Wieder ein anderer Redakteur kam zu dem Schluß: „So gesehen sind wir alle Bürohunde.“

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In der wochenend-taz wurden dann fünf Artikel zum Thema abgedruckt – Pro und Contra:

„Keine Hunde. Der Arm vom Hundebesitzer ist sein Hund. Es kann auch sein Kopf oder das Herz sein. Tritt jemand nach dem Hund, ist das, als stoße er den Hundebesitzer am Arm, als löse er bei ihm Herzschmerz oder Migräne aus. Denn Herr und Hund sind eins. Deshalb gucken Hundebesitzer auch gerne zu, wenn ihre ausgelagerten Ichs auf Bürgersteige kacken. Endlich zeigen, was man von anderen hält: Ich scheiß auf euch.

Der Hund ist erweitertes Selbstobjekt des Hundehalters, wie das Motorrad erweitertes Selbstobjekt des Bikers und der Twitter-Account erweitertes Selbstobjekt von Trump ist. Allen sei geraten, Hund, Motorrad und Trump-Tweets zu liken. Dann sind Sie ein guter Mensch – in den Augen der BesitzerInnen und des US-Präsidenten. Bei Motorrädern und Hunden mache ich das so. „Ein schöner Hund.“ „So braun.“ „Und sein röhrender Auspuff, sein buschiger Schwanz.“

Meine Haltung indes ist eine Täuschung: In Wirklichkeit interessieren mich Motorräder nicht und Hunde halte ich meist für überflüssig. Ich kenne keine, außer jenen, die mit in die Redaktion gebracht werden. Als Seelenspiegel verraten sie mehr über die KollegInnen, als ich eigentlich wissen möchte. Es gibt Blindenhunde, Suchhunde, Spürhunde, Wachhunde – alle wichtig und gut trainiert. Aber Bürohunde? Heißt das: Nichts auf der Arbeit ist so wichtig wie der Hund?

In der taz haben sich in den letzten Jahren viele Hunde das Terrain erobert. Sie liegen auf Decken neben den Redakteurinnen, rennen um Stuhlbeine, liegen unter den Tischen – oben PC, unten Hund – ihre zerkauten Fake-Knochen verstauben in den Ecken.

Jetzt ist die Geschäftsführung in diese Tier-Mensch-Symbiose gefahren: Seit bekannt ist, dass sie Hunde im neuen Haus untersagt, wird die Gerechtigkeitsfrage gestellt. Ausgrenzung der HundebesitzerInnen dräut. Es gibt keine Kita im Haus, aber das Gewese um ausgesperrte Hunde ist größer. Ja klar, Kinder schreien.

Hunde sind eine Waffe. Schlecht erzogene gar eine entsicherte. Angst vor ihnen ist berechtigt, aber ungünstig. Hunde müssen wissen, wer in der Rangordnung über ihnen steht. Jemand mit Angst ist das nicht. Bleibt mir nur, die Hunde zu ignorieren. Auch das hat Nachteile. Denn Hunde merken, wenn sie ignoriert werden. Auf so jemanden kommen sie zu, schnuppernd, schwanzwedelnd. Ich fasse sie trotzdem nicht an. Ist es unvermeidbar, wasche ich mir sofort die Hände.

Was die Hunde in der taz angeht: Natürlich bewundere ich sie, um mir Sympathiepunkte bei deren BesitzerInnen zu holen, bis auf den einen taz-Hund, der mich biss, weil er, was ich nicht wusste, unter einem Tisch im Hof des Cafés lag und ich auf seinen Schwanz trat, was mir die Besitzerin, glaube ich, übel nahm, weil es sie schmerzte.“

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„Mehr Hunde. Einem Hund auf der Arbeit zu begegnen, einen Augenblick über weiches Fell anstatt Tastaturtasten zu streichen, wärmt mich von innen wie Kakao. Danach habe ich das Gefühl, eine Spur besser, schneller, effektiver arbeiten zu können.

So funktioniert das natürlich nicht bei allen. Eine gute Freundin von mir hat Angst vor Hunden. Trotzdem haben wir früher immer Möglichkeiten gefunden, uns zu treffen, auch wenn ich auf den Hund aufpassen musste. Im Laufe der Zeit hat sie jede zusammenfantasierte Angst vor dem Hund mit einer konkreten Erfahrung aus dem Weg räumen können. Der Hund war für sie irgendwann nicht bedrohlicher als ein Gummibärchen. Meine Freundin hat sich ihrer Angst entgegengestellt, anstatt sich ihr hinzugeben.

