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28.07.2010

“Heil-y controversial”

von Daniel Erk

Brillante Überschrift, brillanter Vorspann in der englischen Sun. Will man sich lieber nicht vorstellen: Hitler in Paris.

(Thanks, David!)

28.07.2010

Ein Westentaschenhitler

von Daniel Erk

(via/Danke, Sascha!)

18.07.2010

“Eine Weile Hitler sein, das hat was”

von Daniel Erk

In Prag ist, wie der RBB berichtet, derzeit ein Theaterstück zu sehen, indem Adolf Hitler gleich fünfmal in unterschiedlichen Nuancen parodiert wird – mal als Rentner in Rio, mal als Aufreißer, mal als alternder Spießbürger. Die Witze sind eher absehba, Eva Braun etwa darf sagen: “Dort hast du doch irgendein Ferienlager oder Kurort. Es muss so schön sein! Natur, ein Birkenhein, deswegen heißt es doch Brzezinka? Birkenau?”

Doch das Stück ist offenbar ein großer Publikumserfolg – und nicht nur das, auch die Schauspieler haben einige, nun, interessante Sachen zu sagen in Sachen Hitler. Zum Beispiel die Hitler-Darstellerin Magdalena Zimová:

“Es freut mich, dass es wieder so ein Erfolg war! So! Schnurrbart weg, Hitler weg. Wunderbar! Obwohl: eine kleine Weile Hitler zu sein, das hat was!”

Oder Miroslav Hanuš, ein weiterer der fünf Hitler-Darsteller:

“Es ist ziemlich einfach, Hitler zu sein. Seine Welt ist Schwarz-weiß. Mich selbst zu spielen wäre schwieriger!”

Das ist natürlich großer Unfug. Weder ist Hitlers Welt schwarzweiß, noch ist die Vorstellung, ein krakeeliger, wirrer deutscher Diktator zu sein bei klarem Verstand erstrebenswert. Vielmehr offenbart sich an dem Unsinn, den die Schauspieler von sich geben, wie akzeptiert diese Karikatur von Adolf Hitler ist, die seit geraumer Zeit durch die Populärkultur geistert.

Der Regisseur, Jan Borna, aber, der hat mehr Distanz, mehr Überblick und eine einleuchtendere Haltung:

“Man kann diese Epoche nicht lächerlich machen, aber mit Hilfe von Humor kann man die Perversion und Dummheit der Sache entlarven. Hitler auszulachen wirkt wie eine Therapie!”

(Danke, flolocomon)

17.07.2010

Hitler Sport

von Daniel Erk

Wenn VW nicht ohnehin eine Idee der Nazis gewesen wäre, fast müsste man den Scherz machen, dass nur ein “Golf Göring” die bekanntesten Vertreter des “alten” und “neuen” Deutschlands auf brillantere Weise verbinden würde als die von der Berliner Grafikerin Daniela Pass gestalteten “Hitler Sport”-Tafeln. Der Witz liegt nicht in den wunderbaren Wortspielen rund um die Schokoladensorten allein, sondern in der Kombination der ästhetischen Vertreter Deutschlands: Hitler, Sport, Nussolini mit großen Nüssen und Nazipan in – keine Angst – Rot, Weiß und Schwarz. Und so ist es eben mit Deutschland, der Kalauer sei erlaubt: Hinter der Verpackung verbergen sich stets braune Inhalte.

15.07.2010

Beats, fetter als Göring!

von Daniel Erk

Ich kann Sie nur warnen: Fangen Sie nicht mit diesem Hitler-Quatsch und, nein, ich meine nicht NPD-Wählerei sondern tatsächlich die Beschäftigung mit den seltsamen Auswüchsen der “Hitlers” in Kunst und Kultur, Pop und Politik, Werbung und WWW. Man kann nicht einmal mehr entspannt Musik hören ohne davon belämmert zu werden:

Phife Dawg, der durchaus ein angenehmer Musiker sein kann, spricht da in der zweiten Strophe: “It’s even colder, bitter/MC’s get kicked right in they shitter/Mut’ Ranks, more controversial than Adolf Hitler/test me, you getting cut with this here log splitter/Now who’s iller…”

“More controversial than Adolf Hitler”? – das muss entweder eine sehr US-amerikanische Sicht sein oder ein schlechter Witz. Nicht allein, dass der Hitlervergleich bei dem er, juhu, sich selbst mit Hitler vergleicht und dabei auch noch zum Schluss kommt, kontroverser als Hitler zu sein, ist bescheuert.

