Auf dem Weg von Irland nach Hause: Er guckte so komisch

Also, ich weiß nicht, ob es was bringt, die alten Geschichten zu erzählen. Das zumindest habe ich lange gedacht. Aber jetzt, wo ich mich durch die Berichte lese, kommt so viel bei mir hoch. Und ich merke: Ich habe die Erlebnisse, die mir zugestoßen sind, nie vergessen. Noch nicht mal die, von denen man sagen könnte, die sind irgendwie harmlos. Etwa, als dieser Mann mich unbedingt auf seinen Schoß setzen wollte, ich war damals neun. Ich wollte nicht sitzen bleiben. Etwas am Schoß war falsch. Der Mann zog das Bein nach, wenn er ging, eine Verletzung vom Krieg. Er war ein Freund von meinem Vater, zog mich, das Mädchen, (aber so klein war ich doch nicht mehr) hoch, setzte mich auf seinen Schoß und ich wollte nicht dort bleiben. Dort war es nicht wohlig, sondern unangenehm und ich konnte nicht sagen, warum. Bis heute erinnert sich mein Körper daran. Als hätte mein Körper ein eigenes Gedächtnis.

Die Unvergessbarkeit ist der Zwilling der Übergriffe. Und wenn ich jetzt was raus greife aus all den Erlebnissen, dann ist es immer eine Geschichte und ein Unwohlsein. Weil hier das Stichwort Heimweg ist, ein Impuls, fällt mir gerade die Geschichte ein, als ich von Irland zurück fuhr über London, wo ich einen jungen Mann kannte, er wohnte noch bei seinen Eltern. Dort wollte ich übernachten und am nächsten Tag weiterfahren. Weil ich dachte, irgendwie guckt mich der Typ komisch an, steckte ich mir ein Tampon in die Scheide. Es hielt ihn nicht davon ab, sich im Wohnzimmer auf mich zu werfen und seinen Schwanz in mich hineinzustecken. Er kam zwar nicht weit und sowieso ging nichts, aber ich hatte die Schmerzen.

Margarete Zimmer, 53

Kommentare sind geschlossen.