Wer Flugangst hat, kann sich entscheiden, nicht zu fliegen. Wer aber Angst hat vor Hunden, Spinnen, Vögeln, vorm Telefonieren oder davor, seine Post zu öffnen, der sollte einen Weg finden, damit umzugehen. Die Welt da draußen ist voll von alldem.

Ängste muss man behandeln. Das geht am besten in einem geschützten Raum. Das kann eine Freundschaft sein, aber auch der Arbeitsplatz. Fürchten sich Kolleg*innen vor Hunden, so hat man gerade im Büro die Möglichkeit, das Aufeinandertreffen mit einem Hund empathisch, strukturiert und angstfrei zu gestalten.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Leinenzwang in den Fluren, festgelegte Räume, die der Hund keinesfalls betreten darf, konkrete Hausverbote bei wirklich problematischen Tieren. Im Büro sind lange Schleppleinen von Vorteil, die Hundebesitzer an ihrem Schreibtisch befestigen können. Dadurch kann sich der Hund frei bewegen und gleichzeitig mit einem kräftigen Tritt auf die Leine oder durch eine auf dem Schreibtisch positionierte Not-Schlaufe effektiv kontrolliert werden.

Es ist auch nicht einfach nur ein Luxus, den Hund mit auf die Arbeit zu nehmen. Für viele ist ein solch hochsozialer und vorurteilsfreier Vierbeiner unverzichtbar und lebenswichtig: Blindenführhunde geleiten sehbehinderte Menschen durch den Tag, Signalhunde helfen Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Epilepsie und Diabetes, Servicehunde erlauben Menschen mit Behinderung mehr Mobilität. Es gibt Hunde, die ihre Besitzer bei Schizophrenie, Essstörungen, Depressionen und Angststörungen begleiten. Seinen Hund ins Büro mitbringen zu dürfen fällt also auch unter Barrierefreiheit.

Ein pauschales Hundeverbot im Büro ist diskriminierend, es stellt viele Halter*innen vor Probleme, weil Hundesitter*innen teuer sind. Und es schützt Angsthabende nur bis zum Feierabend.“

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„Rechtliches. Ob die Beschäftigten Hunde zur Arbeit mitbringen dürfen, entscheidet grundsätzlich der Arbeitgeber. Dies gehört zu seinem allgemeinen Weisungsrecht, das in Paragraf 106 der Gewerbeordnung geregelt ist. Danach kann der Arbeitgeber Inhalt, Ort und Zeit der Arbeit näher bestimmen. Auch die Ordnung im Betrieb unterliegt dem Direktionsrecht des Arbeitgebers.

Wenn der Arbeitgeber Hunde im Betrieb verbietet, gibt es nur wenige Fälle, in denen ein Mitarbeiter sich dagegen wehren kann. So hat ein blinder Mitarbeiter Anspruch auf seinen Blindenhund, wenn er ohne ihn die Arbeit nicht verrichten kann. Außerdem besteht ein Anspruch auf Gleichbehandlung. Wenn die Hundemitnahme bisher geduldet wurde, kann sie einem neuen Kollegen nicht verboten werden.

Umgekehrt kann der Arbeitgeber aber auch gezwungen sein, private Hunde am Arbeitsplatz zu verbieten oder ihre Anwesenheit zu beschränken. Wenn andere Beschäftigte allergisch auf Hundehaare reagieren oder Angst vor Hunden haben, müssen sie diese am Arbeitsplatz nicht ertragen.

Auch wenn konkrete Hunde unzumutbar stinken oder bellen, können Kollegen verlangen, dass dem Hundehalter das Mitbringen des Tiers in den Betrieb untersagt wird. Bei Hunden, die beißen, gilt das erst recht. In solchen Fällen kann der Arbeitgeber auch eine bereits gegebene Zustimmung widerrufen.

