In seinem Wohnzimmer: Ich protestierte, er machte einfach weiter

Es war im Herbst 2014, ich lebte damals im Ausland. Noch nicht lange, die Stadt war noch fremd. Doch ich hatte schon ein paar nette Leute kennengelernt, mit denen ich abends unterwegs war. Wir waren lange aus, tranken viel. Irgendwann waren wir nur noch zu zweit, der Typ war ein Bekannter eines Freundes, ich hatte ihn noch nie vorher gesehen. Ich wollte nach Hause gehen und weil ich den Weg nicht kannte, bot er an, mich zu bringen. Wir liefen durch die Straßen, es wurde langsam hell und ich spürte den Alkohol, wollte nur noch nach Hause. Auf einmal standen wir vor seiner Tür. Ich weiß noch, dass ich protestierte, schließlich aber mit ihm hineinging. Wir saßen in seinem Wohnzimmer, hörten Musik und tranken irgendwas. Auf einmal lag er neben mir auf dem Sofa und küsste mich. Als er mich auszog, protestierte ich. Er machte einfach weiter. Das war es, was mich erstarren ließ. Ich hatte „nein“ gesagt, doch er ignorierte es. Wenn mein Wort nicht mehr zählt, dachte ich, was muss ich dann tun? Die Angst lähmte mich. Ich konnte mich einfach nicht bewegen. Seine Hände waren überall, auch in mir. Irgendwann fragte er mich, warum ich nicht feucht sei. Ich sagte: „Weil du etwas tust, was ich nicht will.“ Sofort hörte er auf und entschuldigte sich. Ich fühlte mich stärker. Seine Entschuldigung tat gut, doch ich fühlte mich sehr dreckig, von innen heraus. War es meine Schuld, dass er nicht gemerkt hatte, dass ich das nicht wollte? Hatte ich nicht laut genug „nein“ gesagt, mich nicht intensiv genug gewehrt? Hätte ich Gewalt anwenden müssen, weil er welche anwendete? War ich selbst schuld, weil ich mit zu ihm gekommen war, noch dazu betrunken? Am meisten beunruhigt mich die Schockstarre, die ich gehabt hatte. Wie soll ich – wie soll eine Frau sich wehren, wenn sie nicht kann?

Jana, 24, ist Studentin

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