Just kidding, Mr Klinsmann!
von Daniel Erk
Kaum ein Land Europas hat die Wandlung Deutschlands zur langweiligen Post-Wende-BRD so schlecht verkraftet wie England. Beinahe liebevoll muss man die Art und Weise nennen, in der englische Boulevardpresse, englische Pubtrinker und Fußballfans einem Deutschland die Treue halten, dass jenseits des Kanals nur noch in Geschichtsbüchern und ostdeutschen Provinzstädten zu finden ist.
Neuester Streich: Die inoffizielle, englische WM-Hymne „Who Do You Think You Are Kidding Jurgen Klinsmann“, ein flotter Marsch (den man hier anhören kann), in Sinne und Humor durchaus auf Augenhöhe mit Privat-TV-Comedy.
Von der englischen Boulevardzeitung „The Sun“ unterstützt sind The Tone Deaf Allstars, zu denen unter anderem Geoff Hurst aus der englischen Wembley-Elf von ’66 zählt, bereits in die britischen Charts eingestiegen.
Es wurde wenig ausgelassen, was sich an hitlerdeutschem Klischeegut auftrieben lässt: Im zugehörigen Video (und im bereits existierenden Plagiat) kommen allerlei Weltkriegsuniformen, Feldzugslandkarten und Luftangriffssirenen zum Einsatz, Weltkrieg und Weltmeisterschaft sind da mehr oder minder nur zwei Variationen der deutsch-englischen Auseinandersetzung. Der Rezensent der britischen Yahoo-Ausgabe spricht sehr adäquat von „tongue in cheek xenophobia“.
Denn bei „Who Do You Think You Are Kidding Jurgen Klinsmann“ handelt es sich, wie bei so vielen Charterfolge der vergangenen Jahre, um das Remake eines Hits aus den 70ern, der damals die Erkennungsmelodie der britischen Weltkriegscomedyserie „Dad’s Army“ war – unter dem Titel “Who Do You Think You Are Kidding Adolf Hitler”. Chapeau! Ein impliziter Hitlervergleich über Bande! Soviel Understatement und Feinsinnigkeit hätte man den Holzern von der Sun und ihren Lesern gar nicht zugetraut.
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wie originell:ein lied über hitler und die deutschen.das gabs ja noch nie….mehr hät ich den briten auch nicht zugetraut
((
dämlicher scheiss
schon ziemlich dämlich, allerdings ist 54,74,… (ICH WILL ES NICHT MAL TIPPEN!) immerhin auch von “Sportfreunde Stiller” (“SS”, sic!).
Zur Aufklärung: Dad’s Army ist lediglich eine satirische Comedyserie über dem Heimatschutz im Zweiten Weltkrieg. Dass Mr. Hitler nun als Opfer dessen herhalten musste, nun das muß ja die “Prominenz” ja eh in den britischen Medien, Meinungs- und Pressefreiheit sind auf der Insel weniger den sozialen Zwängen unterworfen als es hier der Fall ist.
Es wundert mich schon, dass Herr Erk die satirische Komponente in dem Lied nicht ein wenig mehr zum Vorschein gebracht hat, zumal die Satire ihm doch in seinem journalistischen Dasein als Grundlage dient.
Für die Allgemeinheit: Erinnern wir uns – im Vergleich – an die Parole “Du bist Deutschland” oder die Wahlparole von Henry Nitzsche “Arbeit, Familie, Vaterland”. Seht ihr das auch als implizierter NS-Vergleich oder unterliegt das dann der “Schwamm drüber” Mentalität?
Bleiben wir also dabei – Satire und Ironie sind Bestandteil des täglichen Lebens. Wie wichtig das ist, merkt man wohl erst wenn es nichts mehr zu lachen gibt.
Kurz angemerkt:
Sehr scharfsinnig Heiner, deine Beobachtung über die Abkürzung. Ich mußte schmunzeln.
Herr Herrmanns, leider durchgefallen wegen fehlender Weitsicht. Den Briten kann man schon einiges zutrauen.