Soweit ein Betriebsrat besteht, kann dieser in der Hundefrage mitbestimmen. Die Hundemitnahme ist eine Frage der „Ordnung des Betriebs“ und hier hat der Betriebsrat nach Paragraf 87 Betriebsverfassungsgesetz ein Mitspracherecht. Wenn sich Arbeitgeber und Betriebsrat nicht einigen können, entscheidet eine Einigungsstelle mit einem unabhängigen Vorsitzenden, zum Beispiel einem Arbeitsrichter. Kommt eine Betriebsvereinbarung zustande, so gilt sie für alle Beschäftigten, nicht nur für Gewerkschaftsmitglieder.

Wenn die Mitnahme von Hunden an den Arbeitsplatz verboten ist, kann ein Verstoß gegen dieses Verbot arbeitsrechtliche Folgen haben. Der Arbeitgeber darf den Beschäftigten abmahnen und bei wiederholtem Verstoß auch kündigen.

Bisher ging es in der juristischen Diskussion über Tiere am Arbeitsplatz fast ausschließlich um Hunde. Grund dafür ist vermutlich, dass Hundehalter ihre Tiere ungern allein zu Hause lassen und viele Hunde auch fähig sind, ruhig unter dem Schreibtisch zu liegen. Die dargestellten arbeitsrechtlichen Grundsätze sind aber auch auf andere Tiere übertragbar.

Bei Fischen beispielsweise, die in einem Büro-Aquarium gehalten werden, käme noch der Stromverbrauch als Problem hinzu. Ein 200-Liter-Aquarium kann Stromkosten von 200 Euro pro Jahr verursachen. Für viele Arbeitgeber ein Argument, solche Anlagen am Arbeitsplatz nicht zu dulden, wenn im Rahmen des Weisungsrechts oder per Betriebsvereinbarung keine Lösung gefunden wird.“

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„Mitarbeiter mit Fell. Wenn es darum geht, die besten Tiere am Arbeitsplatz auszuwählen, sind sich die Experten einig: Als Bürotier eignet sich vor allem ein Hund. „Der Hund ist flexibel und kann sich schnell auf neue Umgebungen einstellen“, sagt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund. ‚Kleintiere wie Hamster kommen als Bürotiere nicht unbedingt infrage. Schon die Fahrt zum Büro stresst sie, außerdem sitzen sie im Käfig und können deshalb nicht so ohne Weiteres gestreichelt werden.‘

Die Schweizer Internetplattform für Tierinserate, „petfinder“, listet neben den Hunden auch noch einige andere Tiere auf, die als bürogeeignet gelten: „Wenig problematisch sind Zierfische, sofern klar geregelt ist, wer die Verantwortung für ihre tierschutzgerechte Betreuung trägt.“ Abgeraten wird hier indes von Ziervögeln. Diese seien wegen ihres teilweise permanenten Gesangs kaum geeignet. Ebenso wenig werden Nager wie beispielsweise Meerschweinchen empfohlen, da diese Tiere sensibel auf Stress reagieren. Abgeraten wird auch von Bürokatzen. Gleichwohl erfreuen sich Katzen an Universitäten mit parkähnlichem Campus steigender Beliebtheit, einigen hat man sogar eigene Blogs eingerichtet.

Es gibt aber auch Beispiele für exotischere Tiere am Arbeitsplatz. Der britische Schriftsteller und in den USA lehrende Professor für Philosophie Mark Rowlands zum Beispiel nahm einen kanadischen Wolf, den er Brenin nannte, mit in seine Uni-Seminare. Seinen Studenten schrieb er kleine Zettel: Sie bräuchten keine Angst vor dem Wolf zu haben, nur sollten sie ihm keine Beachtung schenken und Lebensmittel nicht offen herumliegen lassen. Rowlands musste den Wolf überall mit hinnehmen, weil Brenin alles in seinem Umkreis zerbiss, wenn man ihn allein ließ.

„Wölfe sind sehr, sehr schnell gelangweilt“, musste Rowlands schnell feststellen. Da Brenin und er elf Jahre lang unzertrennlich waren und viele Unterkünfte, Arbeitsplätze, Restaurants, Kneipen, Sportveranstaltungen und Reisen teilten, entwickelten sie mit der Zeit eine symbiotische Beziehung, in der sich das Herr-Knecht-Problem so auflöste: „Wenn Brenin ein Sklave war, bin ich ebenfalls einer.“ Sein enges Verhältnis zu dem Wolf brachte ihm aber auch Vorteile, so wenn sie gemeinsam Partys besuchten: „Fast überall erwies sich der Wolf als ‚Mädchenmagnet‘, sodass man sich ‚die übliche mühsame Anbaggerei‘ sparen konnte“, berichtete er.

