30.06.2006 von Daniel Erk

„Dieser dunkle Stollen. Die Feuchte, die Kälte, die Stille. Und dann noch der modrige Geruch, die Tonnen von Schrott in jeder Ecke, in jedem noch so schmalen Gang.“
Eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte. Solange die Spannungskurve steigt, der Schauer schauert, solange es um nichts weniger als das Wohl der Welt geht, das Gute gegen das Böse kämpft und der Ausgang zur allgemeinen Beruhigung bekannt ist, sodass auch alle gut einschlafen, hernach – solange ist alles gut und richtig. Ob James-Bond-Film, ob Hollywood-Pathos-Schleuder, ob Melodram oder Actionschwachsinn, das ist da fast ein bisschen egal. Eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte – der historische Rahmen ist eher zweitrangig.
Das gilt auch für die schaurig-schönen Nazi-Action-Agenten-Schinken, die man in Spiegel und auf Spiegel Online immer wieder serviert bekommt. Wie dieser Tage die Geschichte über „Hitlers Wunderwaffe V2“, die Zwangsarbeiter im unterirdischen Konzentrationslager Mittelbau-Dora bauen… weiter lesen
29.06.2006 von Daniel Erk
Wie fast überall im Ausland kann man “Mein Kampf” auch im spanischsprachigen Raum käuflich erwerben, wobei “Mi lucha” zunächst etwas netter klingt, zugegeben. Ebenso aus Spanien kommt die Komödie “Ellos robaron la picha de Hitler”, zu deutsch: Sie haben die Eier von Hitler gestohlen. Details und mehr zu Hitlerfilmen im Allgemeinen in der taz. Noch mehr zu Hitler, Eiern und Schenkelklopferei hier.
28.06.2006 von Daniel Erk

Kurz vorneweg: Der bayrische Reggaemusikant Hans Söllner hat nicht nur Probleme mit der Polizei – sondern derletzt auch mit Adolf Hitler. Doch dazu gleich mehr, erst die Vorrede.
Eine us-amerikanische Comedyshow, deren Titel gerade nicht in Erfahrung zu bringen ist, gab es vor einiger Zeit einen ebenso smarten wie unterhaltsamen Beitrag über die steil stiegende Zahl der Hitlervergleiche.
Das Fazit: Ein Hitlervergleich ist für alle beteiligten eine Schmach. Für den, der verglichen wird, weil sich an Hitlers Verbrechensdimension allenfalls die Stalins und Pol Pots dieser Welt messen lassen müssen. Für den, der vergleicht, weil er historisches und politisches Unwissen offenbart. Und letztlich auf für Hitler, der sich mit vergleichsweise harmlosen Gestalten wie Bush, Blair, dem unliebsamen Nachbar und dem unsympathischen Arbeitskollegen gleichsetzen lassen muss. Davon abgesehen, dass ein Hitlervergleich die Ultima Ratio der inhatlichen Ahnungs- wie Hoffnungslosigkeit ist, nicht nur im Internet, wo man immerhin um Godwins… weiter lesen
28.06.2006 von Daniel Erk

“Frühling für Hitler” (Originaltitel: The Producers) heißt die “wilde Satire” (FR) über ein Hitler-Musical, das floppen und eben damit den Geldsegen bringen soll, die das Hessische Fernsehen heute Abend um 22.15 Uhr zeigt. Es ist Mel Brooks junges, stürmisches Erstlingswerk und war, obwohl das Drehbuch mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, zu Erscheinen weder bei Kritik noch Publikum ein übermässiger Erfolg. Trotz Die-Nanny-Darstellerin Renee Taylor als Eva Braun. Trotz!
(Vielen Dank für den sachdienlichen Hinweis an Björn)
27.06.2006 von Daniel Erk

