vonheimweg 30.03.2017

Heimweg

Nahezu jede Frau hat schon einmal sexuelle Übergriffe erlebt. Wir wollen Ihnen eine Stimme geben. Schreiben Sie an heimweg@taz.de.

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Auf dem Heimweg steige ich in die U-Bahn, ich habe nur eine Station zu
fahren. Im Wagen steht eine Frau, hinter ihrem Rücken steht ein Mann,
der die Frau bedrängt, auf Tuchfühlung herangeht und sie an Schultern
und Armen betatscht. Die Frau hat ihre Schultern nach vorne
gezogen und schaut Hilfe suchend in die Runde.

Ich stelle mich dem Mann gegenüber und spreche ihn an: „Einen Menschen
anzufassen ist nur zulässig, wenn dieser sein ausdrückliches
Einverständnis dazu erklärt hat. Das hat diese Frau nicht getan, was sie
tun, ist ihr sichtlich unangenehm. Lassen sie es bitte sein!“

Der Mann weicht zurück, macht mit seinen Händen abwiegelnde und
entschuldigende Gesten. Die anderen Passagiere erwachen aus ihrer
Starre. Der Frau wird ein Sitzplatz in einer teilbesetzten Sitzgruppe
angeboten. Die Situation ist vorbei. Ich steige wie geplant aus.

Wenn ich später davon erzähle, sagen mir viele, dass sie nicht
eingegriffen hätten aus Angst vor einer gewalttätigen Reaktion.

Jürgen P., 46 Jahre alt, Hannover

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https://blogs.taz.de/heimweg/2017/03/30/in-der-u-bahn-ich-spreche-den-mann-an/

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