Ganz so exotisch geht es in der Mongolei zwar nicht zu. Aber immerhin legen die Mitarbeiter der dortigen Nationalparks ihren Weg zur Arbeit auf Pferden zurück. Jedoch nehmen sie die Tiere nicht mit ins Büro, sondern lassen sie vor der Türe stehen.

Wieder etwas außergewöhnlicher sind US-Tierschützer, die Eulenvögel als „companion species“, Begleitertiere, loben, weil sie so leise und neugierig seien, und Berichte über wild lebende Eulen zitieren, die sich vor Bürofenster setzen und zusehen, wie die Leute im Büro arbeiten. Der englische Militärhistoriker Martin Windrow, der ein Buch über seine Eule schrieb, gibt allerdings zu bedenken, dass man wegen ihrer unkontrollierten Ausscheidungen Zeitungen auslegen muss und alle Personen im Büro, in dem die Eule sich aufhält, einen Stahlhelm tragen müssen, denn sie landet gerne lautlos auf deren Köpfe und hat scharfe Krallen.

Ein österreichisches Internetforum hat noch ein exotisches „Bürotier“ zu empfehlen: die Landschildkröten. „Sie sind pflegeleicht und es ist nicht schlimm, wenn man aus Versehen mal auf eine rauftritt“.

Aber zurück zu den Hunden. Warum sich so viele Leute über Hunde am Arbeitsplatz freuen, erklärt der Berliner Hundetrainer Markus Beyer mit einem hormonellen Vorgang: „Die schwedische Forscherin Linda Handlin hat vor einigen Jahren bewiesen, dass das Liebes- und Bindungshormon Oxytocin nicht nur im zwischenmenschlichen Kontakt ausgeschüttet wird. Hundehalter, die ihre Tiere streichelten, kamen auf ähnliche Werte wie Mütter, die mit ihren Kindern interagierten – und auch die Hunde selbst schütten Oxytocin aus. Daher kommt die tiefe innere, gegenseitige Bindung.

Oxytocin senke Stresshormone, so Beyer. Ein Hund im Büro sei deswegen ein natürlicher Weg, Burn-outs zu vermeiden. Auch das Betriebsklima werde besser, weil ein höheres Oxytocinlevel uns empathischer und loyaler mache, was die Kosten für die Vermittlung qualifizierter Arbeitskräfte senke.

Und dann gäbe es noch die gesundheitlichen Aspekte: „Wir bekommen mehr Bewegung. Man unterbricht krankmachende Abläufe. Der Hund kommt ab und zu und guckt, wie es mir geht. Er ist quasi eine Erinnerungs-App mit Fell, dass man für sich und andere sorgen soll!“

Was heißt das aber nun für die Unternehmensleitungen? Der Bürohunde e. V. empfiehlt jedem Unternehmen, eine schriftliche „Dog Policy“ aufzusetzen. Darin soll festgehalten werden, dass jeder, der einen Hund zur Arbeit mitbringt, eine Haftpflichtversicherung für ihn braucht und für Sauberkeit und Gesundheit des Tieres zu sorgen hat. Außerdem sollte festgelegt werden, wie viele Hunde es maximal pro Büro oder Etage geben dürfe. Wichtig sei aber vor allem, dass der Hund niemals bloßes Mittel zum Zweck sein dürfe, also nur zum Stressabbau oder Teambuildung einbezogen werde.

Erst kürzlich, am 22. Juni, wurde der internationale „Take your Dog to Work Day“ gefeiert. Zu diesem Anlass zitierten viele Medien die vergangenes Jahr veröffentlichte Studie im ‚International Journal of Environmental Research and Public Health‘. Die kam zu dem Ergebnis, dass Hunde am Arbeitsplatz für soziale Unterstützung sorgen und auch für die Kollegen eine angenehmere Atmosphäre schaffen.