Während Nazideutschland im historische Bewusstsein der Welt gerade in einem schwarz-rot-goldenen, ebenso sieges- wie bierestrunken wie fröhlichen und ungefährlich Farben- und Menschenmeer versinkt, erhebt es sich anderwo zu vollkommen neuen, ebenso dümmlichen wie befremdlichen Höhen.
Dass etwa in Fernost nicht nur das Hakenkreuz an sich, sondern auch der Führerhof von Busan seine Anhängerschaft findet, war bereits in verschiedenen, zumeist verwunderten Darlegungen nachzulesen. Dass aber Hakenkreuz und Hitler nun auch völlig losgelöst von Nazideutschland die asiatische Jugendkultur durchtreiben, das ist neu.
Wie man im fernöstlichen Animeblog The Battle Angel nachlesen kann, hat die Hitlerei nun auch in der Animekultur ihren kleinen, doch festen Platz gefunden – und zwar schlicht als Inbegriff des Bösen, auf Augenhöhe etwa mit dem „Teufel“, der hierzulande in früheren Zeiten durchaus ein konkretes Böses war, heutzutage jedoch lediglich noch in Wendungen und Bildern als Schlechtes schlechthin Verwendung findet. Konkret geht es um (auch… weiter lesen
26.06.2006 von Daniel Erk
Der Mainzer Trainer und ZDF-Sonnenschein Jürgen Klopp ist, offenbar, von der Deutschlandeuphorie derart in Beschlag genommen, dass er das Zählen verlernt hat – das Zählen bis drei. Alle anderen Deutungen jedenfalls sind politisch erheblich problematischer und historisch belastend.
Denn wie anders soll man Klopps Äußerung im Zweiten deuteln, er freue sich, mit 70.000 Fans im Stadion mal die eigene Hymne „von der ersten bis zur letzten Strophe singen zu können“. Wie dankbar war da der deutsche Fußballfan vor dem Fernseher, dass Johannes B. Kerner ad hoc interventierte: „Nur die dritte, wir singen … “. Und wie dankbar war da auch die Welt Kompakt, endlich mal wieder hinter dem Schutzschildchen der Ironie alle drei Strophen auf die letzte Seite der letzten Donnerstagsausgabe drucken zu dürfen.
Die Debatte läuft derweil weiter. Zum Einen, weil Wolfgang Thierse beim Nachzählen ebenfalls zu wenig Strophen fand – und zum Anderen, weil Hans Zippert einen… weiter lesen
26.06.2006 von Daniel Erk

Während sich das restliche Wochenblatt über den endlich! lockeren! (besser nicht: befreiten) Umgang mit nationalen Symbolen nach „12 dunklen Jahren“ und weiteren 60 Jahren Enthaltsamkeit in Deutschland freut bzw. ärgert, ist in der Zeit dieser Woche unter der Rubrik „Das politische Buch“ ein weiteres Kapitel der Endlosserie „Hitler und“ zu lesen. In dieser Folge: Der Adel.
Besprochen wird Lothar Machtans neueste Veröffentlichung „Der Kaisersohn bei Hitler“, das die Rolle des deutschen Adels zwischen Kaiser- und „Drittem Reich“ zu analysieren sucht. Dass neben den Arbeitern und Konservativen auch der Adel dem Nationalsozialismus anheim fiel, ist indes wenig überraschend. Interessanter scheint, wie und warum dies vor allem im Falle Prinz August Wilhelm von Preußen geschah.
Besonders interessant aber ist der Autor. Der nämlich hatte zuletzt, 2001, mit „Hitlers Geheimnis“ für größeres Aufsehen gesorgt – als er zu belegen versuchte, dass Hitler nicht nur schwul gewesen sei, sondern dass dies auch… weiter lesen
23.06.2006 von Daniel Erk

Große Überraschung: Auch im dritten Reich wurde Musik gehört und gemacht. Böse Menschen singen keine Lieder? Von wegen. Und auch nicht immer krakeelen sie derart neben der Spur dass Sieges- oder wahlweise Alkoholtrunkenheit ad hoc zu erkennen sind. Dennoch: Mit viel Berechnung, Ideologie und Idiotie Musik im totalitären Nazismus eingesetzt wurden, wie sehr die Instrumentierung zur Instrumentalisierung wurde, das ist im Detail durchaus interessant.
Nur bis kommenden Sonntag noch ist die viel gelobte Ausstellung „Das »Dritte Reich« und die Musik“ im Schloss Neuhardenberg in Neuhardenberg außerhalb von Berlin zu sehen. Die vom französischen Institut Cité de la Musique konzipierte Ausstellung behandelt von Hitler bei den Bayreuther Festspielen bis „Lili Marleen“ auf dem „Soldatensender Belgrad“, von der 1938 realisierten Ausstellung „Entartete Musik“ bis zu Swingkapellen und Symphonieorchester in Konzentrationslagern viele Aspekte des Themas. Mehr zur Ausstellung im Pdf-Führer – und ganz andere, doch interessante Zusammenhänge per Googlesuche zu… weiter lesen
22.06.2006 von Daniel Erk

Im Vorspann zu seinem ersten Adolf-Comic schrieb Walter Moers: Der eigentlich Grund, Adolf Hitler zu zeichnen sei, dass Hitler so einfach wäre: Nase, Augen, Mund, die Frisur, der Bart – fertig. Kann jedes Kind, erkennt jedes Kind.
Und offenbar auch jede Katze bzw. jeder Katzenhalter, wie diese absurde Sammlung vierbeiniger Hitlerwidergänger zeigt. Die Katz-und-Maus-Darstellung im Nazizusammenhang kennt man indes aus einem ganz anderen Kontext: Aus Art Spiegelmans mehrfach ausgezeichnete, Holocaust-Comic „Maus“, in dem der jüdische Autor und Comiczeichner die Juden als Mäuse, die Nazis als Katzen darstellt.
Gäbe es ein besser organisierte Katzenlobby, man könnte sich des Protestes samt „Katzen sind keine Nazis“-Transparent gewiss sein. Aber vielleicht sollte man es besser nicht beschwören.
22.06.2006 von Daniel Erk