Aber auch die Behauptung, Hitler sei kontrovers, ist zumindest so uninformiert wie der Jackentaschen-Nationalismus von Samy Deluxe. Denn, wenn man den widerlichen von Ernst Nolte losgetretenen Historikerstreit der geistig-moralischen Wende mal bei Seite lässt, also wenn ein Politiker wirklich kaum mehr kontrovers ist, sondern das Urteil der Geschichte über ihn und sein Wirken sehr eindeutig ist – dann doch bitte im Falle Adolf Hitlers.

Aber der Beat ist fett. Fetter als Göring geradezu!

14.07.2010

Der Zweite Weltkrieg? Eine miese SciFi-Serie!

von Daniel Erk

Dieser Text ist so ungefähr das Lustigste, was ich in langer Zeit zum Dritten Reich, zum Holocaust und zum Zweiten Weltkrieg gelesen habe (bzw., um die Kritik gleich abzuschmettern, es ist eine besonders gewitzte Parodie des Umgangs mit dem Dritten Reich. Gelacht wird über uns – nicht über die Opfer des Holocaust).

Ein Scott, offenbar SciFi-Fan, schreibt das auf, was ihn an den Zweiter-Weltkrieg-Filmen im History Channel stört: Die Protagonisten sind total eindimensional, die Geschichte macht wirre Wendungen und ist überhaupt total unglaubwürdig und schlecht erfunden:

Let’s start with the bad guys. Battalions of stormtroopers dressed in all black, check. Secret police, check. Determination to brutally kill everyone who doesn’t look like them, check. Leader with a tiny villain mustache and a tendency to go into apopleptic rage when he doesn’t get his way, check. All this from a country that was ordinary, believable, and dare I say it sometimes even sympathetic in previous seasons.

I wouldn’t even mind the lack of originality if they weren’t so heavy-handed about it. Apparently we’re supposed to believe that in the middle of the war the Germans attacked their allies the Russians, starting an unwinnable conflict on two fronts, just to show how sneaky and untrustworthy they could be? And that they diverted all their resources to use in making ever bigger and scarier death camps, even in the middle of a huge war? Real people just aren’t that evil. And that’s not even counting the part where as soon as the plot requires it, they instantly forget about all the racism nonsense and become best buddies with the definitely non-Aryan Japanese. (…)

I’m not even going to get into the whole subplot about breaking a secret code (cleverly named “Enigma”, because the writers couldn’t spend more than two seconds thinking up a name for an enigmatic code), the giant superintelligent computer called Colossus (despite this being years before the transistor was even invented), the Soviet strongman whose name means “Man of Steel” in Russian (seriously, between calling the strongman “Man of Steel” and the Frenchman “de Gaulle”, whoever came up with the names for this thing ought to be shot)(hier der gesamte Text)

Wie immer kann man das empört falsch, gemein und geschmacklos finden – oder kurz nachdenken, worum es eigentlich geht. Ja, gute Frage, worum geht es eigentlich? Einerseits darum, wie sehr das Dritte Reich mit seinen Insignien, seinem Völkermord und dem Zweiten Weltkrige das Genre des Science-Fiction-Kriegsfilm geprägt hat. Dann aber auch, wie sehr man sich an diese Erzählungen gewöhnt hat, Gut gegen Böse, Welteroberung, wirre Diktatoren, schwarze Uniformen, Wunderwaffen. Und letztlich, dass die Wahrheit oft so absurd und bescheuert ist, dass SciFi niemals Schritt halten wird.

Vor allem der zweite Punkt scheint mir verblüffend: Könnte es sein, dass wenn nicht die Mehrzahl, dann zumindest eine große Zahl an SciFi-Geschichten Variationen der Geschichte Nazideutschlands und Hitlers sind? Und wenn das zumindest in Ansätzen stimmt, was macht das dann mit der Wahrnehmung des Dritten Reiches? Gibt es diese Menschen schon, die SciFi nicht mehr von Historie unterscheiden können?

Ja.

(Danke, Giles!)