Aber Vorsicht: Wenn wenig beliebte Vorgesetzte sich zu diesem Zweck einen Bürohund zulegen, kann die Aversion der Mitarbeiter sich auch auf den Hund erstrecken. Im Endeffekt passiert das, was schon Solschenizyn im „Archipel Gulag“ schrieb: ‚Bei den ganzen Abrüstungsgesprächen über Raketen und Atombomben vermisse ich die Diskussion über Hunde – diese setzen den Menschen als Wachhunde mehr zu als alle Raketen und Bomben zusammen!‘“

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„Integration ist keine Hundekacke. Wie viele Bürohunde gibt es? In Deutschland gibt es sie bundesweit in allen Branchen und Größen. Gut 480 Unternehmen sind bei Bürohunde e. V. registriert. Insgesamt sind es weitaus mehr. Die meisten großen Unternehmen befinden sich allerdings noch im zwölfmonatigen „Integrationsprozess“, der von dem Verein Bürohunde begleitet wird. Die Unternehmen dürfen jedoch noch nicht öffentlich gemacht werden, da sonst der Abschluss gefährdet sei. Bei XING in Hamburg ist der Prozess erfolgreich abgeschlossen. Unter den 700 Mitarbeitern befinden sich 15 bis 16 Hunde.

Die 4 Phasen des Integrationsprozesses, vorgeschlagen vom Bürohunde-Verein:

  1. HundebesitzerIn: Vorteile des Bürohundes erklären, mit den Kollegen über Ängste sprechen und Lösungen suchen.
  2. Arbeitgeber: Individuelle Regeln und Rahmenbedingungen wie Sitzordnung festlegen.
  3. Pilotprojekt starten: Sanktionen organisieren wie zum Beispiel dem Hundebesitzer die Gelbe Karte geben, wenn sein Hund vor den Eingang kackt. Bei Rot darf der Hund nicht mehr
    mitkommen.
  4. Austausch: Was lief gut, was lief schlecht?

Hunde im New-Work-Konzept

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Die Forderung danach, die Arbeit so zu gestalten, dass jeder lieber, kreativer und effizienter arbeiten kann, wird immer lauter. Das ganze wird zurzeit unter dem Schlagwort „New Work“ diskutiert. Dazu gehört auch, ein hundefreundliches Arbeitsumfeld zu schaffen. Im Ländervergleich ist laut Markus Beyer von Bürohunde e. V. die Hunde-Nation Deutschland weit vorne. „Das macht uns international wettbewerbsfähiger.“

Noch liegen die amerikanischen Unternehmen weit vorne: Google bezeichnet sich als „dog company“, und bei Amazon in Seattle arbeiten neben 40.000 Menschen auch 6.000 Hunde. Für sie gibt es unter anderem einen 100 Quadratmeter großen Hundepark mit eigener Trinkwasserfontäne.“

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Auch die Seite 1 der wochenend-taz bezog sich mit einem Photo auf die Hundedebatte: S01-s1

Woraufhin ein Redakteur schrieb: „Könnte es unter Umständen möglicherweise eventuell sein, dass unser morgiger Titel irgendwie ein bisschen selbstreferentiell ist? Aber es gibt ja derzeit auch nichts Bewegenderes in Berlin, Deutschland, Europa und in der Welt. Zumindest nicht für die taz. Wuff.“

Darauf folgten zwei Briefe von Lesern:

Am 22.Juli: „ich lese die taz schon sehr lange und bin auch Abonnent. Aber mit „Darf sie mit ins Büro “ auf der 1.Seite und weiteren Seiten habt ihr den Gipfel der Provinzialität erreicht. Mich interessiert es nicht sehr, was ihr mit den Hunden veranstaltet. Es gibt soviel wichtige Themen, das ist Vergeudung von Papier und Kreativität der Mitarbeiterinnen.

Leider können die Hunde nicht sprechen, die würden den Menschen schon etwas erzählen. Wie gerne sie in der Natur herumspringen möchten, statt gezwungen zu sein an jedem Kackhaufen zu schnuppern und danach chloroformiert stundenlang unter einem Stuhl zu liegen. An die Tiere denkt kein Mensch, wichtig ist dem Menschen die Neurosen, Depressionen über die Tiere abzubauen, bis dann die Hunde krank sind.

Vielleicht können die Leserinnen der taz demnächst im neuen Haus ihre Hunde abgeben, wenn sie Ferien machen. Tierheim taz hat dann eine neue Einnahmequelle, falls gefrustete Leserinnen die Zeitung nicht mehr kaufen. Kleiner Tip: Im Empfang des neuen Hauses, gibt es Kacke-Tüten.“

 

Am 23.Juli: „Mit Interesse habe ich gelesen, wie groß die Akzeptanz für Hunde im Büro ist. Die Vorteile scheinen fürs Betriebsklima und die persönliche Arbeitsleistung beachtlich zu sein! Da ich keinen Hund habe, möchte ich ersatzweise meinen Mann mit ins Büro bringen.

Er ist seit kurzem in Rente, und ich kann ihn schlecht allein zu Hause lassen. Er verhält sich ruhig, haart nicht, ist nicht allergen und riecht nicht schlecht. Das Bindungshormon Oxtytocin kann er selbstverständlich auch ausschütten. Er ist ausgesprochen freundlich und zugewandt. Mein Mann braucht den Vergleich mit einem Hund im Büro also nicht zu scheuen! Er lässt sich auch streicheln. Lediglich das Schrubbeln an fremden Beinen und Sabbern an fremden Füßen und Händen lehnt er ab.“

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Sie hat sich damit abgefunden, dass die beiden Söhne sich trotz ihrer Hochschulabschlüsse mit befristeten Verträgen, Arbeitslosengeld und kleinen Aufträgen von Monat zu Monat hangeln, in einer reinen Gegenwart aus Musik, amerikanischen Serien und Videospielen, als wollten sie ewig die Existenz von Studenten oder mittellosen Künstlern führen, von Bohemiens einer vergangenen Epoche, ganz anders als sie, die in ihrem Alter bereits ein etabliertes Leben geführt hat./ Wenn sie über ihre Beziehung [zu dem junge Mann] nachdenkt, weiß sie, dass das wichtigste Element, jedenfalls für sie, nicht der Sex ist: durch ihn lebt sie vielmehr noch einmal in einer Zeit, die sie für unwiederbringlich verloren gehalten hatte./ Im nächsten Jahr wird sie in Rente gehen./ Mittlerweile blickt man nicht mehr mit Hoffnung oder Angst auf Russland, sondern nur noch mit Verzweiflung. Die Russen haben sich aus unserer Phantasie zurückgezogen – ihren Platz nahmen jetzt die Amerikaner ein, ob man wollte oder nicht, wie ein gigantischer Baum, der seine Äste über die ganze Erdkugel ausstreckt. Sie gingen uns mehr und mehr auf die Nerven mit ihrem moralischen Diskursen, ihren Aktionären und Rentenfonds, mit ihrer Verschmutzung des Planeten und ihrem Abscheu vor unserem Käse./ Man erinnerte sich an einen anderen 11. September, an die Ermordung Allendes./ Für irgendetwas mußten sie bezahlen./ Die Einführung des Euro lenkte uns kurz ab./ Die Orte, an denen sich die Waren präsentierten, wurden immer größer und schöner, immer bunter, sauberer und frischer, ein krasser Gegensatz zu den verwahrlosten U-Bahnstationen, Postämtern und öffentlichen Schulen, sie erblühten jeden Morgen in der Harmonie und Fülle eines Garten Eden. / Wer nichts mehr anschaffte, war alt. Während der Verfall Spuren auf der Haut hinterließ und den Körper unmerklich veränderte, überhäufte uns die Welt mit neuen Dingen. Unser Verfall und die Welt bewegten sich in entgegengesetzte Richtung./ Unbegrenzte Möglichkeiten zeichneten sich ab. Herz, Leber, Nieren, Augen, Haut gingen von Toten auf Lebende über, Eizellen wanderten von einer Gebärmutter zur anderen, Sechzigjährige bekamen Kinder. Durch das Lifting gefror die Zeit auf den Gesichtern./ Die Suche nach der verlorenen Zeit fand im Internet statt./ Man war die nachsichtige, alterslose Anführerin einer ewig jungen Sippe – man konnte nicht glauben, dass man Großmutter war, als wäre diese Bezeichnung für immer der eigenen Großmutter vorbehalten, als wäre das ihr Wesen, an der ihr Tod nichts hätte ändern können./ Die Enkel spielten in allen Zimmern Verstecken und die Geschenke, vom Vorabend, die überall herumlagen, ignorierten sie.