14.07.2010

Braun werden

von Daniel Erk

A propos “Der Führer privat”:

(via Titanic)

14.07.2010

Der Führer privat

von Daniel Erk

Brillante Überschrift bei der Frankfurter Rundschau!

(Gefunden von Mainwasser auf Twitter/Bild Quelle)

13.07.2010

‘41 – ‘45

von Daniel Erk

Aufgeschrieben von formprim auf Twitter.

10.07.2010

“I will survive!”

von Daniel Erk

Man kennt diese Melodie, zu oft wurde sie gespielt, bei Abi-Partys und Straßenfesten. Es ist eines der Lieder, die garantiert irgendjemand auf die Tanzfläche zwingen und obwohl es ein melancholisches, niedergeschlagenes Lied ist, endet es – mittlerweile – einem großen Chor eines “Lalala”. Man liegt sich betrunken und verschwitzt in den Armen, denn wenn auch nichts gewiss ist, das Lied verspricht, dass man überleben wird – welchen Konflikt auch immer. Es ist, um es kurz zu fassen, ein abgegriffenes Lied, das nur noch die ganz Unsensiblen an irgendetwas erinnert. Und doch, in einem anderen Zusammenhang, sind da plötzlich starke Gefühle, Verwirrung, Freude – und Wut.

Das Lied, es ist das 1978 zu allererst von Gloria Gaynor veröffentliche “I will survive“, jene ewige Disco-Schmonzette, die von einer “Hermes House Band” Fußballstadion-tauglich gemacht wurde und wenn man es hier hört und sieht, dann läuft einem der kalte Schauer über den Rücken. Denn der “andere Zusammenhang”, von dem die Rede war, das ist der Holocaust, das sind diese Orte: Auschwitz, Dachau, Theresienstadt und Lodz.

Denn genau dort hat die australisch-jüdische Künstlerin Jane Korman ihre Familie, ihre drei Kinder, sich selbst sowie ihren 89 Jahre alten Vater, einen Holocuats-Überlebenden, tanzen lassen, zur Melodie von eben “I will survive” und all dies als Kunstwerk unter dem Titel “I Will Survive: Dancing Auschwitz” auf Video gebannt. Die Kontroverse war, darf man vermuten, Teil des Werks und auch wenn die Tanzschritte manchmal etwas unbeholfen sind, die Provokation, die saß.

Wie die israelische Tageszeitung Haaretz schreibt, waren viele Holocaust-Überlebende von Kormans Video geschockt und empfanden es als respektlos. In einem Interview mit “The Australian Jewish News”, bei der viele verärgerte Leserbriefe eingegangen waren, hatte Korman dies in keiner Weise abgestritten und stattdessen auf ihren Vater und dessen Sicht als Überlebender verwiesen: “Wir tanzen, wir sollten tanzen, wir feiern unser Überleben und die Generationen, die nach mir kommen, die Generation die mein Vater aufgezogen hat. Wir versichern uns unseres Daseins.”

Nichtsdestotrotz bleiben sowohl diese Sichtweise als auch die künstlerische Umsetzung delikat – immerhin sind Auschwitz und Theresienstadt nicht primär und ausschließlich Orte des Überlebens, sondern vor allen Dinge Orte des Verbrechens, des Mordes und Völkermordes und insoweit für eine Mehrheit der Angehörigen Orte der Trauer. Und auch wenn man aus Kormanns Werk unter anderem auch das Marius Müller-Westernhagen’sche Zitat “sollen tanzen auch auf Gräbern” als Erinnerung an das trotz allem Bösen Hoffnungsvolle heraushören kann, steht Kormanns “I Will Survive: Dancing Auschwitz” der deutsch-jüdisch-israelischen Erinnerungskultur doch diamentral entgegen. Wo sonst Trauer ist, ist Freude. Wo sonst Wut ist, ist Tanz.

Ob man dies richtig oder falsch findet, geschmacklos oder schlau, das soll jedem selbst überlassen bleiben. Möglicherweise gibt “I Will Survive: Dancing Auschwitz” nicht die richtigen Antworten auf die Frage des Wie der Erinnerungskultur, vor allem in der Zeit nach den Zeitzeugen – dennoch aber wirft “I Will Survive: Dancing Auschwitz” einige schwierigen, starken Fragen auf. Und all das, wer hätte es gedacht, zur Melodie dieses sonst so abgenudelten Hits aus den 70ern.

(via Haaretz)