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Am 26.Juli erschien die „Ode an eine tierische Freundin“ auf der Wahrheits-Seite (mit Photo):

Das Hundeverbot

O Püppi, o Püppi,

es ist alles schnüppi!

Du darfst nicht mehr wedeln,

die Arbeit veredeln.

Im Spiel mit dem Ball

warst du flugs überall.

Doch wirst du zur Last

jetzt im neuen Palast.

Darfst keinen beschnuppern,

das Fell nicht mehr schubbern

an uns, deinen Freunden,

die um dich her streunten.

O Püppi, o Püppi,

es ist alles schnüppi!

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„Macht euch verwandt nicht Babys!“

Die in Kalifornien lehrende feministische Biologin Donna Haraway hat einen Verwandtschaftskreis im engeren Sinne, der sich von der Pariser „Akteur-Netzwerk-Theorie“ um Bruno Latour über die Brüsseler Philosophinnen Vinciane Depret und Isabelle Stengers bis zur Chicagoer Mikrobiologin Lynn Margulis und der Anthropologin Anna Lowenhaupt Tsing – derzeit in Aarhus – erstreckt. Alle zählen zu meinen Lieblingsdenkerinnen. Bei Donna Haraway kommt noch ihre Hündin Cayenne dazu.

Kürzlich erschien ihr neuestes Buch „Unruhig bleiben“ auf Deutsch. Es geht darin um ihre Verwandtschaften im weiteren Sinne: um die Tauben der ehemaligen Arbeiterklasse und nun der „Citizen Scientists“, um die Ersetzung des analytischen Begriffs „Autopoesis“ durch „Sympoiesis“ (= Symbiosen schaffen), um bestimmte Praktiken von Indigenen, u.a. bei den Navajos und ihren Churro-Schafen, um einige feministische Initiativen, um die Inkontinenz ihrer Hündin, um Spinnen und eine australische Ameisen-Akazien-Symbiose, um eine sich sehr kooperativ verhaltende Drosselart in der Negev-Wüste und um eine Science-Fiction-Geschichte, die von Monarchfaltern und einem Mädchen namens Camille handelt.

Zusammengenommen ergeben sie eine kleine globalisierte Scene, wie sie Anfang der Siebzigerjahre ausgehend von Amerika in Westdeutschland mit der „Alternativbewegung“ entstand. Auch die Ideologie ähnelt sich, mit dem Unterschied, dass sie jetzt feministischer ist und die Klimakatastrophe durch die Wissenschaft näher gerückt ist – und immer näher rückt, weil der Kohlenstoffgehalt pro Energieeinheit weiter ansteigt und sich gleichzeitig das Artensterben beschleunigt, während die Weltbevölkerung zunimmt – 2020 werden es 10 Milliarden Menschen sein.

Donna Haraway befaßt sich in ihrem Buch mit einem in der Linken verfemten Thema: der Überbevölkerung. Bisher waren alle Initiativen, das Bevölkerungswachstum zu entschleunigen von asozialen herrschenden Klassen ausgegangen – angefangen mit dem Darwin-Stichwortgeber Malthus, der den englischen Armen auch noch die letzte Sozialfürsorge entziehen wollte, damit sie ihre Vermehrung drosseln. Später dann die Zwangssterilisationen von armen Frauen aus Minderheiten – u.a. Romni, Indianerinnen und Inderinnen aus den unteren Kasten. Überhaupt rangieren Soziobiologie, Bevölkerungsforschung und Populationsgenetik schnell auf eine Ebene mit Rassenkunde – und schlußendlich Pogrome. Im Zusammenhang der derzeitigen Klimaerwärmung kommt noch hinzu, was die Zeitschrift der amerikanischen Akademie der Wissenschaften als Kosten der notwendigen Programme zur Verlangsamung der CO2-Emissionen ausrechnete: „Danach sind die Wohlstandsländer aufgrund ihrer Aktivitäten für 42 Prozent aller weltweit entstandenen Umweltschäden verantwortlich, tragen aber nur 3 Prozent der daraus resultierenden Kosten.“ Die armen Länder „des Südens“ sind am Schlimmsten dran und dort wieder die Allerärmsten. Als sozial denkende Linke, die auch eine von oben – durch Mao – verordnete „Einkindpolitik“ ablehnt, kann Haraway nur den Slogan verbreiten „Macht euch verwandt und keine Babys“, wobei mit „euch“ wir gemeint sind. Wir alle – 7 Milliarden oder wenigstens die 50.000, die ihre Bücher lesen. Eines ihrer häufigsten Worte sind dann auch „responsabel“ (verantwortlich) Sein und von unten Symbiosen „komponieren/konstruieren“ (auch und erst recht mit „Art-Genossen“ ). Dies zusammen aufgenommen nennt Haraway „Fadenspiele“, wie sie die Kinder in aller Welt spielen – ein Wort, dass sie durchzieht (denkt sie dabei an Nietzsche: „Wir müssen wieder zu dem Ernst finden, den man als Kind beim Spiel hatte“?) Eins ums andere Mal versichert sie uns: „Es ist von Gewicht, was wir denken“.

Dass sie damit dem militärisch-industriellen Komplex der kapitalistischen Länder mit dem höchsten Erdölverbrauch etwas entgegensetzen kann, halte ich für typisches Alternativprojekt-Denken. Wobei hinzugefügt werden muß, dass man sich in den Siebzigerjahren eher um ein Ende des stetigen Erdölflusses („Peak-Oil“) besorgt hat. Weil das noch immer in Unternehmer- und Politikerköpfen spukt, werden jetzt und demnächst hunderte von riesigen Kohlekraftwerken weltweit gebaut und die Kohleförderung forciert, dazu werden z.B. in den USA laufend Bergarbeiter eingestellt. Sie lassen langsam wieder eine unterirdische Identität entstehen. „Stattdessen würde eine Menschheit mit irdischerer Integrität vorrangig dazu einladen, zurückzurudern und zu verkleinern und die Begrenzung unserer eigenen Bevölkerungszahlen, unserer Ölkonomien, unserer Lebensräume begrüßen,“ schreibt Haraway. Die Tabakindustrie hat ihren bevölkerungspolitischen Vorstoß bereits aufgegriffen  – indem sie auf ihren Verpackungen den Frauen verspricht: „Rauchen mindert ihre Fruchtbarkeit“.

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Die Trennung von demjenigen, den sie den jungen Mann nannte, eine Trennung, die sie länger heimlich vorbereitet hatte und für die sie sich unwiderruflich an einem Samstag im September entschied, nachdem sie mitangesehen hatte, wie eine Schleie, die er selbst geangelt hatte, sich lange Minuten auf dem Boden wand, bevor sie mit einem letzten Zucken starb, abends hatte sie den Fisch angewidert mit ihm gegessen./ Der Tod der schwarz-weißen Katze im alter von sechzehn Jahren, die nach einer Zeit schwingenden Bauchspecks wieder so mager geworden war wie auf dem Foto aus dem Winter 92. Sie begrub ihn mitten in der Sommerhitze im Garten. Als sie dies tat, zum ersten Mal in ihrem Leben, hatte sie das Gefühl, alle ihre Toten zu begraben – die Eltern, die letzte Tante mütterlicherseits, den älteren Mann, nach der Scheidung ihr erster Geliebter, später ein guter Freund, und der zwei Sommer zuvor an einem Herzinfarkt verstorben war – und ihre eigene Beerdigung vorwegzunehmen./ Ihr ist das Gefühl für die Zukunft abhandengekommen, dieser unerschöpfliche Vorrat an Zeit, auf dem bis vor kurzem all ihre Handlungen und Taten beruht hatten, eine Vorahnung schöner, unbekannter Dinge, die sie damals, als sie im Herbst auf dem Weg zur Uni den Boulevard de la Marne hochging, in sich trug, als sie ‚Die Mandarins von Paris‘ las, als sie nach dem Unterri9cht in ihren Austin Mini sprang und die Kinder von der Schule abholte, als sie nach der Scheidung und dem Tod ihrer Mutter zum ersten Mal in die USA reiste, und selbst noch vor drei Jahren, als sie eine Münze in den Trevi-Brunnen warf und den Wunsch formulierte, bald wieder nach Rom zu kommen. An seine Stelle ist ein  Gefühl der Dringlichkeit getreten, das ihr zu schaffen macht./ Der Blick der schwarzen Katze, als sie nach der Spritze einschlief.

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https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2018/07/17/eine-interne-und-eine-externe-chronik/

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